Man weiß, dass man in Cuba ist, wenn:

– man als Grund seines Besuches bei der Einreise „Unterstützung für das cubanische Volk“ angeben muss, anstatt „Tourismus“

– am Airline Schalter beim Check-in Cubaner haufenweise Waren aller Art in Ballen gepresst und in Plastik eingeschweist als Gepäck aufgeben

– man vor Abflug von der Airline nochmals die Einfuhrbestimmungen seperat geschickt bekommt und man meint man wäre in Absurdistan

– man in der „Cadega“ (Geldwechselstube) zwei einheimische Währungen zur Auswahl hat

– man für Internet zu nutzen in einen öffentlichen Park oder Platz muss und vorher bei der Telefongesellschaft Schlange stehen und sein Pass zeigen muss oder beim „Wifi-Dealer“ den doppelten Preis zahlt

– die Frage: „Quien es el ultimo?“ („Wer ist der letzte [in der Schlange]?“) das erste ist was man fragt wenn man sich irgendwo anstellt

– man für alles anstehen und warten muss

– man nach einer Stunden warten, fragt ob der Bus Verspätung hat und man die Antwort bekommt: „Nein, der Bus ist nicht verspätet, er ist nur noch nicht gekommen!“

– man nirgends Werbung oder Reklame sieht

– man in die Eisdiele geht und nur „Schokoladen Eis“ zur Auswahl steht

– sich alle Speisekarten in fast allen „Essenslokalitäten“ im Land auf 15 Gerichte beschränken von denen die Hälfte nicht zur Verfügung steht

– man sich als Vegetarier 3 Wochen lang nur von Pizza, Spaghetti und Eierbrötchen ernähren muss

– man aus Verzweiflung anfängt Rum zu trinken, weil der billiger (und besser!) ist als was zu essen und man davon mehr zur Auswahl hat

– überall im Land tote Menschen von Plakatwänden blicken und Durchhalteparolen verkünden, an die niemand mehr glaubt

– auf den – durchaus guten – Autobahnen und Überlandstraßen so viel los ist wie in den Sonntagsfahrverbotszeiten in Deutschland in den 1970er Jahren und die anderen Verkehrsteilnehmer aus Fahrradfahrern und Pferdekutschen bestehen

– man sich im nachhaltigsten und „grünsten“ Land befindet, dass durch „nichts tun“ und unterlassen in diese Position gerückt ist

– man meint man wäre auf einem „Oldtimer-Treffen“, aber das einfach der Normalzustand ist

– alle „Staatsdienerinnen“, weibliche Angestellte und Beamten die gleichen Netzstrumpfhosen tragen

– man in der absoluten und wirklichsten „Servicewüste“ angekommen ist und keiner Bock hat was zu arbeiten und nur den Tag irgendwie rumkriegen will

– die Frau in einem großen Hotel der Hauptstadt, die die Bustickets verkauft 1 Stunde zu spät kommt und nichts tun kann, weil ihre Kollegin den Schlüssel für die Schreibtischschublade hat in der das Telefon und der Quittungsblock eingesperrt ist

– die besagte Kollegin (siehe ein Absatz vorher) endlich kommt und die Beiden erst einmal ihren Arbeitsplatz eine Stunde lang einrichten und dabei selbst das Telefon mit feuchten Tüchern abwischen und die Schlange der Wartenden ins Unermessliche wächst

 

Von Mexiko-Stadt sind wir nach Havanna geflogen und am frühen Abend am Jose-Marti International Airport angekommen.

Ende Juni ist touristisch gesehen tote Hose in Cuba, aber dennoch haben wir nicht damit gerechnet, dass der internationale Flughafen in der Hauptstadt des Landes so tot und lieblos ist wie das was uns erwartet hat.

Die Einreise war schnell, unkompliziert und einfach. Unser Gepäck wurde nicht begutachtet und in ein paar Minuten waren wir fertig und in der Ankunftshalle.

Das Gepäck der Einheimischen wurde dagegen streng gefilzt.

Schon beim Abflug in Mexiko haben wir merkwürdige Dinge beobachtet, die im Nachhinein Sinn ergeben haben.

Unsere Airline hat uns schon per Mail vorab informiert, was nicht befördert und eingeführt werden darf.

Autoreifen sind scheinbar Mangelware in Kuba und die Beförderung mit Interjet war untersagt.

Außerdem darf man momentan auch keine Rollatoren, Rollstühle und andere Gehhilfen einführen,außer denen, die man bereits nutzt.

Dafür hat eine Gruppe von 20 Kubanern große „Ballen“ von Kleidern (?) eingewickelt in Plastikfolie als Gepäck aufgegeben. 2 Ballen pro Person.

Eine ganze Kohorte von mexikanischen Gepäckträgern hat die Ware per Sackkarre an den Airline Schalter gekarrt und dort war dann das Chaos groß.
Der Handel mit gebrauchten Kleidern (in ganz Lateinamerika auch als „ropa americana“ [eigentlich:“amerikanische Kleidung“] bezeichnet; entspricht etwa dem europäischen „second hand) boomt in Kuba und wird nicht aus modischen Gründen betrieben, sondern aus purer Notwendigkeit.

Erstens besteht dadurch die Möglichkeit Handel zu betreiben und Devisen (Geld) zu verdienen – was im „sozialistischen“ Kuba für Privatpersonen sonst nur schwer möglich ist.

Zweitens gibt es sonst auch nur wenig Kleidung auf der Insel zu kaufen, von Uniformen und „Einheitskleidung“ einmal abgesehen.

Wenn man beobachtet was die Leute an den Airline Schaltern aufgeben, weiß man oft schon was einem im Land so erwartet.

In Kuba ganz klar: Der Mangel (an gewissen Produkten).

 

Auf Grund der späten Stunde und unseres Gepäcks sind wir mit dem Taxi in die Stadt gefahren.

Es existiert angeblich auch ein Bus, mit dem vornehmlich Flughafenmitarbeiter fahren, aber dazu muss man ein paar Kilometer laufen, um diesen Bus boarden zu können.

Im Dunkeln und bei unklarer Ortskenntnis nicht unbedingt der beste Einstieg in ein Land.

Im Vorfeld haben wir uns um eine Unterkunft in einem „Casa Particular“ gekümmert.

Hierbei handelt es sich um eine Übernachtungsmöglichkeit im Haus einer Privatperson. Meistens haben die Vermieter ein oder zwei Zimmer, die sie an Touristen vermieten.

Momenten sind drei Zimmer pro Haus/Familie (wie auch immer) erlaubt.

Seit ein paar Jahren ist der bürokratische Aufwand für die Erlaubnis zum Betrieb einer solchen Unterkunft erleichtert worden und es gibt immer mehr Übernachtungsmöglichkeiten im Land, die in privater Hand sind.

Es git in Cuba zwei parallel genutzte Währungen.

Zum einen den CUC und zum anderen den CUP.

Der CUC (ausgesprochen „Kuk“) ist an den Dollar gekoppelt und wird in etwa 1:1 umgetauscht.

Bezahlt wird in der „harten Währung“, Peso Convertible (abgekürzt CUC), der an den US-Dollar gekoppelt ist.

Das Symbol für ein „Casa Particular“ ist ein blaues Symbol, das an einen Anker erinnert. Diese Aufkleber sind an den Türen der Häuser angebracht.

Wenn der Anker rot ist, dürfen nur Cubaner dort übernachten und bezahlt wird in der „weichen Währung“, Peso Cubano (CUP, oder schlicht „Peso“).

Beide Währungen werden überall akzeptiert.

Staatliche Wechselstuben („Cadega – Casa de Cambio“ ) findet man in allen Städten, touristischen Zentren und den internationalen Flughäfen.

Die Wechselstuben sind jedoch nicht nur für Ausländer und Touristen interessant. Die Mehrzahl der Nutzer sind in der Regel Kubaner, die versuchen an „harte“ Währung ranzukommen oder die Peso in CUC tauschen wollen/müssen.

Der CUC wird nicht nur von Ausländern benutzt, sondern auch Kubaner sind darauf angewiesen, wenn sie höhere Beträge begleichen müssen oder staatliche Unternehmen nutzen, wie beispielsweise den Nationalen Busservice „Viazul“.

Der CUP oder einfach „Peso“ wird im alltäglichen Handel, beispielsweise auf den kleinen Märkten („den Keimzellen des Kapitalismus“; diese wurden in den 1990er Jahren auch schon mal wieder verboten, da sie als die Wurzel allen Übels angesehen wurden) gebraucht.

1 CUC sind 25 Peso.

Wenn man sich einen frischgepressten Saft kauft zahlt man in Peso.

Wenn man Snacks und Essen auf der Straße kauft, zahlt man in Peso.

 

Die Casa Particulares sind die beste Option für alle Individualreisenden.

Wer „all inclusive“ nach Cuba reist, hat sein Ressort-Hotel ohnehin von zu Hause aus gebucht und unterstützt damit das kubanische Militär, dem die meisten großen Hotelketten direkt oder indirekt gehören.

Kubas Militär ist DER big player im Hotel- und Gaststättengewerbe auf der Insel.

Als das Militär in der Sonderperiode der 90er Jahre (nach dem Zusammenbruch der UdSSR) dringend Devisen benötigte – für Waffen und Treibstoff zu erwerben – war Raul Castro der Mann der Stunde, der es geschickt – in kapitalistischer Manier – verstanden hat, das kubanische Militär durch Beteiligungen und Joint Ventures so umzustrukturieren, dass es zum größten Devisenbeschaffer des Landes wurde.

Der Standard in den privaten Unterkünften ist erstaunlich hoch. Alle Unterkünfte haben in der Regel ein privates Bad, Klimaanlage und Ventilator, TV-Gerät, Kühlschrank und sontige Annehmlichkeiten.

Wir haben in der Regel zwischen 13 und 18 CUC bezahlt und hatten richtig gute Unterkünfte, besser als sonst irgendwo in Lateinamerika was Preis-Leistung angeht.

Die Auflagen sind hoch und es gibt strenge, unangekündigte Kontrollen für die Anbieter der Unterkünfte.

Meist bieten die Vermieter auch Frühstück und Abendessen an oder können sonstwie irgendwas organisieren oder helfen oder Unterkünfte für die nächste Etappe empfehlen.

Das alles bringt natürlich einen zusätzlichen Verdienst ein.

Ein Casa Particular ist für viele die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen.

Eine andere Möglichkeit – für die meisten eine Notwendigkeit! – an Geld zu kommen, sind die Auslandsüberweisungen der Exilkubaner (die meisten in den USA, aber auch aus Mexiko oder Spanien).

Für viele Menschen ist das die einzige Möglichkeit genug Geld zusammenzubekommen, um zu überleben – dem Staat als solchem inklusive.

In der Theorie muss zwar kein Kubaner viel Geld ausgeben, um seine Lebensmittel zu bekommen – es gibt ein monatliches Bezugsscheinsystem („Libreta“) – aber das ist nur die Theorie.

Die Praxis sieht so aus, dass die Mengen an Lebensmitteln nicht für den Zeitraum genügen für den sie ausreichen sollen/müssen.

In vielen Fällen reichen die Lebensmittel für 10-14 Tage obwohl sie für einen Monat ausreichen sollten.

Pro Person und Monat sollen in der Theorie folgende Produkte ausreichen:

2,7 KG Reis; 567 Gramm Bohnen; 1,36KG Weißer Zucker; 1,36 KG Brauner Zucker; 6,8 KG Kartoffeln und/oder (Koch)Bananen; 12 Eier und 1 Liter Milch pro Tag (nur für Kinder unter 7 Jahren)

Fleischprodukte werden separat vertrieben – sofern verfügbar.

Es gibt für andere Produkte (Brennstoff, teilweise Kleidung, Glühbirnen, Tabak, etc.) noch diverse andere Bezugshefte.

Das Missverhältnis zwischen Theorie und Praxis liegt erstens an der zu gering berechneten Menge der Nahrung und zweitens an der Tatsache, dass viele Waren nur in der Theorie (auf dem Papier) existieren, aber nicht in der Realität.

Oft bleiben Lieferungen aus – oder auf dem Weg vom Produktionsort zur Ausgabestelle „fällt etwas vom Laster“ und der Schwager/Cousin“Schwippschager“/Onkel findet das dann zufällig und kann auf dem „informellen Markt“ sein Geld verdienen.

Aber Cuba wäre nicht Cuba wenn es nicht voller Widerspräche wäre.

Beispielsweise ist es das einzige lateinamerikanische und karibische Land, das laut UN-Welternährungsprogramm und UNICEF, keine unterernährten Kinder aufweist.

 

Man muss in Cuba immer, für alles und überall Schlange stehen.

Cubaner sind so konditioniert, dass sie immer direkt fragen „Quien es el ultimo?“ („Wer ist der letzte?“) sobald sie irgendwo ankommen und mehr als zwei Personen warten.

Wir haben uns auf Grund des Mangels drei Wochen lang von Eierbrötchen, Pizza und Spaghetti ernährt und sobald Obst oder Gemüse sichtbar war, haben wir versucht das zu erwerben.

Einzig im (über)touristischen Vinales gab es ein Angebot an Gerichten, die Preis-Leistungsmäßig ok waren.

Unser erstes Casa Particular haben wir schon online reserviert, da wir erst in der Nacht angekommen sind.

Über alle anderen casa particulares haben wir uns im Internet informiert und kurz vor unserer Ankunft die Besitzer kontaktiert.

Es gibt jedoch einen Überschuss an Unterkünften und die Besitzer konkurrieren untereinander um die Touristen.

In der Nebensaison hat man keine Probleme eine Bleibe zu finden.

Havanna ist – wie der Rest des Landes – sehr widersprüchlich.

Einerseits sieht man vorbildlich renovierte alte Gebäude, Festungen und Kolonialhäuser. Andererseits sieht es in vielen Straßen – außerhalb des touristischen „Altstadtzentrums“ – aus, wie nach einem Luftangriff.

Überall liegt Müll und Unrat herum und Menschen durchsuchen Weggeworfenes nach noch Brauchbarem.

Die Stimmung ist nicht unangenehm oder agressiv, aber man sieht viel Verzweiflung, Mangel, Armut und Elend.

Alles erscheint irgendwie nur notdürftig und provisorisch geflickt zu sein und gerade irgendwie zu funktionieren.

Havanna ist auf jeden Fall interessant und es gibt viel zu entdecken, zu sehen und zu erleben.

Da es früh hell wird, sollte man das Licht des Tages und die relative Kühle des Morgens nutzen, um rumzulaufen und sich Sachen anzuschauen.

Ab 10h30 wird es immer heißer und in der Mittagszeit ist es so unerträglich heiß, dass man am besten bis 16h einen halbwegs kühlen, schattigen Platz aufsucht, wo ein wenig Luft geht und man Siesta halten kann.

Wenn der frühe Abend hereinbricht, erwacht das Leben wieder und Cubaner sammeln sich – wie die meisten Latinos – auf öffentlichen Plätzen und in Parks.

Immer wird irgendwo gefeiert, getrunken und beisammen gesessen.

 

Von Havanna sind wir nach Trinidad gefahren.

Die Stadt liegt an der Südküste in östlicher Richtung.

Diese Etappe haben wir mit dem Taxi zurückgelegt und die Plätze und Kosten mit anderen Reisenden geteilt.

Sobald man in Havanna durch den Tunnel gefahren ist und die Stadtgrenze erreicht hat, ist schlagartig eine andere Stimmung.

Plötzlich erscheint die Insel wie ausgestorben.

Die (relativ guten) Fernstraßen – ähnlich wie deutsche Autobahnen – sind komplett leer.

Da nur wenige Menschen ein Auto besitzen – und noch weniger sich den Luxus des Rumfahrens erlauben können – sind nur ein paar Busse, staatliche LKWs und Pferdefuhrwerke, Fahrräder und ganz wenig Touristen unterwegs.

An vielen Kreuzungen, Auf- und Abfahrten und Brücken stehen Menschen, die mit Geld in der Hand herumwedeln, und damit signalisieren, dass sie gegen Bezahlung mitgenommen werden wollen.

An den Außengrenzen von Städten und Ortschaften sorgen gelb Uniformierte dafür, dass Leute von staatlichen Fahrzeugen kostenlos mitgenommen werden.

Alle staatlichen Fahrzeuge müssen ihre leeren Plätze mit Leuten auffüllen, die von A nach B wollen.

Diese zwangsweise Mitfahrgelegenheit ist allerdings eine zeitintensive Form des Reisens und für Ausländer wohl nur schwer zu praktizieren.

Trinidad besticht durch seinen kolonialen Charme.

Und als wir dort waren durch seine Feierlaune. Drei Tage lang war halligalli auf der zentralen Plaza und die Einwohner waren bester Laune.

Besonders interessant war das gut gekühlte Leichtbier, dass direkt aus riesigen, kesselartigen Gefäßen abgefüllt wurde. Diese Behälter haben in großen Bauwagen gestanden in deren hinterer Teil eine vergitterte Durchreiche war. Man musste nur über ein Behältnis verfügen und konnte sich dann kaltes Bier frisch abzapfen lassen.

1,5 Liter Bier haben 7 Peso, also etwa 25 Eurocent, gekostet. Unschlagbar günstig!

Wenn man keine PET Flasche hat, sitzt nebendran eine Person, die „secondhand-Flaschen“ verkauft. Kubaner sind einfallsreich und wittern immer und überall die Möglichkeit Geld zu machen.

Es gibt in Kuba auch Leute, die sich selbst als „Beschaffer“ bezeichnen. Diese Menschen operieren natürlich in der Illegalität und stehen immer mit einem Bein schon so gut wie im Knast.

Andererseits ist jeder – manchmal sogar staatliche Behörden – auf diese „Beschaffer“ angewiesen.

Diese Leute organisieren alles und kennen sich auf dem Schwarzmarkt bestens aus. Irgendwo „fällt immer was vom Laster“ oder lässt sich irgendwie „organisieren“.

 

In Cuba bewegen sich die meisten Menschen zu Fuß fort, teilweise werden dabei große Strecken bewältigt. Danach kommt das Fahrrad und dann das Pferd oder die Pferdekutsche. In ländlichen Gebieten sind auch Ochsengespanne weit verbreitet.

Auf Grund des allgemeinen Mangels und des völkerrechtswidrigen US-Handelsembargos ist Cuba das „grünste“ Land auf diesem Planeten. Cuba hat es geschafft – hauptsächlich durch Unterlassen und Nichtstun – , die beste CO2 Bilanz zu erzielen und sich zum nachhaltigsten Land zu entwickeln.

Der WWF bescheinigt Cuba eine „nachhaltige Entwicklung“, das bedeutet Cuba verfügt über einen entwickelten Lebensstandard bei gleichzeitig ökologisch nachhaltiger Entwicklung.

In gewisser Weise wäre Cuba damit ein gutes Vorbild für andere Länder.

In Trinidad haben wir einen Ausflug zum Playa Ancon – dem Hausstrand der Stadt – gemacht.

Dieser Strand ist einer der wenigen Sandstrände an der Südküste.

Generell hat Cuba wenige Strände zu bieten, an denen man baden kann.

Der Großteil der Küste ist von sogenannten „Hundezähnen“ (scharfkantige Felsen) gesäumt.

Die schönsten Strände sind für den Tourismus erschlossen.

Da es sich bei Cuba genau genommen nicht nur um eine Insel, sondern um ein Archipel handelt, gibt es unzählige kleine und kleinste Inseln, Atolle und Sandbänke.

Viele dieser Koralleninseln („Cayos“) sind nur mit dem Boot zu entdecken. Andere sind mit Dämmen und Brücken erschlossen und sehr exklusiv. Viele der Unterkünfte dort, sind nur aus dem Ausland zu buchen und manche Hotels arbeiten exklusiv nur mit bestimmten Ländern zusammen.

Die Cayos sind vor allem durch Hemingways „Inseln im Strom“ bekannt geworden.

Der Playa Ancon bei Trinidad ist ganz schön, aber im Vergleich zu anderen Stränden auf der Insel oder dem Rest der Karibik nichts Besonderes.

Das große, staatliche Hotel am Strand sieht eher wie ein Verwaltungsgebäude aus und besticht nicht sonderlich durch seinen ästhetischen Charme.

Von Trinidad sind wir nach Camagüey gefahren.

Dort war wieder Karneval und halligalli Stimmung. Wieder gab es kaltes frischgezapftes Bier.

Gewusst haben wir davon nichts. Bekannt ist auf Cuba vor allem der Karneval in Santiago, im Osten des Landes.

Die Stadt hat, abgesehen vom Karneval, uns durch ihre Altstadt interessiert.

Nachdem wir genug vom Karneval hatten, sind wir nach Santa Clara gefahren.

Diese Stadt war wichtig während der cubanischen Revolution. Hier hat Che Guevara einen Zug zum Entgleisen gebracht und damit den Nachschub an regierungstreuen Soldaten zum Erliegen gebracht. Außerdem wurden viele Waffen und Munition erbeutet, die den Guerilleros nützlich waren.

In Santa Clara befindet sich außerdem das Che Guevara Monument und seit einigen Jahren die sterblichen Überreste des Argentiniers, die in einem Massengrab in Bolivien exhumiert und hierher überführt wurden.

Diese „Heldenverehrung“ ist wichtiger Bestandteil der cubanischen Identität.

Die Revolutionäre um Castro und Co. bilden immer noch den zentralen Mythos auf dem der Staat gegründet wurde und existiert.

Allerdings sind die einstigen Ideale längst (oder schon sehr früh?) nur noch Lippenbekenntnisse.

Nach unserer Einschätzung nach über 4 1/2 Jahren des Reisens auf diesem Planeten, sind die Cubaner (und klar werden mit dieser Aussage alle über einen Kamm geschoren; Sorry dafür!) mit die kapitalistischsten und geldgeilsten Leute, denen wir je begegnet sind!

Vielleicht ist das dem Umstand geschuldet, dass alles (auch Geld) in Cuba Mangelware ist. Vielleicht auch daran, dass Cuba erst seit „kurzem“ die privatwirtschaftliche Ökonomie eingeführt hat.

Allerdings ist die Büchse der Pandorra geöffnet worden und es gibt kein zurück mehr.

Die Gier greift immer mehr um sich und der eigene Vorteil ist wichtiger als sozialistische Solidarität mit den Völkern der Welt.

Wie lange kann das funktionieren und was kommt danach? Das ist die gute Frage.

Ökonomisch ist Cuba definitiv gespalten und praktiziert eine Form der „Apartheid“.

Es gibt Menschen die Zugang zu Devisen haben und vom Tourismus recht gut leben (oder sich schamlos bereichern [Militär- und Parteioffizielle]) können und solche die daran nicht partizipieren.

Auch in Cuba gibt es somit eine große gesellschaftliche Ungleichheit; ganz entgegen den Idealen dieses Staates!

Was passiert wenn Venezuela kein billiges Öl mehr liefert?

Fidel, der alte Fuchs, hat es erfolgreich verstanden Seilschaften zu knüpfen und in Venezuela sitzen vor allem Kubaner in Stellen der Staatssicherheit und des Geheimdienstes und garantieren den Sozialisten ihren Machterhalt.

Wenn irgandwann einmal die Energieexporte aus Venezuela wegbleiben – warum auch immer – gehen auf der Insel die Lichter aus.

Es tut auch weh, wenn man überall den fruchtbaren Boden brach liegen sieht und im Supermarkt gibt es importierten Reis. Und all das nur, weil die Privatwirtschaft so stark reguliert wird und die Herrschaften in den Planungsbüros unfähig sind erfolgreiche 5-Jahrespläne aufzustellen.

Auch die selbstgewählte Abhängigkeit vom Zucker – und seinem „Nebenprodukt“ (Rum) – ist ein Zustand, der die Autarkie des Landes in einem enormen Maß verhindert.

Aber die kubanische Führung verhungert lieber betrunken anstatt nüchtern. So jedenfalls kommt einem die Losung vor, mit der der Zuckerrohranbau vorangetrieben wird.

 

In Santa Clara habe ich jedenfalls oft an Che denken müssen – zwangsweise, bei dem dort betriebenen Personenkult – und mich gefragt, was er wohl zu dem Zustand des sozialistischen Staates und den real existierenden Verhältnissen auf der Insel zu sagen hätte.

Wahrscheinlich dreht er sich in seinem Ehrengrab herum!?

Was ist aus seiner Idee vom „Neuen Mensch“ nur geworden.

Wie sehr hat sich Ideal und Wirklichkeit auseinander gelebt.

In vielem ist der kubanische Staat gescheitert, vor allem wegen seinen hohen, selbstgesteckten Idealen und Zielen.

Ein Hauptgrund ist mit Sicherheit die kommunistische Partei, die wie alle Parteien – welcher politischer Ausrichtung auch immer – immer nur den eigenen Machterhalt zum Ziel hat. Dieser systemimmanente Fehler ist auch das größte Defizit aller anderen „demokratischen“ Systeme westlicher Prägung.

Mit Sicherheit ist der Sozialismus auch an seiner „Parteienkrankheit“ gescheitert, und der daraus resultierenden Form der Bigotterie und des „zweierlei Maß nehmens“.

Luxusartikel und Privateigentum sind verpönt, verboten, wie auch immer…Ausnahmen bilden hierbei aber die großkopferten Parteifunktionäre. Denen ist es gestattet ins Ausland zu reisen, Geld auf ausländischen Konten zu haben, burgeoise Produkte zu erwerben/nutzen, etc.

Wie kann man einem Volk Wasser predigen und selbst Wein trinken. Eine Zeit lang kann man das vielleicht, aber nicht allzu lange.

Es bleibt auf jeden Fall spannend in welche Richtung sich Cuba entwickelt.

Ich persönlich bin hoffnungsvoll optimistisch, dass sich die Fehler des Westens nicht wiederholen.

Wenn man allerdings Reiseerlebnisse anderer Menschen, von vor etlichen Jahren, mit heute vergleicht, hat sich Cuba individualtouristisch zum Schlechteren hin entwickelt. Wie immer ist „zu viel“ eher schädlich für ein System.

Im Falle von Cuba und dem Tourismus trifft das voll zu.

 

Wir sind weiter nach Cienfuegos.

Die Stadt liegt wieder etwas westlicher, aber immer noch an der Südküste.

Hier besticht wiederum die koloniale Architektur.

In der Nähe der Stadt steht die Ruine eines Atomkraftwerkes, dass niemals fertiggestellt wurde (zum Glück!).

Das moderne Gaskraftwerk wurde von Hugo Chavez (Venezuela) gebaut.

Überall verkünden tote Menschen (Fidel Castro, Che Guevara, Camillo Cienfuegos, etc.) Parolen für die Zukunft des Landes.

Schon absurd, wenn bereits Verstorbene – die keine Zukunft haben – für die Zukunft eines Landes herangezogen werden.

 

Weiter ging es nach Matanzas, an die nördliche Küste.

Diese Stadt war völlig untouristisch, liegt sie ledoch nur eine Stunde von einem der Haupttouristenorte, Varadero, entfernt.

Das Höhlensystem in der Nähe der Stadt ist – wie so vieles in Cuba – völlig überbewertet und bietet demjenigen, der schon etwas von Lateinamerika gesehen hat, vergleichsweise wenig.

Unsere nächste Etappe war Vinales.

Hier war es sehr touristisch, teilweise schon zu überlaufen.

Dafür bekommt man was halbwegs Anständiges zu essen und hat auch alle anderen Annehmlichkeiten der touristischen Infrastruktur.

Die Karstberge der umliegenden Landschaft bieten eine sehr schöne Kulisse für Wanderungen in der Natur.

Hier ist auch eines der Hauptanbaugebiete des Tabaks.

Auf einen Besuch in einer Zigarrenfabrik haben wir verzichtet, da es wie alles auf Cuba eigentlich zu teuer ist und außerdem Foto-Verbot herrscht.

Außerdem haben wir in Nicaragua eine Zigarrenfabrik besichtigt, die von Cubanern geführt wurde.

Wenn man das einmal gesehen hat, muss man sich das nicht ein zweites mal anschauen.

Wanderungen in der Umgebung von Vinales kann man selbst machen und braucht dazu kein Guide.

Viele Touristen ziehen es vor sich von einem Pferd rumtragen zu lassen.

Im Prinzip ist das wie Ponyreiten auf dem Jahrmarkt, nur auf einem größeren Parcour.

Aber mit Abenteuer oder einem echten Reiterlebnis hat das wenig zu tun.

Wer wirklich reiten will, sollte in die Mongolei gehen oder selbst in Kolumbien kann man bessere Pferdeexkursionen erleben.

Generell ist Cuba wegen seiner „Einzigartigkeit“ zu empfehlen, sofern man individuell unterwegs ist und sich auch mal Strapazen aussetzen will.

Wenn man Strandurlaub machen will, sollte man sich im Vorfeld ein all-inclusive-Packet buchen!

Das Land ist wirklich sehr schön, aber leider nicht allzu ideal für Individual- und Langzeitreisende.

Die Kubaner wollen am Besten das Maximale aus einem Touristen rausholen und das wird auf Dauer – wenn man das Spiel nicht mitspielen will – recht antrengend.

Ebenso sollte man sich gut vorbereiten wenn man nach Cuba kommt und alles schon im Vorfeld planen und abchecken; das spart Zeit und Nerven.

Insgesamt hat Cuba bei uns zwiespältige Eindrücke und Gefühle hinterlassen. Einerseits hat uns das Land – vor allem landschaftlich – sehr gut gefallen und die Kultur ist sehr lebensfroh und optimistisch. Andererseits wird es einem als Individualtourist nicht ganz leicht gemacht und es gibt nicht soviel zu entdecken, was man im restlichen Lateinamerika nicht auch – meist billiger und/oder bequemer – finden kann.

Cuba ist für uns ein großer Widerspruch. Am besten hinfahren und sich selbst ein Bild vor Ort machen.

Wir sind von Vinales wieder nach Havanna an den Flughafen und mit Zwischenstop in Bogota in den tiefen Süden Kolumbiens geflogen, um den Amazonas zu entdecken.