Im Mai waren wir in Arequipa, im Südwesten Perus. Diese schöne, alte Kolonialstadt steht vor der prächtigen Kulisse dreier Vulkane, die immer wieder rauchen und brummen.
Die Gebäude, Kirchen und Paläste des Altstadtzentrums sind aus weißem Vulkanstein.
Hier haben wir das erste mal viele Menschen des Andenplateaus zu Gesicht bekommen.
Frauen mit Hüten und Wollkleidern verkaufen auf dem Markt Produkte des Altiplano.

Llamas und Alpakas stehen in Hinterhöfen, auf Feldern oder werden durch die Straßen der Altstadt geführt, um für Fremde ein willkommenes Fotomotiv zu bieten. Gegen Bezahlung versteht sich.
Hier kommen wir auch das erste mal mit den Blättern des Coca-Strauchs in Kontakt, die wir als Tee trinken oder kauen; vorzugsweise mit einer Kohlepaste mit Minzgeschmack.
Die Angewohnheit begleitet uns in den nächsten Wochen und ist überall auf dem Altiplano selbstverständlich.
Coca Blätter sind ein jahrtausende altes Kulturgut des Andenraumes. Sie wirken gegen Soroche, auch unter dem Namen Höhenkrankheit bekannt. Außerdem sind sie ein „ritueller“ Bestandteil des täglichen Miteinanders.
Wenn sich Menschen auf den Wegen und Pfaden begegnen werden der Höflichkeit und Tradition folgend Kokablätter ausgetauscht.
Das ist auch heute noch immer lebendige Tradition, natürlich nicht in den Städten, aber sobald man außerhalb der urbanen Zentren ist.
Für alle Wanderer und Individualreisende empfiehlt sich immer Coca-Blätter dabei zu haben, wenn man unterwegs ist. Sobald man nach dem Weg fragt oder andersweitige Auskünfte verlangt, ist der Austausch von Coca-Blättern ein Türöffner.
Darüberhinaus macht es auch einfach Spaß die Backentaschen wie ein Hamster prall gefüllt zu haben und die Blätter über Stunden zu kauen/lutschen.

Arequipa hat auf jeden Fall viel zu bieten. Es gibt unzählige Kirchen, Klöster, Museen und andere kulturelle Einrichtungen, deren Besuch auf jeden Fall lohnenswert ist.
Außerdem macht es einfach Spaß durch die Altstadt zu laufen und die Aussicht auf die Vulkane zu genießen.

Ein paar Stunden außerhab von Arequipa befindet sich Colca-Canyon, der zweittiefste Canyon des Planeten, noch vor dem Grand Canyon in Arizona. Platz eins belegt überigens der Canon del Cotahuasi, ebenfalls in Peru und nicht weit entfernt.
Als Ausgangsbasis für eine mehrtägige Wanderung haben wir uns Cabanaconde gewählt, ein kleines Kolonialstädtchen.
Der Weg dorthin ist schon sehr schön. Man sieht überall Alpaca- und Lamaherden und eine weite, wilde Landschaft mit Bergriesen im Hintergrund.

In der Nähe befindet sich der Cruz del Condor (Kreuz des Kondors), von wo aus man am frühen Morgen beobachten kann wie sich die gigantischen Vögel in die Lüfte erheben und tief in die Schlucht stürzen.
Allerdings kann man auch überall während einer Wanderung diese Riesenvögel beobachten.

Die Aussicht auf die über 4000 bis 5000 Meter hohen Berge und die über 3000 Meter tiefe Schlucht an deren Boden sich ein Fluß immer tiefer in die Erde gräbt ist atemberaubend – und das teilweise wörtlich.
An den Hängen des Canyon befinden sich überall Terrassen, die hunderte Jahre alt sind und wo Mensch und Tier bis heute Landwirtschaft betreiben. Unvorstellbar welche Anstrengungen dafür aufgebracht werden.

Wir sind also losgewandert, auf schmalen Eselpfaden tief hinab in die Schlucht. Esel oder Pferde kann man sich auch tatsächlich mieten, um sich oder sein Gepäck transportieren zu lassen. Manche Orte und Siedlungen lassen sich nur zu Fuß oder mit den Tieren erreichen.
Man ist also wirklich sehr fern der „modernen Welt“.

Am Fuße des Canyon befinden sich an mehreren Stellen Oasen, wo sich außerdem heiße Quellen befinden. Man befindet sich in vulkanischem Gebiet.

In allen kleinen Ortschaften in der Schlucht findet man einfache Übernachtungsmöglichkeiten.
Hier sehen wir auch zum ersten mal Meerschweinchen, die in Käfigen gehalten werden und zum Verzehr bestimmt sind.

Am nächsten Tag wollen wir weiter die Schlucht erkunden und brechen im Morgengrauen auf.
Nachdem wir einen Teil der Strecke auf einer Schotterstraße zurücklegen, geht es dann die Hänge entlang, hoch hinauf und tief in Nebentäler hinein.
Es wird wirklich sehr steil, der Pfad immer schmaler und ab und an müssen wir über Geröllfelder klettern.
Über Stunden sehen wir keine Menschenseele.
Eine ältere Frau, die wir zu Beginn gesehen haben, ist an uns vorbei gezogen und weit vor uns außer Sichtweite.
Unglaublich wenn man sich vor Augen führt, dass dort wo andere „Abenteuer“ suchen Menschen ihrem Alltag nachgehen, auch wenn das bedeutet stundenlange Fußmärsche auf sich zu nehmen, um Orte zu erreichen, die für den einen „Zivilisation“ bedeuten und für den Touristen aus Europa immer noch „am Arsch der Welt“ liegen.

Nach vielen Stunden beschwerlichen, aber atemberaubend schönen Wegen und vielen Auf- und Abstiegen kommen wir plötzlich in einer Oase an, die am Fluß liegt.
Natürlich gehen wir direkt in die heißen Quellen, um uns zu entspannen.
Am nächsten Tag wartet nämlich ein stundenlanger Aufstieg über mehrere tausend Höhenmeter.

Im Dunkeln stehen wir auf und machen uns auf den Weg. Nachdem wir den ersten Teil hinter uns gebracht haben, sehen wir einen Koyoten.
Dann überqueren wir die Brücke. Jetzt beginnt der Aufstieg. Zuerst geht es auf fast nicht erkennbaren Pfaden die Wand hinauf.
Die Straße unter uns wird immer kleiner.
Es geht immer weiter nach oben.
Über Stunden.
Zum Glück sind wir so früh wie möglich gestartet. Es ist noch kühl und die Sonne steht noch nicht zu hoch.
Irgendwann sind wir oben. Zwischendurch genießen wir immer wieder die unglaublich schöne Landschaft.
Die Dimensionen sind gigantisch. Wege die wir gegangen sind, erkennt man nur noch durch dünne Linien an den Berghängen.
Nach einer weiteren Nacht in Cabanaconde, fahren wir zurück nach Arequipa.

Mit der Höhe hatten wir diesmal keinerlei Probleme. Durch die Wanderung sind wir sogar noch besser akklimatisiert.

In Arequipa legen wir diesmal nur einen kurzen Zwischenstop ein. Wir kennen die Stadt bereits und haben soweit alles gesehen.

Wir sind nur zu Durchreise hier. Das nächste Ziel ist der Titicaca-See oder vielmehr Puno, die letzte Stadt in Peru wo wir uns aufhalten wollen bevor wir nach Bolivien gehen.

Puno an sich ist eine wenig spannende Stadt. Der Altstadtkern ist ganz schön, aber nach Arequipa nichts besonderes mehr.
Die touristische Infrastruktur bietet ein Überangebot. Deswegen sind die Preise in Ordnung.
Es gibt gute Unterkünfte und reichlich Essen für wenige Soles.
Schön, dass die Peruaner in „Sonnen“ bezahlen.

In allen Andenländern gibt es – hauptsächlich als „Almuerzo“ (Mittagessen) – oft gute und günstige Mittagsmenüs. Für 2-3 Euro bekommt man neben einer guten Suppe, ein Hauptgericht, eine Nachspeise und ein Getränk.
Manchmal zahlt man so lächerlich wenig, dass man es kaum glauben kann.

Puno ist verdammt kalt. In der Nacht sinkt das Termometer in den negativen Bereich. Tagsüber ist es in der Sonne richtig heiß. Man sucht den Schatten, wo man dann wiederum kalt hat. Verrücktes Klima.
Die Unterkünfte haben alle – abgesehen von wirklichen Luxushotels – keine Heizung. Man zieht sich warm an und geht früh schlafen, mit mehreren Decken.
Das Wasser ist zum Glück heiß, sodass wir uns beim Duschen aufwärmen können.

Am nächsten Tag starten wir zu einer Titicaca-See Tour.
Das touristische Standardprogramm, ganz klar. Man kommt aber nicht daran vorbei, wenn man den See befahren will und was sehen möchte.

Der See ist mit 8400 Quadratkilometern in einer Höhe auf ca.3800 Metern über dem Meeresspiegel der größte höchstgelegene schiffbare Binnensee des Planeten und der größte See Südamerikas.
Der Maracaibo-See in Venezuela ist zwar größer, aber hierbei handelt es sich um ein Binnenmeer.
Wir besuchen die Islas Uros.
Es handelt sich hierbei um schwimmende Inseln aus Schilf.
Das Schilf findet nicht nur Verwendung für die Inseln selbst, sondern auch die Häuser, Boote und andere Dinge sind daraus gefertigt. Sogar essen kann man das junge Schilf wovon wir uns selbst vergewissert haben.

Das Volk der Uros lebte schon vor den Inkas am und auf dem See und hat die schwimmenden Inseln auch zur Sicherheit vor den kriegerischen Inkas angelegt.
Die Menschen auf den Inseln werden vom peruanischen Staat unterstützt und leben von Tourismus und Subsistenzwirtschaft.

Der Besuch ist zwar touristisch, aber dennoch nicht zu übertrieben und interessant. Mittlerweile kann man auch in einfachen Unterkünften auf den schwimmenden Inseln übernachten.
Jede Familie besitzt eine schwimmende Insel mit mehreren Hütten und Gemeinschaftshäusern. Die Inseln sind teilweise miteinander verbunden oder in unmittelbarer Nähe dörflich organisiert und mit Booten erreichbar.
Die Touristen-Boote werden von den Dorfchefs auf die jeweiligen Familien zugeteilt, sodass jeder gleichermaßen von den Touristen profitiert.
Die Inseln sind am Grund verankert, sonst würden sie bei dem teilweise recht starken Wind wegtreiben und die peruanischen Bürger würden eventuell in Bolivien aufwachen.

Danach sind wir noch nach Taquile gefahren, ebenfalls eine Insel im See, auf der die Menschen immer noch die „Inka-Terrassen“ nutzen – die übrigens von den Inkas auch nur übernommen und von einer viel älteren Kultur (Tiwanaku) angelegt wurden – und die Männer stricken.
Die hat der Insel auch den Namen „Insel der strickenden Männer“ eingebracht. Die Wollprodukte sind für den Eigenbedarf und natürlich den Verkauf bestimmt.
Die Preise werden gemeinschaftlich festgelegt und die Erlöse aus dem Verkauf kommen der ganzen Inselgemeinschaft zu Gute.
Der höchste Punkt der Insel ist auf fast 4000 Metern. Man sieht am Horizont bolivianische Bergriesen, eisbedeckt und majestätisch betrachten sie den See.

Der Name Titicaca kommt von der Sprache der Aymara und besteht aus dem Wort „titi“ (für „große Katze“ oder „Puma“) und „kaka“ (was soviel wie „grau“ heißt, aber wahrscheinlich von dem Wort „karka“ abgeleitet wurde was „Fels“ oder „Stein“ bedeutet).
Der Legende nach soll der erste Inka „Manco Capac“ über einen Felsen auf der Sonneninsel auf die Erde gekommen.
Wie wir selbst feststellen sollten – aber zu einem späteren Zeitpunkt einige Wochen darauf auf der Sonneninsel die im bolivianischen Teil des Sees liegt – erkennt man mit sehr viel Fantasie, dass dieser Felsen einen Pumakopf darstellt.
Kurioserweise ähnelt aber auch der Titicacasee selbst – aus der Luft betrachtet – einem Puma.

Der Wasserpegel des Sees sinkt seit Jahren leider dramatisch und die Qualität des Wassers ist auch nicht die Beste, um das ganze euphemistisch auszudrücken.
Vor allem illegale Minen in der Nähe des Sees oder seinen Zuflüssen belasten das Wasser mit ihren giftigen Chemikalien.
Wenn das Wasser giftig ist, sind mit Sicherheit auch die Fische belastet, die rund um den See gefangen und verzehrt werden. Damit gelangt das Gift wiederum zurück zu den Menschen. Wahrscheinlich nur nicht zu denjenigen die es zu verantworten haben. Wie immer leiden die falschen.

Nach unserem Ausflug auf den See und einer weiteren Nacht in Puno sind wir am nächsten Tag nach Bolivien gereist.
Ursprünglich wollten wir damals aus Nordchile direkt nach Bolivien, mussten uns aber eine alternative Route einfallen lassen, da ich Probleme mit der Höhe bekommen habe.
Deswegen war unser erster Peru Besuch recht kurz und nur eine verlängerte Durchreise, um zuerst nach Bolivien zu gelangen.

Der erste Ort in Bolivien ist Copacabana, malerisch am Titicacasee gelegen.

Einen Ausflug auf den See, vor allem die Sonneninsel, haben wir uns für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben.
Wir waren mehr oder weniger auf der Durchreise nach La Paz und haben in Copacabana nur eine Übernachtung eingelegt.

Am nächsten Tag ging es mit dem Bus nach La Paz.
Auf dem Weg dorthin überquert man eine Seeenge bei San Pablo de Tiquina.
Der Bus wird auf einer „Autofähre“ hinübertransportiert, die Passagiere müssen schwimmen.
Nein, natürlich nicht.
Die Passagiere werden in kleinen Motorbooten in einer 5 minütigen Überfahrt auf die andere Seite gebracht, die nur 800 Meter entfernt ist.

In dem Ort hat die bolivianische Marine einen Stützpunkt.
Boliviens Marine ist nur an Seen und Flüssen vertreten, da das Land keinen Meerzugang hat, nicht mehr.
Chile hat im „Pazifikkrieg“ auch als „Salpeterkrieg“ in den Jahren 1879 bis 1884 Bolivien die nitrathaltige Atacama Wüste und 850 Kilometer feinste Pazifikküste gestohlen.
Die Bolivianer haben diese Schmach immer noch nicht überwunden. Beflügelt wird das ganze durch politisch gewollten Revanchismus. Dieser Quatsch erinnert ein wenig an den argentinischen Trotz, der überall auf Plakaten verkündet, dass die Falklandinseln, respektive die „Islas Malvinas“, argentinisch seien.
Am Fährableger in San Pablo de Tiquina – aber auch an allen anderen „Marinestützpunkten“ des Landes – liest man:
„Lo que un dia fue nuestro nuestro otra vez sera“; was soviel heißt wie: „Was uns einmal gehört hat, wird uns wieder gehören“.
Unter der bildlich naiven Darstellung eines bolivianischen Soldaten, der mit seinem Bajonett einen chilenischen Soldaten ersticht, steht übersetzt etwa folgendes geschrieben:
„Haltet euch fest, Rotos, hier kommen die Colorados aus Bolivien“

„Rotos“ heißt so viel wie „Asoziale“ und ist in Bolivien und Peru eine beleidigende Bezeichnung für Chilenen. „Colorados“ ist eine Anspielung auf die rote Uniform der abgebildeten Soldaten.

Völkerverständigung sieht anders aus.

Aber auch andere Themen bieten Stoff für Spannungen zwischen Bolivien und seinen Nachbarn, allen voran Chile.
Im Süden Boliviens ist das Thema „Wasser“ von großer Bedeutung.
Irgendwann wird es deshalb zu einem Krieg kommen, nicht nur in Südamerika auch zwischen Indien und China und anderen Regionen in der Welt, wo das lebensnotwendige Gut knapp wird.
Chile zweigt vor allem für seine Kupferminen sehr viel Wasser aus dem Altiplano ab.
Bolivien sieht sich deswegen benachteiligt und Evo Morales hat deshalb bei den Vereinten Nationen Widerspruch gegen dieses Verhalten eingelegt.
Selbst geht Bolivien aber mit keinem guten Beispiels voran und denkt über den Bau eines Atomkraftwerkes in El Alto bei La Paz nach.
Wer sich vor Ort umgesehen hat, wird sich kopfschüttelnd fragen woher bitte das Kühlwasser genommen werden soll.
Außerdem könnte Bolivien, die davon abgesehen überhaupt so gut wie keine nennenswerte Industrie haben („Warum braucht ihr soviel Strom?!“), seinen Energiebedarf aus Sonne und Wind generieren.
Sonne scheint auf dem Altiplano zu genüge und Wind weht dort auch das ganze Jahr über.
Auf dem Weg nach La Paz wird die Besiedlung dichter.
Zuerst sind da nur Weiden, Felder, Lamaherden und vereinzelte Bauernhäuser, Ställe.
Irgendwann sieht man immer mehr Grundstücke die abgesteckt sind.
Dann kommen immer mehr Mauern, die den Grund und Boden als Privateigentum ausweisen.
Wer es sich leisten kann, baut kleine Hütten oder Häuschen darauf.
Die Besiedlung wird dichter.
Irgendwann kommen kleine Handwerks- und Industriebetriebe dazu.
Die Straße wird momentan ausgebaut.
Fußgängerbrücken sollen das Überqueren ermöglichen.
Irgendwann ist man in einem urbanen Zentrum, das immer weiter wuchert.
Willkommen in EL Alto!

El Alto ist sowas wie der große Bruder von La Paz.
Bis 1985 war es ein Stadtteil von Boliviens Regierungssitz, aber mittlerweile ist eine eigene Stadt daraus geworden, und zwar die zweitgrößte in Bolivien, nach Santa Cruz im Süden und noch vor La Paz und Cochabamba.

Praktisch gesehen handelt es sich um ein Ballungsraum. Eine große Megacity.
In El Alto haben sich die ganzen Industriebetriebe angesiedelt und hier liegt der höchstgelegene internationale Flughafen der Welt.
Hier wohnen die „Armen“ und blicken (verächtlich?!) auf die „Reichen“ unten im Talkessel von La Paz.
Hauptsächlich „Indigene“ siedeln sich hier an.
Der Vorteil von El Alto ist, dass die Stadt neu gebaut wird.
Straßen, Versorgungsleitungen, Häuser, alles wird neu errichtet. Unten in La Paz herrscht dagegen Chaos. Koloniale Bauten und moderne Bürogebäude stehen dicht an dicht.
Alles ist alt und marode und modernisieren lässt sich das ganze nicht mehr Nur der weitere Zerfall wird verhindert, zumindest verlangsamt.
In El Alto wohnt man hingegen mit einer guten Aussicht und der Hoffnung, dass sich die Lage verbessert.
Wer hier angekommen ist, hat einen langen Weg hinter sich, zumindest sozial gesehen.
Je nachdem wo man in El Alto wohnt, lebt man auf der Schnittstelle zwischen urbanem Raum und dem Land. Viele Menschen hier wissen beides zu vereinen und zu nutzen.
Man arbeitet teilweise in der Landwirtschaft, hilft zumindest aus und verkauft die Erzeugnisse in der Stadt.
Manch einer hat zwei Jobs, in zwei Welten.
Arbeit in einem kleinen Laden, der Mobiltelefone verkauft und zur Erntezeit oder Aussaat bei der Familie auf dem Land.

Die Tatsache, dass man in Bolivien meist unverputzte Häuser sieht, ist kein Zeichen von Armut, sondern ein Steuertrick.
Solange ein Haus nicht verputzt ist, ist es unfertig und man muss deswegen keine Steuern zahlen.

Abgestiegen sind wir in La Paz.
Ein schöner Name für eine Stadt, heißt es doch übersetzt „Frieden“.
Eigentlich ist der offizielle Name der Stadt „Nuestra senora de la Paz“ („Unsere Liebe Frau des Friedens“) und erinnert an einen verhinderten Aufstand der indigenen Ureinwohner.
Der soziale Frieden ist in Bolivien noch nicht eingekehrt, aber die Situation hat sich in den letzten Jahren verbessert.
Dies ist gewiss auch ein Verdienst der sozialen Politik von Evo Morales, dem nicht unumstrittenen Präsident des Landes.

Überall in Bolivien kann man auf Wänden, Brücken oder anderen Betonflächen entweder „Evo Si“ oder „Evo No“ lesen, womit der Schreiber jeweils seine Zustimmung oder Ablehnung des Präsidenten und seiner Politik zum Ausdruck bringt.
Meistens überwiegt das „Evo Si“. Zumindest noch.
Generell steht Bolivien gesamtgesellschaftlich betrachtet besser da wie vor der Wahl von Morales.
Die Verstaatlichung der ausländischen Öl- und Gasbetriebe war sicherlich richtig und bringt dem Staat nun mehr Geld ein, das unter dem Strich dem gesamten Volk zu Gute kommt.
Mit seiner kapitalismus- und amerikakritischen Politik hat sich der bolivianische Präsident allerdings nicht nur Freunde gemacht.
Vor allem der alte bolivianische Geldadel und die wenigen Superreichen in Bolivien machen Stimmung gegen die Politik des Präsidenten und seiner Partei.
Da ein Präsident es nicht allen recht machen kann und Kompromisse eingehen muss, sind mittlerweile viele Bolivianer nicht mehr zufrieden mit der Politik des Staatschefs.
Bis 2019 darf Evo allerdings noch regieren. Danach kann er auch nicht mehr zur Wahl antreten, da die Verfassung eine dritte Amtszeit nicht vorsieht.
Eigentlich wäre das die vierte Wiederwahl. Da allerdings 2009 eine neue Verfassung verabschiedet wurde, hat der oberste Gerichtshof in Bolivien entschieden, dass die zweite Amtszeit von Morales seine erste sei, da sie unter einer neuen Verfassung stattgefunden hat.

Wir haben uns in La Paz recht wohl gefühlt. Oft wird die Kriminalität in La Paz thematisiert. Gleiches gilt auch für Lima, Cusco, Quito oder Bogota und eigentlich alle anderen großen Städte des Kontinents.
Eins vorweg: Bisher haben wir keine negativen Erfahrungen machen müssen. Hoffentlich bleibt das weiterhin so.
Wir haben uns weder in La Paz noch in einer anderen großen Südamerikanischen Stadt unsicher gefühlt.
Wenn man mit ein wenig gesundem Menschenverstand, allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen und einiger Reiseerfahrung sich den großen Städten nähert, sind diese nicht gefährlicher als jede andere Stadt auf dem Planeten.

La Paz ist erst mal atemberaubend. Das kommt vor allem daher, dass man sich auf fast 4000 Metern über dem Meeresspiegel befindet. Dazu kommt noch, dass die Straßen oft unglaublich steil sind.
Man braucht schon ein paar Tage, bis man sich an die Höhe gewöhnt hat. Mit viel Mate de Coca (Kokatee), einem ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt und vor allem ohne Stress und Hektik kommt man ganz gut damit zu recht.

Wir waren während unserer ganzen Zeit in Bolivien 3 mal in La Paz, immer mal wieder für einige Tage.

Es gibt einiges zu sehen in der Stadt. Angefangen bei etlichen Kirchen und kolonialen Gebäuden, über Ausflüge in die nähere Umgebung bis hin zu kulturellen Veranstaltungen oder aber auch dem täglichen Leben.
Die Stadt ist sehr kontrastreich.
Als aller erstes fallen einem sofort die Cholitas auf.
Als Cholita bezeichnet man die Frauen indigener Abstammung, die eine besondere „Tracht“ tragen.
Diese besteht aus einem Überrock, der aus mehreren Metern Stoff besteht und bis zu zehn (!) Unterröcken. Dadurch wirken die Frauen oft dick und rundlich.
Einige sind zugegebenermaßen natürlich auch wirklich dick.
Ein weiteres Merkmal der Cholitas sind die typischen Hüte. Meistens handelt es sich um Melonen oder Bowler.
Angeblich hat zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein italienischer Huthersteller versehentlich eine große Lieferung an Herrenhüten nach Bolivien verschifft.
Die Männer fanden die Hüte allerdings nicht so toll und daher hat die Importfirma arme Frauen als Zielgruppe auserkoren und behauptet die Hüte seien in Europa der neuste Modetrend unter Frauen.
Damit hat sich der Cholita-Stil etabliert. Ich glaube wir haben in ganz Bolivien keinen einzigen Mann so einem Hut gesehen. Dafür trägt so gut wie jene Indigene einen solchen Hut.
Weiterhin haben die Cholitas ein großes Schultertuch umgelegt (es ist kalt auf dem Altiplano) und viele tragen Goldschmuck oder lassen sich Goldzähne machen.
Viele Frauen in Bolivien (und Peru) benutzen ein bunt gefärbtes, gewebtes Tuch als Tragehilfe, um Einkäufe oder Babys auf dem Rücken tu transportieren.

In El Alto kann man sich sogar Cholita Wrestling anschauen, wozu wir zwar Lust gehabt hätten, uns aber die Zeit fehlte.
Wir haben uns allerdings in El Alto die Feria de 16 de julio angeschaut.
Hierbei handelt es sich um einen Donnerstags und Sonntags stattfindenden Markt. Es ist einer der größten Freiluftmärkte weltweit.
Es gibt alles zu kaufen was es gibt. Man findet selbst Autos, Baumaschinen und in manch dunklen Ecken sogar Kriegswaffen. Das letztere haben wir zwar nicht mit eigenen Augen gesehen, wollen es aber gerne glauben, da es wirklich alles gibt. Selbst Esel kann man dort kaufen.
Der Besuch ist ein Erlebnis an sich. Es gibt eine Hauptstraße entlang der Bahngleise und unzählige Nebenstraßen.
Touristen sieht man kaum. Vermutlich weil El Alto als „gefährlich“ gilt. Hoffentlich hält sich dieser Ruf noch lange, dann hat man als Reisender weiterhin seine Ruhe dort oben und ist vor Reisebusgruppen und Oberstudienräten in Khaki und Socken in den Sandalen sicher.

Der Markt in La Paz ist eine gute Möglichkeit günstig und gut zu essen. Nebenbei kann man Leute beobachten und sich in dem labyrinthartigen Gebäude verlaufen.
Auf dem Markt haben wir zum Frühstück meist Api getrunken, ein heißes Getränk aus roter und/oder weißer Maisstärke, da mit Zimt und anderen Gewürzen an Glühwein oder Weihnachtspunch erinnert und zu dem man meist ein Pasteles isst. Ein aus Teig geformtes Teilchen, das durch die Hitze beim frittieren aufgeht und in dessen Innerem sich ein wenig salziger Käse befindet. Das ganze wird mit Puderzucker bestäubt.
Der Kontrast von süß und salzig passt richtig gut und ein heißer Api wärmt bis in die Fußspitzen.

Überraschenderweise haben wir viele lokale vegetarische Essensmöglichkeiten entdeckt, wo es reichhaltige Mittagsmenüse gab, die einen für den ganzen Tag gesättigt haben.
Ebenso sehenswert ist der „Hexenmarkt“, wo man allerlei „kultische“ Dinge kaufen kann, von Lamaembryonen bis zu speziellem Holz für rituelle Rauchopfer und magischen Getränken und vielem mehr.
Die Lamaembryonen werden zu kultischen Opferritualen für eine gute Ernte oder den Bau eines neuen Hauses gebraucht.
Der Einfluss von Quechua und Aymara Gottheiten ist immer noch stark im Alltag spürbar. Auch wenn die meisten Bewohner der Andenländer formell römisch-katholisch sind, wird darüberhinaus den ursprünglichen Gottheiten Tribut gezollt.
Am bekanntesten und sympatischsten ist hierbei „Pachamama“, was mit „Mutter Welt“ oder „Mutter Kosmos“ übersetzt werden kann.
Diese Gottheit hat eine Vermittlerrolle zwischen der Ober- und Unterwelt und wird als lebensschenkende und schützende Erdmutter angesehen.
Alles kommt von Pachamama und geht auch dahin zurück. Die Andenbewohner sind somit immer auf ein Gleichgewicht oder Ausgleich bedacht. Man erhält etwas (bspw.Ernte) und gibt auch immer etwas zurück.
Als triviales Beispiel lässt sich anführen, dass bei Trinkrunden immer ein kleiner Schluck auf die Erde geschüttet wird, um Tribut zu zollen.
Aber auch an besonderen Plätzen, werden zum Beispiel Coca-Blätter geopfert oder Speiseopfer dargebracht.
Generell ist man auf einen Ausgleich mit der Natur bedacht. Dieser ganzheitliche Ansatz findet sich auch bspw. in der Verfassung von Ecuador wieder, wo Pachamama und „sumak kawsay“ („harmonisches Leben“) 2008 aufgenommen wurden.
Ziel ist eine materielle, spirituelle und soziale Zufriedenheit für alle Mitglieder der Gemeinschaft, aber nicht auf Kosten anderer Mitglieder und der natürlichen Lebensgrundlagen.

Ein solches Konzept sollte weltweit in allen Verfassungen Eingang finden und zur Maxime allen staatlichen und wirtschaftlichen Handelns werden.
Pachamama wird überall verehrt und ohne bildlich-figürliche Darstellung. Pachamama ist auch mehr als die „Mutter Erde“. Im Prinzip wird „das Leben“ an sich verehrt.

Es gibt auch einen „Schwarzmarkt“ in La Paz wo man alle möglich Markenkleidung findet (natürlich gefälscht oder geschmuggelt) und viele andere Dinge.

Was den Nahverkehr angeht ist die Stadt wie in allem anderen auch sehr kontrastreich.
Einerseits gibt es alte amerikanische Schulbusse, die als öffentlicher Personennahverkehr missbraucht werden und soviel CO2 ausstoßen wie ein deutsches Kohlekraftwerk, vor allem wenn sie an den steilen Bergen anfahren müssen.
Andererseits gibt es seit 2014 ein Seilbahn-System, das bisher drei Linien umfasst und weitere bis 2020 vorsieht. Gebaut wurde das ganze vom österreichischen Weltmarktführer Doppelmayr und ist an 360 Tagen im Jahr, 17 Stunden täglich im Einsatz.
Die Fahrtkosten betragen pro Strecke (egal wieviele Stationen) etwa 37 Eurocent, dazu gibts einen unglaublich spektakulären Blick und gratis Wifi in den Gondeln und Stationen.
Das revolutionäre Nahverkehrssytem ist nicht nur umweltfreundlicher als die ganzen Minibusse, Pkws und sonstigen Drecksschleudern die länger im Stau stehen als vorwärtszukommen, sondern beinhaltet auch eine sozialrevolutionäre Komponente.
Die Armen „da oben“ in El Alto und die Reichen „unten“ in La Paz werden mit der Seilbahn nicht nur verkehrstechnisch befördert, sondern auch miteinander „verbunden“.

Während unserer Aufenthalte in La Paz haben wir auch sehen können, dass nicht alle Bolivianer mit der Politik des Präsidenten zu Frieden sind.
Der Platz an der Kathedrale und dem Präsidentenpalast war an allen Zugängen mit meterhohen Gittern abgesperrt und von starken Polizeiaufgeboten in Kampfmontur gesichert.
Angst hatte man vor Behinderten, die in einer Straße eine Zeltstadt aufgebaut hatten und dort für mehr soziale Gerechtigkeit demonstrierten.
Proteste aller Art sind in Bolivien an der Tagesordnung. Unsere Weiterreise wurde auch einmal um einen Tag verschoben, weil die Busfahrer gestreikt haben.
Oft werden Straßen blockiert. La Paz ist dafür besonders anfällig, weil die Stadt in einem Talkessel liegt und nur wenige Straßen raus führen. Deswegen greift der Staat bei einer Blockade der Stadt hart durch und es kommt immer wieder zu Straßenschlachten.
Vor ein paar Tagen wurde der stellvertretende bolivianische Innenminister von streikenden Bergarbeitern an einer Straßenblockade totgeschlagen und sein Leibwächter schwer verletzt.
Ein motorradfahrender Langzeitreisebekannter von uns hat mit Glück eine Straßenblockade überwinden können und ist dem Mob entkommen, der versucht hat seine Reifen zu zerstechen.
Merke: Streiks in Bolivien können schnell ausarten und Straßenblockaden sollte man weiträumig umgehen, vermeiden und auf jeden Fall respektieren, sonst kanns kritisch werden.

Jedenfalls war der Platz vor dem Präsidentenpalast sehr leer. Gut wenn man seine Ruhe wollte, schlecht für die Händler vor Ort, wie uns ein deutsch-bolivianischer Goldschied jüdischer Abstammung versichert hat.
Wenn man sich zur Abendstunde auf dem Platz aufhält, kann man die Wachablösung beobachten, die von Soldaten – eher schmalbrüstigen Kindern – in traditionellen Kolonialuniformen durchgeführt wird.
Dann wird noch die Flagge eingeholt wobei Einheimische wie Besucher von Militärpolizisten höflich aufgefordert werden dabei ruhig zu sein und aufzustehen – falls man grad beispielsweise auf einer Bank gesessen hat.
Danach wird man übrigens gebeten – ebenfalls wieder sehr höflich mit einem „Disculpa“ und einem verschämten Lächeln – doch bitte wieder Platz zu nehmen und sich wohl zu fühlen.
Wir hatten immer unseren Spaß in La Paz.

Nach unserem ersten Aufenthalt sind wir in den Süden gefahren.
Zuerst nach Oruro.
Diese Industriestadt ist geprägt durch den Bergbau. Für uns war die Stadt nur Durchgangsstation, um mit dem Zug nach Uyuni zu gelangen, dem Tor zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt.

In Oruro laufen so ziemlich alle Fernstraßen Boliviens zusammen. Darüberhinaus existiert hier auch eine wieder reaktivierte Bahnlinie nach Uyuni.
Während des Karnevals wird hier auch mächtig gefeiert. So gut und interessant, dass die Unesco den Karneval von Oruro zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Viele Elemente der präkolumbianischen Kultur spiegeln sich hier wieder.
Schade, dass wir zur „falschen Zeit“ da waren. Wäre bestimmt interessant. Ebenso der Karneval in Paraguay, wo auch sehr heftig gefeiert und getanzt wird und das auf ganz andere Art wie man es aus Europa oder Brasilien kennt.

Die Zugfahrt nach Uyuni führt schon durch eine interessante, trockene Landschaft. Vorbei an einzelnen Seen, wo man Flamingos und andere Vögel sehen kann.

Die Stadt selbst wurde als Militärstandort gegründet und hat den Charme eines Außenpostens im lebensfeindlichen Nirgendwo.
In den letzten Jahren war sie Etappenziel der Ralley Dakar, die seit einigen Jahren in Südamerika stattfindet, da Afrika in den bisherigen Austragungsländern zu unsicher geworden ist.

Uyuni war für uns auch nur notgedrungen eine Zwischenstation, weil von hier aus die Touren in den Salar starten.
Die größte Salzfläche der Erde ist in der Regenzeit ein riesiger Spiegel, da von Wasser überschwemmt und in der Trockenzeit eine Wüste.
Der Salar ist 165 Kilometer lang und 135 breit, die Salzkruste ist 2 bis 7 Meter dick.
Außerdem befindet sich dort eines der weltweit größten Lithiumvorkommen (wahrscheinlich über 5 Millionen Tonnen!).

Die meisten Touren gehen nicht nur in den Salar selbst, sondern man sieht noch mehrere Lagunen, Geysirfelder und fährt südlich bis an die chilenische Grenze und an den Vulkan Licancabur.
Bevor es richtig losgeht besucht man noch den Eisenbahnfriedhof, wo alte Dampfloks vor sich hin rosten und der salzigen Luft „zerfressen“ werden.

Der See unter der Salzkruste ist über hundert Meter tief. In der Trockenzeit ist die Salzkruste sogar bis zu 30 Metern dick. Busse und Lkws können problemlos darauf fahren.
Tagsüber ist das Licht unglaublich hell, gleißend. So kennt man das nur aus Schnee- und Eislandschaften.
Sobald die Sonne schlafen geht, was mit einem bizarren Licht- und Farbspiel vonstatten geht, kommen die Sterne zum Vorschein und es wird kalt, saukalt!

Zuvor macht man einen Stop in einem Salzhotel. Damit ist ein Hotel gemeint, das komplett aus Salzblöcken und Salz errichtet ist.

Wir haben die erste Nacht in so einem Hotel verbracht. Allerdings war unsere Unterkunft „nur“ am Rande des Salars errichtet und nicht mitten in der Salzwüste selbst.

Ein weiterer schöner Zwischenstop ist die Insel Incahuasi. Auf den Felsformationen wachsen riesige, teilweise über 1000 Jahre alte Säulenkakteen. Der Ausblick von hier in das weiße, endlose „Nichts“ ist surreal.

Die zweite Nacht schlafen wir in einer Herberge an der Laguna Colorada. Der See ist durch verschiedene Mineralien rot gefärbt.
Wir befinden uns auf über 4200 Metern. Die Lagune ist Heimat verschiedener endemischer Flamingoarten.
Wir werden noch andere Lagunen sehen, darunter die Laguna Blanca und die Laguna Verde.
Letztere befindet sich am Fuß des Licancabur.
Die ganzen Lagunen befinden sich in einem Nationalpark.

Es geht noch höher hinaus. Auf fast 5000 Metern sehen wir bei Sonnenaufgang mehrere Geysire. Ein spektakulärer Anblick und die Geräuschkulisse ist unwirklich.
Das Pfeifen und Zischen kommt direkt aus dem Inneren des Planeten. So einen Sound haben wir vorher nur in Vanuatu und Indonesien gehört.

Dann gibts noch einen Abstecher in die Salvador-Dali-Wüste. Benannt nach Felsformationen die an Bilder aus dem Werk des spanischen Surrealisten erinnern.
Auch ein Steinbaum ist hier zu sehen.

Man sieht unterwegs „Verrückte“ die die ganze Strecke von Uyuni bis nach San Pedro de Atacama (Chile) mit dem Fahrrad zurücklegen. Auf euch alle ein Toast, ihr „Spinner“, Abenteurer und Helden!!!

Wenn man nach drei Tagen wieder in Uyuni ankommt ist der Außenposten plötzlich so groß und zivilisiert. Man merkt erst jetzt, dass man hunderte Kilometer im „Nichts“ zurückgelegt hat, welches eine der merkwürdig-schönsten Landschaften des Planeten darstellt.

Von Uyuni sind wir mit dem Bus nach Potosi gefahren.

Potosi war Jahrhunderte lang ein Synonym für Reichtum, aber auch für Grausamkeit.
Es gibt in Potosi einen Berg, den „Cerro Rico“ (Reicher Berg). Früher war dieser Berg voller Silber, mittlerweile ist er durchlöchert wie ein Schweizer Käse, hat noch ein wenig Zinn zum Abbauen und droht jederzeit zusammenzustürzen.
Die Mineros (Minenarbeiter) graben und buddeln sich durch den Berg, auf der Suche nach einem letzten Fund an Silber, oder aber weil sie sonst keine Arbeit haben.
Die Arbeitsbedingungen sind mehr als hart, unmenschlich trifft es eher.
Mehr als 10 Jahre kann keiner dort arbeiten,dann ist er kaputt. Die Lunge voller Staub. Der Körper vergiftet von Asbest und Silicium-Staub.
Es kommt ständig zu Explosionen und Schächt stürzen ein, Loren rasen unkontrolliert über die Gleise und man ist ständig der Gefahr ausgesetzt verschüttet zu werden.
Auf dem Markt kann jeder legal Dynamit kaufen. Es ist angeblich der einzige Markt weltweit wo das explosive Zeug frei verkäuflich ist.
Kinder arbeiten auch in den Minen. Da sie kleiner sind, kommen sie in enge Schächte besonders gut rein.
Viele Mineros gehen nur mit Alkohol und sonstwas benebelt in die Minen. Dort stehen überall kleine Götzenstatuen, denen man Alkohol, Zigaretten und Coca opfern muss.

Man kann selbst in die Minen gehen oder mit einer Tour.
Wir haben uns dagegen entschieden. Erstens weil wir ernsthaft Schiss hatten und zweitens wir es moralisch verwerflich finden uns an den elenden Arbeitsbedingungen der Menschen zu ergötzen und das Treiben weiterhin zu unterstützen.
Der Reichtum des spanischen Königreichs stammte zum großen Teil aus Potosi. Ganze Schiffe voller Silber sind über die Meere gesegelt mit Silber aus Potosi.
Hunderttausende oder sogar Millionen Indigene und Sklaven aus Afrika wurden in den Minen ermordet, zu Tode geschindet oder sind an Krankheiten zu Grunde gegangen.
Wer will kann die Minen besuchen. Sicherheitsvorkehrungen gibt es so gut wie keine. Die Tatsache, dass der Berg irgendwann zusammenstürzen wird steht fest. Die Frage ist nur wann und wieviele Tote es dann gibt.
Bekannt ist das alles. Die Auswegslosigkeit und manchmal die Gier hindern die Menschen allerdings daran mit dem Bergbau aufzuhören.
Die Regierung hat schon oft überlegt den Cerro Rico zu schließen. Das Ergebnis sind jedesmal heftige Demonstrationen der Mineros. Die sich immer auch mit Dynamit zur Wehr setzen.
Ein Blutbad wird es wohl so oder so irgendwann geben.

Es gibt in Bolivien noch jede Menge anderer Minen, die meisten sind zugänglich gegen eine kleiner Spende Schnaps, Zigaretten, Coco und Dynamit.

Wir sind Sonntags durch Potosi durchgekommen. Die Stadt hat keinen einladenden Eindruck gemacht und wir sind weiter nach Sucre.

Sucre ist die offizielle Hauptstadt des Landes.
Die Stadt ist freundlich, sauber und gleich sympatisch.

Wir haben hier langzeitreisende Freunde getroffen,die wir das letzte mal in Osttimor gesehen haben.
In Australien und Neuseeland haben wir uns immer knapp verpasst und in Südamerika waren sie uns auch immer ein Stück voraus oder sind uns „entwischt“.
Diesmal haben wir Kevin und Kerstin, die mit einem Motorradgespann unterwegs sind und Frank, der schon seit über 5 Jahren die Welt bereist endlich angetroffen.
Wir haben einige schöne Tage in Sucre verbracht, der Stadt die nach Simon Bolivars tapferem General benannt ist und wo die Unabhängigkeitserklrung unterschrieben wurde.

Die Altstadt steht unter Unesco Weltkulturerbe und ist ein gutes Beispiel für koloniale Architektur. Viele historische Gebäude, Klöster, Kirchen und vieles mehr kann man besichtigen.
Im Umland von Sucre haben wir einen schönen Sonntagsmarkt besucht. Tarabuco ist ein kleines Dorf, wo sich Sonntags die Indigenen aus dem ganzen Umland treffen, um ihre Waren zu kaufen und zu verkaufen.
Man kann hier schön rumschlendern und Leute beobachten oder sich überlegen ein Esel oder ein Ochse zu kaufen.

Um Sucre zu verlassen, haben wir diesmal einen Flug gewählt, der unwesentlich teurer als der Nachtbus war, aber anstatt 15 Stunden, waren wir 30 Minuten unterwegs, um nach Cochabamba zu kommen.
Der große Airbus war wegen der kurzen Distanz nur sehr niedrig unterwegs, sodass man aus der Luft die Landschaft gut erkennen konnte.

Wir haben uns direkt nach unserer Ankunft für den Weitertransport entschieden und sind in nach Torotoro gefahren, um uns dort den gleichnamigen Nationalpark anzuschauen.
Der Weg dorthin haben wir in einem Minibus zurückgelegt und die Straße war über hundert Kilometer Kopfsteinpflaster und Dirtroad.
Wir wurden gut durchgeschüttelt, aber die Landschaft war wunderschön.
Im Nationalpark kann man durch trockene Flußbetten und Canyons wandern und sieht Dinosaurierfußabdrücke, die in dem weichen Sediment die Zeit überdauert haben.
Dort wo wir rumgelaufen sind, war vor Jahrmillionen nämlich Meeresboden. Als die Meeresspiegel sich gesenkt haben, sind die Dinosaurier durchgezogen.

Die Landschaft dort ist einmalig. In über 4000 Metern sind wir durch eine „Felsenfestung“ gelaufen, wo schon ganz zu Beginn der menschlichen Besiedlung des Kontinents halbnomadische Stämme gelebt haben und Höhlenmalerein hinterlassen haben.
Der Weg in den Canyon hinab zu einem Wasserfall und einem Fluß war wie die Reise in eine vergessene Welt. Wir haben dann auch eine Abkürzung durch den Berg genommen und sind durch eine Höhle in eine andere Schlucht gekrabbelt. Auf wenigen Zentimeter schmalen Pfaden sind wir wie die Bergziegen durch die Schlucht gewandert.

Nach ein paar Tagen sind wir zurück nach Cochabamba.
Dort haben wir unser Visum verlängert. Eine recht schnelle, unbürokratische und unkomplizierte Sache. In 5 Minuten waren wir gestempelt und durften 30 Tage länger im Land bleiben.
Von Cochabamba aus sind wir Richtung La Paz gefahren, aber vorher haben wir die den großen Highway verlassen und sind in ein kleines Bergdort gefahren, das Quime heißt.

Dort haben wir uns eine Woche aufgehalten und waren in dieser Zeit die einzigen Ausländer im Ort, der mit 3000 Einwohnern recht überschaubar ist.
Der Ort liegt auf knapp 3000 Metern Höhe zwischen dem Altiplano und dem Amazonas-Tiefland.
Die Berge um einen herum gehen bis auf über 5000 Meter. Ein Gebirgsbach windet sich durch den Ort. In den Bergen über dem Ort befinden sich ebenfalls Minen.
Quime war und ist ein Zentrum für den Wolfram-Abbau. Die alte Finca in der wir gewohnt haben wird von einem spanisch-bolivianischen Paar unterhalten. Übernommen haben sie das Gebäude von einem Fotografen und Geologen aus Alaska, der die Finca selbst gebaut hat und über 40 Jahre in Quime gelebt har. Mittlerweile ist er in die Karibik augewandert und kommt nur noch selten zu Besuch.
Wir haben fast täglich lange Wanderungen gemacht, in kleine Dörfer, entlang des Flußes und hinauf in die Minen.
Die Landschaft ist grün und saftig. Man könnte auch meinen man ist in den europäischen Alpen.
Nachdem wir eine Woche lang abgeschieden von der Außenwelt waren, sind wir wieder nach La Paz.
Diesmal haben wir uns nicht allzu lange aufgehalten, mussten unsere Weiterreise um einen Tag verschieben auf Grund eines Streiks.

Danach sind wir in die Yungas gefahren. Die Gegend ist die Übergangszone zwischen Andenhochland und Amazonastiefland. Es ist hier grün, feucht und um einiges wärmer als auf dem Altiplano.
Hier wächst viel Obst und vor allem Coca wird angebaut.

Hier verläuft auch die berühmt-berüchtigte „Death-Road“, die ejemals einzige Verbindung ins Tiefland, die irgendwann die Bezeichnung „tödlichste Straße der Welt“ erhalten hat.
Die Straße ist unbefestigt, ungesichert und der Abgrund geht mehrere hundert Meter in die Tiefe.
Es war und ist die einzige Straße in Bolivien wo Linksverkehr herrscht, damit die Fahrer den Rand der Straße im Auge haben können, denn nebendran ist nichts mehr außer ein gähnender Abgrund.
Heute gibt es eine gut ausgebaute Asphaltstraße, mit Leitplanke, befestigten Hängen, Rechtsverkehr und allem anderen Schnickschnack.
Die „Death Road“ kann man noch mit dem Mountainbike befahren und dafür ne gute Stange Geld hinlegen, mit der man in Bolivien auch ne Woche davon leben kann.
Wers braucht, solls machen.
Wir haben uns in Coroico, dem „Regionalzentrum“ einige Tage aufgehalten und die Gegend erkundet.
Es gibt schöne Wanderwege und Wasserfälle mit Bademöglichkeiten zu Besuchen.

Von den Yungas haben wir uns auf den Weg in das Amazonastiefland gamacht.
Der Nachtbus nach Rurrenabaque ist ein Abenteuer für sich.
Der erste Teil der Strecke ist ungefähr so wie die „Death Road“. Eng, steil, gefährlich und die Fahrer fahren wie die Henker.
Nicht zu vergessen, es ist dunkel.
Irgendwann erreicht man eine Stadt, wo man Pause macht. Mitten in der Nacht natürlich. Trotzdem herrscht reges Treiben auf den Straßen und Essen wird verkauft.
Danach geht es über eine Schlamm-Schotterpiste weiter. In der Regenzeit ist die Straße manchmal tagelang unpassierbar. Es sei denn man hat ein Kettenfahrzeug.
Regelmäßige Erdrutsche und Schlammlawinen tragen ihren Teil dazu bei.
Wir waren in der Trockenzeit da. Trotzdem hat es geregnet.
Der Schlamm hat die Räder des Busses fast bedeckt. Ein Geschaukel und Geruckel. Das der Bus nicht umgekippt ist, war Glück und dem Können des Fahrers zu verdanken.
Irgendwann in den frühen Morgenstunden waren wir dann in Rurrenabaque, ein Außenposten der Zivilisation am Rio Beni gelegen.
Übersetzt heißt der Ort soviel wie „Ententeich“.

Als Laie würde man sagen, dass die Stadt im Dschungel liegt. Was nur teilweise stimmt.
Einerseits befindet sich dort Urwald, andererseits ist dort eines der größten Feuchtgebiete der Erde, eine tropische Savanne.
Genau deswegen sind wir gekommen, um die Pampas zu entdecken.
Wir haben uns vor Ort einer Tour angeschlossen und sind für ein paar Tage in die Pampas, einem Feuchtgebiet am Fluß gelegen.

Der Weg dorthin haben wir mit dem Geländewagen und dem Boot zurückgelegt.
Während der Bootsfahrt haben wir schon einige Kaimane sehen können, die sich an der Uferböschung im Sand gesonnt haben.

Wir sind dann irgendwann in unserer „Lodge“ angekommen. Die Hütten waren einfach aber zweckmäßig und die Lage am Fluß sehr schön.

Während der nächsten Tage haben wir viele Kaimane gesehen, aber auch Vögel, Affen und Reptilien.
Leider haben wir keine Anaconda gesehen, dafür mehrere Kobras und andere Schlangen gefangen.
In Gummistiefeln und mit einem Stock sind wir durch die Feuchtsavanne gestapft und immer mal wieder haben wir aus dem Augenwinkel eine Schlange gesehen, die wir dann entweder gefangen haben oder die so plötzlich im Wasser und Sumpf verschwunden ist, dass wir uns gefragt haben, ob sie wirklich grad da war oder unser Gehirn uns einen Streich gespielt hat.
Natürlich haben wir die Schlangen dann auch immer wieder frei gelassen, ganz klar!

Das Piranha-Fischen war für uns als Vegetarier weniger spannend. Beeindruckend sind allerdings die Zähne der Fische.
Für die Anwohner der Flüße im Amazonas sind Piranhas ganz normale Speisefische. Die meisten Geschichten über die Fische sind Mythos und Seemansgarn.
Alles was man als Laie so über diesen Fisch zu wissen meint ist hauptsächlich Bullshit.
Vergesst den ganzen Quatsch, es ist schlichtweg falsch!

Ein ganz anderes Erlebnis war das Schwimmen mit den rosa Flussdelphinen.
Eines Morgens sind wir recht früh mit dem Boot losgefahren, zu einem Nebenarm des Flußes.
Um diese Uhrzeit ins Wasser zu springen, kostet Überwindung. Verschärfend kommt hinzu, dass in dem Fluß Kaimane sind.
Wir reden hier über Krokodile!
2-3 Meter lange Alligatoren, die im Wasser blitzschnell sind und einige Zähne im Maul haben.
Unser Guide hat nur lakonisch gemeint, dass die Delphine uns beschützen würden.

Wir haben schon die Tage vorher immer mal wieder einen rosa Delphin auftauchen sehen. Vor allem hört man wie sie Luft holen.
Tatsächlich sind dann in 5-10 Metern Entfernung immer wieder 2-3 Exemplare aufgetaucht und sind unter uns durch geschwommen.
Da der Fluß recht trüb ist, konnte man die Tiere im Wasser schlecht sehen.
Allerdings hat man sie gespürt. Wir wurden von den Ganoven immer mal wieder in die Zehen gebissen, was uns dann doch etwas erschreckt hat.
Vor allem wenn man an die Kaimane denkt.

Nach einigen Tagen Pampas-Abenteuer sind wir dann wieder nach Rurre zurückgekehrt.

Interessant ist die Story, wie sich der Tourismus in der Gegend entwickelt hat.

Der Anfang liegt in den 1980er Jahren.
Ein junger israelischer Ex-Marinesoldat namens Yossi Ghinsberg reist durch Südamerika und trifft in La Paz einen Österreicher.
Der behauptet er sei Geologe und auf der Suche nach Gold im Amazonasgebiet.
Ein amerikanischer Fotograf und ein Schweizer schließen sich der Expedition an.
Sie fliegen in den Dschungel und laufen 4 Tage tiefer in die Wildnis.
Sie ernähren sich von Affenfleisch und verirren sich. Nach einem Monat in der Wildnis entscheiden sie sich ein Floß zu bauen und den Fluß entlang zu fahren.
Es kommt zu Unstimmigkeiten und Streit.
Es stellt sich heraus dass der Österreicher gelogen hat. Weder ist er Geologe, noch hat er Ahnung davon wo es Gold zu finden gibt.
Yossi und der Amerikaner entscheiden sich ihr Glück mit dem Floß zu versuchen.
Der Österreicher kann nicht schwimmen. Er und der Schweizer gehen zu Fuß weiter und werden nie wieder gesehen.
Yossi und Kevin (der Amerikaner) verlieren die Kontrolle über das Floß als sie sich einem Wasserfall nähern.
Kevin schafft es an Land, Yossi stürzt den Wasserfall hinab.
Er schlägt sich drei Wochen allein im Dschungel durch und wird irgendwann von Kevin und einem Stamm Indigener gefunden.

Es entsteht ein Buch und Yossi setzt sich für die Indigenen Urwaldbewohner ein. Der Tourismus kommt ins Rollen.

Die Fahrt von Rurre zurück nach Coroico war genauso prickelnd wie die Hinfahrt.
Die Straße war noch schlammiger und wir hatten größere Probleme, weil es diesmal bergauf ging.
Nach einem kurzen Aufenthalt in den Yungas, sind wir wieder nach La Paz.
Dort haben wir auf meine Eltern gewartet, die uns besuchen wollten.
Nachdem sie angekommen sind, auf dem höchsten Flughafen der Welt, haben wir einige Zeit in La Paz verbracht und zusammen die Stadt erkundet.
Danach ging es weiter an den Titicacasee, nach Copacabana.

Diesmal haben wir uns eine Insel auf bolivianischer Seite angeschaut.
Die Isla del Sol war für die Inkas eine der wichtigsten Stätten, begründeten sie doch hier ihren mythologischen Ursprung.
Der erste Inka ist auf dieser Insel auf einem Felsen vom Himmel auf die Erde gestiegen.
Man kann die Insel von Nord nach Süd durchwandern und in mehreren Siedlungen auch übernachten.
Da wir nur eine Tagestour dorthin unternommen haben und unsere beiden Neuankömmlinge noch nicht so gut akklimatisiert waren, haben wir uns lediglich einige archäologische Orte angeschaut und die Durchwanderung sein lassen.

Von Copacabana aus sind wir nach Peru eingereist und mit dem Nachtbus über Puno nach Cusco.
Cusco, die ehemalige Hauptstadt des Inkareiches, der „Nabel der Welt“ so die Übersetzung aus dem Quechua.
Die Altstadt ist ein einziges Museum. Es gibt hier soviel zu sehen, dass manche Leute nur wegen Cusco nach Peru kommen.

Unzählige Tempel, Kirchen, Paläste, ehemalige Festungsanlagen, religiöse und spirituelle Plätze und vieles mehr warten darauf entdeckt zu werden.
Viele Sachen kann man individuell anschauen, für andere empfiehlt sich es sich einer Tour anzuschließen, da der zeitliche Aufwand sonst größer ist.
In der Nähe von Cusco befindet sich noch das „Valle Sacrado“, das heilige Tal wo es noch mehr heilige Orte, Tempel, Festungen und Verehrungsplätze gibt.

Nachdem wir uns in der Stadt umgeschaut haben, wobei es einem dabei nicht langweilig wird, sind wir nach Machu Picchu aufgebrochen.
Es gibt mehrere Wege um dorthin zu gelangen.
Allen gemeinsam ist, dass man sich im Vorfeld um ein Eintrittsticket kümmern muss, da die tägliche Besucherzahl beschränkt ist.
Die Tickets werden in einem staatlichen Büro verkauft und Ausländer zahlen selbstverständlich mehr als Peruaner oder andere Andenanrainer.
In Machu Picchu kann man zwei verschiedene Berge besteigen, für die ebenfalls nochmal ein separater Eintritt zu entrichten ist und für die man sich ebenfalls im Vorfeld entscheiden muss. Zusätzlich muss man sich für die Berge auf eine Zeit festlegen.
Es gibt zwei verschiedene zeitliche Optionen zur Auswahl.

Nachdem man sich um die Eintrittstickets gekümmert hat – man kann das ganze auch online machen oder in Aguas Calientes (dem Ort unterhalb der Festungsanlage) – muss man sich entscheiden auf welchem Weg man nach Machu Picchu gelangen will.
Es gibt unterschiedliche Optionen mit der Eisenbahn zu fahren. Wobei allen gemeinsam ist, dass sie unverschämt teuer sind.
Wir haben uns für die ökonomische Variante entschieden und sind mit einem Minibus nach Santa Teresa gefahren.
Die Fahrt geht zuerst durch das „Heilige Tal“ und über einen hohen Pass. Die Fahrt ist sehr, sehr kurvig und nicht unbedingt für empfindliche Mägen geeignet.
Von Santa Teresa geht die Fahrt über eine Schotterstrecke zum einem Wasserwerk.
Von dort aus läuft man 2 Stunden die Gleise entlang bis man in Agua Calientes rauskommt.
Der Ort liegt mitten in tiefen Schluchten, an einem Gebirgsfluß.
Es ist ein reiner Touristenort, nur zu Fuß oder dem Zug zu erreichen und voller Annehmlichkeiten. Es gibt dort alles vom Campingplatz bis zum Luxushotel für 1000 Euro die Nacht.
Von Agua Calientes kann man eine Serpentinenstraße nach Machu Picchu laufen oder einen Shuttlebus nehmen, der ebenfalls unverschämt teuer ist.
Man muss sich morgens ganz früh für die Busse anstellen. Hunderte Menschen wollen mit den Bussen fahren und die Schlange zieht sich die ganze Straße am Fluß entlang über mehrere Häusrblocks.
Die Busse sind modern und fahren im 3 Minuten Takt.
Wir sind mit dem Bus nach oben gefahren, haben uns die Anlage angeschaut und sind auf den Berg hinter der Anlage gestiegen, von wo aus wir einen schönen Blick auf Machu Picchu und den Berg Huayna Picchu hatten.
Das Wetter war gut, aber zum Glück während der Gipfelbesteigung nicht zu heiß.
Der Weg ist super anstrengend. Zuerst geht man steile Treppen hoch, die dann immer schmaler werden, bis man an Felsvorsprüngen sich entlang tasten muss.
Unsere Besucher aus Deutschland haben sich wacker geschlagen und Mama hat ihre „Höhenunverträglichkeit“ überwunden!
Der Blick vom Gipfel ist phänomenal.
Man sieht nicht nur die ganze Anlage, sondern auch die Nachbartäler, Inkapfade, die Bahnlinie und eine wunderbar grüne, saftige Landschaft.

Gegen Ende des Tages hat es ein wenig zu regnen begonnen. Auf den umliegenden Gipfeln hat es teilweise heftig geschüttet. In der Anlage selbst herrscht allerdings ein Mikroklima, sodass wir vom Schlimmsten verschont wurden.
Die 8 Kilometer zurück nach Agua Calientes sind wir diesmal zu Fuß gelaufen. Die Strecke führt auch schmalen Pfaden durch den Dschungel. Man kreuzt ein paar mal die Straße auf der die Busse hoch- und runterbrettern.
Danach geht es noch über eine Hängebrücke und ein Weg parallel zum Fluß entlang.
Am Tag unserer Abreise aus Agua Calientes hat es ununterbrochen geschüttet, aber richtig tropisch.
Für viele Besucher ist dieser Tag wohl ins Wasser gefallen, was sehr schade ist. Aber bei strömendem Regen macht ein Besuch von Machu Picchu keinen Sinn.
Wir hatten wirklich Glück.
Da wir allerdings nicht 12 Kilometer zu Fuß über die Gleise bei Wolkenbruch zurücklegen wollten, sind wir mit dem Zug gefahren.
Für eine 45 minütige Fahrt zahlt man als Ausländer im Tourizug 25 US-Dollar.
Den Touristenzug darf und kann man nicht buchen. Scheiss Apartheid!
Vom Wasserkraftwerk ging es wieder mit dem Minibus nach Cusco.
Generell ist ein Besuch der Anlage auf jeden Fall lohnenswert und ein „must do“.
Allerdings ist Machu Picchu auch die Soles-Kuh des Landes, die bis auf den letzten Tropfen gemolken wird.
Weit übertriebener und für uns unverständlich ist der Hype um den Inka-Trail, ein Wanderweg auf den original Inkapfaden, der über ein Jahr im vorraus ausgebucht ist und hunderte von Dollar kostet.
Mittlerweile ist dieser auch nur für ein gewisses Kontingent an Personen pro Tag zugelassen.
Teilweise sind die „Alternativen Inka-Wanderwege“ auch schon lange im Vorfeld ausgebucht und ebenfalls übertrieben teuer.
Dabei gibt es unzählige, einsame, wunderschöne Wanderwege in Peru, die man selbst organisieren kann und die man nicht ein Jahr vorher buchen muss.
Jeder wie er will. Wir haben uns allerdings gegen diesen Hype entschieden.

Es gibt noch andere Inkaanlagen in Peru und im Norden des Landes kann man in Kuelap ebenfalls eine sehr interessante – von Besuchermassen verschonte – Festung besichtigen und ist dabei fast alleine.
Wir haben uns auch überlegt diese Festung zu besuchen, aber nachdem wir noch einige Wochen im Land verbracht haben und mehr als genug Ruinen und archäologische Ausgrabungen besucht haben, haben wir darauf verzichtet.

Zurück in Cusco ging es am nächsten Tag ins Valle Sagrado.

Wir haben uns noch unzählige Inkaanlagen angeschaut. Beeindruckend waren unter anderem die Terrassen zum Getreideanbau.
Auch eine „Agrarforschungseinrichtung“ der Inkas konnten wir besuchen, die spiralförmig ausgerichtet war, um ein bestimmtes Mikroklima zu erzeugen. Auf den unterschiedlichen Terrassenstufen wurden Anbauexperimente mit Nutzpflanzen gemacht, wobei jede Stufe 1000 Höhenmetern entprechen soll.
Generell war die Bewässerungs- und Anbautechnik der Inkas sehr fortschrittlich. Bemerkenswert ist, dass viele Techniken von viel älteren, fast vergessenen Zivilisationen, übernommen und weiterentwickelt wurden.
Die Inkas sind zwar auf der Welt sehr bekannt, aber letzendlich „nur“ die Spitze des Eisberges.
Südamerika war schon vor den Inkas von fortgeschrittenen (Hoch)Kulturen besiedelt.
Die Inkas wurden wahrscheinlich nur so berühmt, weil sie die letzte große Kultur waren, als die Europäer kamen und mit ihrem Völkermord begannen.
Der ganze amerikanische Doppelkontinent von Alaska bis Feuerland ist auf Mord, Totschlag und Vernichtung aufgebaut.
Die katholische Kirche und die europäischen Mächte (Spanien, Portugal, England und Frankreich) haben kein Fortschritt und keine Zivilisation in diesen Teil der Welt gebracht, sondern nur Tod und Zerstörung.
Wie so oft kam aus Europa nur das Böse in die Welt.
Wenn das Konzept von Karma auch für Länder gilt, dann müsste Europa noch die nächsten hunderte Jahre leiden.
Natürlich können die heutigen Menschen nichts dafür, aber die ganzen Eingeborenen in Amerika, Afrika und Asien die ermordet, versklavt und geschändet wurden, waren genauso unschuldig.
Geschichte kennt keine Gerechtigkeit.

Besonders beeindruckend ist die fugenlose Bautechnik der Inkas. Immer wieder wundert man sich wie exakt die Steine behauen sind (oder doch mit Laser beschnitten 😉 ).
Es gibt Steine die bis zu 20 Ecken haben, aber nahtlos mit allen anderen Steinen ineinander passen.
Manche riesigen Quader, Monolithen sind gigantisch und wurden in tausenden Metern Höhe aus Bergen gebrochen und kilometerweit transportiert.
Unglaubliche Leistungen die hier vollbracht wurden.
Ein besonders interessantes Gebäude ist der ehemalige Sonnentempel, das absolute Heiligtum der Inkas.
Von den Spaniern geschändet und geplündert, wurde er dann zweckentfremdet und ein Kloster samt Kirche darauf errichtet.
Einzelne Mauern und Räume sind immer noch zu sehen und haben Erdbeben getrotzt.

Nach einem weiteren Tag in Cusco und Besuchen in der näheren Umgebung, die wir alleine durchgeführt haben, sind wir dann noch zum „Cerro Colorado“ (oder in englisch „Rainbow Mountain“) aufgebrochen.
Nach einigen Stunden Fahrt und einem bescheidenen Frühstück in der Kälte auf 4000 Metern Höhe, sind wir auf über 5000 Meter gewandert. Die Aussicht war grandios und die farbigen Berge sind einmalig.

Als wir Cusco mit dem Nachtbus Richtung Küste verlassen haben, hat es geschüttet, im Fernsehen lief Mad Max und außerhalb des Busses war auch die Apokalypse sichtbar.
Cusco ist nicht nur die historische Altastdt. An den Hängen der Stadt leben die weniger Privilegierten. Diejenigen die nicht vom Tourismus profitieren und deren tägliches Dasein schwerer ist.

Wir waren auf dem Weg an die Küste. Das nächste Ziel hieß Nazca.

Dort wollten wir uns die Scharrbilder (Geoglyphen) anschauen, welche die Nazca – eine Kultur die ab 200 vor unserer Zeitrechnung in Südamerika lebte – in den trockenen Wüstenboden gegraben haben.
Die deutsche Forscherin Maria Reiche hat die Linien ihr Leben lang erforscht und darüber publiziert.
Die verschiedenen Bilder sind teilweise über hunderte Meter groß.
In Paracas, einem unweit von Nazca gelegenen Ort, gibt es sogar Linien (geometrische Muster; Dreicke, Trapeze, etc.) die bis zu 20 Kilometer lang sind und schon um 800 vor unserer Zeitrechnung angelegt wurden.
Die genaue Funktion und Entstehung ist bis heute nicht eindeutig erklärt. Theorien gibt es viele, unter anderem die, dass es sich um einen astronomischen Kalender oder Landwirtschaftskalender handeln könnte.
Egal was die Erklärung ist, beeindruckend ist es auf jeden Fall.

Wir haben uns die Sache aus der Luft angeschaut. Unzählige Firmen bieten Rundflüge an. Alle starten vom Maria-Reiche Airport bei Nazca und kosten alle ungefähr das gleiche.
Aus der Luft betrachtet sind die Bilder wirklich unglaublich.
Wie konnte man vor über 2000 Jahren solche Formen und Muster (Darstellungen von Tieren) anlegen ohne bekannte technische Hilfsmittel?!

Nachdem wir den Flug mehr oder weniger gut überstanden haben, sind wir weiter nach Paracas gefahren, um uns dort die Islas Ballestas anzuschauen.
Paracas liegt bei Pisco, der Stadt benannt nach dem gleichnamigen Traubenbrand, der Hauptbestandteil des berühmten Pisco Sour ist, ein Cocktail, der in Peru den Status eines Nationalgetränk genießt und von denen wir einige verkostet haben.

Die Ballestas Inseln werden auch als „poor man’s Galapagos“ bezeichnet. Es gibt dort Seehunde und unzählige Vögel zu beobachten.
Auf dem Weg zu den Inseln – die früher für den Guano-Abbau (Vogelscheiße) genutzt wurden; nachdem der Kunstdünger durch das Haber-Bosch-Verfahren entwickelt wurde, hat sich der Guano-Abbau erledigt – haben wir noch ein weiteres großes Scharrbild gesehen, den „Candelabra“.
Ein großer Kandelaberkaktus, der in einen Küstenhang gescharrt wurde. Niemand weiß von wem oder warum.
Vielleicht zur Orientierung für Seefahrer oder Piraten. Auf jeden Fall reinigt sich das Bild selbst, durch den Kamineffekt und die sich erwärmende Luft. So bleibt das Bild frei von Sandablagerungen.

Pisco selbst wurde bei einem schweren Erdbeben 2007 fast vollstndig zerstört. Auf dem Weg von Paracas – dort starten die Boote und es gibt viele Unterkünfte – kommt man zuerst an Ressortanlagen vorbei und dann an stinkende Fischmehlfabriken und einem Mineralöllager.
Wir fahren weiter nördlich bis nach Ica. Dort gibt es jede Menge Weingüter, die man besichtigen und wo man Wein und Pisco probieren kann.
Gesagt, getan.
Übernachten tun wir in der nahe gelegenen Oase Huacachina. Einem Ort, der eher nach Nordafrika oder den Nahen Osten passen würde.
Umgeben von riesigen Sanddünen, findet sich ein kleiner See mit einigen Unterkünften.
Hier kann man Ausflüge in die Wüste machen – mit stinkend, lauten Sandbuggys, was wir seien lassen oder die Dünen hochwandern (sauanstrengend) und mit „Sandboards“ runter fahren.
Unsere Versuche waren von bescheidenem Erfolg gekrönt. Spaß gemacht hats trotzdem und die Sonnenuntergänge und Sternenhimmel sind unvergesslich.

Danach gings weiter in den Norden, in die Hauptstadt.
Lima ist das Zentrum des Landes. Eine riesige Stadt. Modern, kosmopolitisch, mondän.
Man weiß nicht in welchem Land man ist, alles ist international und groß.
Wir bleiben ein paar Tage in einer Wohnung in guter Nachbarschaft und erkunden die Stadt.
Es gibt hier auch wieder viele Museen, Kirchen, Klöster und andere kulturelle Einrichtungen zu sehen. Die Altstadt ist ebenso interessant, wie die Küstenstraße.
Lima liegt auf Steilklippen. Von hier oben schaut man auf den Pazifik, dessen Wellen sich zum Surfen anbieten und der unaufhörlich auf den Kiesstrand rollt.
Wer will kann sich das ganze auch aus der Luft anschauen und einen Paragliding-Tandemflug machen.

Wir schauen uns unter anderem eine Lehmziegelpyramide an, die Huaca Pucllana.
Immer wieder beeindruckend, wie unterschiedliche Kulturen rund um den Erdball verteilt zu unterschiedlichsten Zeiten auf die Idee kommen Pyramiden zu bauen.

Nachdem wir gemeinsam den letzten Pisco Sour im Grand Hotel Bolivar getrunken haben, war es nach 4 Wochen auch wieder Zeit unsere Besucher aus der Heimat zu verabschieden.
Danke Mama und Papa, dass ihr da wart. Hat Spaß gemacht mit euch, bis bald am Kilimandscharo oder sonstwo auf dem Planeten 😉

Wir waren dann wieder alleine und mussten unseren Reiserythmus wieder den veränderden Bedingungen anpassen. Als aller erstes, weniger Pisco Sour konsumieren 🙂

Wir sind weiter die Küste hoch getingelt und in Trujillo angekommen.
Hier haben wir uns wieder etliche archäologische Stätten angeschaut, die aus der Vor-Inka Zeit stammen. Unzählige Tempel, Pyramiden und Städte der Moche- und Chimukultur.
Die meisten waren aus Lehm errichtet und der Zahn der Zeit hat an ihnen genagt.
Trotzdem sind einige Tempel sehr beeindruckend, vor allem die noch erhaltenen Wandmalereien und Verziehrungen.
In der Umgebung von Trujillo ist Chan Chan die ehemals größte vorkolumbianische Stadt Amerikas gewesen und die größte Lehmziegelstadt der Welt.
Es ist nicht mehr allzu viel vom einstigen Glanz übrig geblieben, aber die Dimensionen sind totzdem noch beeindruckend.
Weiter nördlich an der Küste haben wir in Chiclayo Station gemacht.
Die Stadt wartet schon mit einem anderen Klima und einer aufgeräumten Innenstadt.
In der Umgebung warten noch mehr Gräber und Pyramiden der Moche, Sican und Chimu.
In Lambayeque wartet ein Museum mit den königlichen Grabschätzen von Sipan.
Soviel goldenes Kunsthandwerk als Grabbeigabe ist einmalig. Leider darf man nicht fotografieren und die Sicherheitsbestimmungen sind sehr strikt.
Kein Wunder, denn viele Gräber in Peru wurden von Grabräubern geplündert und die Schätze sind in vielen privaten Sammlungen überall auf dem Globus verteilt gelandet.
In Tucume – einem weniger touristischen Ort – finden sich über zwei Duzend Pyramiden, die von der Sican-Kultur errichtet wurden.
Die größte Pyramide hat einen Grundriss von 700 auf 280 Metern und ist damit eine der größten Pyramiden der Welt.
Die Cheopspyramide ist vergleichsweise klein, mit einem Grundriss von 230 auf 230 Metern.

Nachdem wir genug von Ausgrabungen hatten, und auch von Peru, sind wir nach Ecuador gereist.
Hier war es schon gleich viel grüner und feuchter.
Unser erster Stop haben wir im Süden des Landes in Loja gemacht, wo wir mehr oder weniger nur durchgereist sind.
In dem Kolonialstädtchen Cuenca haben wir uns die Altstadt angeschaut und wollten eigentlich noch ein Museum besuchen, dass aber leider geschlossen war. Dort hätten wir wieder Mumien sehen können, schade.
In Riobamba haben wir Ausflüge zum Vulkan Chimborazo gemacht und sind bis auf 5100 Meter aufgestiegen.
Weitere Aufstiege auf den Gipfel hätten mehr Zeit und Geld gekostet.
Dafür muss ich auf jeden Fall nochmal kommen.
Vom Chimborazo ist man der Sonne näher wie von keinem anderen Punkt auf dem Planeten. Grund dafür ist die Lage am Äquator. Man ist höher als vom Mount Everest, wenn man vom Erdmittelpunkt aus misst.
Schon Alexander von Humboldt war hier, musste den Aufstieg aber bei über 5000 Metern wegen Wetter und mangelnder Ausrüstung abbrechen.
In Banos haben wir uns in heißen Quellen gebadet und haben Wanderungen in die Hügel um die Stadt herum genommen.
Danach ging es nach Quito, wo wir uns die Altstadt angeschaut haben.
Es gibt hier wieder soviele historische Gebäude und Kirchen.
Natürlich sind wir auch zum „Mittelpunkt“ des Planeten gefahren.
Ecuador heißt nicht umsonst so, hier geht der Äquator durch.
Im „Mitad del Mundo“, außerhalb von Quito dreht sich alles um den Gürtel, der die Erde an ihrer dicksten Stelle umgibt.

Von Quito aus ist Anika auf Grund eines schweren Krankheitsfalls in der Familie für 4 Wochen auf „Heimaturlaub“nach Deutschland geflogen.
Am nächsten Tag hat mich Nachts ein Erdbeben der Stärke 4,6 aus dem Bett geworfen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Fühlt sich nicht unbedingt angenehm an, vor allem wenn man an das große Beben zu Beginn des Jahres denkt, das teilweise die Küstengebiete verwüstet hat.
Südamerika liegt halt am pazifischen Feuerring. Erdbeben oder Vulkanausbrüche sind hier keine Seltenheit.
Von Quito aus bin ich nach Tena gefahren. Das liegt im Dschungel.
Dort hab ich in Lagunen und Wasserfällen gebadet, bevor ich dann weiter nach Coca gereist bin, dass auch unter dem Namen Puerto Francisco de Orellana bekannt ist und am Rio Napo liegt, einem Zufluß des Amazonas.

Nach ein paar Tagen in diesem schwül-heißen Außenposten im Dschungel bin ich in ein Boot nach Nuevo Rocafuerte gestiegen. In knapp 10 Stunden flußabwärts war ich an der Grenze zu Peru.
Mitten im Dschungel, im tiefsten Urwald, der grünen Hölle bin ich aus Ecuador wieder ausgereist und eine weitere Stunde mit dem Einbaukanu flußabwärts in Pantoja wieder in Peru eingereist.
Dort ist man mitten im Nichts. Man fühlt sich etwas verloren im tiefen Dschungel. Man ist jenseits aller zivilisatorischen Errungenschaften. Fließend Wasser und Strom gab es am Abend durch Generatoren.
Ich musste zwei Tage auf ein Boot warten.
Mit ein paar anderen „Spinnern“ aus Argentinien und Holland sind wir den Fluß runter. 4 Tage, 3 Nächte in der Hängmatte auf einem alten rostigen Seelenverkäufer.
Ein Stück Rost, das schwimmt und wir haben 1 000 000 Bananen transportiert und Hühner, Enten und Schweine.
Die ersten zwei Tage haben wir alle halbe Stunde gestopt und Ware aufgenommen.
Mitten im Dschungel steht jemand am Flußufer – wir reden hier von einem mehrere hundert Meter breiten Strom – und holt sich ne Gasflasche ab und gibt Bananen mit und ein paar Hühner.
Die nächste Siedlung bekommt Reis geliefert und gibt drei Schweine mit, die in Iquitos- dem Ziel unserer Reise – verkauft werden sollen.
Die Mannschaft ist schwer am be- und entaden. Knochenarbeit, schmutzig und schweistreibend.
Die Verpflegung ist zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben.
Es gibt Reis!
Morgens als Suppe, würzig, ölig.
Mittags Reis mit Kochbananen und Spaghetti in Öl.
Abends süße Reissuppe (Flußwasser, Reis vom Mittag und süße Kondensmilch,verfeinert mit Nelken und Zimt).
Das Essen war ok, man wurde satt.

Zähne putzen und duschen konnte man mit Flußwasser. Dort wurden natürlich auch die Abwässer eingeleitet, klar.

Die Situation mit den Schweinen war so schlimm (viel zu eng eingepfercht, sodass sie sich gegenseitig immer wieder gebissen haben und die ganze Zeit die Schreie!) dass die Argentinier spontan durch das Leid der Tiere so „beeindruckt“ waren, dass sie sich entschlossen haben Vegetarier zu werden! Bravo! Menschlich!
Jeder von euch sollte mal Schlachthäuser besuchen oder sich bei Peta oder anderen Organisationen erkundigen. Danach würde euch wenn ihr auch nur einen Funken Empathie im Leib habt, euer totes Tier im Hals stecken bleiben.
What comes around, goes around.
Eure Zivilisationskrankheiten wären nicht vorhanden wenn ihr keine toten Tiere fressen würdet, die mit Antibiotika vollgepumpt sind und endlose Qualen leiden müssen.
Zu Beginn der 3. Nacht – rechtzeitig zum Sonnenuntergang – biegt der Haufen Schrott in den Amazonas ein.
Dieser Fluß ist einfach nur gigantisch. Es fehlen die Worte, um dieses erhabene Gefühl zu beschreiben.
An der Biegung des Flußes liegt ein großer, riesiger Öltanker.
Der Mensch schafft es immer wieder und überall irgendwas kaputt zu machen, dass die Natur erschaffen hat.
Am 4.Tag erreichen wir Iquitos.
Die Stadt hat über 400 000 Einwohner und liegt fernab im tiefsten Dschungel.
Es ist die größte Stadt des Planeten, die nicht über eine Straße erreicht werden kann.
Man kann nur per Boot oder über die Luft hierher kommen.
Die Stadt ist schwül, heiß und es regnet urplötzlich wie in Strömen.
Momentan ist Trokenzeit. Der Amazonas ist 15 Meter tiefer als sonst, aber dennoch gigantisch!
In Iquitos steht ein Haus aus Eisen. Entworfen und gebaut von einem Herr Eiffel. Ja, der Typ mit dem Turm in Paris.
Das Haus wurde in Paris gebaut und dann Stück für Stück nach Iquitos gebracht.
Es gibt auch ein Casa Fitzcarraldo, benannt nach dem gleichnamigen Film von Werner Herzog mit Klaus Kinski.
Der Film wurde hier gedreht. Der Dampfer, der von Indios über den Berg gezogen wurde, verrostet einige Kilometer außerhalb der Stadt.
Am Markt in der Nähe des Hafens gibt es Kuriositäten zu essen.
Schildkröten, Kaimane, Piranhas und dicke, weiße, fette Maden des Rüsselkäfers!
Nach ein paar Tagen rumtreibens entschließe ich mich zu einer Dschungeltour.
Es geht wieder mit dem Boot den Fluß entlang.
Ähnlich der Tour in Bolivien ist auch hier der Ablauf.
Im Amazonas gibt es aber auch graue Flußdelphine. Die springen in schönen Bögen aus dem Wasser, so wie man es klischeehaft kennt.
Ich bade im Amazonas. Die Delphine beisen diesmal nicht, sind aber auch etwas weiter weg.
Ich sehen Affen, ganz klein, die in Baumhöhlen leben.
Ein Faultier ist in einer Auffangstation zu sehen.
Eine Nacht wird im Dschungel verbracht, unter Moskitonetzen.
Eine Fahrt durch die Sümpfe ist schön, aber wir sehen keine Kaimane. Vermutlich weil Trockenzeit ist.
Der Sternenhimmel am Amazonas ist allerdings unbeschreiblich schön.

Nach der Rückkehr nach Iquitos schiff ich mich wieder ein. Es geht über den Amazonas, drei Tage, zwei Nächte, flußabwärts nach Norden.
Wieder mit einem schwimmenden Sarg. Diesmal etwas besser, aber auch voller. Mehr Menschen reisen in diese Richtung.
Außer mir diesmal nur 1 weiterer Tourist. Eine Amerikanerin.
Die Fahrt verläuft ohne Schweine und weniger spektakulär.
Der Amazonas ist und bleibt einfach atemberaubend.
Sonntags kommen wir am Dreiländereck an. Peru, Kolumbien und Brasilien.
In Santa Rosa wird aus Peru ausgestempelt. Dann gehts mit einem Kanu über den Fluß nach Leticia.
Hier ist die „Migracion“ am Flughafen. Die Stadt heißt Leticia und geht nahtlos in den brasilianischen Teil der Stadt über, der Tabatinga heißt.
Leticia kann man auch nur über den Fluß oder die Luft erreichen.
Weiter den Amazonas runter gehts erst wieder wenn Anika da ist.
Ich bleibe erst mal in Letici.
Es ist heiß hier und schwül. Man kann kaum was machen außer kolumbianischen Kaffee und eiskaltes Bier trinken. Es gibt schlimmeres.
Die Stadt wimmelt von Polizei und Militär.
Der nächste Highway ist 800 Kilometer entfernt. Dazwischen nur grüne Hölle.
Ein Boot nach Puerto Asis dauert 10-12 Tage und fährt den Grenzfluß zu Ecuador hinauf. Aber nicht in der Trockenzeit, nicht in den nächsten Wochen und nicht für Gringos.
Das Grenzgebiet zu Ecuador ist feinstes Guerilla Land. Die Farc haben zwar grad einen Friedensvertrag auf Kuba unterschrieben und ihrer Entwaffnung zugestimmt, aber man weiß nie.
Es gibt auch andere Rebellen und Narcotrafficer (Kokainschmuggler).
Ich sympathisiere zwar mit euch allen, aber davon wisst ihr nichts. Eine AK47 tötet schnell. Zu schnell. Keine Zeit für Diskussionen.
Ich flieg raus aus der grünen Himmel-Hölle. Ziel Bogota.
Dort angekommen, verlass ich die Stadt direkt und zieh mich aufs Land zurück.
Zur Stunde bin ich etwa 4 Stunden nördlich von Bogota in dem kleinen Kolonialort Villa de Leyva.
Hier lässt sichs aushalten.
Anika kommt nächste Woche. Solange bleib ich hier und erkunde die Gegend.
Danach werden wir wieder zusammen Kolumbien bereisen. Das Land ist schön, es gibt wahnsinnig viel zu sehen. Die Landschaft ist abwechslungsreich und wunderschöne, die Leute nett, der Kaffee gut.
Wir melden uns!
Spätestens irgendwo von der Karibikküste!
Adios!