Fast drei Monate haben wir letztes Jahr von August bis November in Kolumbien verbracht, der bis dahin längste Aufenthalt in einem lateinamerikanischen Land.

Wir haben uns überall rumgetrieben, alle Vegetations- und Klimastufen erkundet und waren an allen Küsten und trotzdem würde es immer noch viel zu entdecken geben in dem für uns bislang spannendsten und abwechslungsreichsten Land in Südamerika.

Vielleicht liegt das auch daran, dass man mittlerweile sehr viele Landesteile bereisen kann, die bislang auf Grund des Bürgerkrieges nicht oder nur teilweise zugänglich waren.

Das erste mal Fuß auf kolumbianischen Boden gesetzt, habe ich – Anika war zu diesem Zeitpunkt auf „Heimaturlaub“ – im äußersten Süden des Landes, im Dreiländereck mit Brasilien und Peru.

Leticia heißt die kleine Stadt, mitten im Dschungel, am großen Amazonas Strom, die ich von Peru aus kommend erreicht habe.

Das Cargo Boot, was auch Passagiere mitnimmt, legt auf der anderen Seite des Flusses an in Santa Rosa.

Ein kleiner Grenzort, der über mehr Bars und zweifelhafte Lokalitäten als Einwohner verfügt und vor allem an Wochenenden von Grenzgängern besucht wird.

Nachdem endlich die Immigration geöffnet hatte – es war früher Sonntag morgen – habe ich mich ordnungsgemäß aus Peru ausstempeln lassen, um danach auf die andere Seite des Flusses überzusetzen.

Ich bin dann in Leticia am „Flusshafen“ angekommen und nachdem ich eine Unterkunft gefunden habe, zum Flughafen gegangen.

Dort befindet sich die kolumbianische Immigration, wo ich ohne Umstände ein dreimonatiges Visum erhalten habe.

Dass die Einwanderungsbehörde am Flughafen ihr Büro hat, ist kein Zufall.

Leticia ist prinzipiell nur über die Luft mit dem Rest von Kolumbien verbunden. Die nächste Straße, die diesen Namen annähernd verdient, ist über 800 Kilometer entfernt.

Dazwischen liegt nur die „grüne Hölle“.

Die Stadt ist also nur über den Fluss und die Luft mit der Außenwelt verbunden.

Die Grenze zu Brasilien ist innerhalb des Stadtkonglomerats fließend und man ist unversehens in den brasilianischen Teil der Stadt – die brasilianische Stadt heißt Tabatinga – gelaufen, ohne dass man das bemerkt.

Einer der ersten Eindrücke bezüglich des Charakters der Kolumbianer war eine große Entspanntheit.

Am Anfang war ich geneigt, diesen Gemütszustand mit der allgemeinen Trägheit der Tropenbewohner gleichzusetzen, was aber ein Fehler gewesen wäre.

Die Kolumbianer sind im Großen und Ganzen ein sehr entspanntes, unaufgeregtes Volk, trotz (oder gerade wegen?) ihrer wechselvollen – oft blutigen – Geschichte der innenpolitischen Auseinandersetzungen.

Ein weiterer kolumbianscher Wesenszug ist die freundliche, offene, zurückhaltend-neugierige Art der Menschen Fremden gegenüber.

Überall in Südamerika wurde uns gesagt, dass „nach oben hin“ (geografisch gemeint) die Menschen herzlicher werden.

Diese allgemeine Einschätzung anderer Reisender können wir uns anschließen.

Kolumbien ist mit Abstand das freundlichste, herzlichste und leidenschaftlichste Land in Südamerika auf unserer bisherigen Reise gewesen.

Bei dieser Einschätzung sind allerdings zwei wesentliche Feststellungen zu treffen.

Erstens waren wir noch nicht in allen südamerikanischen Ländern; Brasilien, Venezuela und „die Guyanas“ fehlen noch.

Zweitens sollen damit auch nicht die anderen „Latinos“ als unfreundlich oder garstig abgetan werden.

Vielmehr sei damit nur gesagt, dass die Herzlichkeit und Unbekümmertheit ein wesentlicher und auffälliger Wesenszug der Kolumbianer ist.

Weiterhin auffällig war die große Präsenz an Sicherheitskräften. Das sollte ebenfalls fast überall in Kolumbien so bleiben.

Kolumbien gilt zwar als „gefährliches“ Land, resultierend aus dem jahrzentelangen Bürgerkrieg und den Aktivitäten der Drogenmafia, aber das ist für den Reisenden heute kaum zu spüren.

Wir waren allerdings auch zu einer Zeit anwesend, wo langen Verhandlungen vorausgehend, der Friedensvertrag zwischen dem Staat und den Bürgerkriegsparteien, endlich zu einem Abschluss kommen sollte und die allgemeine Sicherheit größer wurde.

In keinem anderen südamerikanischen Land haben wir bisher eine so hohe Anwesenheit von Polizei beobachten können wie in Kolumbien.

Es handelt sich zwar oft und auffälligerweise um „halbwüchsige“ junge Männer, die meistens unbewaffnet und in olivgrüner Uniform und gelber Warnweste eigentlich „nur“ Präsenz zeigen, aber erstens langt das, um die gefühlte Sicherheit zu erhöhen und zweitens ist es wahrscheinlich aus staatlicher Sicht besser den jungen Kerlen eine Uniform zu geben und ihnen ein bescheidenes, aber regelmäßiges Gehalt zu zahlen, anstatt sie auf „der anderen Seite“ mit Kalaschnikows in der Hand im Dschungel verschwinden zu sehen.

Insgesamt scheint das Verhältnis zwischen Polizei/Militär und Bevölkerung ein recht entspanntes zu sein und die Uniformierten genießen ein recht hohes Ansehen in der Bevölkerung, da sie für Schutz sorgen vor Farc, Mafia und Paramilitärs.

Selbstverständlich gab es viele (Kriegs)Verbrechen und Grausamkeiten während des jahrzehntelangen Kampfes, aber heute scheint die Mehrheit der Bevölkerung froh zu sein über die Präsenz der Staatsmacht, die Sicherheit und Ruhe garantiert.

Die kolumbianischen Polizisten waren bisher die freundlichsten und hilfsbereitesten Sicherheitskräfte auf dem ganzen Kontinent.

Überall auf den Überlandstraßen sind Checkpoint eingerichtet und wenn der Bus nicht angehalten und die Passagiere kontrolliert werden, ist es zumindest standard, dass die Soldaten mit einem nach oben gereckten Daumen den Fahrern signalisieren, dass die Straße sicher ist und die Fahrer den Soldaten mit der gleichen Geste dafür danken, dass sie ihren Dienst versehen.

Durch diesen ganzen Sicherheitsapparat und die große Zahl Uniformierter, haben wir uns vollkommen sicher gefühlt während unseres Aufenthaltes in Kolumbien.

Natürlich war die Situation eine ganz andere im Vergleich zu den vielen Jahren und Jahrzehnten davor, wo Entführungen, Erpressungen, Bedrohungen und Gefechte zwischen den Kriegsparteien alltäglich waren.

Während unseres Aufenthaltes und auch eine Zeit lang davor herrschte bereits ein Waffenstillstand zwischen dem Staat und den Farc, die durch die Politik des vorherigen Präsidenten massiv unter Druck geraten sind.

Nach ein paar Tagen der „Akklimatisierung“ an Kolumbien bin ich in die Hauptstadt, Bogota geflogen und direkt vom Flughafen an das Busterminal und aus dem großen Moloch „geflüchtet“.

Ein paar Stunden nordwestlich von Bogota habe ich in dem kleinen Kolonialstädtchen Villa de Leyva auf Anikas Rückkehr gewartet.

In der kleinen Stadt, die zur Zeit der spanischen Eroberungen gegründet und den kolonialen (Vize)Königen und ihrem Hofstaat als Erholungsort gedient hat, hat es sich gut aushalten lassen.

Da der Ort schon recht früh zum nationalen Denkmal ernannt wurde, dominieren immer noch Kopfsteinpflaster und einstöckige Steinhäuser den Ortskern mit seiner großen „Plaza“ vor der Kathedrale.

Auf dem selbigen versammelt sich an den Abenden und am Wochenende die Bevölkerung und die Touristen – vor allem die einheimischen Touristen aus der Hauptstadt – zum Müßigang und dem ein oder anderen Bier.

Villa de Leyva hat neben frischer Luft, Ruhe, Gemächlichkeit und vielen Cafes, Restaurants und Kunsthandwerksläden auch in seinem näheren Umfeld recht viel zu bieten.

Von Fossilien über einen archaischen „Sonnenkalender“ a la Stonehenge bis hin zu Nationalparks, in denen man die Paramo Vegetation besichtigen kann.

Der Paramo ist eine Vegetationsform der Tropen in den Gebirgen (3200 bis 4800 Höhenmetern), vor allem in den Anden.

Auf dem sonntäglich stattfindenden Markt, kann man die im Umland erzeugten Produkte von den Campesinos kaufen. Das eine Patrouille schwer bewaffneter Soldaten Präsenz zeigt, ist Anfangs ein ungewönlicher Anblick.

Irgendwann wird die Anwesenheit von Soldaten und Polizisten zur Gewohnheit.

Die Farc hatte in der Vergangenheit immer wieder im ländlichen Raum Überfälle verübt, um die Bevölkerung einzuschüchtern oder zu einer Kooperation zu bewegen.

Ursprünglich wurden die „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee“ (FARC) zur Selbstverteidigung der ländlichen Bevölkerung gegen die Willkür der Großgrundbesitzer gegründet, um in der Zeit der „Violencia“ gegen die konservativen Kräfte und den Staat die Unabhängigkeit der verschiedenen „Bauernrepubliken“ zu bewahren.

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ist die FARC allerdings immer mehr von einem – zwar gewalttätigen, aber effektiven – Hoffnungsträger der einfachen, ländlichen Bevölkerung zu einem Alptraum für Kolumbien geworden.

Ehemals höhere Ziele wie die Errichtung einer (marxistisch) klassenlosen Gesellschaft und Verbesserung der sozio-ökonomischen Lebensbedingungen der Menschen wurden im Laufe der Zeit eingetauscht gegen „Gewinnmaximierung“, Mordlust und einem Festhalten am Zustand des Bürgerkrieges.

So wurden einstige Weltverbesserer zu Mördern, Entführern und Drogenschmugglern.

Die Bewegung hat viele Höhen und Tiefen mitgemacht und galt bis heute als größte Guerillabewegung in Lateinamerika.

Nach langen Verhandlungen und dem Versuch den Konflikt militärisch zu lösen, hat sich schließlich 2016 eine friedliche, vertragliche Einigung herauskristallisiert, die allerdings in einem Referendum vom kolumbianischen Volk abgelehnt wurde.

Wir waren während dieser Zeit in Kolumbien und haben das alles vor Ort mitbekommen.

Es gibt viele Gründe warum der Friedensvertrag abgelehnt wurde. Ein Hauptgrund war die allgemeine Unzufriedenheit der Menschen mit der politischen Klasse in ihrem Land, die sich noch ungenierter und hemmungsloser bereichern als in anderen Ländern.

Mittlerweile wurde der Friedensvertrag überarbeitet und ohne Zustimmung des Volkes in beiden Kammern des Parlamentes ratifiziert.

Offiziell beginnt also jetzt eine „Übergangszeit“ in Kolumbien und Frieden scheint auf den ersten Blick eingekehrt zu sein.

Allerdings haben sich nicht alle FARC-Kämpfer dazu bereit erklärt den bewaffneten Kampf aufzugeben und die schließen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit einer anderen bewaffneten Gruppe an.

Zudem gibt es immer noch rechtsgerichtete Paramilitärs, die in den Drogenhandel verstrickt sind und auch die kolumbianischen Drogenkartelle sorgen weiterhin für unsichere Zeiten.

Der Weg, den Kolumbien jetzt eingeschlagen hat, mag auf den ersten Blick richtig erscheinen, allerdings wird das Land noch über Jahrzehnte mit seiner Vergangenheit -und deren Aufarbeitung- beschäftigt sein und muss sich den gegenwärtigen Aufgaben und Problemen stellen.

Anfang September bin ich dann nach Bogota gefahren und hab Anika am Flughafen abgeholt und wir haben uns Bogota angeschaut.

Die Geschichten und Storys über die Stadt waren wie immer wieder viel schlimmer, als die Realität gezeigt hat.

Der Großraum Bogota bildet einen der am stärksten besiedelten Ballungsräume in ganz Südamerika.

Die „Altstadt“ von Bogota ist relativ überschaubar und wenig spektakulär. Andere Teile der Stadt sind sehr modern und international.

Da die „Altstadt“ auch gleichzeitig das Touri-Ghetto beherbergt und an zwei Seiten einem slumähnlichen Viertel angrenzt, ist das Sicherheitsaufgebot sehr groß.

Nicht nur Polizei und Militär sorgen für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, sondern auch zahlreiche kommunale und private Sicherheitsdienste mischen in dem big business mit.

Mit „Sicherheit“ und der gefühlten Angst lassen sich Milliarden verdienen. Nirgendo merkt man das besser als in Kolumbien.

Es gibt ein paar interessante Museen und kulturell wertvolle Einrichtungen, aber im großen und ganzen ist die Stadt eher ein uninteressanter Moloch – nicht unbedingt per se unschön, aber irgendwie unfertig – den man nicht wirklich besuchen muss, um Kolumbien zu verstehen oder kennenzulernen.

Die anderen großen Städte, beispielsweise Medellin, sind da um einiges interessanter.

Kolumbien besticht in erster Linie durch seine abwechslungsreiche und vielseitige Natur.

Es gibt wüstenhafte Gebiete, pampaähnliche Steppen, Regenwald und Dschungel, bis zu 5000 Meter hohe Berge, Gletscher, Küsten an zwei verschiedenen Ozeanen, Mittelgebirge in denen Kaffee und Kakao angebaut wird und noch viel mehr.

Kolumbiens Natur war für uns mit Abstand die interessanteste in ganz Südamerika – soweit.

Die kleinen Städtchen und Dörfer, der ländliche Raum sind der wirkliche Kultur- und Mentalitätsträger des Landes. Dort ist die Seele des kolumbianischen Volkes zu Hause.

Es gibt Orte, die sind genauso als ob sie einer Beschreibung von Gabriel Garcia Marquez entsprungen wären.

Oder konnte er nur so schreiben, weil er in Kolumbien gelebt hat?!

Unsere spanischkenntnisse haben sich von Land zu Land angepasst und Kolumbien ist ideal um Spanisch zu lernen, da ein relativ reines Spanisch gesprochen wird.

In jedem Land gibt es andere Ausdrücke und Redewendungen, die charakteristisch sind.

Bezüglich den sprachlichen Eigenheiten der Lateinamerikaner lässt sich aus unserer Sicht folgendes feststellen:

1. Nein, chilenisch ist kein spanisch.

und

2. In Argentinien spricht man spanisch mit italienischer Aussprache, Melodie und Theatralik und überhaupt sind die Argentinier die Italiener Südamerikas.

In Kolumbien sind wir sprachlich relativ gut klargekommen.

Nach der Hauptstadt sind wir in die „Kaffeezone“ des Landes gefahren.

Salento ist ein typisches Städtchen in der „Zona Cafetera“.

In jeder kolumbianischen Stadt gibt es im Stadtzentrum einen zentralen Platz, meistens „Plaza Bolivar“ oder „Plaza de Armas“ genannt.

Insgesamt sind die Latinos nicht besonders kreativ was ihre Namensgebung für Straßen und Plätze angeht, sodass die Kolumbianer fast ganz darauf verzichten und ihre Straßen numerisch in „Avenidas“ und „Calles“ (nordsüd und ostwest) einteilen.

Um eine Adresse anzugeben, benennt man also die jeweilige Straße und gibt an zwischen welchen beiden anderen Straßen sich das Gebäude oder Grundstück befindet.

Die Landschaft im nahegelegenen Cocora-Tal ist geprägt durch die sehr großen und spindeldürren Wachspalmen, die auch in Kolumbiens Wappen zu sehen sind.

Wir haben einige Wanderungen in dieser Gegend unternommen.

Es wäre durchaus möglich gewesen – wie in ganz Kolumbien – in den Dörfern einen Einheimischen zu finden und mit Pferden oder Mulis ein paar Tage in den Bergen zu verschwinden.

Diese Art der Unternehmungen kann man überall in Kolumbien vor Ort selbst organisieren und muss nicht unbedingt viel Geld dafür ausgeben.

In Salento – wie in der restlichen „Kaffeezone“ (die in klimatisch angenehmer Höhe liegt; etwa um die 2000 Höhenmeter) – ist der Alltag beschaulich und es lebt sich mit den Bequemlichkeiten der Moderne, aber immer noch mit althergebrachten traditionell überlieferten Methoden. Pferde und Maulesel gehören in Kolumbien zum täglichen Straßenbild.

Kaffeebeeren werden vor den Häusern, auf der Straße und den Wegen, zum Trocknen in die Sonne gelegt.

Die meisten Kaffeebauern sind genossenschaftlich organisiert und vermarkten ihre Produkte selbst.

Die große US-Kaffeehaus-Kette, die den gleichen Namen trägt wie der erste Offizier aus Melvilles Moby Dick, hat in Kolumbien keine Chance Fuß zu fassen.

Mit „Juan Valdez“ gibt es ein einheimisches Unternehmen, das genossenschaftlich angebauten Kaffee in ebenso schicken und gemütlichen Etablissements verkauft und dort kann man auch kabellos ins Internet.

In den Stunden des späten Nachmittags erwacht Kolumbien immer zum Leben.

Meistens treffen sich die Menschen auf den Plätzen vor der Kathedrale und in Parks, wo auch immer Verkäufer mit mobilen Ständen alle möglichen Snacks verkaufen.

Maiskolben werden gerne gegessen, aber auch Zuckerwatte und Popcorn gibts immer und überall zu kaufen.

Außerdem gibts es immer „Raspados“ zu kaufen. Dabei handelt es sich um „geraspeltes“ Eis, das mit einem „Hobel“ oder einer anderen Vorrichtung von einem großen Eisblock „abgeschabt“ wird und dann mit Sirup versüßt wird.

Gibts unter verschiedenen Namen und auch in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern zu kaufen.
Nachdem wir die Kaffeezone verlassen haben, sind wir Richtung Süden gefahren, um an die Pazifikküste zu gelangen.

Auf dem Weg an die Küste haben wir einen Abstecher nach San Cipriano gemacht, einem kleinen Ort an einem Fluss, der nur über Gleise erreichbar ist, die mit umgebauten Motorrädern befahren werden.

Diese Art der Beförderung hört sich nicht nur waghalsig an, sie ist es auch.

Dies ist mit ein Hauptgrund diesen Ort zu besuchen.

Bewohnt wird er vor allem von Nachkommen afrikanischer Sklaven, die ursprünglich auf spanischen Plantagen arbeiten mussten und nach ihrer Flucht und/oder Freilassung Dörfer gegründet haben, wo sie unter sich bleiben konnten.

Der neben dem Dorf fließende Fluss ist am Wochenende Ausflugsziel der Einwohner von Buenaventura, einer großen und wichtigen Hafenstadt an der kolumbianischen Pazifikküste.

Dort sind wir dann als nächstes hin gefahren und haben von dort ein kleines Boot genommen, um weiter die Küste entlang zu fahren und einen Fischerort zu erreichen, von wo aus man Wale beobachten kann, die sich in gewissen Zeiten des Jahres vor der Küste rumtreiben.

Es gibt nur zwei oder drei Städte an der fast 1500 Kilometer langen Pazifikküste, die wegen ihres feucht-heißen Klimas (durchschnittlich bis zu 10 Meter Regen pro Quadratmeter im Jahr) und ihres bergig-sumpfigen Terrains kaum bewohnt und erschlossen ist.

Riesige Landesteile Kolumbiens sind auf Grund ihrer Undurchdringlichkeit menschenleer und schwer zugänglich. Viele Teile der Llanos (Pampa im Osten), des Amazonasgebiets und der Darien-Region (Grenze zu Panama) sind immer noch „Wilder Westen“.

Kolumbien bleibt in weiten Teilen immer noch ein wildes Abenteuer für mutige Entdecker.

Von dem kleinen Küstenort Ladrilleros haben wir das vor der Küste liegende Meeresschutzgebiet besucht und von einer kleinen motorbetriebenen Barke aus Buckelwale beobachtet.

In einer kleinen Nussschale sitzend, auf dem bleigrauen, wolken- und nebelverhangenen Ozean treibend, sämtliche Orientierung verlierend, da Meer und Himmel eins zu sein scheinen, wird man plötzlich von einem lauten Schnauben in die Wirklichkeit zurück geholt und man sieht plötzlich diese riesigen Meeressäuger.

Ein einmaliges Erlebnis, diese majestätischen Giganten in seiner Nähe zu wissen!

Am Abend haben wir dann von den durchschnittlich 10 Meter Niederschlag was abbekommen.

Ein klassischer tropischer Gewittersturm, mit ohrenbetäubendem Donner und sekundenlang hell leuchtenden Blitzen, der fast die ganze Nacht gedauert hat.

Wer die Kraft der Natur noch nicht in solchen Ausmaßen erlebt hat, der kann sich das nicht vorstellen.

Der Strom war dann in der Nacht schon plötzlich weg und ist auch nicht mehr gekommen solange wir dort waren.

Nach einer abenteuerlichen Rückfahrt nach Buenaventura in einem „Speedboat“, das den großen Wogen – bedingt durch den Sturm in der Nacht davor – nur knapp entkommen konnte, haben wir uns auf den Weg nach Cali gemacht.

Die drittgrößte Stadt des Landes und wirtschaftliches Zentrum im Süden Kolumbiens ist nur 150 Kilometer von der Küste entfernt. Der Weg dorthin dauert einen halben Tag.

Dass man für kurze Strecken relativ lange braucht, ist in Kolumbien normal.

Der Staat investiert im Moment Milliarden Dollar in unzählige Großprojekte, die die Verkehrsinfrastruktur verbessern sollen, was auch schon in vielen Fällen geschehen ist.

Die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden die Transportwege in Kolumbien verbessern und die Fortbewegung im Land vereinfachen und beschleunigen.

Cali war für uns nur eine Durchgangsstation, wo wir uns recht kurz aufgehalten haben. Es gibt nicht wirklich was Besonderes. Wer will kann Salsa tanzen und spanisch lernen. Aber das könnte man auch sonst überall in Kolumbien.

Wir sind weiter in die Provinz und haben uns in der Stadt Popayan niedergelassen.

Die Altstadt mit der kolonialen Architektur ist recht schön und beschaulich. Leider ist nicht mehr so viel übrig, da ein starkes Erdbeben 1983 weite Teile der Stadt zerstört hat.

Wir haben von dort ein paar Ausflüge in die Paramo Vegetation unternommen und sind schließlich weiter nach Tierradentro, einer schwer zugänglichen Region in den Zentralkordilleren.

Der Weg dorthin hat uns über schmale Serpentinenstraßen geführt und an einer Stelle mussten wir eine große Bogenbrücke zu Fuß überqueren, da ein schwerer Erdrutsch dass tausende Tonnen schwere Konstrukt ein wenig verschoben hat.

Was auch immer wieder vorkommt in Kolumbien, ist dass die Straße mal kurzfristig vor einem gesperrt wird, um politischen Druck auszuüben.

Ein oder zwei Lastwagen werden quer gestellt, ein Transparent entrollt und per Megaphon eine Erklärung verlesen.

Diese Methoden der Direkten Aktion sind sehr wirksam, da sie die politischen Forderungen in die zwangsweise vorhandene Öffentlichkeit kommunizieren.

Nach einer langen Anfahrt waren wir dann in einer einstigen Hochburg der FARC, die in den Bergen Coca angebaut und Waffen versteckt hat.

Die gebirgige Region ist landschaftlich wunderschön und in den kleinen Dörfern geht das Leben seinen gemächlichen Gang, reines kolumbianisches Landleben.

Die Leute sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.

Das Highlight ist der archäologische Park, der über mehrere Gebirgskämme verteilt ist und zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.

In dieser wichtigsten archäologischen Fundstätte Kolumbiens sieht man in den Fels getriebene Schachtgräber der wenig bekannten Tierradentro Kultur, die dort vor Jahrhunderten gelebt hat.

Die unterirdischen Grabkammern sind teilweise mit schwarzer, roter und weißer Farbe verziert, die immer noch zu sehen ist.

Nach ausgedehnten Wanderungen in der Umgebung sind wir zu einer weiteren, bekannteren archäologischen Stätte Kolumbiens gefahren, nach San Agustin.

In der kleinen Stadt, die ebenfalls in den Bergen gelegen ist, wo auch Kaffee angebaut wird und die ein wichtiger Korridor für die FARC Rebellen ist, die Kokain von der Amazonas-Gegend an die Pazifikküste transportieren, finden sich Überreste – vor allem Steinfiguren – einer geheimnisvollen Kultur.

Schon 300 Jahre vor unserer Zeitrechnung haben sich Menschen zu einer Gemeinschaft dort zusammengeschlossen und überaus beeindruckende Steinfiguren und Stelen hinterlassen.

Ab dem 7. Jahrhundert kamen dann noch Goldschmiedeerzeugnisse und verfeinerte bildhauerische Erzeugnisse hinzu.

Der archäologische Park in San Agustin ist sehr umfangreich auf mehrere Fundorte aufgeteilt und man sollte einige Tage einplanen, um sich ausgiebig umschauen zu können.

Da das ländliche Umland zudem mit einer schönen Vegetation aufwartet, fällt das nicht schwer.

Einer der größten Flüsse Kolumbiens, der Rio Magdalena entspringt unweit von San Agustin und erstreckt sich über 1500 Kilometer durch die Kordilleren bis er schießlich in die Karibik mündet.

In San Agustin ist er ein wilder, reißender, gefährlicher Gebirgsbach; eng eingepfercht zwischen massiven Felswänden.

Nachdem der Italiener Agostino Codazzi Mitte des 19. Jahrhunderts die archäologischen Figuren „wiederentdeckt“ hatte, wurden viele fruchtbare Grabungen durchgeführt.

Auch deutsche Archäologen, beispielsweise Konrad Theodor Preuss, haben an der „Wiederentdeckung“ sehr intensiv mitgewirkt.

Auf jeden Fall ist der Ort und die Überbleibsel dieser vergangenen Kultur sehr besonders und ohne Zweifel einen Besuch wert.

Wer in Kolumbien ist, sollte sich die Figuren der San Agustin Kultur anschauen!

Danach sind wir in die Wüste gegangen….

…wo wir 40 Tage geblieben sind und vom Teufel versucht wurden.

Nein, das ist eine andere Story in einer anderen Inkarnation, in einem anderen Raum-Zeitlichen Kontinuum. Sorry!

Allerdings waren wir wirklich in einer Wüste, der „Desierto de la Tatacoa“ (Tatacoa Wüste), die nur 330 Quadratkilometer klein ist, aber genauso trocken und heiß wie eine der „Großen“.

Die Tatacoa liegt nur 3 Grad nördlich des Äquators und im doppelten Regenschatten zweier Gebirgsketten.

Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei über 28 Grad Celsius.

Was gibts dort zu sehen?

Man hat das Wüstenerlebnis und wunderschöne Sonnenuntergänge.

Glasklare Nachthimmel – es gibt dort auch eine relativ große Sternwarte – mit unzählbaren Sternen.

Die Erosion lässt Canyons entstehen und vergehen und dazwischen stehen riesige Kakteen.

Die Landschaft ist atemberaubend surreal.

Der Aufenthalt hat uns außerdem als willkommene Zwischenstation, auf dem Weg nach Norden gedient.

Nach einer langen Fahrt und einer Übernachtung in Manizales (wieder in der Zona Cafetera) sind wir dann in Medellin angekommen.

Allein der Name löst bei den meisten Menschen irgendwelche Assoziationen aus.

Die zweitgrößte Stadt Kolumbiens hat es teilweise zu trauriger Berühmtheit gebracht.

So war sie nicht nur Namensgeber eines der größten Drogenkartelle der Welt, sondern auch Aufenthalts – und Todesort von Pablo Escobar und hat jahrelang die Mordstatistik der „gefährlichsten Städte“ der Welt angeführt.

Mittlerweile hat sich die Stadt – die immer schon sehr innovativ war und wirtschaftliches Zentrum des Landes – allerdings sehr zum Besseren gewandelt.

Unter anderem wurde die Stadt zur „innovativsten Stadt des Jahres“ ausgezeichnet, vor allem durch die Aufwertung der „ärmeren“ barrios (Stadtteile).

Verschiedene Hochseilbahnlinien verbinden die unterschiedlichen Viertel der Stadt und sorgen somit nicht nur für eine kosten- und umweltverträgliche Verkehrsverbindung, sondern auch für eine Egalisierung der Gesellschaftsschichten.

Lange waren die ärmeren Viertel an den Steilhängen des Talkessels verkehrstechnisch isoliert vom Stadtzentrum.

Mittlerweile kann man sich überall gefahrlos aufhalten. Obwohl seit ein paar Jahren die Zahl der Tötungsdelikte wieder steigen.

Jedenfalls wurde die Gewalt nicht nur mit Gegengewalt von staatlicher Seite, sondern mit Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und mit dem Bau von Bibliotheken in „gefährlichen“ Stadtteilen effektiv bekämpft.

Die Stadt ist zwar teilweise „nett rausgeputzt“, aber trotzdem manchmal etwas „rau“.

So findet man beispielsweise das Rotlichtviertel mitten in der Fußgängerzone gegenüber einer Kirche und in der Nähe wichtiger Kunstmuseen.

Fernando Botero hat seine berühmten „überproportionierten Figuren“ auf öffentlichen Plätzen verteilt und das Museo de Antioquia zeigt viele seiner Werke.

Darüberhinaus befindet sich die längste Rolltreppe der Welt in einem Stadtteil und überwindet einen Höhenunterschied von 28 Stockwerken.

Eine etwas zweifelhafte Form des Tourismus ist der sogenannte „Narco-Tourismus“.

Unter diesem Begriff versteht man den Besuch von Örtlichkeiten, die irgendeinen Bezug zu Anführern aus der Mafia-Szene haben.

Beispielsweise kann man etliche Häuser und Villen Besuchen, die Pablo Escobar gehört haben.

Seine große Villa außerhalb Medellins, samt Freizeitpark und Privatzoo hat auch unter Zoologen Interessenten gefunden.

Es ist der einzige Ort weltweit außerhalb Afrikas wo eine große Population Hippos leben und sich vermehren, da die Bedingungen günstig sind.

Ebenso ist es möglich das Grab von Pablo Escobar zu besuchen, das auf einem Friedhof außerhalb Medellins liegt. Seine Bewunderung innerhalb der Bevölkerung ist immer noch sehr groß. Zumindest lässt sich so erklären warum immer frische Blumen auf dem Grab anzufinden sind.

Wir haben diese Art von „Sightseeing“ nicht mitgemacht, da wir einen Personenkult um Mörder und Verbrecher nicht unbedingt fördern wollen.

In Medellin haben wir eine kostenlose Führung durch das Polizeimuseum mitgemacht.

Da die kolumbianische Polizei besonders stolz ist auf ihre „Erfolge“ gegen die Drogenkartelle, wurden dort auch „Devotonalien“ Pablo Escobars gezeigt. Unter anderem eine vergoldete Harley Davidson, eine goldene Pistole, die noch blutige Jacke mit Einschusslöchern, die er zum Zeitpunkt seiner Ermordung anhatte und eine Rolex, für die er über 150 000 Dollar bezahlt hat, die allerdings eine 20 Dollar Fälschung war.

Wer allerdings ein großes Interesse an zeitgenössischer kolumbianischer Geschichte hat und besonders am Medellin-Kartell interessiert ist, kann vor Ort etliche Touren mitmachen und in einschlägige Viertel geführt werden und sich Häuserruinen anschauen die einstmals dem größten Kokain-Händler der Welt gehört haben.

Nachdem wir einige Tage die Stadt erkundet haben, sind wir ins 2 Stunden entfernte Städtchen Guatape gefahren, das an einem Stausee liegt und für seine buntbemalten und verzierten Häuser bekannt ist.

Darüberhinaus gibt es einen über 200 Meter hohen Felsen, der über steile Stufen (600) zu erreichen ist. Oben angekommen wartet ein einmaliger Blick auf die Umgebung.

Das Wasserkraftwerk am See produziert ein Drittel des kolumbianischen Strombedarfs.

Nach einem Wochenendaufenthalt sind wir weiter gefahren auf die andere Seite der Kordilleren.

Ein lange Nachtfahrt, ein Minibus und ein Collectivo haben uns nach Guadalupe in der Provinz Santander gebracht.

Wir waren wieder im ländlichen Hochland.

Der Ort selbst ist klein, beschaulich und recht bodenständig.
Wirklich sehenswert ist ein kleiner Fluß in der Nähe.
Das Wasser hat natürliche „Pools“ in das Bachbett geformt, in denen man sich abkühlen kann.
Besonders schön sind die Farbspiele. Das Gestein des Bachbetts ist rötlichfarben und das Wasser in den „Sinklöchern“ ist türkis.
Abhängig vom Wasserstand und des Sonnenstandes schimmert der Flusslauf in unterschiedlichen Farben.
An den Wochenenden ist immer viel Betrieb, da die Kolumbianer gerne in ihrem eigenen Land unterwegs sind und sich ihre Sehenswürdigkeiten anschauen.
Die grünen Berge im Hintergrund und atemberaubende Canyons in der Nähe machen den Ort zu einem Ausflugsziel mit guten Aussichten für die Zukunft.
Die Transportwege in Kolumbien sind abseits der großen Straßen oft spektakulär.
Den Rückweg hab ich stehend auf dem Trittbrett eines Jeeps verbracht, mit einigen anderen Männern, Frauen und Halbwüchsigen.
Viele Leute nehmen den Mitfahrdienst nur von einem Dorf ins nächste oder von einer Plantage zur anderen wahr. Andere wiederum fahren die ganze Strecke bis zur Hauptstraße, was über 90 Minuten in Anspruch nimmt.
Anika hatte Glück und konnte auf einer der Sitzbänke unter der Plane einen Platz ergattern.

Von der Hauptstraße aus, sind wir den Highway nach Norden, nach San Gil gefahren.
In der „Abenteuersport-Metropole“ haben wir im nahegelegenen Chicamocha-Canyon Paragliding gemacht.
Da sich die Umgebung auf etwa 1200 Meter über dem Meeresspiegel befindet und wir knapp 500 Meter mit dem Schirm aufgestiegen sind, hatten wir einen sehr guten Ausblick. Der tiefe Canyon hat den Höheneffekt noch etwas verstärkt.
Außerdem haben wir Tagesausflüge und Wanderungen in die Kolonialstädtchen Barichara und Guane unternommen. Dies sind wiederum Orte wo die Zeit stillzustehen scheint.
Nur am Wochenende kommen die „Städter“ und suchen Erholung.
In diesen kleinen Städtchen gibt es mehr Esel als Autos und man trifft sich in kleinen Lädchen, kauft sich ein Getränk und sitzt zusammen auf dem Kirchplatz.

Kolumbien ist gemütlich, die Zeit fließt träge dahin.

San Gil haben wir Richtung Norden verlassen, um nach einer Nachtfahrt und einem Buswechsel am Unterlauf des Rio Magdalena auf einer Insel im Fluss (Isla Margarita) , in der Stadt Mompos anzukommen.

Mompos ist eine der ältesten spanischen Siedlungen in „Vizekönigreich Neugranada“.

Die Stadt beherbergte unter anderem Alexander von Humboldt und war eine der ersten Städte, die sich von Spanien unabhängig erklärten und laut Simon Bolivar verdankt er seinen Ruhm und seine Ehre dem kleinen Örtchen.

Hier hat er seine „Befreiungsarmee“ rekrutiert und ist erfolgreich gegen Caracas gezogen.

Früher war die kleine Stadt (neben Cartagena die einzige in Kolumbien, die von der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet ist) nur über den Fluss zu erreichen. Seit ein paar Jahren existiert eine Autobrücke, die die Anbindung an die Außenwelt vereinfacht.

Allerdings kommen nicht viele Touristen nach Mompos. Lediglich in der „semana santa“ (Karwoche) und zum internationalen Jazzfestival im November sind alle Hotelbetten ausgebucht.

Zur Zeit der spanischen Krone hat sich Mompos zu einer der wichtigsten Handelszentren in den „neuen Kolonien“ entwickelt.

Der Rio Magdalena war von der Küste aus schiffbar – bis er plötzlich seinen Lauf änderte und die Stadt in der Bedeutungslosigkeit versank – an Mompos vorbei bis Honda.

Der Name der Stadt leitet sich vom Namen eines indigenen Häuptlings ab, der den Spaniern half die Siedlung zu gründen.

Der vollständige Name lautet „Santa Cruz de Mompos“; aus diesem Grund lässt sich erklären, dass die Stadtfahne ein weißes Kreuz auf rotem Grund zeigt. Wir dachten zuerst viele Schweizer hätten sich hier niedergelassen.

Die Stadt besteht eigentlich nur aus einer Hauptstraße und wenigen Seitenstraßen, drei Plätzen, aber dafür einem halben Dutzend Kirchen und Kathedralen.

Jede „Bruderschaft“ wollte vor Ort vertreten sein (Jesuiten, Augustiner, Franziskaner, etc.).

Wir haben einen Ausflug mit einem Boot unternommen und dabei Seitenarmee und Überschwemmungsflächen des Flusses erkundet, wo viele Tiere zu sehen sind. Vor allem viele Vogelarten fühlen sich wohl in dem Flussgebiet.
Nähert man sich der Stadt vom Wasser aus, sticht die Uferfront ins Auge, sowie die ausgefallene Architektur mehrerer Kirchen. Eine ähnelt einem Leuchtturm.

Der Fluss tritt regelmäßig über die Ufer. Er ist dennoch nicht nur identitätsstiftend und versorgt die Bewohner mit Fisch. Der Sand des Flusses wird rausgeschaufelt und zum Bauen verwendet; natürlich mit Handarbeit und kleinen Booten.

Die meisten Häuser sind sehr alt, riesige nach außen ragende Fenster und große Türen schmücken die Fassaden. Alles ist luftig gebaut. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 31 Grad Celsius.

Teilweise sind maurische Elemente im Baustil zu erkennen.

Die Bewohner sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Das Leben spielt sich fast schon exzessiv auf öffentlichen Plätzen ab. Nach einem Tag im Ort ist man schon bekannt und wird zum „Tinto“ (kleiner, starker, schwarzer Kaffee – meist stark gesüßt) eingeladen, der „mobil“ in Kesseln verkauft wird.

Die Touristenpolizei ist so unterfordert, dass uns die diensthabende Polizistin eine richtig gute Mitfahrgelegenheit organisiert hat, zum „Einheimischen-Tarif“.

Wir fahren Richtung Nord-Osten. Im weitesten Sinne Richtung Grenze zu Venezuela und Richtung Guajira Habinsel.

In der Hauptstadt, Valledupar, des „Departamento“ wollen wir nur eine Zwischenstation einlegen.

Eigentlich sind wir hergekommen, um einen Abstecher in die Sierra Nevada de Santa Marta zu unternehmen. Vor allem wollten wir ein Dorf der Indigenen Kogi besuchen.

Leider hat die Öffnung für Touristen hauptsächlich Nachteile für die Indigenen gebracht, sodass seit ein paar Wochen keine Besucher mehr erlaubt waren.

Vor allem kolumbianische Touristen haben die Kogi eher als Fotomotiv benutzt, anstatt sich für sie zu interessieren.

Wir sind weiter die Guajira entlang gefahren bis nach Riohacha an der Karibikküste.

Auf der Fahrt dorthin wurde die wirtschaftliche Not der Menschen sichtbar. Die meisten Leben von Schmuggel, hauptsächlich Benzin aus Venezuela wird billig weiterverkauft.

Diese Schattenwirtschaft wird stillschweigend toleriert. Die Menschen dort brauchen Devisen, um sich Nahrung kaufen zu können.

Vor allem die Indigenen Bewohner der Guajira leiden sehr unter den Folgen des Bürgerkrieges.

Während der „heißen Phase“ des Kampfes waren die Indigenen zwischen die Mühlsteine der einzelnen Parteien gekommen.
Auf der einen Seite Staat, Armee, paramilitärische Todesschwadronen und Großgrundbesitzer, die wirtschaftliche Großprojekte in der Sierra Madre durchboxen wollten, um sich noch gieriger bereichern zu können.
Auf der anderen Seite FARC und ELN, die sich zwar für die Belange der Indigenen eingesetzt haben, aber auch Zwangsrekrutierungen durchgeführt haben.

Die Spirale der Gewalt zerstört die Indigenen Völker Kolumbiens und ihre Lebensgrundlagen.

Was übrig bleibt, wird durch den Kapitalismus ausgerottet. Der Markt reguliert sich nicht nur selbst (sic.!), sondern auch Menschenleben.

Auf der Guajira Halbinsel vergewaltigt der Schweizer Weltkonzern Glencore den Planeten. Umgangssprachlich nennen sich solche Verbrechen „Abbau von Bodenschätzen“.

Die Folgen bestehen darin, dass nicht nur die Lebensgrundlage von vielen Menschen zerstört und die Umwelt vergiftet wird, sondern viele Menschen verrecken schlicht an den Folgen dieses „wirschaftens“, weil sie kein Wasser zum Trinken haben und ihre Ziegenherden nicht mehr tränken können.

So gut wie alle Wayuu Indigenen sind selbst für einen Laien sichtbar unterernährt und krank.
Zwar versuchen sich die Konzerne die Hände in Unschud zu waschen und bezahlen Blutgeld an den kolumbianischen Staat. Die Gelder kommen jedoch nie an.

Was erwartet man auch wenn ein Verbrecher einem anderen Verbrecher Geld gibt.

Es ist für jeden sichtbar, dass auf der Guajira Halbinsel ein schleichender Völkermord vonstatten geht.
Auch Deutschland trägt massive Mitschuld an dem Mord an diesen Menschen, da Kolumbien Deutschlands größter Kohlelieferant ist. E.on und RWE beziehen ihre Blutkohle aus Cerrejon, dem größten Steinkohletagebau der Welt.

Riohacha ist die Regionalhauptstadt. Der Strip entlang am Meer soll Eleganz vortäuschen. In Wirklichkeit wirkt er deplaziert. Ein altes Pier gammelt vor sich hin und ein paar Wayuu Frauen verkaufen „Kunsthandwerk“.

Prinzipiell ist Riohacha ein ziemlich gottverdammter Ort. Ein Ort wo es sich die Schmuggler und zwielichtigen Gestalten des Grenzlandes gut gehen lassen können und ihr Geld verprassen.
Er ist allerdings die ideale Basis für Exkursionen auf die entlegene Guajira.

Von Riohacha aus sind wir nach Norden gefahren. Straßen existieren bald nicht mehr.
Man kommt nur saisonal mit dem Geländewagen voran.
In der Regenzeit verschwindet die Piste und der Matsch macht ein vorankommen über Land so gut wie unmöglich.

Wir haben uns Richtung Cabo de la Vela aufgemacht.
Auf dem Weg haben Kinder „Straßensperren“ errichtet und verlangen Süßigkeiten und ein paar Münzen.
Manchmal hält der Fahrer kurz an, meistens fährt er schlechtgelaunt weiter.
Am Anfang verläuft die Strecke entlang der Gleise, auf denen sonst die Kohle in riesigen Zügen zur Verschiffung befördert wird.
Der Streckenverlauf ist an strategischen Punkten militärisch bewacht.
Irgendwann erkennt man keine Piste mehr. Der Fahrer kennt den Weg.
Man wird durchgeschüttelt und fühlt sich nach der Fahrt verprügelt.
Irgendwann biegt der Wagen Richtung Meer ab und man könnte meinen der Fahrer will ins Wasser fahren.
Er zieht dann im letzten Moment nach rechts und fährt parallel zum Wasser den Strand entlang.
Wir sind in Cabo de la Vela.

Der Ort sieht aus wie eine Wildweststadt. Es wohnen, besser hausen ein paar hundert Seelen hier.

Es gibt eigentlich nichts hier außer dem „Ende der Welt“ Gefühl.

Wir lassen den Ort hinter uns. Es folgt Strand und eine Kite-Surf Schule.
Danach kommen ein paar schöne Camps.
Hier bekommt man einen überdachten Hängemattenplatz mit abschließbarem „Spint-Umkleide-Raum“ (1 Quadratmeter groß).
Hier schlafen wir. Fünf Meter entfernt vom Meer, das in der weitläufigen Bucht vor sich hinplätschert.

Wir sind in Wüstengebiet.
Tagsüber brennt die Sonne, Nachts wird es kühler, aber angenehm.
Der Sternenhimmel ist unbeschreibbar schön! Die Milchstraße ist näher als nah!
Es gibt einen Leuchtturm. Ein idealer Sunset-Point.

Das eigentliche Cap besuchen wir auch an einem anderen Tag. Es gibt dort auch einen 50 Meter langen Strand und man kann schwimmen.

Dazwischen gibt es felsige Steilküste mit Ministränden und einsamen Buchten.
Man ist am Ende der Welt.

Wir wollten eigentlich zum nördlichsten Punkt des südamerikanischen Kontinents, nach Punta Gallinas.
Allerdings gibts dort noch weniger als wenig. Die Fahrt ist lang und mühsam.
Alles kein Problem.
Das Problem besteht allerdings darin, dass auf Grund von Regenfällen in den Tagen davor, ein Weiterkommen über Land unmöglich ist.

Die Einheimischen dort brauchen allerdings die Touristen und riskieren dafür sogar ihr Leben. Die Fahrt auf kleinen Bootchen mit schwachem Außenborder über offenes Meer.

An der Kiteschule gibt man uns bereitwillig Auskunft. Die Besitzerin spricht sogar etwas deutsch.
Sie könnte es uns arrangieren und auch Geld damit verdienen. Sie ist allerdings so ehrlich und rät uns davon ab.
Es ist lebensgefährlich.
Die Polizei hat es verboten.
Kontrolliert wird es natürlich nicht. Einige Boote sind gekentert. Manche ganz verschwunden.
Das ist es uns natürlich nicht wert unter diesen Umständen.
„Lands end feeling“ gibts auch hier.
Zum Dank trinken wir noch ein geschmuggeltes „Polar“ Bier aus Venezuela.
Das steht hier oben so inflationär rum wie billiges Benzin. Vor ein paar Wochen wurde verlautbaren lassen, dass „Polar“ auf Grund des Devisenmangels keine Gerste und Hopfen mehr einkaufen kann. Schlechte US-Propaganda! Vor Ort sieht die Situation immer anders aus.

Nach ein paar Tagen am Ende der Welt kehren wir nach Riohacha zurück und holen unsere Sachen ab, die wir dort deponiert haben.
Wir fahren die Küste entlang Richtung Santa Marta.
Vorher machen wir einen Zwischenstop in Palomino, direkt am Meer, mit Palmen und einem herrlichen Blick auf die Sierra Nevada de Santa Marta.

An der Mündung des Flusses „Palomino“ in das karibische Meer sieht man die beiden 5775 Meter hohen „Pico Cristobal Colon“ und „Pico Simon Bolivar“, beide Schnee und Eis bedeckt und nur 45 Kilometer von der Küste entfernt.

Das kühle Wasser des Flusses lässt erahnen wie kalt es dort oben ist. Der Ozean ist pipiwarm im Vergleich dazu.
An der Mündung zum Meer waschen Indigene des Kogi Stammes ihre Wäsche.

Es gibt hier einige Indigene Völker.
Die Sierra Nevada war in den 1970ern Hauptanbaugebiet für Marijuana, das in die USA exportiert wurde.
Einige berühmt-berüchtigte Größen des internationalen Drogenschmuggels und einige kolumbianischen Kartelle wurden hier groß.
Die Gegend ist wunderschön. Man kann hier noch lange verweilen.

Wir sind nach ein paar entspannten, sonnig-heißen Tagen und kräftigen, tropischen Gewitterstürmen in der Nacht die Küste „runter“ nach Santa Marta, eine der ältesten noch existierenden spanischen Städte auf dem amerikanischen Kontinent.

Außerhalb der Stadt in einer alten Mühle ist der große lateinamerikanische Freiheitskämpfer und Revolutionär Simon Bolivar verstorben. Der Ort ist ein nationales Monument.
Lange hieß es er wäre an den Folgen der Tuberkulose verstorben.
Neuere Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass er mit Arsen vergiftet wurde.
Wie auch immer. Seine sterblichen Überreste liegen heute im Nachbarland, Venezuela.

Vielleicht stimmt sein berühmter Ausspruch:
„Lateinamerika ist unregierbar“.

Vielleicht liegt darin aber auch Hoffnung. Hoffnung, dass die Menschen auf diesem Kontinet irgendwann keine Regierungen mehr brauchen und in gegenseitiger Brüderlichkeit und Freundschaft lebend sich selbst regieren.

Bolivar war ein Visionär und Vordenker. Einer der seiner Zeit weit voraus war und zu seinen Lebzeiten immer gelitten hat. Daher vielleicht auch seine Bereitschaft sich für eine höhere Sache zu opfern.

Santa Marta ist chick und mondän. Ein wenig Cote d’Azur Flair weht entlang der Promenade am Meer.
Die ganze Altstadt wurde und wird renoviert, genauso wie das Hafengelände. Der Begriff Gentrifizierung bringt treffend auf den Punkt welche Entwicklung der „schöne Teil“ der Stadt, zum Meer hin, durchmacht.
Wir waren im alten Seemanns- und Hafenviertel.
Dubiose Kaschemmen reihen sich aneinander, Zimmer werden stundenweiße vermietet und an den Häuserwenden warten Damen auf Kundschaft.
Nach Einbruch der Dunkelheit muss man sich nicht mehr draußen aufhalten, wenn man es tut, sollte man nicht allzu zart besaitet sein.
Vorgelagert liegt eine kleine Insel mit Leuchtturm, daneben versinkt jeden Abend die Sonne im karibischen Meer.
Im Hintergrund leuchten die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada.
Souvenirhändler und Nippesverkäufer suchen ihr Glück. Fahrende Eis- und Snackverkäufer haben immer Kundschaft.
Der erste Tag war ruhig. Am zweiten Tag ist ein riesiges Kreuzfahrtschiff einer norwegischen Reederei im Hafen verankert.
Die schwimmende Dreckschleuder ist so riesig, dass sie nicht am Ufer festmachen kann. Die Passagiere, hauptsächlich US-Bürger und reiche Kolumbianer werden mit kleinen Booten an Land gebracht.
Der Hafen ist richtig bussy. Ständig laufen große Pötte ein und aus.
Waren werden umgeschlagen, Gas- und Kohle Frachter fressen sich die Bäuche, Tanks und Ladeluken voll. Manch großes Schiff liegt vor der Bucht auf Halde und wartet auf einen Platz im Hafen.

Auf der anderen Seite des Strips liegt der Yachthafen.
Einige große Hotels strahlen Großstadtflair aus. Die Partnerstadt von Santa Marta ist Miami Beach, Florida.
Vielleicht soll die Schwesterstadt als Vorbild dienen.

Ein paar Minuten entfernt in der nächsten Bucht liegt der Treffpunkt für Hippies und Rucksackreisende, Taganga.

Diesmal zieht es uns nicht dorthin. Wir bleiben anonym in unserem Altstadtviertel. Sind nur auf Durchreise.

Wir wollen weiter nach Cartagena de Indias, die Perle der Karibik.

Die Stadt ist riesig. Wir wollen „nur“ in die Altstadt. Hier gibt es Stadtmauern und Tore, Türme und Befestigungsanlagen.
Alte Kirchen und schöne Häuse – in einem hat Sir Francis Drake eine zeitlang gewohnt, der berühmte Pirat im Dienst der britischen Krone – enge Gassen und Plätze voller Leben, zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Außerdem treffen wir hier zwei Freunde, die mit ihrem Motorradgespann um die Welt fahren. Wir haben Kerstin und Kevin das letzte Mal in Bolivien getroffen, das ist einige Monate her.
Wir verabschieden die beiden auch, da sie „off the road“ gehen und von Cartagena aus ihr Gespann nach Europa verschiffen.

Cartagena ist sehr gefragt bei einheimischen und ausländischen Touristen. Für viele ist sie „die Stadt“ an der kolumbianischen Karibikküste.
Dementsprechend voll kann es hier werden.
Wir sind in der Nähe des Kongresszentrums untergekommen. Um in den anderen Teil der Altstadt zu kommen, müssen wir daran irgendwie vorbei.
An einem Tag treffen sich dort wieder mal die politischen Führer des Landes mit Vertretern der FARC und den Unterhändlern aus Cuba, Norwegen und anderen Ländern, die ihre Vermittlungsrolle angeboten haben.
Die Stadt ist hermetisch abgeriegelt.
Die kolumbianische Polizei hat alles aufgeboten was sie hat an Menschen, Tieren und technischen Geräten. Marine im Wasser vor der Küste, Hubschrauber in der Luft.
Frieden ist scheinbar nur mit bewaffneter Sicherheit verhandelbar.
Wir müssen große Umwege laufen. Buslinien dürfen an manchen Haltestellen niemanden raus- oder reinlassen.
Alle Geschäfte sind geschlossen. Man meint es wäre Sonntag in Deutschland.
In Kolumbien und auch dem Rest der Welt ist an Sonntagen auch fast alles geöffnet. Hier in Cartagena diesmal nicht.
Wir haben die Kirchen und Festungsmauern fast für uns alleine.

Einige touristische Highlights entlang der Karibikküste haben wir links liegen lassen.
Zum Beispiel haben wir die „Ciudad perdida“, die verlorene Stadt, nicht besucht. Vor ein paar Jahren war das sicherlich noch eine schöne Sache.
Mittlerweile ist das ganze so ausgeartet, dass es schon Ähnlichkeit mit dem Inkatrail in Peru hat.
Hunderte Menschen laufen in viel zu großen Gruppen einen Dschungelweg entlang und treffen sich nach einigen Stunden in viel zu kleinen Camps, wo sie sich gegenseitig versichern wie schön und unberührt die Natur ist.
Nach drei Tagen wartet eine alte Ruinenstadt einer indigenen Zivilisation, die lange „verschollen“ war, bis Marijuanabauern und Guerilleros sie wiederentdeckt haben. Seitdem verdienen die Indigenen mit an den Touristen.
Noch vor ein paar Jahren war man so gut wie alleine auf dem Weg zur verlorenen Stadt. Heute treten sich die Touris die Füße platt.

Herrliche Natur haben wir seit Monaten alleine in Südamerika erkundet. Das Geld können wir uns sparen.

Eine weitere überbewertete Touri-Falle ist der Tayrona-Nationalpark.
Das Besondere hier ist der schöne Strand der von Dschungel eingerahmt ist und riesige, runde Felsen im weißen Sand und davor türkisblaues Wasser.
Wir haben Fotos gesehen. Es sieht wirklich wunderschön aus, keine Frage.
Allerdings haben wir so viele Sträde in den letzten vier Jahren gesehen, dass es einfach Wahnsinn wäre, für einen Strand so viel Anstrengungen und Kosten zu investieren.
Die Leute treten sich die Füße dort platt und zahlen Preise, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Das ist nicht Kolumbien, sondern Disneyland.
Solch einen Ort kann man ruhigen Gewissens als reinen „Ego-Instagram-Foto-Point“ abhaken und abseits liegen lassen.
Das ist allerdings nur eine Schattenseite. Die andere besteht darin, dass es zu massiven Schäden an der Tier- und Pflanzenwelt kommt und zu viel Müll zurückgelassen wird.
Ein einstmal wirklich paradiesischer Platz wird systematisch durch die Ignoranz der Menschen zerstört, die aus hedonistisch-egoistischen Gründen die Schönheit der Natur durch ihre massenhafte Präsenz vernichten.
Nach einiger Recherche haben wir uns dafür entschieden dabei nicht mitzumachen.
Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass diese Entscheidung absolut richtig war. Jeder Gesprächspartner der dort war, hat uns versichert, dass der Nationalpark völlig überbewertet und dem Untergang geweiht ist.
Tausende Kilometer Strand in Kolumbien und Zentralamerika haben sich im nachhinein auch als sehr schön erwiesen. Und in Hängematten am Meer haben wir auch so geschlafen ohne dafür einen Unterstand mit 30 anderen Menschen teilen zu müssen.

Cartagena, die alte Piratenstadt, hat uns wirklich gut gefallen und sollte unbedingt zumindest mal kurz besucht werden wenn man in Kolumbien ist.
Wenn man nur einen Platz an der kolumbianischen Karibikküste zur Auswahl hat, liegt man mit Cartagena nicht verkehrt.

Wir sind dann weiter die Küste runter nach Tolu, einem kleinen Fischer- und Ferienort.
Vor der Küste hat sich ein Meeresschutzgebiet befunden, aber es gab für uns dort nichts Spannendes zu sehen, was wir noch nicht erblickt haben.
Wir haben einen Ausflug zu einem „Schlammvulkan“ unternommen.
Es gibt entlang der Küste einige davon, dieser war für uns unkompliziert und mit öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen.
Es handelt sich um Heilschlamm, mit dem man sich einreibt und dann in der Suhle liegen bleibt.
Untergehen kann man eigentlich nicht. Zur Sicherheit ist ein Seil gespannt an dem man sich wieder zum Rand ziehen kann.
Man ist vollkommen mit glitschigem Schlamm bedeckt und man muss beim Laufen aufpassen, dass man nicht ausrutscht.
Um sich von dem Schlamm zu reinigen, muss man sich lange und gründlich unter fließende Wasser schrubben.

Die Fischer von Tolu bieten heute Ausflüge auf die San Bernado Inseln an. Nachhaltiger Ökotourismus ist überall im Kommen. Die Meere sind fast leergefischt. Die meisten Menschen, die seit Generationen an den Küsten leben, haben das erkannt. Schuld sind selten die Anrainer, sondern meistens industrielle Fangflotten.
Schwimmende Fischfabriken, die systematisch alles Leben in den Meeren zerstören, damit mit dem Fischmehl und den Abfallresten „Fischstäbchen“ produziert werden oder Fische in Farmen gefüttert werden. Viele Menschen denken es wäre nachhaltig Fisch aus Farmen zu essen. Weit gefehlt!
Die Außwirkungen sind verheerend für die Flora und Fauna der Meere. Zudem ist auf so engem Raum das Wachstum der Fische nur mit Hilfe von Antibiotika und anderen Medikamenten möglich.
Die ehemaligen Fischer von Tolu fahren heute Touristen zu den Korallenriffen und den Meeresschutzgebieten und tragen ihren kleinen Teil dazu bei, dass die Artenvielfalt der Meere vielleicht nochmal eine Chance bekommt und erhalten bleibt.

Nach einem Zwischenstop in Monteria sind wir südlicher an die Küste nach Necocli.
Dieser kleine Ort liegt am Golf von Turbo, einer Meeresbucht, dessen westliches Ufer bereits zur Darienregion gehört, Kolumbiens „Wilder Westen“.

Der sogenannte „Darien-Gap“ stellt eine natürliche Begrenzung zwischen Süd- und Zentralamerika dar.
Der sogenannte „Stöpsel“ des südlichen Teils des amerikanischen Doppelkontinents war früher schon gern gesehen, da er die Maul- und Klauenseuche und andere Krankheiten fernhalten sollte.
In der neueren Zeit bremst er den Waffen- und Drogenschmuggel, dient aber vielen dubiosen Gruppierungen als Rückzugsraum und Versteck.
Obwohl man sich bereits vor etlichen Jahrzehnten darauf geeinigt hatte, ganz Amerika straßentechnisch befahrbar zu machen, wird diese letzte Lücke zwischen Alaska und Feuerland nicht ausgebaut.
Somit stellt diese natürliche Barriere ein Hindernis für alle „Überlandreisenden“ dar. Man muss in die Luft oder aufs Wasser ausweichen oder beides kombinieren. Wir haben uns für die Kombination entschieden, die die günstigste und individuellste Alternative darstellt.
Ganz Wagemutige – oder Wahnsinnige trifft es besser – versuchen den Dariengap zu durchwandern.
Selbst mit ausreichend Vorbereitung, Führer und bereits absolviertem Überlebenstraining besteht das Risiko dieses Abenteuer nicht zu überleben.
Sämtliche Drogen- und Waffenschmuggler, Kommandoeinheiten der kolumbianischen, der US-amerikanischen und der Streitkräfte Panamas sind in dieser Gegend aktiv.
Auf Abentuertouristen wird da keine Rücksicht genommen. Gesetze, Regeln und Rechte existieren in diesem Teil der Welt nicht.
Der Darien-Gap ist terra incognita, ein weißer Fleck auf der Landkarte.
Es existieren keine Wege, keine Pfade. Der Dschungel ist mörderisch dick und undurchdringlich. Wenn man dort zu Fuß „geht“, muss an sich jeden Fußtritt mit der Machete freihauen.
Moskitoschwärme sind selbstverständlich. Die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit machen den Aufenthalt zur Qual.
Was ich hier schreibe, ist keine bloße Theorie. Wir waren in einem kleinen Auschnitt vor Ort und haben uns umgeschaut. Dieses kurze Eintauchen in dieses Gebiet hat uns vielleicht 1% von dessen erleben lassen was auf denjenigen wartet, der es ernst meint.

Aber zurück an den Golf von Turbo, noch stehen wir in dieser Schilderung quasi nur am Anfang.
Wer eine Landkarte von Südamerika oder Kolumbien zur Hand hat, sollte sie sich zum besseren Verständnis anschauen.
Die Darien-Region – ein Paradies für die Tier- und Pflanzenwelt, dank des „Nicht-Vorhanden-Seins“ menschlicher Aktivitäten – erstreckt sich von der Karibikküste bis zum Pazifik, entlang der Grenze zwischen Panama und Kolumbien und auf beiden Seiten des Staatsgebietes.
Parallel zum Pazifikküste befindet sich in Kolumbien der Choco, ebenso „Wilder Westen“ und Drogenschmugglergebiet und „Stronghold“ der Guerillas.
Die Darien-Region ist nicht über die Straße zu erreichen.
Luft und Wasser sind die Transportwege.
Turbo, eine Stadt an der südlichen Spitze des gleichnamigen Golfes, dient als Einfalltor. Dort liegt „der Hafen“ für alle, die an die Westküste des Golfes wollen.
Wir sind nördlich von Turbo, an der Ostküste, in Necocli geblieben. Von dort fahren seit einiger Zeit ebenfalls „Speedboats“ über den Golf. Die Reisezeit verkürzt sich um einige Stunden auf knapp zwei Stunden.
Wer von „unten“ kommt, geht besser nach Turbo, alle die die Karibikküste entlang reisen, bleiben in Necocli. Wer von Panama kommt und nach Cartagena, etc. will sollte auch Necocli als „Port of call“ wählen.

Die „Speedboats“ sind schnell und sicher. Rettungswesten sind vorhanden, ebenso Funkausrüstung. Das Gepäck wird unter Planen festgezurrt, man selbst sitzt unter einem Sonnenschutz.
So weit so gut.
Man fährt zwei oder drei Orte an, nachdem der Golf überquert ist.
Wir sind in Capurgana ausgestiegen.
Ein kleiner Küstenort, in the middle of nowhere; nicht weit von der Grenze zu Panama.
Die letzte Station ist eine Bucht weiter. Der Hafenort heißt Sapzurro. Von dort kann man über einen Hügel laufen (Treppenstufen) und auf dem Hügelkamm liegt die Grenze zwischen Panama und Kolumbien.

Grenzen sind per se absurd. Willkürliche Striche auf Landkarten, die entscheiden wer jeweils die Macht ausübt und an wen man Tribute (Steuern) bezahlen muss.
Nirgendwo sonst ist eine Grenze aber lächerlicher als dort.Vor einem liegt Dschungel und Meer, hinter einem liegt Dschungel und Meer.
Das einzig unterschiedliche sind die Flaggen, die jeweils an den Masten hängen.
Aber dazu später mehr.

Capurgana hat einen kleinen Landeplatz für Flugzeuge und eine kleine Anlegestelle für Boote.
Hier kann man sich bei der Immigration auch ein- und ausstempeln lassen.
Eine Bank oder ein Geldautomat sucht man vergeblich, Cash mitbringen!
Hier leben dauerhaft ein paar hundert Menschen. In Sapzurro sogar noch weniger; dort gibt es eine schöne geschützte Bucht für Segler.

Apropos Segler.
Eine weitere sehr beworbene Möglichkeit von Kolumbien nach Panama zu kommen oder vice versa, besteht darin von Cartagena eine Koje in einem Segelboot zu mieten. Viele (Langzeit-) Segler bessern sich so die Reisekasse auf oder betreiben das ganze „hauptberuflich“. Mehrere Segler haben sich zusammengeschlossen, um sich erfolgreicher vermarkten zu können.
In Cartagena gibt es sogar ein Büro dieser lockeren Kooperative.
Manche Boote sind größer und können sogar Fahrräder oder in einem Fall sogar Motorräder mitnehmen.
Die Preise sind allerdings etwas teurer. Die „günstigste“, schnellste und langweiligste Variante ist ein Flug zwischen Panama City und Medellin oder Bogota. Das kann allerdings jeder!
Die teuerste – vielleicht auch schönste Variante – ist das Segelboot. Hierbei wird ein 2-3 tägiger Stop auf dem San Blasius Archipel eingelegt. Hierbei handelt es sich um eine Inselgruppe vor Panama.

Unsere Variante war anders.

In Capurgana haben wir in einem kleinen Bungalow direkt am Wasser unweit der Anlegestelle gewohnt.
Es gibt zwei Strände.
Im Süden ein Kiesstrand (das Meer hat den Sand weggespült und trägt immer mehr Uferbefestigung weg; Hotels und Häuser sind in Gefahr) und am nördlichen Ende ein kleiner Sandstrand mit ein paar Strandbars, wo man unter anderem „Coco-Locos“ konsumieren und Snacks essen kann (ausgehölte Kokosnüsse mit Rum gefüllt).
Zum Dschungel hin stehen drei, vier Hotels.
Ein fancy „Beachclub“ mit Pool ist der momentane „in place“. Ein großes Hotel im maurischen Stil gammelt vor sich hin.
Wir haben später erfahren, dass das ein Hotel war, das mit Drogengeldern gebaut und betrieben wurde und dann dicht gemacht wurde.

Früher war der Drogenschmuggel in Capurgana eine Hauptbeschäftigungsquelle. Wir haben von einem Zeitzeugen interessante Berichte aus dieser Zeit erzählt bekommen. Dazu weiter unten mehr.

Am Ende des Sandstrandes beginnt ein Küstenpfad, der zu einer Einsiedelei führt, wo ein Kolumbianer und eine Französin seit Jahren sehr bescheiden und autark leben und ein kleines „Ausflugslokal“ betreiben (eine Snackbar zwischen Felsen). Die beiden haben auch natürliche Pools mit Steinen und Felsen befestigt und sich ihr kleines Paradies geschaffen, das sie mit Besuchern teilen. Der Platz ist wunderschön!
Wer dort ist sollte die zwei besuchen, was essen und sich ein Muschelschmuck-Souvenir gönnen.

In der Ortsmitte von Capurgana, in der Nähe der Landebahn, führt ein Pfad ins Innere des Dschungels, in Richtung Sapzurro.
Der Pfad endet irgendwann und man klettert und kraxelt über einen schlammigen, rutschigen Lehmpfad (3 Schritte breit).
Wir haben das ganze nach einem nächtlichen Gewitterschauer gemacht. Dementsprechend schnell sind wir voran gekommen.
Die Sache dauert lang, ist schweißtreibend und super anstrengend.
Zu Beginn des Pfades (ein Euphemismus) verteilt ein Einheimischer angespitzte Bambusstöcke und bittet um eine kleine Spende, eine Art Benutzungsgebühr für die Instandhaltung des „Pfades“.
Auf halbem Weg erreicht man einen Aussichtspunkt auf dem Hügelkamm.
Man sieht von dort auf Capurgana hinunter und auf die Bucht von Sapzurro.
Nach dem Abstieg kommt man an einem Ende des kleinen Strandes von Sapzurro raus, der letzten Siedlung Kolumbiens in dieser Gegend.

Geographisch gesehen,zeigt ein Blick auf die Karte, dass man sich schon auf der „Landbrücke“ zwischen Nord- und Südamerika befindet.

Um nach Panama zu laufen, nimmt man in der Ortsmitte einen kleinen Weg und frägt sich durch.
Die Stufen führen zum Flaggenmast. Beide Staaten haben hier oben ihre Flaggen gehisst und den Punkt mit Sandsäcken und Stacheldraht „befestigt“.
Die Tarnzelte der Armee sind nicht besetzt.
Die Treppen auf der anderen Seite sind bereits in Panama.
Man kann die Grenze hier ohne Kontrollen passieren. Man kommt sowieso nicht weiter.
In der panamesischen Grenzsiedlung sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht.
Ein paar Häuschen, eine Schule und eine Kirche. Zerfällt gerade alles oder wird es erst aufgebaut?
Es scheint günstige Panama-Fahnen im Angebot gegeben zu haben.

Das Highlight der Siedlung ist der Sandstrand „La Miel“.
Er wird beworben als „schönster Strand“ weit und breit.
50 Meter Sandstrand, total vermüllt! Niemand sieht sich zuständig Abhilfe zu schaffen.
Das eigentliche Highlight ist sowieso der „Duty-Free-Shop“.
Überall liegen leere Rumflaschen rum und Zigarettenschachteln.
Wie so oft ist der Weg das Ziel.
Uns tun ein wenig die Touris leid, die für Geld mit dem Boot hier hergeschippert werden.
Naja, jedem das Seine.

Der Fußweg von Capurgana über Sapzurro nach La Miel ist auf jedenfall ein kleines Abentuer. Man genießt die Natur, die Aussicht und kann sich vorstellen, wie es vielleicht wäre wenn man drei oder vier Wochen diese grüne Hölle zu Fuß durchqueren will.

Zu unserem Bungalow (er gehört irgendwie zu einer Tauchschule, wird aber separat vermietet) gehört ein weiteres Häuschen (mit drei Betten) und eine gemeinsame Küche. Eine große deutsche Dogge mit blauen Augen, die auf den Namen „Darien“ hört (oder auch nicht), besucht uns manchmal in dem kleinen Garten.
In dem anderen Bungalow sind zu Anfang drei Chinesen untergebracht (2 junge Männer und eine junge Dame), deren Alter schwer zu schätzen ist, aber wahrscheinlich zwischen 18 und 28 Jahre alt.
Zu Beginn denken wir, dass es sich um Tauchtouristen handelt.
Wir registrieren, dass die drei allerdings kein Wort englisch oder spanisch sprechen.
Sie werden rundherum versorgt und halten sich fast immer auf dem Grundstück auf. Untereinander haben sie nicht allzu viel miteinander zu tun. Das wird durch hinschauen klar. Die drei sind eine Zweckgemeinschaft.
Irgendwann kommen wir mit einem der Tauchlehrer ins Gespräch, der mit den drei mithilfe eines Internet-Übersetzers kommuniziert.
Er sagt uns auf unsere Nachfrage direkt, dass es sich um Flüchtlinge handelt, die illegal nach Panama gelangen wollen.
Der einstige Drogenschmuggel ist nicht mehr lukrativ. Menschenschmuggel ist ein besseres Business.
Es handelt sich auf jeden Fall um Wirtschaftsflüchtlinge, die ihr Glück in Panama versuchen wollen.

Eines Nachts werden die drei von ihrem Führer abgeholt und machen sich auf den Weg. Bereits die Nacht vorher war es beinahe schon losgegangen. Allerdings muss irgendwas nicht geklappt haben und die drei sind zurückgekommen.
Man sagt uns, dass sie drei bis vier Wochen unterwegs sind. Keiner der Chinesen hatte passende Kleidung an. Das junge Mädchen Stoffschuhe und einen Rollkoffer.
Wie verzweifelt muss man sein, um so ein Risiko und solche Strapazen auf sich zu nehmen?!
Was kostet das Ganze?
Wie sind die drei überhaupt nach Kolumbien gekommen?
Vieles Fragen stellen sich uns.
Falls sie es schaffen, werden sie irgendwann von einer Straße aus nach Panama-City gefahren. Dort erhalten sie neue Papiere und müssen ihre Schulden wahrscheinlich in einem „China-Restaurant“ abarbeiten. Die ganze Zeit dürfen sie sich von der Polizei nicht erwischen lassen.
Irgendwann soll es von Panama in die USA gehen.

Mehr wissen wir nicht. Man hat uns das alles direkt und ohne große Umtände frei von der Leber weg erzählt.
Soll man wirklich glauben, dass die Polizisten und Immigrationbeamten in Capurgana davon nichts wissen?
Bei jedem Boot das anlegt, stehen zwei Beamte auf dem Pier rum.
Man kann nur sehr schwer ungesehen in Capurgana auftauchen.
Bei diesem Business verdienen viele Leute mit.

Interessanterweise haben wir eines Tages in unserem Garten einen älteren Herrn getroffen, der sich uns mit den Worten: „Grüß Gott ich bin der Rainer H.“ vorgestellt hat.
Der Herr stammt ursprünglich aus Deutschland und ist irgendwann in die USA ausgewandert und hat für ein Pharmaunternehmen Jahrzehnte in Südamerika gearbeitet und auch gelebt.
Kolumbien ist irgendwann seine zweite Heimat geworden.

Er hat in den USA fliegen gelernt und sich eine kleine Maschine zugelegt, in der er zusammen mit seiner Frau an den Wochenenden durch Kolumbien geflogen ist.

Irgendwann in den 1970ern ist er dann durch Zufall auf Capurgana gestoßen.
Er war nach eigener Aussage immer auf der „Suche nach dem Paradies“.
Rainer hat uns Fotografien gezeigt, auch Luftaufnahmen des Ortes.
Ja, damals war es wirklich ein kleines Paradies, mitten in Kokospalmen. Es gab nur zwei handvoll Häuser, die meisten aus Holz mit Palmdach.
Die Landebahn war damals noch eine Graspiste.
Zusammen mit seiner Frau und ein paar anderen Fliegerkollegen haben sie sich ein Stück Land gekauft und die Bungalows errichtet. Wir haben Fotos gesehen, wunderschön!
Jetzt war er mal wieder da, zusammen mit einem anderen Deutschen, der in Venezuela und den USA lebt.
Wir haben mit den Beiden interessante Gespräche geführt und nette Stunden verbracht.

Eines Morgens sind wir dann mit einem kleinen Boot losgefahren. Zuerst nach Sapzurro, dort wurde getankt, und dann weiter um das Kap herum.
Die See kann dort etwas rauer werden. Wir hatten gute Witterung erwischt.
Die Nächte vorher sind immer schwere Gewitter runtergegangen. Aus dem Trockenen betrachtet, waren die Gewitter ein schöner Anblick.

Nach weniger als einer Stunde, knapp 40 Minuten etwa, waren wir in Puerto Obaldia.
Dieser Ort in Panama ist mehr ein militärischer Außenposten als eine Siedlung.
Man kommt auch im „Marine-Hafen“ (die Vorstellungen sind größer als das was die Realität einem dann präsentiert; wir sprechen in der ganzen Gegend von sehr, sehr kleinen Maßstäbchen) an und wird dann von Soldaten gefilzt.
Das komplette Gepäck wird links gemacht und durchsucht, per Hand und sehr gründlich.
Wer meint irgendwas auf diesem Weg schmuggeln zu können, soll es sein lassen!

Eine kleine Randbemerkung: Kolumbien hat verschiedene Abkommen mit den USA und die DEA ist sehr aktiv vor Ort. Wer in Kolumbien Drogengeschäfte macht, kann unter Umständen in den USA im Gefängnis versauern. Onkel Sams Arm reicht weit hinein in „seinen Hinterhof“.

Danach läuft man durch die kleine Siedlung und wird recht schnell die Immigration finden. Ein halbwüchsiger, aber sehr freundlicher Einreisebeamter hat uns ohne Umstände das Visum reingestempelt.
Im Internet liest man oft, dass man die Grenzkontrollen nach Panama sehr genau wären. Wir hatten nicht nur keine Probleme, sondern das ganze ging so schnell und reibungslos wie sonst nirgends in Südamerika.
Das einzig Gute an Puerto Obaldia ist der Flugplatz. Von hier kann man einen Inlandsflug nach Panama-City nehmen. Wir sind mit einer kleinen Maschine geflogen, einer 18 Sitzer Cessna.
Airpanama fliegt jeden zweiten Tag, die Flugzeit beträgt knapp 1 Stunde.

Unter uns die bergige, grüne Hölle. Durchzogen von kleinen und mittelgroßen Flüssen. Wenn man dort unterwegs ist, braucht man früher oder später ein Einbaum um weiterzukommen.
Wir müssen an die drei Chinesen denken, die da unten irgendwo sind und an Rainer, der früher hier immer rumgeflogen ist.
Fliegen ist wirklich wunderschön, vor allem wenn man selbst fliegen kann.

Im Flugzeug nehmen wir auch vorübergehend Abschied von Südamerika. Wir waren hier 10 Monate unterwegs. Ein Teil – eigentlich ein riesiger Brocken, Brasilien – fehlt noch. Wir haben schon halbkonkrete Pläne. Wissen wohin wir zurück kommen wollen und wo wir hin wollen.
Der Flug nach Panama-City war traumhaft schön, das Wetter perfekt, die Sicht gigantisch.Wir hatten quasi einen Sightseeing-Flug über die Stadt.
Der Landeanflug ist spektakulär.
Zuerst fliegt man parallel zur Küste an der Skyline vorbei, sieht unter sich die vorgelagerten Inseln, Schiffstankstellen und die zahllosen Frachter, die durch den Kanal wollen. Dann sieht man die „Altstadt“ und dreht bei Richtung Bogenbrücke „Las Americas“. Man fliegt an den Kanalschleusen vorbei, den Verwaltungsgebäuden der Kanalbehörde und landet auf einem kleinen Flughafen neben dem Busbahnhof und dem Einkaufscenter, unweit des Aussichtshügels.

Über Zentralamerika bald mehr!

Wir sind seit einiger Zeit in Mexiko, und im Moment an der Pazifikküste in der Nähe von Puerto Escondido, in Mazunte. Wir haben grad einen Monat lang Yoga und Meditation intensiv praktiziert und werden jetzt nochmal einen Monat unser Wissen und Können vertiefen.

Herzliche Grüße in die Welt und an alle Interessierten.

Hasta Luego!