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Venezuela – Roraima und „Lost World“-Feeling; oder von Plastiktüten voller Geld und anderen Kuriositäten in einem krisengeschüttelten Land

Venezuela – Roraima und „Lost World“-Feeling; oder von Plastiktüten voller Geld und anderen Kuriositäten in einem krisengeschüttelten Land

Nachdem wir „die Guyanas“ gut überstanden hatten, sind wir von der brasilianischen „Grenzstadt“ – „Grenzdorf“ ist treffender; obwohl die überdimensionierte Straßenführung zum einfachen Wechsel von Links- und Rechtsverkehr auf eine größere urbane Siedlung schließen lässt – Bonfim nach Boa Vista gefahren.

Boa Vista ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Roraima und liegt mitten im Nirgendwo 220 Kilometer von der Grenze zu Venezuela entfernt und knapp 800 Kilometer nördlich von Manaus.

Die Stadt ist zwar politisch und administrativ wichtig, aber hat sonst wenig zu bieten.

Umgeben ist die Stadt von Farmland und Dschungel, der leider zu weiterem Farmland umgewandelt wird, um Rinder zu halten.

Wir haben ein gutes Hostel gefunden, wo wir unser Gepäck und unsere Kleidung von dem roten Staub der Guyana-Dschungel-Straße befreit haben.

Unser großes Gepäck haben wir dort gelassen und sind nur mit zwei kleinen Rucksäcken Richtung Venezuela gefahren.

Die Fahrt war recht schnell und bequem in einem „taxi colectivo“ zurückgelegt.

Die beiden anderen Insassen waren zwei Frauen aus Venezuela, die in Boa Vista eingekauft hatten.

Nachdem wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen haben, wurde schnell klar, dass die brasilianischen Sicherheitskräfte bezüglich der Situation in Venezuela recht angespannt sind.

Jedenfalls haben die beiden Schützenpanzer mit ihrer „Kanone“ Richtung Nachbarland gezeigt.

Je näher wir der Grenze gekommen sind, desto größer wurde die Zahl der Sicherheitskräfte, die in Motorradpatrouillen unterwegs waren.

Die brasilianische Seite der Grenze ist mit einem Wort beschrieben: chaotisch!

Ein Beamter macht Dienst nach Vorschrift.

Man lässt die Grenze zwar offen, aber man versucht so wenig wie möglich Leute pro Tag abzufertigen.

Ein Sicherheitsmann einer privaten Wachfirma verteilt Nummern, die auf Zettelchen geschrieben sind und der Reihenfolge nach abgearbeitet werden.

Irgendwann hilft uns unsere Kontakfrau aus Venezuela, uns vorzudrängeln. Wir wollen ja schließlich Brasilien verlassen und nicht einreisen, zumindest diesmal nicht.

Auf der anderen Seite der Grenze geht alles ganz schnell.

Die „Migracion“ befindet sich in zwei Containerbüros.

Da gerade Stromausfall war, haben die Computer nicht funktioniert und unsere Daten mit Stift auf einem Block notiert.

An den Stellwänden waren handschriftliche Vermerke zu lesen über Personen denen die Ausreise zu verweigern ist – aus welchem Grund auch immer – oder die Daten von Personen, die mit gefälschten oder manipulierten Pässen versucht haben auszureisen.

Die Listen waren recht lang.

Es herrscht ein kontinuierlicher Strom von Menschen, die die „Linea“ (so der Ausdruck in Venezuela für die Grenze zu Brasilien) erreichen und hinter sich lassen wollen.

Aber was wollen die Menschen in Brasilien.
Ein Land dessen Sprache die meisten nicht beherrschen.
Ein Land das selbst Millionen von Arbeitslosen hat.

Und: Selbst wer Geld hat weiterzureisen ins spanischsprachige Ausland auf dem Kontinent, in den dortigen Ländern ist die wirtschaftliche Lage ebenfalls sehr bescheiden.

Nachdem wir eingestempelt sind, wechseln wir direkt an der Straße – auf dem Schwarzmarkt – Geld.

Ausländische Währung wird mit Handkuss genommen. Für unsere brasilianischen Reais erhalten wir drei extrem dicke Bündel druckfrischer 1000 Bolivar Scheine. Das zählen dauert extrem lange.

Wir können uns glücklich schätzen, dass wir die 1000er Noten erhalten haben.
Oft gibt es nur 100er Banknotenbündel.

In den Geschäften dauert das Geld zählen oft lange.
Man geht mit Plastiktüten voller Bargeld einkaufen.
Die absurdeste Szene war ein Mann, der Plastiktüten voller Bargeld getragen hat, die so schwer waren, dass er sie kaum heben konnte.

In Zeiten der Inflation wird einem bewusst wie vollkommen dumm und sinnlos es ist Geld hinterher zu laufen und wie idiotisch das Geldsystem an sich ist.
Ein auf Papier gedrucktes Vertrauensverhältnis dem niemand mehr vertraut, dass aber alle haben wollen, weil sie sich „mit“ sicher und „ohne“ unsicher fühlen.

Kranke Welt!

Die Geschäfte und Supermärkte – zumindest im Süden des Landes – sind voller Waren!
Über die Grenze zu Brasilien kommen alle benötigten Lebensmittel ins Land.
Die Sicherheitslage ist vollkommen normal und ruhig.

Wir haben etliche Reisende getroffen, die durch Venezuela gereist sind und keinerlei Probleme hatten – nicht mehr oder weniger als im Rest von Südamerika.
Große Städte sind immer ein „kritischer Faktor“ was die Sicherheitslage angeht.

Die Hauptstadt Caracas ist eine Ausnahme.

Aber das erklärt sich von selbst:
Wer einen Putsch inszeniert oder andersweitig die Regierung stürzen will, versucht das in der Hauptstadt und nicht in der Provinz.

Mit einem Satz: Die in der – speziell westlichen – Presse dargestellte Lage in Venezuela ist einseitig und unausgewogen beschrieben.
Ob dies bewusst geschieht, weil man die Sozialisten um Maduro nicht mag, oder unbewusst, weil man den Nachrichtenagenturen glauben schenkt, anstatt selbst einen Reporter durchs Land reisen zu lassen, sei dahin gestellt.

Auf Grund des – für uns – guten Wechselkurses hat uns eine Nacht in einer Pension nur 2 Euro gekostet, mit heißer Dusche, Wifi (sehr schnelles Internet!) und Fernseher.

Die Preise für Essen und Getränke sind ähnlich niedrig.

Es wird in Venezuela nicht zu einem Militärputsch kommen.
Das Militär ist ein sich bereicherndes „Wirtschaftsunternehmen“ das fest in die ökonomischen und politischen Strukturen eingebettet ist.

Im Süden des Landes machen die Generäle Millionen mit Bodenschätzen und anderem Raubbau.
Die dicken, großen Geländewagen und Immobilien zeigen, dass es große Gewinner gibt, die die instabile Situation im Land für sich auszunutzen wissen.

Wir haben eine Trekking-Tour auf den Tafelberg/Inselberg („Tepui“) „Roraima“ geplant.

Ein großer Teil des Südens von Venezuela wird halbautonom verwaltet.

Die dort ansässigen Ethnien kontrollieren die zu Nationalparks erklärten Gebiete.

Man kann die Tafelberge nur mit Genehmigungen und Guide besteigen.
Am nächsten Tag geht es los.

Wir fahren durch die Gran Sabana. Hier gibt es über 115 Tepuis.
Der Ausdruck „Tepui“ stammt aus der Pemon-Sprache und bedeutet so viel wie „Haus/Sitz der Götter“.

Die Tepuis sind durch Erosion entstanden. Vor 2 Milliarden Jahren hat sich ein gigantisches Sandsteinmassiv durch die Landschaft gezogen, zwischen dem heutigen Amazonas-Tiefland und dem Orinoco und der Atlantikküste und dem Rio-Negro.

Der Roraima-Tepui ist 2810 Meter hoch und 15 Kilometer lang.

Die Hochfläche (der Gran Sabana), mit ihren weiten und flachen Tälern wird von teilweise 1000 Metern hohen Bergen umschlossen.

Die geologischen Formationen zählen zu den ältesten auf diesem Planeten und waren früher Teil des Urkontinentes Gondwana.

Der erste „Jurassic Park“ Film wurde hier teilweise gedreht.

Irgendwann verlassen wir die gut asphaltierte Straße die weiter nach Norden führen würde und fahren über recht gute und dann recht schlechte Schotterwege den Tafelbergen entgegen.
Irgendwann erreichen wir eine „Indianer-Siedlung“.
Die Häuser sind teilweise aus Lehm und Stroh und teilweise recht gut.
Elektrizität ist vorhanden.
Es gibt sogar einen „Toilettenblock“ mit Dusche, wenn man von der Wanderung zurück kommt.

Wir stärken uns noch einmal, während „das Gepäck“ (hauptsächlich unsere Verpflegung und Zelte) gewogen wird und auf die Träger verteilt wird.
Jeder Träger darf maximal 7 Kilo tragen.
Die „Porter“ verteilen die Waren auf ihre geflochtenen Tragekörbe.
Wir tragen unser Gepäck selbst, inclusive Schlafmatte- und sack.

Guide und Träger sind Indigene.
Unsere „Indianerin“ ist ursprünglich aus Guyana, spricht verschiedene lokale Sprachen und natürlich spanisch und englisch.

Die Indigenen aus dem Grenzgebiet brauchen sich nicht an die Grenzen zu halten und brauchen auch keine Pässe – bzw. können problemlos und passfrei zwischen Guyana, Venezuela und Brasilien pendeln und leben.

Wir laufen auf die Tafelberge zu.
Es geht auf- und ab.
Am Horizont ziehen sich große, schwarze Gewitterwolken zusammen.
Nach einiger Zeit fängt es an zu regnen.
Erst ein wenig, dann immer heftiger.
Wir ziehen unsere Ponchos über und laufen weiter.
Nirgendwo können wir jetzt Unterschutz finden.
Nach einiger Zeit hört es auf zu schütten.

Die Sonne bricht mit ganzer Kraft hervor und wir trocknen wieder.
Nach einigen Stunden erreichen wir unser Nachtlager.
Die Zelte werden aufgebaut und man kocht uns.
Das Essen, dass wir die nächsten Tage serviert bekommen ist abwechslungsreich und gut. Die „Köche“ (unser Guide und die Träger) sind wahre Meister auf dem benzinbetriebenen Campingkocher.
Unglaublich was die uns hinzaubern. Das bekommt manch einer nicht in seiner Einbauküche hin.

Die Dunkelheit bricht recht schnell und unvermittelt ein.

Nach dem Essen waschen wir uns im Fluss.
Im hohen Gras muss man vor Schlangen aufpassen.
Es gibt hier einige Arten und viele haben tödliches Gift.

Nach einer dunklen, ruhigen Nacht unter einem klaren Sternenhimmel brechen wir am nächsten Morgen früh auf.

Zuerst geht es durch einen relativ kleinen Fluss und dann wieder auf und ab über das hügelige Land.
Wir nähern uns immer mehr den Tafelbergen.
Die Landschaft in unmittelbarer Nähe zu den Bergen sieht aus wie eine unordentliche, wellige Tischdecke.

Nach einiger Zeit kommen wir an einen zweiten Fluss.
Hier ist die Überquerung schon ein wenig schwieriger.
Langsam aber stetig rutschen wir, mit den Socken an den Füßen, über die großen Steine und Felsen im Fluss.
An einigen Stellen müssen wir uns gegenseitig stützen um nicht den Halt zu verlieren.
Irgendwann ist auch diese Flussdurchquerung geschafft.

Jetzt waschen wir uns und unsere Kleider im fließenden Nass…..und an allen Körperteilen, die nicht unter Wasser sind, werden wir in sekundenschnelle von kleinen Mücken gestochen, die die Einheimischen „Puri-Puri“ nennen und die in der Nähe von Gewässern heimisch sind.

Die Stiche/Bisse bleiben einige Tage sichtbar und jucken übelst.

Wir wandern weiter.
Es wird steiler und steiler.
Am Abend erreichen wir das Basislager am Fuß des Tafelberges.

Nachdem unser Zelt aufgebaut ist, fängt es an zu regnen.
Wir legen uns hin und warten bis es aufhört.
Dann gibt es was zu essen.

Gegen Nachmittag/Abend fängt es regelmäßig an zu regnen.

Die feuchte Luft steigt durch die Sonnenerwärmung auf und bildet Wolken, die sich an den Bergen sammeln und dann in der umliegenden Gegend abregnen.

Am nächsten Morgen geht es über „Die Rampe“ auf den Roraima.

Zuerst müssen wir einen steilen Anstieg durch den Dschungel hinter uns bringen.
Der Weg führt durch trockene Wasserläufe und über Felsen.
Super anstrengend!
Man schwitzt und der Weg scheint kein Ende zu nehmen.
Irgendwann stehen wir an der Steilwand des Berges, die hunderte Meter senkrecht nach oben reicht.
Wir müssen durch Wasserfälle laufen und über Felsbrocken klettern.
Irgendwann sind wir – ganz plötzlich – oben angelangt.

Flora und Fauna sehen aus wie aus einer anderen Welt.
Hier oben haben sich Tiere und Pflanzen entwickelt, die nur auf diesen wenigen Quadratkilometern endemisch sind.

Wir haben einen weiten Blick über das Land.

Unser Zelt wird im „Hotel“ (ein großes, zerklüftetes Felsmassiv) unter einem Felsvorsprung aufgebaut.
Unter einem weiteren „Felsendach“ steht die Küche und die Zelte unserer Begleiter und abseits ebenfalls unter Fels unser „Toilettenzelt“.

Die Fäkalien werden in Plastiktüten mitgetragen und am Ende fachgerecht entsorgt, damit das fragile Ökosystem geschützt wird.

Am Anfang ist es recht merkwürdig sein „Geschäft“ in eine Platiktüte zu verrichten.
Zur Geruchsverminderung befindet sich Löschkalk in den Tüten.

Gleich am ersten Nachmittag auf dem Tafelberg unternehmen wir Ausflüge mit unserem Guide.

Die Aussicht ist atemberaubend.

Von hier oben sehen wir den Dschungel in Guyana. „Grüne Hölle“ soweit das Auge reicht.
Hier bilden sich auch die täglichen Haufenwolken, die sich dann abregnen.

Auf dem Roraima befindet sich auch ein „Dreiländereck“. Ein kleiner Teil gehört zu Guyana und ein noch kleinerer zu Brasilien. 95% allerdings befinden sich auf Venezuelas Seite. Von hier aus ist auch die einzige Möglichkeit das Massiv zu besteigen.

Nach ein paar Stunden Schlaf stehen wir lange vor Sonnenaufgang auf, um selbigen über dem Dschungel zu sehen.

Die Aussicht an den Steilwänden ist unglaublich schön.
Wir können uns gar nicht richtig sattsehen.

Nachdem wir genug Wasserfälle bestaunt haben, die sich entlang den Steilwänden in den darunter liegenden, unberührten Dschungel stürzen, machen wir uns auf, um weiter Naturwunder zu sehen.

Wir wandern zum sogenannten Canyon, wo wir in Abgründe schauen, die so tief sind, dass wir kein Boden sehen.

Auf dem Weg dorthin kommen wir an natürlichen Pools und Wasserläufen vorbei, wo wir uns nochmals reinigen.

Auf dem sogenannten „Beach“ – eine sandige, flache Ebene – liegt alles voller Kristalle, die im Sonnenlicht reflektieren.

Auf den dicken Mooskissen krabbeln winzige, schwarze Frösche, die nicht springen können.

Wir wandern, klettern, springen stundenlang auf dem Tafelberg herum.

Es gibt so viel zu sehen und würde noch mehr geben wenn wir noch mehr Zeit hätten.

Ohne Guide ist man verloren und absolut hilflos.
Vor allem wenn Nebel oder starke Bewölkung verliert man schnell die Orientierung.

Außer uns sind zahlreiche Gruppen unterwegs.
Viele wollen eine Woche oder sogar 10 Tage auf dem Tepui bleiben.

Auch in schwierigen Zeiten ziehen hunderte(?) Venezolaner auf den Inselberg, ausgestattet mit Nationalflagge, um für ein patriotisches Selfie zu posieren.

Was bleibt noch übrig wenn der Rest der Welt sich gegen einen verschworen hat und die Regierung stürzen und das System ändern will.

Man kann zu Maduro stehen wie man will.
Man kann den Sozialismus gut oder schlecht finden.
Man kann von Hugo Chavez denken was man will.
Eines lässt sich allerdings konstatieren:

Die Lebenssituation der Mehrheit der Venezolaner hat sich durch Hugo Chavez zum Besseren gewendet.

Die basisdemokratische Teilhabe ist ebenfalls direkter und besser als in vielen Ländern des Westens.
Die jetzige Problematik hat auch viel mit den völkerrechtswidrigen Boykotten zu tun.

Alle Venezolaner freuen sich Ausländer zu sehen und fragen wo wir herkommen und ob es uns gefällt.
Jeder versucht von sich aus englisch zu sprechen – was für Südamerika sehr untypisch ist.

Nach einem weiteren Tag beginnt früh morgens der Abstieg.

Ich hasse Abstiege.

Meist bin ich schneller auf dem Berg als runter.

Der Abstieg geht abartig auf die Oberschenkel. Noch Tage danach zittern und schmerzen die Beine.

Wir laufen durch bis zu unserem ersten Übernachtungsstop.
Nach der zweiten Flussdurchquerung bleiben wir am Fluss und baden ausgiebig und waschen unsere Klamotten.
Diesmal bleiben wir unter Wasser, um den Puri-Puris zu entgehen, die unser Blut wollen.

Der letzte Tag ist relativ einfach.

Aus der Ferne sehen wir nochmals den Roraima und sein Bruder den Kukenan-Tepui.

Nachdem wir uns von unseren Trägern verabschiedet haben, gehts zurück nach Santa Elena.
Wir bleiben noch eine Nacht in Venezuela.
Am nächsten Tag gehts an die „Linea“ und zurück über die Grenze.

Die Ausreise ist relativ schnell.

Die Einreise nach Brasilien gestaltet sich problematisch.
Wir müssten stundenlang warten, wenn wir uns an die Nummern halten.
Da wir keine Flüchtlinge sind, beschließen wir uns dumm zu stellen und uns einfach vorzudrängeln.

Jeder Depp in Uniform und mit ein bisschen Macht ausgestattet, fühlt sich unglaublich wichtig.
Das haben wir bisher überall auf der Welt, in allen Kulturkreisen feststellen können.

Zwei Möglichkeiten:

Verhalte dich devot und gib dem Arschloch das Gefühl er wäre der wichtigste Mensch auf der Welt. (sehr oft ist der Weg des geringsten Widerstands am Effektivsten; „Der Klügere gibt nach“)

Oder: schüchter das Würstchen so ein, dass es kuscht und lass den großen, reichen, wichtigen, „weißen“ Mann raushängen (eine widerliche Rolle, die man aber manchmal spielen muss sonst würde man noch Tage lang warten und müsste noch mehr Bakschisch zahlen).

Wir ignorieren den privaten Sicherheitsmann und drängeln uns einfach vor. Dem Depp schwillt der Kamm.

Da wir aber kein portugiesisch verstehen (wollen!) und konsequent englisch sprechen, nimmt uns der Immigration Officer direkt dran, da er die problematischen Subjekte los haben will.

Ich muss ihn dann nochmals drauf hinweisen wieviele Tage Visum uns zustehen.

Da ihm das Rechnen schwer fällt, bekommen wir beide nochmals 90 Tage Visum für Brasilien, obwohl wir schon einige Tage im Land waren (man bekommt 90 Tage Aufenthaltserlaubnis innerhalb von 6 Monaten; es zählt nur die Zeit solange man im Land ist).

Endlich sind wir dann fertig.

Zu guter letzt – absurder Weise – verträgt sich dann auch noch der Security-Typ mit uns.

Ende gut – alles gut.

Wir sind wieder in Brasilien.

Hier ist alles ruhig und beschaulich.

Mittlerweile sind auch die Panzer verschwunden.

In den Nachrichten wird die Lage in Venezuela immer noch genau verfolgt.

Dies- und jenseits der Grenze profitieren viele Menschen von der schwierigen Situation.

Nach einem Tag Rast in Boa Vista fliegen wir via Manaus und Sao Paulo nach Rio de Janeiro.

„The Guyanas“ – Abenteuer am nördlichen Rand von Südamerika; oder von Weltraumbahnhöfen, französischer Küche, Gefängnisinseln, holländisch sprechenden Indern und Chinesen, auf den Spuren „Papillons“, einem der höchsten Wasserfälle und Dschungel, Dschungel, Dschungel

„The Guyanas“ – Abenteuer am nördlichen Rand von Südamerika; oder von Weltraumbahnhöfen, französischer Küche, Gefängnisinseln, holländisch sprechenden Indern und Chinesen, auf den Spuren „Papillons“, einem der höchsten Wasserfälle und Dschungel, Dschungel, Dschungel

Wir kommen am frühen Morgen in Oiapoque an, einer Stadt im äußersten Norden von Brasilien, die nach dem gleichnamigen Fluss benannt ist, der die Grenze zur europäischen Union markiert.

Auf der anderen Seite befindet sich französisch Guyana, ein Überseedepartement und vollintegrierter Teil des französischen Staates und damit auch Teil der Europäischen Union und der NATO.

Seit einigen Jahren gibt es eine imposante Brücke über den Fluss – die einzige Straßenverbindung der EU nach Südamerika.

Wegen versicherungstechnischer Fragen wurde die Brücke allerdings erst Anfang 2017 für den Autoverkehr freigegeben.

Wir müssen vom Busbahnhof zur Policia Federal laufen, um uns auszustempeln. Danach nehmen wir ein Boot über den Fluss und in die nächste französische Gemeinde, mit Straßenanbindung nach Cayenne, der Hauptstadt von Französisch-Guyana.

Die Brücke ist für uns uninteressant. Wir fahren auf dem Fluss unten drunter durch.

Für den Handel zwischen der EU und Brasilien ist die Straßenverbindung wichtig. Ebenso für den europäischen Weltraumbahnhof in Kourou. Da Französisch Guyana nicht über einen passenden Tiefseehafen verfügt, können die Raketenteile jetzt über Macapa geliefert werden.

Auf der anderen Seite sind wir mitten in Frankreich. In den Bäckereien gibt es Baguette und Croissant und auch sonst sieht es wieder einmal nach Frankreich aus. Schon das zweite mal in all den Jahren, dass wir „europäischen“ Boden in französischen Grenzen außerhalb Europas betreten. Das erste mal war vor ein paar Jahren in Französisch Polynesien.

Wir sagen unserem Minibusfahrer, dass er bitte bei der Polizei halten soll – da wir hören, dass Französisch Guyana zwar Teil der EU ist, aber angeblich nicht zum Schengenraum gehört – um unseren Pass stempeln zu lassen.

Der freundliche Beamte erklärt uns allerdings (auf englisch! ein franzöischer Polizist, der freiwillig englisch spricht! unerhört! ), dass wir mit einem EU-Pass einfach so kommen und gehen können ohne Stempel, usw.

Wir sind auf dem Weg in die Hauptstadt des Landes.

Cayenne – der gleiche Name wie der Pfeffer (jetzt sind wir da wo der Pfeffer wächst!) – ist recht überschaubar.

Wir haben uns Privat eingemietet. Es gibt nur sonst Hotels und die kosten richtig was – in harter Euro-Währung.

Unser Zimmer ist etwas außerhalb. Mit dem öffentlichen Verkehr (außerhalb der Hauptstadt gibts das kaum!) kommen wir bis fast vor die Haustür.

Die Stadt hat auch sowas wie ein „historisches Zentrum“.

Der größte Arbeitgeber scheint der französische Staat und die EU zu sein, sowie einige halbstaatliche Organisationen und Institute.

Der Gegensatz zwischen arm und „reich“ ist groß.
An den Supermarktkassen zahlen viele Leute mit staatlichen Essensmarken.

Das Warenangebot ist top, wie in Frankreich.
Gute subventionierte Produkte aus Frankreich zu günstigen Preisen.
Hier gibt Camembert, Rotwein, Sekt und viele andere Leckereien zu günstigen Preisen. Im Rest von Lateinamerika entweder nicht zu bekommen (nicht in dem Maße) oder nicht zu bezahlen.

Eigentlich sind wir hauptsächlich nach Cayenne gekommen,um das Konsulat von Surinam aufzusuchen.
Dem nächsten Land auf unserer Reise.
Dafür muss man sich eine sogenannte „Touristcard“ besorgen. Sprich: Geld bezahlen, um einreisen zu dürfen.
An sich kein großer Akt.
Das erste mal überhaupt müssen wir eine Gelbfieberimpfung nachweisen. Bisher in Südamerika hat das niemanden gejuckt.
Natürlich haben wir das Dokument parat.

Von Cayenne aus fahren wir mit einem Minibus nach Kourou.
Die Stadt ist für uns das Ticket ins All. Von hier aus fliegen wir zum Mars. Die Reise dauert sechs Monate.
So ähnlich könnte es in einige Jahren zu lesen sein. Leider kann man das noch nicht machen. In einigen Jahren wird es Flüge zum Mars geben, der dann auch besiedelt wird.
Die Erde wird auf Grund der steigenden Temperaturen in weiten Teilen nicht mehr bewohnbar sein.
Der Mensch muss sich ein neues Habitat suchen, nachdem er aus Gier, Ignoranz und Dummheit sein jetziges fast zerstört hat.

Wir sind allerdings wirklich hier, um einen Raketenstart mitzuerleben. Der europäische Weltraumbahnhof der ESA befindet sich in Kourou. Ebenso wie eine Garnison der berühmt-berüchtigten Legion etrangere – der französischen Fremdenlegion, die das Gelände bewacht und deren Soldaten im Dschungel ausgebildet werden.

Das erklärt auch warum man viele muskelbepackte Männer mit kurzgeschorenen Haaren in den Straßen und am Strand joggen sieht.

Am Wochenende machen wir einen Ausflug zu den drei ehemaligen Gefängnisinseln, die Teil der französischen Strafkolonie Guyana waren.
Auf der „Teufelinsel“ war der Offizier Alfred Dreyfuß inhaftiert, der Namensgeber der „Affäre“, die die franzöische III.Republik erschüttert hat.

Ein anderer berühmter Sträfling war Henri Charriere, dessen Lebensgeschichte in dem Roman Papillon (und dem gleichnamigen Film) erzählt wird.

Die Gefängnisinseln sind etwa 13 Kilometer vor der Küste gelegen.
Die Inseln sind eigentlich sehr idyllisch.
Die Ruinen der Gefängnisgebäude zeigen immer noch wie brutal der Alltag war.
Vor allem auf der Insel St.Joseph sieht man immer noch die Zellen wo Gefangene untergebracht waren, für die Isolationshaft angeordnet wurde.
Die Zellen waren nach oben offen und erinnern eher an zu kleine Tierkäfige.

Nachdem wir einen schönen Tag auf den Inseln verbracht und einem Raketenstart beigewohnt haben, geht es Richtung Grenze zu Surinam, dem ehemaligen „Niederländisch Guyana“, wo auch heute noch alle Leute niederländisch sprechen.

Hier gibt es keine Brücke.
Der Grenzfluß wird auf einem kleinen Boot zurückgelegt.
Die Einreise ist recht schnell und problemlos.
Die nervigen Minibusfahrer ignorieren wir.
Die wollen viel zu viel.

Wir wechseln ein wenig Geld in Suriname Dollar und laufen Richtung Busbahnhof. Man kann mit dem öffentlichen Transport in die Hauptstadt Paramaribo fahren.
Wir treffen allerdings jemanden, der schon zwei Passagier in seinem PKW sitzen hat und uns mitnimmt.

Auf die Frage was er dafür haben will, fragt er wieviel wir bezahlen wollen.
Den Preis den wir nennen ist ein Bruchteil von den überhöhten Vorstellungen der Minibusfahrer, aber scheinbar ausreichend für unseren Fahrer.
Die Fahrt im klimatisierten Auto ist entspannt und angenehm. Wir werden in Paramaribo bis vor unsere Unterkunft gefahren, die ein wenig außerhalb liegt.

Der Weg dorthin führt über eine große Brücke über den Suriname-Fluss – unter der selbst Tanker und Containerschiffe durchfahren können – und durch die Stadt, mit all ihren historischen Gebäuden und vorbei am Präsidentenpalast.

Das kleine Land ist ein kultureller und ethnischer Schmelztigel.
Der Handel ist fest in „chinesischer“ Hand. Transport und Baugewerbe wird von „Indern“ dominiert.

Alle sprechen „holländisch“ und sind Bürger Surinams und Nachkommen von „Sklaven“ und billigen Arbeitskräften die mit Versprechen ins Land gelockt wurden.
Ebenso leben hier einige europäisch-stämmige Menschen, „Eingeborene Indianer“ und Schwarze aus der Karibik.

Zu essen gibt es viel indische Currys – für uns ein Traum.

In der Innenstadt steht eine große Moschee neben einer großen Synagoge.
Ebenso gibt es etliche Kirchen, Hindutempel und ein Gebetshaus der Baha’i.
„Multikulti“ ist hier gelebte Realität.

Wir unternehmen einen Fahrradausflug in die ehemaligen Plantagen und besichtigen ein ehemaliges Fort, das im Zweiten Weltkrieg Internierungslager für deutsche Soldaten war.

Im Suriname-Fluss liegt immer noch das Wrack der Goslar, einem deutschen Frachtschiff, dass 1940 von der Mannschaft versenkt wurde.
Selbige war dann in dem Fort interniert.

Es ist schwül-heiß.
Irgendwann entlädt sich ein tropisches Gewitter.

Danach ist die Luft sauber und es macht Spaß durch den Sprühregen über die große Straße in die Stadt zurück zu fahren.

Wir ziehen weiter nach Guyana.

Wieder geht es über einen Fluss, der die Grenze markiert. Diesmal mit dem Autofähre.

Die Einreise ist chaotisch und es bilden sich lange Warteschlangen.

Den Grenzern sieht man an, dass sie korrupt sind und die eigene Bevölkerung beklauen.
Ausländer werden schnell abgefertigt.
Die Einheimischen haben teilweise zwei Nationalitäten und Pässe.
Es wird geschmuggelt. Auch Devisen werden schwarz eingeführt.
Alles geht drunter und drüber.
Wir kommen zwar schnell und problemlos durch, aber außerhalb müssen wir warten, bis der Minibus voll ist.

Guyana – eine ehemalige britische Kolonie – ist das einzige englischsprachige Land in Südamerika.
Allerdings ist das „Kreolenenglisch“ das dort gesprochen wird, sehr gewöhnungsbedürftig.

Dieses „karibische“ Englisch haben wir auch schon an der Karibikküste von Nicaragua und Honduras gehört und es muss auch das gleiche Englisch sein, dass man in Jamaika spricht.

Guyana ist der chaotischste und korrupteste aller drei „Guyanas“ und ein Land, das einem „failed state“ am nächsten kommt.

Die Entwicklung ist wie bei vielen anderen Staaten in Lateinamerika auch deshalb schief gelaufen, weil die USA mal wieder Angst vor dem Kommunismus hatten und die CIA einen Putsch inszeniert hat.

Seit damals bereichern sich Berufsverbrecher daran das Land auszunehmen.

Gold und Diamanten sind die Hauptexportgüter des Landes. Große Erdöl und Gasvorkommen vor der Küste lassen die Dollarzeichen in den Augen vieler Politiker aufblitzen.

Gleichzeitig liegt die Hauptstadt Georgetown aber einige Meter unterhalb des Meeresspiegels, ebenso wie der Rest des fruchtbaren Landes.

Die Deiche – noch aus Kolonialzeit stammend und damals sogar noch von Holland entwickelt und gebaut (bevor die Briten kamen, gehörte es kurzzeitig zu Holland) – sind schon etwas älter und vor ein paar Jahren bei einem Hurrikan standen weite Teile des Landes und der Hauptstadt unter Wasser.

Der Klimawandel wird sein übriges dazu beitragen, dass Guyana keine Zukunft hat.

Die Tatsache, dass die Machtelite sich an den Bodenschätzen – ausgerechnet Erdöl und Gas – bereichert, wirkt wie ein Treppenwitz der Geschichte und könnte als Parabel dienen.

Die Gier ist so groß, dass man sich buchstäblich den eigenen Untergang herbeischafft.

Der größte Teil des Landes ist Dschungel.

Damit das so bleibt zahlt das Königreich Norwegen viel Geld.

Norwegen – selbst durch Erdöl zu einem reichen Land geworden – erleichtert sich sein Gewissen dadurch, dass es seine moralische Schuld an der Zerstörung des Planet dadurch wieder gutzumachen versucht, indem es Guyana viel Geld (hunderte Millionen Euro) bezahlt, dass die im Gegenzug nichts tun, oder vielmehr den Urwald schützen.

Das klappt einigermaßen.

Wenn man allerdings über das Land fliegt – was wir getan haben – sieht man überall Minen (legale und illegale) deren giftige Abwässer die Gewässer vergiften und die über Pisten erreichbar sind, die in den Wald geschlagen wurden.

Den Flug haben wir unternommen, um den Kaieteur-Wasserfall zu sehen. Einen der höchsten „Single-Drop-Wasserfälle“ des Planeten.

Der Hinflug war durch dicke Wolken und vereinzelte Schauer. Die kleine Maschine ist wie ein betrunkener Paradiesvogel durch den Himmel geschlittert.

Flüge in kleinen Maschinen und potenzielle Abstürze machen mir nichts aus, da man ja schließlich sieht wohin man fallen würde.

Ich verstehs selbst nicht, ist aber so.

Wir sind allerdings gut hingekommen, der Pilot – ein echter Buschpilot – hat einen erstklassigen Flug hingelegt inklusive Starts und Landungen und schöne Kurven geflogen, damit wir den Wasserfall voll und ganz genießen können.

Wir hatten dann einige Stunden Aufenthalt und konnten den Wasserfall und den Dschungel in vollen Zügen genießen.

Der Rückflug war absturzangst-frei und bei blauem Himmel fast schon langweilig.

Aus der Luft konnten wir Georgetown sehr gut sehen.

Ansonsten ist die Stadt recht runtergekommen. Man hat öfters das Gefühl in einer Bürgerkriegsstadt zu sein. Am Wochenende ist die Innenstadt so leer wie in einem Zombie-Apokalypsen-Film und auch ebensolche Gestalten hängen dort ab.

Es ist ratsam eine Machete oder einen Revolver mit sich zu führen. Das Land und vor allem die Stadt – ist Wilder Westen. Nach beginnender Dämmerung sollte man ebenso nicht nach draußen gehen.

Wenn man die Lokalzeitungen durchblättert, steht Raub und Mord auf der ersten Seite.

Ebenso sind nach etlichen Wochen immer noch zahlreiche ehemalige Häftlinge auf freiem Fuß, die bei einem Massengefängnisausbruch – bei dem auch reingeschmuggelte Granaten zum Einsatz kamen!!! – ihre Freiheit erlangt haben.

Das war übrigens nicht das erste mal.

Er gibt auch noch einige geheime Waffenverstecke von einem fast-Bürgerkrieg vor ein paar Jahren.

Das Land steht ständig auf der Kippe zum Chaos.
Gut, wenn man das nicht miterleben muss.
Ansonsten ist es recht schön hier. Es gibt allerdings wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Ende der 1970er Jahre kam Guyana in die Schlagzeilen, weil die „Peoples Temple“ um den Prediger Jim Jones im sogenannten „Jonestown-Massaker“ Massensuizid begangen hatten.

Wir waren nur kurz in der Stadt – zu lange – und haben uns dann über Land auf den „Rückweg“ nach Brasilien gemacht.

Die Straße führt durch den Dschungel auf einer Piste.

Auf Grund des Wetters war die Fahrtzeit auf 16 Stunden festgesetzt.

Weil unser Minibus im Dschungel eine Panne hatte und wir auf ein Ersatzteil aus Georgetown warten mussten, waren wir im Endeffekt fast 48 Stunden unterwegs, bis wir endlich Lethem – die Grenzstadt zu Brasilien – erricht hatten.

Dort konnten wir dann endlich den roten Staub abduschen und in einer Hängematte schlafen; eine Wohltat nach 2 Tagen Minibus und Dschungel.

Unsere Mitreisenden war eine Gruppe Brasilianer, die illegalerweise in Guyana gearbeitet hat und auf dem Rückweg nach Mato Grosso war – einem brasilianischen Bundesstaat mit zu vielen Arbeitslosen und zu wenig Hoffnung.

Von Lethem sind wir über die Grenze gelaufen und waren froh wieder in Brasilien zu sein.

Die beiden Beamte der Policia Federal waren die freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen, die wir jemals an einer Grenze getroffen haben. So ist es uns nach Guyana zumindest erschienen, dort sind alle ein wenig rau im Umgang miteinander.

Diesmal sollten wir uns aber nur kurz in Brasilien aufhalten, da wir nur auf dem Weg nach Venezuela waren.

Wir haben unser großes Gepäck in Boa Vista zurückgelassen und haben uns auf den Weg „ins gefährlichste Land Südamerikas“ gemacht (wenn man der europäischen Presse Glauben schenken möchte).

Reisen auf und im Amazonas(gebiet); oder der Hängematten-Flussschifffahrts-Blues in der „grünen Hölle“

Reisen auf und im Amazonas(gebiet); oder der Hängematten-Flussschifffahrts-Blues in der „grünen Hölle“

Back again in Kolumbien.

Wir haben eine Nacht und einen Morgen Aufenthalt und schlafen in Bogota.
Die Menschen sind freundlich. Es ist kalt.

Am nächsten Mittag geht es weiter nach Leticia.
Ich war hier schon einmal, fast vor genau einem Jahr.

Damals war es noch schwüler und hat mehr geregnet.

Hier im Süden des Landes, am kleinen Wurmfortsatz der tief nach Brasilien oder Peru hineinragt ist man mitten in der „grünen Hölle“ des Regenwaldes.

Wir bleiben zwei Nächte. Organisieren unsere Weiterfahrt.

In brütender Hitze laufen wir in die brasilianische Schwesterstadt von Leticia, Tabatinga.

Nach unzähligem Rumfragen und ein paar Fehlversuchen finden wir den Hafen und bringen in Erfahrung – mit eigentlich null portugiesischem Wortschatz – dass am nächsten Tag gegen Abend ein Boot nach Manaus fährt.

Wenn wir das Ticket heute noch kaufen ist es billiger als am Tag der Abfahrt.

Die Schiffe sind alle ähnlich gleich gut oder schlecht. Je nach Sichtweise.

Im Preis inbegriffen sind drei Mahlzeiten, Trinkwasser und ein Hängemattenplatz.

Wir überlegen kurz und entscheiden das Ticket zu kaufen. Länger wollen wir es nicht in Leticia aushalten müssen.

Wir stempeln noch am gleichen Tag in Kolumbien aus und in Brasilien ein. Die Einreise verläuft schnell und unkompliziert. So wird es uns weiterhin mit der brasiliansichen Policia Federal ergehen.

Am nächsten Tag sollen wir 2 Stunden vor Abfahrt da sein.

Da wir schon einige Erfahrung mit Schiffen haben, sind wir früher da, wissen aber, dass wir später als angekündigt auslaufen.

Bevor irgendjemand an Bord darf, wird nochmals von der Polizei Ticket und Pass kontrolliert. Von jedem Reisenden.

Danach wird das Gepäck in Reihen aufgestellt und irgendwann kommt die Policia Federal mit Spürhunden.

Bevor die Hunde durchgehen, läuft ein 2 Meter großer glatzköpfiger und brutal durchtrainierter Hüne von einem Polizisten durch das Gepäck-und Passagierchaos und bringt alleine durch seine Erscheinung Ordnung in das Konglomerat aus Mensch und Gepäck.

Alle Leute müssen einen ausreichenden Abstand zu dem Gepäck einhalten.

Danach gehen ebenfalls martialisch aussehende Beamte mit belgischen Schäferhunden durch die Reihen der Koffer, Rucksäcke, Tüten, Bananenstauden, Hühnerkisten und vielen anderen Dingen, die mitgenommen werden sollen.

Das Schiff ist dreistöckig und hunderte von Menschen wollen mitfahren.

Wir befinden uns an einem drogenmäßig neuralgischem Punkt.

Kolumbien, Peru und Brasilien grenzen hier aneinander.

Kokain ist Schmuggelgut Nummer eins.

Viele wollen schnelles Geld machen.

Jetzt wo die FARC in Kolumbien offiziell aus dem Business ausgestiegen sind und sich aufgelöst haben, herrscht in Brasilien ein Krieg um Einfluss- und Verteilungsphären, der mitunter – und immer mehr – blutig/tödlich geführt wird; natürlich, was sonst – erwartet irgendwer was anderes!?!

Deswegen schnüffeln die Hunde das Gepäck ab.

Bevor wir das eigentlich Passagierdeck betreten, werden wir nochmals kontrolliert; diesmal nur Ticket und Pass und die unnötige Frage wohin wir reisen. Natürlich dorthin wo das Schiff fährt, nach Manaus.

Während der 4 tägigen Fahrt werden wir öfter kontrolliert.

In unregelmäßigen Abständen kommt die Policia Federal an Bord und kontrolliert die Pässe und stichprobenartig das Gepäck.

Merkwürdigerweise haben sie es dabei immer auf Ausländer abgesehen.

Dabei haben die meisten Brasilianer eher einen Grund sich als Drogenkurier ein „Zubrot“ zu verdienen.

Mit an Bord sind sehr, sehr viele SchülerInnen von unterschiedlichen Schulen in Tabatinga, die nach Manaus reisen, um an verschiedenen Wettbewerben teilzunehmen.

Für die Lehrer heißt das ein paar zusätzliche Tage frei haben und es sich auf dem Schiff gut gehen lassen.

Am Abend fließt der Cachaca und manche Lehrer lassen die Hüften kreisen.

In Europa wohl eher unvorstellbar.

Für uns mittlerweile normal nach eineinhalb Jahren Lateinamerika.

Der Alltag auf den Amazonasschiffen ist klar strukturiert.

Morgens gibts es Frühstück – cafe do manja in portugiesisch.

Schnell soll uns klar werden, dass diese „Mahlzeit“ in Brasilien extrem wichtig ist – auch wenn sie meistens aus trockenem Brot mit Butter besteht und dazu extem gesüßter Kaffee aus „fingerhutgroßen“ Becherchen.

Diese Art von Kaffee gibt es immer und überall über den Tag verteilt.

Selbst Taxifahrer bieten uns irgendwann welchen an….einfach so, zwischendurch.

Nach dem Frühstück wird geduscht.

Brasilianer duschen gefühlte 23 mal am Tag – mindestens!

Dazu wird vor (!) und nach jeder Mahlzeit die Zähne geputzt.

Körperkult – in jedweder Form wird groß geschrieben in Brasilien.

Danach gehts wieder in die Hängematte – die gibts übrigens in Brasilien in jeder möglichen Form, Größe und Farbe wie Sand am Meer zu kaufen.

Man schläft in Hängematten äußerst bequem.

Allerdings wird es auf dem Amazonas durchaus recht kühl, da ein konstanter Wind weht, der teilweise recht heftig blasen kann.

Am besten hat man eine dünne Decke und Jacke dabei.

Zum Mittagessen steht man wieder an, ebenso zum Abendessen.

Gegessen wird auf diesen Schiffen im „Schichtbetrieb“.
25 Leute passen schätzungweise in den kleinen, klimatisierten Raum.

Die anderen warten in Schlange stehend davor.

Trinkwasser gibt es in gefilterter und gekühlter Form überall in Brasilien; auch auf Amazonasschiffen.

Unser Kahn ist dreistöckig und aus Metall.

Es gibt auch hölzerne Schiffe, die allerdings langsamerer sind.

Ein paar Kabinen am Bug des obersten Deckes bieten mehr Privatsphäre; allerdings zu einem Preis zu dem man auch fliegen kann.

Auf dem Oberdeck befindet sich zusätzlich ein kleines Kiosk, wo man Snacks und kalte Getränke kaufen kann.

Während der Fahrt hängt man in seiner Hängematte rum, liest, beobachtet die Landschaft und döst in den Tag hinein.

Das Schiff macht an größeren und kleineren Siedlungen halt. Es fungiert oft als einzige Verbindung zur Außenwelt.

Es fahren allerdings täglich Schiffe.

Kleinere Schiffe verkehren mehrmals täglich auf kürzeren Routen.

Der Amazonas ist sehr bussy.

Überall wohnen Menschen. Überall dringt der Mensch vor und zerstört dadurch Natur.

Wir sind auf diesem Planeten wie ein Krebsgeschwür. Wir wuchern und wuchern immer unaufhaltsamer weiter und zerstören und töten immer mehr.

Überall hinterlassen wir Müll und vergewaltigen die Natur.

Nach ein paar Tagen auf diesem riesigen Strom kommen wir in Manaus an.

Die Stadt im Dschungel.

Der Fluß ist hier so breit wie ein Meer.

Die Stadt so unbeschreiblich groß.
Hier leben über 2 Millionen Menschen.
Es gibt hier riesige Hafen- und Industrieanlagen.

Ständig fliegen Flugzeuge in den Rest des Landes.

Für viele Menschen steht die Stadt für Fortschritt und Bezwingung der Natur.
Andere sehen Zerstörung der Natur und Rückschritt.

Wenn man sich der Stadt vom Fluss aus nähert, ist man definitiv überwältigt.

Der Kautschukboom hat die Stadt groß gemacht. Sinnbildlich hierfür steht das Opernhaus.
Ein Opernhaus mitten im Dschungel! Irre!

Das Gebäude ist nebenbei bemerkt beeindruckend schön!

Die Hafenanlagen sind riesig. Hier werden gigantische Containerschiffe be- und entladen.

Wir kommen bei Sonnenuntergang an.
Der Hafen ist komplett tot. Unheimlich wenig ist los.
Wir finden endlich ein Taxi und fahren in eine nahe Unterkunft.

Dort haben wir ein sauberes, sicheres Zimmer mit Frühstück und können unsere Wäsche waschen und trocknen.

Das Viertel ist sehr komisch und Nachts defintiv problematisch!

Nach Sonnenuntergang ist man besser nicht mehr unterwegs. Das gilt für ganz Brasilien, ja fast ganz Lateinamerika.

In der Eckkneipe/Kiosk direkt außerhalb unserer Unterkunft trifft man die merkwürdigsten Gestalten.

Der Wirt/Besitzer hat alles fest im Griff.

Wir schauen uns am nächsten Tag die Stadt an. Es gibt für Touristen nicht allzu viel zu sehen, dafür umso mehr „Alltag“ zu beobachten.

Während wir rumlaufen werden wir Zeugen mehrerer Diebstähle und Raube.

In Brasilien ist die Ungleichheit zwischen arm und reich extrem groß.

Viele Menschen werden in die Kriminalität getrieben, während kriminielle Politiker und andere Berufsverbrecher sich ekelhaft und straffrei bereichern.

Die Markthallen, das Openhaus und andere Gebäude sind Zeugen vergangenen Glanzes der Stadt.
Sic transit gloria mundi – so vergeht der Ruhm der Welt; wie es bei Asterix heißen würde.

Nach ein paar Tagen besteigen wir das nächste Schiff.
Wir lernen und warten erst einmal.
Nicht jeder Verkäufer bietet den gleichen Preis. Wir vergleichen die Schiffe.

Schließlich merken wir: alle gleich!

Wir schiffen uns ein mit Ziel Santarem.
Die Stadt liegt auf halbem Weg zwischen Manaus und Macapa.

Dort wollen wir nach Alter do Chao – der „Karibik des Amazonas“ wie es übertriebenerweise genannt wird.

Es handelt sich um einen schönen Sandstrand an einem „Seitenarm“ des Amazonas in einer Lagune.

Vorher allerdings verlassen wir erst einmal Manaus.

Am Zusammenfluss von Amazonas und Rio Negro treffen sich dunkles (schwarz-grünes) und braunes Wasser. Das Farbspiel ist verblüffend.

Unser „neues“ Schiff ist genauso „ok“ wie das vorherige. Nur die Schüler „fehlen“, dafür sind genug andere „Charaktere“ an Bord.
Der Alltag an Bord bleibt immer gleich.

Man döst in den Tag hinein und lässt die Welt an sich vorbei ziehen.
Zeit und Raum haben in diesem Teil der Welt keine Bedeutung mehr.

Wir erreichen nach weiteren 3 Tagen Santarem ohne größere Zwischenfälle.

Ab Manaus gab es keine Polizeikontrollen mehr. Also für alle Schmuggler: Seid ihr erst einmal in Manaus, ist alles gut!

Santarem befindet sich auf halbem Weg zwischen Manaus und der Amazonasmündung.

Die Stadt ist klein, überschaubar, recht langweilig.

„Alter do Chao“ ist ein Ziel für In- und Ausländische Touristen. Viele Brasilianer machen in ihrem Land Urlaub.
Sobald sie ins Ausland gehen, haben sie Probleme sich zu verständigen. Überall sonst in Südamerika spricht man Spanisch.
Überraschenderweise sprechen wenig Brasilianer englisch, oder zumindest ungern und gehemmt.
Wenn man kein portugiesisch spricht, ist Spanisch definitiv hilfreicher als Englisch. Zumindest gilt das für die entlegeneren nördlichen Gebiete.
An der Küste und den goßen Städten sprechen auch einige Leute Englisch, wie wir später feststellen werden.

In „Alter do Chao“ hängt man am Strand ab, trinkt, isst und lässt es sich gutgehen.

Manch kleiner Schifffahrtskapitän mit einem hölzernen Boot, das wie bei „Steamboat Willie“ ausschaut, bietet sein Boot für ein Wochenende zu Verfügung. Ganze Großfamilien, Clans und Dorfgemeinschaften buchen so ein Boot, dümpeln am Ufer rum, schlafen in Hängematten und grillen das ganze Wochenende.

Länger als einen halben Tag hält man es dort nicht aus.

Nach einer weiteren Nacht in Santarem finden wir uns wieder auf einem Boot Richtung Macapa, einer Stadt direkt auf dem Äquator und fast an der Amazonasmündung.

Der Hafen ist leider 30 Kilometer außerhalb der Stadt, sodass wir Nachts bei Ankunft ein Taxi nehmen müssen.

Die Stadt ist völlig unspektakulär und wirkt runtergekommen.

Die Aufbruchstimmung durch Fußballweltmeisterschaft und Olympische Spiele ist der Realität gewischen.
Die ehemalige portugiesische Festung am Fluss ist von hohem Gras überwuchert.
Ein Pier (mit Touristenzug) verrottet vor sich hin. Die leeren Räume der Touristeninformationen werden von einem Wachmann vor Vandalismus bewacht.

Wir sind nur hier, um einen Bus in den Norden zu nehmen. Wir wollen vorerst Brasilien verlassen und nach Europa….ja, genau: Von Südamerika nach Europa auf der Straße, genauer gesagt über eine Brücke.
Ein kurzer Blick auf die Weltkarte kann hier Klarheit schaffen.

Wir besteigen am Abend einen Bus und fahren über Nacht mehrere hundert Kilometer nördlich Richtung brasilianischer Grenze.
Die Straße ist mittlerweile größtenteils geteert, aber einige Abschnitte sind immer noch Piste. Besonders zur Regenzeit teilweise unpassierbar und/oder nur mit viel Zeit und Mühe zu befahren.

Cuba – die Größte der großen Antillen, das „Krokodil“ im Westen des Golfes, die Perle der Karibik; Auf den Spuren Fidels und Ernestos oder vom Währungstausch, Schlangestehen, rationiertem Essen, Rum, Zigarren und anderen Kuriositäten des alltäglichen Lebens im Inselparadies

Cuba – die Größte der großen Antillen, das „Krokodil“ im Westen des Golfes, die Perle der Karibik; Auf den Spuren Fidels und Ernestos oder vom Währungstausch, Schlangestehen, rationiertem Essen, Rum, Zigarren und anderen Kuriositäten des alltäglichen Lebens im Inselparadies

Man weiß, dass man in Cuba ist, wenn:

– man als Grund seines Besuches bei der Einreise „Unterstützung für das cubanische Volk“ angeben muss, anstatt „Tourismus“

– am Airline Schalter beim Check-in Cubaner haufenweise Waren aller Art in Ballen gepresst und in Plastik eingeschweist als Gepäck aufgeben

– man vor Abflug von der Airline nochmals die Einfuhrbestimmungen seperat geschickt bekommt und man meint man wäre in Absurdistan

– man in der „Cadega“ (Geldwechselstube) zwei einheimische Währungen zur Auswahl hat

– man für Internet zu nutzen in einen öffentlichen Park oder Platz muss und vorher bei der Telefongesellschaft Schlange stehen und sein Pass zeigen muss oder beim „Wifi-Dealer“ den doppelten Preis zahlt

– die Frage: „Quien es el ultimo?“ („Wer ist der letzte [in der Schlange]?“) das erste ist was man fragt wenn man sich irgendwo anstellt

– man für alles anstehen und warten muss

– man nach einer Stunden warten, fragt ob der Bus Verspätung hat und man die Antwort bekommt: „Nein, der Bus ist nicht verspätet, er ist nur noch nicht gekommen!“

– man nirgends Werbung oder Reklame sieht

– man in die Eisdiele geht und nur „Schokoladen Eis“ zur Auswahl steht

– sich alle Speisekarten in fast allen „Essenslokalitäten“ im Land auf 15 Gerichte beschränken von denen die Hälfte nicht zur Verfügung steht

– man sich als Vegetarier 3 Wochen lang nur von Pizza, Spaghetti und Eierbrötchen ernähren muss

– man aus Verzweiflung anfängt Rum zu trinken, weil der billiger (und besser!) ist als was zu essen und man davon mehr zur Auswahl hat

– überall im Land tote Menschen von Plakatwänden blicken und Durchhalteparolen verkünden, an die niemand mehr glaubt

– auf den – durchaus guten – Autobahnen und Überlandstraßen so viel los ist wie in den Sonntagsfahrverbotszeiten in Deutschland in den 1970er Jahren und die anderen Verkehrsteilnehmer aus Fahrradfahrern und Pferdekutschen bestehen

– man sich im nachhaltigsten und „grünsten“ Land befindet, dass durch „nichts tun“ und unterlassen in diese Position gerückt ist

– man meint man wäre auf einem „Oldtimer-Treffen“, aber das einfach der Normalzustand ist

– alle „Staatsdienerinnen“, weibliche Angestellte und Beamten die gleichen Netzstrumpfhosen tragen

– man in der absoluten und wirklichsten „Servicewüste“ angekommen ist und keiner Bock hat was zu arbeiten und nur den Tag irgendwie rumkriegen will

– die Frau in einem großen Hotel der Hauptstadt, die die Bustickets verkauft 1 Stunde zu spät kommt und nichts tun kann, weil ihre Kollegin den Schlüssel für die Schreibtischschublade hat in der das Telefon und der Quittungsblock eingesperrt ist

– die besagte Kollegin (siehe ein Absatz vorher) endlich kommt und die Beiden erst einmal ihren Arbeitsplatz eine Stunde lang einrichten und dabei selbst das Telefon mit feuchten Tüchern abwischen und die Schlange der Wartenden ins Unermessliche wächst

Von Mexiko-Stadt sind wir nach Havanna geflogen und am frühen Abend am Jose-Marti International Airport angekommen.

Ende Juni ist touristisch gesehen tote Hose in Cuba, aber dennoch haben wir nicht damit gerechnet, dass der internationale Flughafen in der Hauptstadt des Landes so tot und lieblos ist wie das was uns erwartet hat.

Die Einreise war schnell, unkompliziert und einfach. Unser Gepäck wurde nicht begutachtet und in ein paar Minuten waren wir fertig und in der Ankunftshalle.

Das Gepäck der Einheimischen wurde dagegen streng gefilzt.

Schon beim Abflug in Mexiko haben wir merkwürdige Dinge beobachtet, die im Nachhinein Sinn ergeben haben.

Unsere Airline hat uns schon per Mail vorab informiert, was nicht befördert und eingeführt werden darf.

Autoreifen sind scheinbar Mangelware in Kuba und die Beförderung mit Interjet war untersagt.

Außerdem darf man momentan auch keine Rollatoren, Rollstühle und andere Gehhilfen einführen,außer denen, die man bereits nutzt.

Dafür hat eine Gruppe von 20 Kubanern große „Ballen“ von Kleidern (?) eingewickelt in Plastikfolie als Gepäck aufgegeben. 2 Ballen pro Person.

Eine ganze Kohorte von mexikanischen Gepäckträgern hat die Ware per Sackkarre an den Airline Schalter gekarrt und dort war dann das Chaos groß.
Der Handel mit gebrauchten Kleidern (in ganz Lateinamerika auch als „ropa americana“ [eigentlich:“amerikanische Kleidung“] bezeichnet; entspricht etwa dem europäischen „second hand) boomt in Kuba und wird nicht aus modischen Gründen betrieben, sondern aus purer Notwendigkeit.

Erstens besteht dadurch die Möglichkeit Handel zu betreiben und Devisen (Geld) zu verdienen – was im „sozialistischen“ Kuba für Privatpersonen sonst nur schwer möglich ist.

Zweitens gibt es sonst auch nur wenig Kleidung auf der Insel zu kaufen, von Uniformen und „Einheitskleidung“ einmal abgesehen.

Wenn man beobachtet was die Leute an den Airline Schaltern aufgeben, weiß man oft schon was einem im Land so erwartet.

In Kuba ganz klar: Der Mangel (an gewissen Produkten).

Auf Grund der späten Stunde und unseres Gepäcks sind wir mit dem Taxi in die Stadt gefahren.

Es existiert angeblich auch ein Bus, mit dem vornehmlich Flughafenmitarbeiter fahren, aber dazu muss man ein paar Kilometer laufen, um diesen Bus boarden zu können.

Im Dunkeln und bei unklarer Ortskenntnis nicht unbedingt der beste Einstieg in ein Land.

Im Vorfeld haben wir uns um eine Unterkunft in einem „Casa Particular“ gekümmert.

Hierbei handelt es sich um eine Übernachtungsmöglichkeit im Haus einer Privatperson. Meistens haben die Vermieter ein oder zwei Zimmer, die sie an Touristen vermieten.

Momenten sind drei Zimmer pro Haus/Familie (wie auch immer) erlaubt.

Seit ein paar Jahren ist der bürokratische Aufwand für die Erlaubnis zum Betrieb einer solchen Unterkunft erleichtert worden und es gibt immer mehr Übernachtungsmöglichkeiten im Land, die in privater Hand sind.

Es git in Cuba zwei parallel genutzte Währungen.

Zum einen den CUC und zum anderen den CUP.

Der CUC (ausgesprochen „Kuk“) ist an den Dollar gekoppelt und wird in etwa 1:1 umgetauscht.

Bezahlt wird in der „harten Währung“, Peso Convertible (abgekürzt CUC), der an den US-Dollar gekoppelt ist.

Das Symbol für ein „Casa Particular“ ist ein blaues Symbol, das an einen Anker erinnert. Diese Aufkleber sind an den Türen der Häuser angebracht.

Wenn der Anker rot ist, dürfen nur Cubaner dort übernachten und bezahlt wird in der „weichen Währung“, Peso Cubano (CUP, oder schlicht „Peso“).

Beide Währungen werden überall akzeptiert.

Staatliche Wechselstuben („Cadega – Casa de Cambio“ ) findet man in allen Städten, touristischen Zentren und den internationalen Flughäfen.

Die Wechselstuben sind jedoch nicht nur für Ausländer und Touristen interessant. Die Mehrzahl der Nutzer sind in der Regel Kubaner, die versuchen an „harte“ Währung ranzukommen oder die Peso in CUC tauschen wollen/müssen.

Der CUC wird nicht nur von Ausländern benutzt, sondern auch Kubaner sind darauf angewiesen, wenn sie höhere Beträge begleichen müssen oder staatliche Unternehmen nutzen, wie beispielsweise den Nationalen Busservice „Viazul“.

Der CUP oder einfach „Peso“ wird im alltäglichen Handel, beispielsweise auf den kleinen Märkten („den Keimzellen des Kapitalismus“; diese wurden in den 1990er Jahren auch schon mal wieder verboten, da sie als die Wurzel allen Übels angesehen wurden) gebraucht.

1 CUC sind 25 Peso.

Wenn man sich einen frischgepressten Saft kauft zahlt man in Peso.

Wenn man Snacks und Essen auf der Straße kauft, zahlt man in Peso.

Die Casa Particulares sind die beste Option für alle Individualreisenden.

Wer „all inclusive“ nach Cuba reist, hat sein Ressort-Hotel ohnehin von zu Hause aus gebucht und unterstützt damit das kubanische Militär, dem die meisten großen Hotelketten direkt oder indirekt gehören.

Kubas Militär ist DER big player im Hotel- und Gaststättengewerbe auf der Insel.

Als das Militär in der Sonderperiode der 90er Jahre (nach dem Zusammenbruch der UdSSR) dringend Devisen benötigte – für Waffen und Treibstoff zu erwerben – war Raul Castro der Mann der Stunde, der es geschickt – in kapitalistischer Manier – verstanden hat, das kubanische Militär durch Beteiligungen und Joint Ventures so umzustrukturieren, dass es zum größten Devisenbeschaffer des Landes wurde.

Der Standard in den privaten Unterkünften ist erstaunlich hoch. Alle Unterkünfte haben in der Regel ein privates Bad, Klimaanlage und Ventilator, TV-Gerät, Kühlschrank und sontige Annehmlichkeiten.

Wir haben in der Regel zwischen 13 und 18 CUC bezahlt und hatten richtig gute Unterkünfte, besser als sonst irgendwo in Lateinamerika was Preis-Leistung angeht.

Die Auflagen sind hoch und es gibt strenge, unangekündigte Kontrollen für die Anbieter der Unterkünfte.

Meist bieten die Vermieter auch Frühstück und Abendessen an oder können sonstwie irgendwas organisieren oder helfen oder Unterkünfte für die nächste Etappe empfehlen.

Das alles bringt natürlich einen zusätzlichen Verdienst ein.

Ein Casa Particular ist für viele die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen.

Eine andere Möglichkeit – für die meisten eine Notwendigkeit! – an Geld zu kommen, sind die Auslandsüberweisungen der Exilkubaner (die meisten in den USA, aber auch aus Mexiko oder Spanien).

Für viele Menschen ist das die einzige Möglichkeit genug Geld zusammenzubekommen, um zu überleben – dem Staat als solchem inklusive.

In der Theorie muss zwar kein Kubaner viel Geld ausgeben, um seine Lebensmittel zu bekommen – es gibt ein monatliches Bezugsscheinsystem („Libreta“) – aber das ist nur die Theorie.

Die Praxis sieht so aus, dass die Mengen an Lebensmitteln nicht für den Zeitraum genügen für den sie ausreichen sollen/müssen.

In vielen Fällen reichen die Lebensmittel für 10-14 Tage obwohl sie für einen Monat ausreichen sollten.

Pro Person und Monat sollen in der Theorie folgende Produkte ausreichen:

2,7 KG Reis; 567 Gramm Bohnen; 1,36KG Weißer Zucker; 1,36 KG Brauner Zucker; 6,8 KG Kartoffeln und/oder (Koch)Bananen; 12 Eier und 1 Liter Milch pro Tag (nur für Kinder unter 7 Jahren)

Fleischprodukte werden separat vertrieben – sofern verfügbar.

Es gibt für andere Produkte (Brennstoff, teilweise Kleidung, Glühbirnen, Tabak, etc.) noch diverse andere Bezugshefte.

Das Missverhältnis zwischen Theorie und Praxis liegt erstens an der zu gering berechneten Menge der Nahrung und zweitens an der Tatsache, dass viele Waren nur in der Theorie (auf dem Papier) existieren, aber nicht in der Realität.

Oft bleiben Lieferungen aus – oder auf dem Weg vom Produktionsort zur Ausgabestelle „fällt etwas vom Laster“ und der Schwager/Cousin“Schwippschager“/Onkel findet das dann zufällig und kann auf dem „informellen Markt“ sein Geld verdienen.

Aber Cuba wäre nicht Cuba wenn es nicht voller Widerspräche wäre.

Beispielsweise ist es das einzige lateinamerikanische und karibische Land, das laut UN-Welternährungsprogramm und UNICEF, keine unterernährten Kinder aufweist.

Man muss in Cuba immer, für alles und überall Schlange stehen.

Cubaner sind so konditioniert, dass sie immer direkt fragen „Quien es el ultimo?“ („Wer ist der letzte?“) sobald sie irgendwo ankommen und mehr als zwei Personen warten.

Wir haben uns auf Grund des Mangels drei Wochen lang von Eierbrötchen, Pizza und Spaghetti ernährt und sobald Obst oder Gemüse sichtbar war, haben wir versucht das zu erwerben.

Einzig im (über)touristischen Vinales gab es ein Angebot an Gerichten, die Preis-Leistungsmäßig ok waren.

Unser erstes Casa Particular haben wir schon online reserviert, da wir erst in der Nacht angekommen sind.

Über alle anderen casa particulares haben wir uns im Internet informiert und kurz vor unserer Ankunft die Besitzer kontaktiert.

Es gibt jedoch einen Überschuss an Unterkünften und die Besitzer konkurrieren untereinander um die Touristen.

In der Nebensaison hat man keine Probleme eine Bleibe zu finden.

Havanna ist – wie der Rest des Landes – sehr widersprüchlich.

Einerseits sieht man vorbildlich renovierte alte Gebäude, Festungen und Kolonialhäuser. Andererseits sieht es in vielen Straßen – außerhalb des touristischen „Altstadtzentrums“ – aus, wie nach einem Luftangriff.

Überall liegt Müll und Unrat herum und Menschen durchsuchen Weggeworfenes nach noch Brauchbarem.

Die Stimmung ist nicht unangenehm oder agressiv, aber man sieht viel Verzweiflung, Mangel, Armut und Elend.

Alles erscheint irgendwie nur notdürftig und provisorisch geflickt zu sein und gerade irgendwie zu funktionieren.

Havanna ist auf jeden Fall interessant und es gibt viel zu entdecken, zu sehen und zu erleben.

Da es früh hell wird, sollte man das Licht des Tages und die relative Kühle des Morgens nutzen, um rumzulaufen und sich Sachen anzuschauen.

Ab 10h30 wird es immer heißer und in der Mittagszeit ist es so unerträglich heiß, dass man am besten bis 16h einen halbwegs kühlen, schattigen Platz aufsucht, wo ein wenig Luft geht und man Siesta halten kann.

Wenn der frühe Abend hereinbricht, erwacht das Leben wieder und Cubaner sammeln sich – wie die meisten Latinos – auf öffentlichen Plätzen und in Parks.

Immer wird irgendwo gefeiert, getrunken und beisammen gesessen.

Von Havanna sind wir nach Trinidad gefahren.

Die Stadt liegt an der Südküste in östlicher Richtung.

Diese Etappe haben wir mit dem Taxi zurückgelegt und die Plätze und Kosten mit anderen Reisenden geteilt.

Sobald man in Havanna durch den Tunnel gefahren ist und die Stadtgrenze erreicht hat, ist schlagartig eine andere Stimmung.

Plötzlich erscheint die Insel wie ausgestorben.

Die (relativ guten) Fernstraßen – ähnlich wie deutsche Autobahnen – sind komplett leer.

Da nur wenige Menschen ein Auto besitzen – und noch weniger sich den Luxus des Rumfahrens erlauben können – sind nur ein paar Busse, staatliche LKWs und Pferdefuhrwerke, Fahrräder und ganz wenig Touristen unterwegs.

An vielen Kreuzungen, Auf- und Abfahrten und Brücken stehen Menschen, die mit Geld in der Hand herumwedeln, und damit signalisieren, dass sie gegen Bezahlung mitgenommen werden wollen.

An den Außengrenzen von Städten und Ortschaften sorgen gelb Uniformierte dafür, dass Leute von staatlichen Fahrzeugen kostenlos mitgenommen werden.

Alle staatlichen Fahrzeuge müssen ihre leeren Plätze mit Leuten auffüllen, die von A nach B wollen.

Diese zwangsweise Mitfahrgelegenheit ist allerdings eine zeitintensive Form des Reisens und für Ausländer wohl nur schwer zu praktizieren.

Trinidad besticht durch seinen kolonialen Charme.

Und als wir dort waren durch seine Feierlaune. Drei Tage lang war halligalli auf der zentralen Plaza und die Einwohner waren bester Laune.

Besonders interessant war das gut gekühlte Leichtbier, dass direkt aus riesigen, kesselartigen Gefäßen abgefüllt wurde. Diese Behälter haben in großen Bauwagen gestanden in deren hinterer Teil eine vergitterte Durchreiche war. Man musste nur über ein Behältnis verfügen und konnte sich dann kaltes Bier frisch abzapfen lassen.

1,5 Liter Bier haben 7 Peso, also etwa 25 Eurocent, gekostet. Unschlagbar günstig!

Wenn man keine PET Flasche hat, sitzt nebendran eine Person, die „secondhand-Flaschen“ verkauft. Kubaner sind einfallsreich und wittern immer und überall die Möglichkeit Geld zu machen.

Es gibt in Kuba auch Leute, die sich selbst als „Beschaffer“ bezeichnen. Diese Menschen operieren natürlich in der Illegalität und stehen immer mit einem Bein schon so gut wie im Knast.

Andererseits ist jeder – manchmal sogar staatliche Behörden – auf diese „Beschaffer“ angewiesen.

Diese Leute organisieren alles und kennen sich auf dem Schwarzmarkt bestens aus. Irgendwo „fällt immer was vom Laster“ oder lässt sich irgendwie „organisieren“.

In Cuba bewegen sich die meisten Menschen zu Fuß fort, teilweise werden dabei große Strecken bewältigt. Danach kommt das Fahrrad und dann das Pferd oder die Pferdekutsche. In ländlichen Gebieten sind auch Ochsengespanne weit verbreitet.

Auf Grund des allgemeinen Mangels und des völkerrechtswidrigen US-Handelsembargos ist Cuba das „grünste“ Land auf diesem Planeten. Cuba hat es geschafft – hauptsächlich durch Unterlassen und Nichtstun – , die beste CO2 Bilanz zu erzielen und sich zum nachhaltigsten Land zu entwickeln.

Der WWF bescheinigt Cuba eine „nachhaltige Entwicklung“, das bedeutet Cuba verfügt über einen entwickelten Lebensstandard bei gleichzeitig ökologisch nachhaltiger Entwicklung.

In gewisser Weise wäre Cuba damit ein gutes Vorbild für andere Länder.

In Trinidad haben wir einen Ausflug zum Playa Ancon – dem Hausstrand der Stadt – gemacht.

Dieser Strand ist einer der wenigen Sandstrände an der Südküste.

Generell hat Cuba wenige Strände zu bieten, an denen man baden kann.

Der Großteil der Küste ist von sogenannten „Hundezähnen“ (scharfkantige Felsen) gesäumt.

Die schönsten Strände sind für den Tourismus erschlossen.

Da es sich bei Cuba genau genommen nicht nur um eine Insel, sondern um ein Archipel handelt, gibt es unzählige kleine und kleinste Inseln, Atolle und Sandbänke.

Viele dieser Koralleninseln („Cayos“) sind nur mit dem Boot zu entdecken. Andere sind mit Dämmen und Brücken erschlossen und sehr exklusiv. Viele der Unterkünfte dort, sind nur aus dem Ausland zu buchen und manche Hotels arbeiten exklusiv nur mit bestimmten Ländern zusammen.

Die Cayos sind vor allem durch Hemingways „Inseln im Strom“ bekannt geworden.

Der Playa Ancon bei Trinidad ist ganz schön, aber im Vergleich zu anderen Stränden auf der Insel oder dem Rest der Karibik nichts Besonderes.

Das große, staatliche Hotel am Strand sieht eher wie ein Verwaltungsgebäude aus und besticht nicht sonderlich durch seinen ästhetischen Charme.

Von Trinidad sind wir nach Camagüey gefahren.

Dort war wieder Karneval und halligalli Stimmung. Wieder gab es kaltes frischgezapftes Bier.

Gewusst haben wir davon nichts. Bekannt ist auf Cuba vor allem der Karneval in Santiago, im Osten des Landes.

Die Stadt hat, abgesehen vom Karneval, uns durch ihre Altstadt interessiert.

Nachdem wir genug vom Karneval hatten, sind wir nach Santa Clara gefahren.

Diese Stadt war wichtig während der cubanischen Revolution. Hier hat Che Guevara einen Zug zum Entgleisen gebracht und damit den Nachschub an regierungstreuen Soldaten zum Erliegen gebracht. Außerdem wurden viele Waffen und Munition erbeutet, die den Guerilleros nützlich waren.

In Santa Clara befindet sich außerdem das Che Guevara Monument und seit einigen Jahren die sterblichen Überreste des Argentiniers, die in einem Massengrab in Bolivien exhumiert und hierher überführt wurden.

Diese „Heldenverehrung“ ist wichtiger Bestandteil der cubanischen Identität.

Die Revolutionäre um Castro und Co. bilden immer noch den zentralen Mythos auf dem der Staat gegründet wurde und existiert.

Allerdings sind die einstigen Ideale längst (oder schon sehr früh?) nur noch Lippenbekenntnisse.

Nach unserer Einschätzung nach über 4 1/2 Jahren des Reisens auf diesem Planeten, sind die Cubaner (und klar werden mit dieser Aussage alle über einen Kamm geschoren; Sorry dafür!) mit die kapitalistischsten und geldgeilsten Leute, denen wir je begegnet sind!

Vielleicht ist das dem Umstand geschuldet, dass alles (auch Geld) in Cuba Mangelware ist. Vielleicht auch daran, dass Cuba erst seit „kurzem“ die privatwirtschaftliche Ökonomie eingeführt hat.

Allerdings ist die Büchse der Pandorra geöffnet worden und es gibt kein zurück mehr.

Die Gier greift immer mehr um sich und der eigene Vorteil ist wichtiger als sozialistische Solidarität mit den Völkern der Welt.

Wie lange kann das funktionieren und was kommt danach? Das ist die gute Frage.

Ökonomisch ist Cuba definitiv gespalten und praktiziert eine Form der „Apartheid“.

Es gibt Menschen die Zugang zu Devisen haben und vom Tourismus recht gut leben (oder sich schamlos bereichern [Militär- und Parteioffizielle]) können und solche die daran nicht partizipieren.

Auch in Cuba gibt es somit eine große gesellschaftliche Ungleichheit; ganz entgegen den Idealen dieses Staates!

Was passiert wenn Venezuela kein billiges Öl mehr liefert?

Fidel, der alte Fuchs, hat es erfolgreich verstanden Seilschaften zu knüpfen und in Venezuela sitzen vor allem Kubaner in Stellen der Staatssicherheit und des Geheimdienstes und garantieren den Sozialisten ihren Machterhalt.

Wenn irgandwann einmal die Energieexporte aus Venezuela wegbleiben – warum auch immer – gehen auf der Insel die Lichter aus.

Es tut auch weh, wenn man überall den fruchtbaren Boden brach liegen sieht und im Supermarkt gibt es importierten Reis. Und all das nur, weil die Privatwirtschaft so stark reguliert wird und die Herrschaften in den Planungsbüros unfähig sind erfolgreiche 5-Jahrespläne aufzustellen.

Auch die selbstgewählte Abhängigkeit vom Zucker – und seinem „Nebenprodukt“ (Rum) – ist ein Zustand, der die Autarkie des Landes in einem enormen Maß verhindert.

Aber die kubanische Führung verhungert lieber betrunken anstatt nüchtern. So jedenfalls kommt einem die Losung vor, mit der der Zuckerrohranbau vorangetrieben wird.

In Santa Clara habe ich jedenfalls oft an Che denken müssen – zwangsweise, bei dem dort betriebenen Personenkult – und mich gefragt, was er wohl zu dem Zustand des sozialistischen Staates und den real existierenden Verhältnissen auf der Insel zu sagen hätte.

Wahrscheinlich dreht er sich in seinem Ehrengrab herum!?

Was ist aus seiner Idee vom „Neuen Mensch“ nur geworden.

Wie sehr hat sich Ideal und Wirklichkeit auseinander gelebt.

In vielem ist der kubanische Staat gescheitert, vor allem wegen seinen hohen, selbstgesteckten Idealen und Zielen.

Ein Hauptgrund ist mit Sicherheit die kommunistische Partei, die wie alle Parteien – welcher politischer Ausrichtung auch immer – immer nur den eigenen Machterhalt zum Ziel hat. Dieser systemimmanente Fehler ist auch das größte Defizit aller anderen „demokratischen“ Systeme westlicher Prägung.

Mit Sicherheit ist der Sozialismus auch an seiner „Parteienkrankheit“ gescheitert, und der daraus resultierenden Form der Bigotterie und des „zweierlei Maß nehmens“.

Luxusartikel und Privateigentum sind verpönt, verboten, wie auch immer…Ausnahmen bilden hierbei aber die großkopferten Parteifunktionäre. Denen ist es gestattet ins Ausland zu reisen, Geld auf ausländischen Konten zu haben, burgeoise Produkte zu erwerben/nutzen, etc.

Wie kann man einem Volk Wasser predigen und selbst Wein trinken. Eine Zeit lang kann man das vielleicht, aber nicht allzu lange.

Es bleibt auf jeden Fall spannend in welche Richtung sich Cuba entwickelt.

Ich persönlich bin hoffnungsvoll optimistisch, dass sich die Fehler des Westens nicht wiederholen.

Wenn man allerdings Reiseerlebnisse anderer Menschen, von vor etlichen Jahren, mit heute vergleicht, hat sich Cuba individualtouristisch zum Schlechteren hin entwickelt. Wie immer ist „zu viel“ eher schädlich für ein System.

Im Falle von Cuba und dem Tourismus trifft das voll zu.

Wir sind weiter nach Cienfuegos.

Die Stadt liegt wieder etwas westlicher, aber immer noch an der Südküste.

Hier besticht wiederum die koloniale Architektur.

In der Nähe der Stadt steht die Ruine eines Atomkraftwerkes, dass niemals fertiggestellt wurde (zum Glück!).

Das moderne Gaskraftwerk wurde von Hugo Chavez (Venezuela) gebaut.

Überall verkünden tote Menschen (Fidel Castro, Che Guevara, Camillo Cienfuegos, etc.) Parolen für die Zukunft des Landes.

Schon absurd, wenn bereits Verstorbene – die keine Zukunft haben – für die Zukunft eines Landes herangezogen werden.

Weiter ging es nach Matanzas, an die nördliche Küste.

Diese Stadt war völlig untouristisch, liegt sie ledoch nur eine Stunde von einem der Haupttouristenorte, Varadero, entfernt.

Das Höhlensystem in der Nähe der Stadt ist – wie so vieles in Cuba – völlig überbewertet und bietet demjenigen, der schon etwas von Lateinamerika gesehen hat, vergleichsweise wenig.

Unsere nächste Etappe war Vinales.

Hier war es sehr touristisch, teilweise schon zu überlaufen.

Dafür bekommt man was halbwegs Anständiges zu essen und hat auch alle anderen Annehmlichkeiten der touristischen Infrastruktur.

Die Karstberge der umliegenden Landschaft bieten eine sehr schöne Kulisse für Wanderungen in der Natur.

Hier ist auch eines der Hauptanbaugebiete des Tabaks.

Auf einen Besuch in einer Zigarrenfabrik haben wir verzichtet, da es wie alles auf Cuba eigentlich zu teuer ist und außerdem Foto-Verbot herrscht.

Außerdem haben wir in Nicaragua eine Zigarrenfabrik besichtigt, die von Cubanern geführt wurde.

Wenn man das einmal gesehen hat, muss man sich das nicht ein zweites mal anschauen.

Wanderungen in der Umgebung von Vinales kann man selbst machen und braucht dazu kein Guide.

Viele Touristen ziehen es vor sich von einem Pferd rumtragen zu lassen.

Im Prinzip ist das wie Ponyreiten auf dem Jahrmarkt, nur auf einem größeren Parcour.

Aber mit Abenteuer oder einem echten Reiterlebnis hat das wenig zu tun.

Wer wirklich reiten will, sollte in die Mongolei gehen oder selbst in Kolumbien kann man bessere Pferdeexkursionen erleben.

Generell ist Cuba wegen seiner „Einzigartigkeit“ zu empfehlen, sofern man individuell unterwegs ist und sich auch mal Strapazen aussetzen will.

Wenn man Strandurlaub machen will, sollte man sich im Vorfeld ein all-inclusive-Packet buchen!

Das Land ist wirklich sehr schön, aber leider nicht allzu ideal für Individual- und Langzeitreisende.

Die Kubaner wollen am Besten das Maximale aus einem Touristen rausholen und das wird auf Dauer – wenn man das Spiel nicht mitspielen will – recht antrengend.

Ebenso sollte man sich gut vorbereiten wenn man nach Cuba kommt und alles schon im Vorfeld planen und abchecken; das spart Zeit und Nerven.

Insgesamt hat Cuba bei uns zwiespältige Eindrücke und Gefühle hinterlassen. Einerseits hat uns das Land – vor allem landschaftlich – sehr gut gefallen und die Kultur ist sehr lebensfroh und optimistisch. Andererseits wird es einem als Individualtourist nicht ganz leicht gemacht und es gibt nicht soviel zu entdecken, was man im restlichen Lateinamerika nicht auch – meist billiger und/oder bequemer – finden kann.

Cuba ist für uns ein großer Widerspruch. Am besten hinfahren und sich selbst ein Bild vor Ort machen.

Wir sind von Vinales wieder nach Havanna an den Flughafen und mit Zwischenstop in Bogota in den tiefen Süden Kolumbiens geflogen, um den Amazonas zu entdecken.

Zentralamerika – Abenteuer an der Karibikküste, Piratennester, Tauch-Träume und Ruinen im Dschungel; oder ein langer Tanz auf dem pazifischen Feuerring

Zentralamerika – Abenteuer an der Karibikküste, Piratennester, Tauch-Träume und Ruinen im Dschungel; oder ein langer Tanz auf dem pazifischen Feuerring

Am 13. November 2016 sind wir von Kolumbien kommend in Panama-City gelandet, auf einem der vielen Flughäfen, die sich in der Stadt befinden.

Unser erster Eindruck von Panama aus der Luft war recht positiv.

Die „Neustadt“ ähnelt amerikanischen Städten, wie beispielsweise Miami, ist modern und mit Drogengeldern gebaut; erzählen die Leute und man kann sichs denken. „Mossack Fonseca“ lässt grüßen.

Die „Altstadt“ ist verschwindend klein, von einem „Freeway“ vor dem Ozean geschützt, der die alten Häuser zu verschlingen droht.

Unser Landeplatz war in der Nähe des Hafens, der Kanalverwaltung und der großen Brücke.

Nach einem obligatorischen „Abschnüffeln“ des Gepäcks durch einen Spürhund, können wir zügig den Flughafen verlassen.

Unsere Einreiseformalitäten haben wir schon in dem kleinen Grenzort im Dschungel problemlos erledigen können.
Allen Unkenrufen zum trotz war die Einreise nach Panama völlig problemlos.

Wir nehmen ein Taxi zu unserer Unterkunft.

In Panama ist der US-Dollar Zahlungmittel.

In die Jahre gekommene amerikanische Straßenkreuzer dominieren das Geschehen auf den Fahrbahnen.
Die Preise sind etwa wie in den USA.

Chinesischstämmige Immigranten beherrschen die „Supermarktszene“.

Die Wohngegend könnte zu 100% irgendwo in den Vereinigten Staaten angesiedelt sein.

Alles sieht aus wie in einer amerikanischen Armee-Basis. Die Gebäude der Kanalverwaltung, die hinter unserem Wohngebiet liegt, tragen die gleiche Nummerierung wie die Gebäude auf der Armeebasis in unserer Heimatstadt in den 80er und 90er Jahren, die mittlerweile durch eine Fachhochschule ersetzt worden sind.
Amerikanische Freikirchen, allen voran Adventisten und Mormonen versuchen – in ganz Lateinamerika – Fuß zu fassen.
Panama nicht ausgenommen.

Wir wohnen in einem Haus wo Mitarbeiter von NGOs und Missionaren leben.
Zu tun gibts nicht viel hier.

Einen Tag nutzen wir, um in die Altstadt zu laufen.

Vorher besteigen wir den „Ancon-Hill“, ein Naturschutzgebiet mitten zwischen Altstadt, Neustadt, Kanal, Hafen und Meer gelegen, von wo aus man einen gigantischen Ausblick auf alles Interessante hat.
In den Bäumen springen Affen rum und Faultiere hängen faul-lächelnd in den Ästen und machen ihrem Namen alle Ehre.
Geier kreisen durch die Luft und eine riesige Flagge weht an einem übertrieben großen Fahnenmast.
Man sieht Frachter, die sich durch den Kanal durchdrücken und bekommt großen Respekt vor der Arbeitskraft, die hinter diesem gigantischen Bauprojekt gestanden hat.
Der Weg zum Aussichtshügel führt durch ein Wohngebiet und eine Serpentinenstraße, die von Dschungel gesäumt ist.

Nachdem wir uns sattgesehen haben, finden wir Treppen, die eine Abkürzung Richtung Altstadt versprechen.

Natürlich ist die ganze Stadt nicht fußgängerfreundlich. Man muss am Straßenrand laufen und stark befahrene Straßen überqueren.

Danach wartet ein Ghetto drauf durchquert zu werden.

Große, hässliche Hochhäuser mit viel Graffiti verschmiert, davor Einkaufswagen, brennende Mülltonnen (! kein Witz!), jede Menge Müll und Unrat im Straßengraben und jede Menge schräge Vögel, die uns recht ungläubig anschauen.

Es ist früher Nachmittag, die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel und am Horizont wabern drohend Gewitterwolken, bilden das Präludium zum täglichen Wolkenbruch.

Wir laufen selbstsicher weiter. Wir sehen nicht gerade reich aus, zwei Weiße die so dumm sind bei dieser Hitze zu laufen sind sowieso eher eine Sensation, die man sich anschaut anstatt sie zu überfallen.

Nach einem Drittel des Weges stehen an jeder Querstraße zwei Polizisten mit Langwaffen lässig an ihr Auto gelehnt, nicken uns zu und verfolgen uns mit ihren Blicken.

An der nächsten Querstraße erwartet uns das nächste Augenpaar hinter verspiegelten Sonnenbrillen, die ebenso Ordnungshütern gehören.

So geht es weiter.

Alles safe, unsafe.

Das Ghetto wird langsam gentrifiziert.

Je näher man sich dem eigentlichen Altstadtzentrum nähert umso mehr „Boutique-Hotels“ sieht man, die entweder schon Touristen beherbergen oder gerade zu solchen umgebaut werden.
Leute betteln, liegen auf der Straße rum, wohnen in Häuserruinen, die vor 200 Jahren das letzte mal gestrichen wurden.

An der alten Stadtmauer sieht man den Einfluss der Grande Nation.
Ein gallischer Gockel drohnt auf einem Fahnenmast. Embleme der französischen Revolution sind in Stein und Bronze gehauen und gegossen.

Die Altstadt wird zur Touristenmeile umgebaut.

Wohin sollen die Menschen ziehen, die die Stadt, den Staat dorthin gebracht haben wo er heute steht.
Die meisten Hafenarbeiter wohnen sowieso schon in Baracken und Wohnblocks, die an Gefängnisse erinnern.
Für uns war Panama von Anfang an nur eine Durchgangsstation.

Im Osten, an der Grenze zu Kolumbien gibt es Nationalparks, undurchdringlicher Dschungel.

An der Pazifikseite kann man Hochseefischen betreiben und auf der Karibikseite gibt es vorgelagerte Inseln und Atolle. Soll schön sein, aber recht teuer.

Wenn sowieso die ganze Karibik auf uns wartet, ganz Zentralamerika dann gehen wir dorthin wo es relaxter, schöner und günstiger ist.

Panama hätte Potenzial, aber die wollen nur die Reichen, die sich in Panamastadt ein Appartement leisten können und US-Rentner, die sich in internationalen Krankenhäusern behandeln lassen.

Wichtig ist Panama definitiv als Drehkreuz für die Schnittstelle Karibik, Südamerika, Europa.

Wer ein Boot hat und in den Pazifik will, kommt am Panamakanal kaum vorbei.
Der Weg um Kaphorn an der Spitze von Südamerika ist immer noch eine Strapaze.
Wir fahren nach ein paar Tagen des Organisierens, Umschauens, Planens weiter von Panamacity an die Grenze zu Costa Rica.

Die Grenze ist chaotisch. Mehr Basar und Warenumschlagplatz als kontrollierter Durchgang zwischen zwei Staaten.
Man kann beide Seiten einfach durchqueren. Es ist einem selbst überlassen sich ordnungsgemäß aus- und einzustempeln.

Panama hat den Ruf seine „points of entry“ recht streng zu kontrollieren, zumindest was die Flughäfen angeht.
Wir wurden von Kolumbien kommend, in dem kleinen Fischerdorf/Armeestützpunkt an der Karibikseite, ohne größere Fragen und Schwierigkeiten ins Land gelassen.

Wer es hierher schafft, kann durchmarschieren bis zum Rio Grande und weiter.

Die Grenzen sind grün, im wahrsten Sinne des Wortes.

Menschenschmuggel – freiwillig und unfreiwillig – ist offen sichtbar. Mexiko macht ernst, kann aber nicht überall kontrollieren – dazu später mehr.

Wir kümmern uns um unser Papierkram. Werden ohne ein Wort zu sprechen von einer „Immigration-Lady“, die mehr mit ihrem Smartphone als mit uns beschäftigt ist, eingestempelt.

Eine große „Reisegruppe“ dunkelhäutiger Menschen, die kein englisch sprechen, aber französisch, schaut uns interessiert zu.
Wir erfahren, dass es sich um Flüchtlinge aus Haiti handelt – dem ärmsten Staat der westlichen Hemisphäre, die angeblich von den USA aufgenommen werden und durchreisen dürfen.

Costa Rica ist auf den ersten Blick grün, entspannt, freundlich, organisiert, zivilisiert und relativ teuer.

Als ersten Anlaufpunkt wählen wir einen Surferort an der Pazifikküste, Dominical. Unsere Beförderung dorthin erfolgt mit öffentlichem Transport, von der Grenze aus, mit einmal umsteigen.
Der „Stadtbus“ fährt mit durchschnittlich 30 Kilometern die Stunde und hält alle 250 Meter an, um jemanden aufzunehmen oder rauszulassen.

Wir kommen im Dunkeln an.

Finden eine heruntergekommene, aber recht gut-günstige Übernachtungsmöglichkeit in der hauptsächlich kiffende Surfer rumhängen, die ein halbes Jahr in den USA „weed trimmen“ (Marijuana ernten) und die andere Häfte des Jahres dem „guten Surf“ nachreisen.

Der hedonistische Lebensstil spiegelt auch die Position des Landes in der Welt wieder.
Man ist einerseits ein „Latino-Land“, wo „pura vida“ gefeiert wird (DER Standardausdruck in Costa Rica für alles!!) und andererseits eifert man dem „american way“ nach.

Das Land ist organisiert und bequem zu bereisen.

Die Nationalparks sind nett, manche schön, aber teuer.

Costa Rica lässt sich seine intakte Natur bezahlen. Die meiste Touris sind Amis, meist Rentner.

Deshalb ist das Preisniveau hoch. Das Land hat den Standard von Westeuropa, in manchen Bereichen höher.
Die Schattenseite ist die, dass die Einwohner, die nicht am Tourismus mitverdienen können, auch nicht am Wohlstand partizipieren können. Höchstens indirekt.
Costa Rica hat zwar Nationalparks und deckt seinen Energiebedarf zu 100% aus erneuerbaren Energien. Dafür befinden sich abseits der Nationalparks riesige Flächen auf denen Monokultur betrieben wird.
Der Anblick der riesigen, tristen Palmöl- und Ananasplantagen – abseits der Touripfade – lässt einen schwer schlucken.

Damit kann man das Land auch gut zusammen fassen. Viel Show, viel heiße Luft. Schön, aber dennoch irgendwie fake. Passend für Amis, die gerne ein „Adventure“ nach dem anderen erleben wollen und für jedes „amusement“ 50, 100, 150 „Bucks“ hinlegen und sich in privaten Shuttlebussen durchs Land chauffieren lassen.

In Costa Rica existieren auf jeden Fall zwei Realitäten, das Land an sich und das Land wie es die Touris konsumieren sollen/wollen.

Wir legen einen Stop im Manuel-Antonio-Nationalpark ein.

Es ist kurz vor Weihnachten, es ist viel los.

Der Nationalpark ist schön! Keine Frage.

Wir sehen viele Tiere, genießen den Tag. Einen Nationalpark sollte man sich anschauen.

Wir ziehen weiter nach Monte Verde. Inland, Berge.

Es ist angenehem kühl, frische Luft. Wir wandern durch „Cloudforest“ (Nebelwald). Vollkommen alleine, unorganisert und zahlen dafür nichts, treffen keine Touris.
In Monte Verde kann man alles machen: Ziplining, Tarzanswing, Schmetterlingsgarten, Canopywalk, Orchideengarten, Fledermausdschungel, Kaffeetouren, Froschteich besichtigen, und viele fragwürdige, teure Dinge mehr, die für uns alle samt in die Kategorie „unnötig Geld rausschmeissen“ gehören.
Wir ziehen weiter nach La Fortuna. Ein Ort der verschont bleibt als der Vulkan Arenal ausbricht.
Wir besteigen den Cerro Chato, von wo aus wir einen Blick auf den immer noch aktivenVulkan haben. Schwimmen in einem kalten, grünen Kratersee.

Vorher sind wir zwei Tage in einem Hostel „gefangen“, weil es in Strömen stürmt und regnet.
Ein Hurrikan trifft auf Land. Vor allem Nicaragua trifft es hart. Wir sind an der Grenze der Schneise der Verwüstung.

Wenn man das mal mitgemacht hat, will man nicht dort sein wo der Strum seine ganze Kraft entfaltet.
Die Regenmengen und der Wind sind erschreckend beeindruckend.
Nach unserem Vulkanbesuch – Costa Rica besteht gefühlt nur aus Vulkanen, liegt es doch auf dem „pazifischen Feuerring“ – gehts Richtung Grenze zu Nicaragua.

Da der Grenzübergang geschlossen war während des Zyklons und hier die meiste Zerstörung stattgefunden hat, müssen wir einen Tag länger in Los Chiles bleiben.

Ein langweiliger Grenzort. Schlechtes Essen, zweifelhafte Bars in denen Abends verzweifelte Frauen bedienen müssen. Warten. Langweilen. Nichtstun.

Wir finden eine gute Unterkunft.

Als es heißt, dass die Grenze wieder offen ist, fährt uns unser Gastherr kostenlos dorthin. Er will sich selbst einen Überblick verschaffen. Ein freundlicher Mann.

Wir stempeln Costa Rica aus. Grenze ist ordentlich, organisiert, sauber, transparent.
Wir müssen Ausreisegebühr bezahlen.
Es gibt extra einen Schalter, Quittung. Alles geordnet, offiziell.

Wir laufen durchs Niemandsland.
Menschen aus Costa Rica oder Nicaragua nehmen den Weg durch den Dschungel und über den Fluss. Grenzgänger.
Nur wenn sie direkt auf der Grenzlinie gefasst werden, nimmt man sie fest.
Einwohner beider Länder dürfen das andere visafrei, unbeschränkt besuchen, arbeiten.
Nur der illegale Grenzübertritt ist verboten. Sobald sie auf einer der beiden Seiten sind, ist alles gut.
Was ein Quatsch!

Nicaragua.

Der Name weckt Assoziationen an Rebellen, Dschungelkampf, Sozialismus, Rum, Zigarren, Krieg, Chaos, Karibik und vieles mehr.
Der Grenzübertritt ist chaotisch. Man ist der Willkür von Scheiss-Beamten in einer Bananenrepublik ausgeliefert. Endlich Zentralamerika wie man es zu kennen glaubt, wie man es erwartet.
Alles klappt.
Wir merken schnell wie hier der Staat, die Behörden ticken. Die Menschen sind mit die freundlichsten seit hunderten Kilometern.

Nicaragua ist cool, rockt.

Hier sind kaum Amis. Gut so! Solange ein Land als „gefährlich“ gilt, bleiben die Yankees weg.

Wir fahren nach San Carlos. Die kleine Stadt liegt an der Schnittstelle des Rio San Juan und dem Lago Cocibolca (Nicaraguasee), an dessen Westseite die Stadt Granada liegt.

San Carlos wurde als Festung gebaut. Die Kanonen des Forts zielen auf den Fluss.
Englische Piraten sind von der Karibik kommend den Rio San Juan entlang gefahren, über den See und haben Granada mehrfach geplündert.
Deswegen haben die Spanier einige Befestigungen am Fluss, dessen Einfahrt vom Meer und der Einfahrt zum See hin gebaut.
Wir fahren mit einem motorisierten Einbaumkanu direkt weiter nach El Castillo.
Der Ort verdankt seine Entstehung dem Fort, das zur Befestigung des Flusses, zum Schutz vor Piraten gebaut wurde.
Der Platz ist strategisch günstig gewählt.
Vor dem Fort im Fluss sind Stromschnellen.
Jedes Schiff, jedes Boot wird hier gebremst. Die Navigation ist schwierig, auch heute noch.
Der Ort ist mitten im Dschungel, am Fluss.

Grüne Hölle.

Soldaten mit automatischen Gewehren bewachen den Ort. Jeder Ankömmling wird beäugt.
Ein schmaler Weg ist gesäumt von Häusern. Links stehen sie auf Stelzen im reisenden Fluss, rechts kleben sie am Hang auf dessen Spitze sich das Fort befindet.
Ein paar hundert Menschen leben hier.
Eine zeitlang war dieser Ort die wichtigste Durchgangsstation, um an die Westküste der USA zu gelangen.
Die Goldsucher und Abenteurer, Siedler, Verzweifelte, Wirtschaftsflüchtlinge, Glücksritter, Geschäftemacher und Verbrecher sind alle von der Ostküste der USA durch die Karibik bis Nicaragua geschifft worden. Dann mit Flussdampfern den Rio San Juan hinauf.
An den Stromschnellen in El Castillo war erstmal Ende Gelände für ein paar hundert Meter.
Vom Schiff runter, den Weg entlang – heute sieht man immer noch Gleise auf denen Lohren gezogen wurden. Waren, Gepäck wurde so transportiert.
Auf der anderen Seite der Stromschnellen wieder auf ein anderes Schiff, den Fluss weiter bis in den Lago Nicaragua. An der Westseite des Sees ein paar Kilometer über Land und erneut in Schiffe. Die Küste hoch bis Kalifornien, gelobtes Land. Auch heute noch, für viele.
Hier in El Castillo, im dicksten nicaraguanischen Dschnugel hat für einige Jahrzehnte -bis zum Bau des Panamakanals und der Transamerikanischen Eisenbahn – der Puls der Zeit geschlagen. Hier musste jeder durch, der sein großes Glück im „Westen“ machen wollte.
Schon zu Zeiten der Konquistadoren war das Leben hier hart. Die Feuchtigkeit des Dschungels zerstört den menschlichen Körper schleichend, ebenso vom Menschen geschaffene Dinge, Häuser. Alles wird modrig, schimmelt, zerfällt.
Die Natur herrscht hier. Pflanzen sind angepasster als Menschen.
Entlang des Rio San Juan soll auch der Nicaraguakanal gebaut werden. Das Projekt wird von China finanziert, gefördert, entwickelt, ausgeführt.
Planungen sind beendet. Es sollte schon vor Jahren losgehen. Zum Glück ist noch nichts passiert.
Menschen – vor allem Indigene – verlieren ihren Lebensraum. Tier- und Pflanzenwelt wird zerstört. Dort wo der Kanal gebaut werden soll, ist eigentlich geschützter Nationalpark.
China will von den USA – vom Panamakanal – unabhängig sein. Geostrategische Interessen spielen eine große Rolle. Eine größere Rolle als wirtschaftliche.
Ökologisch wäre das Milliardenprojekt eine Katastrophe.
Noch besteht Hoffnung, noch ist nichts passiert.

Wir verbringen ein paar ruhige Tage am Fluss.

In Nicaragua isst man „Gallo Pinto“ (Reis, Bohnen, Eier, Käse, frittierte Kochbananen und Sauerrahm) immer und überall.

Zurück in San Carlos übernachten wir in einer Herberge – einer übelsten Absteige – direkt am Busbahnhof.

Das Zimmer ist ein abgetrennter Verschlag. Heiß, stickig. Der Ventilator schafft gerade so Abhilfe.

Das „Bad“ auf dem Flur. Dusche und Toilette auf 1 Quadratmeter.

Am nächsten Morgen gehts rüber zum Busbahnhof. Alte, gelbe, ausgemusterte amerikanische Schulbusse dienen zur Überlandbeförderung.

Diese Dinger sind wie Sherman-Panzer. So robust, damit kann man durch jegliches Terrain fahren. Innen recht geräumig. Platz für die großen Rucksäcke in den Gittern über den Sitzbänken.

Die Sitzbänke sind wirklich Bänke. Stahl und Kustleder!
Ausstieg ist hinten. Am Heck des Busses befindet sich eine Doppelschwingtür. Großes Gepäck, Hühner, Kartoffelsäcke, Gasflaschen. Alles geht hier rein und raus.

Wir befinden uns auf dem Weg an die Karibikküste. Miskitogebiet. So heißen die indigenen Einwohner.
Der Weg dorthin ist beschwerlich. Wirklich anstrengend.

Unser endgültiges Ziel heißt Bluefields.

Die Karibikküste von Nicaragua war unter englischer Kontrolle. Von Jamaika und Belize (damals britisch Guatemala) aus hat das britische Empire die Karibik kontrolliert und den Spaniern versucht „ihr“ Gold und Silber aus Südamerika streitig zu machen.
Die Menschen in Bluefields sind hauptsächlich Schwarze, die ursprünglich aus Afrika kamen, bzw. von dort versklavt wurden.
Dort wird „englisch“ gesprochen. Wobei dieses „Kreolen-Englisch“ super schwer zu verstehen ist.
Wir mussten viele Stunden mit dem Bus fahren und sind dann in El Rama angekommen. Dort war die Straße zu Ende. Leider sind keine Boote mehr gefahren. Wir mussten übernachten.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Speedboat auf dem Fluß nach Bluefields.
Entlang des Flusses befinden sich Banaenplantagen.
Endlos lang, riesig.

Scheiss Bananen, für den europäischen Markt. Für diese Früchte wurden Kriege geführt. Die United Fruit Company („Chicita“) ist einer der großen Verbrecher in dem Fruchtbusiness.

Ihr Einfluss war/ist so groß, dass amerikanische Präsidenten das Militär mobilisiert haben und die CIA Staatsstreiche inszenierte, um Landumverteilungsfragen zu ihren Gunsten zu beeinflussen.
In Zentralamerika wurden viele schmutzige, illegale Kriege und Staatsstreiche der USA ausgeführt.

Es geht entlang des Flusses, bis in eine große Lagune. Dann sieht man Bluefields.
Die Stadt ist eine der größten an der nicaraguanischen Pazifikküste.

Es handelt sich heut noch um ein richtiges Piratennest.

Einmal gehen wir in der Nachmittagshitze zu einem der Häfen, wollen Informationen für Boote ausfindig machen. Laufen zwei, drei Gassen entlang. Überall liegen Leute auf dem Boden, die zuviel Alkohol (Rum?) konsumiert haben. Plötzlich schwingt die Tür eines „Saloons“ auf und ein besoffener Piratennachkömmling mit einem Holzbein -sturzbetrunken- zieht den Hut, grüßt freundlich und weist uns den Weg zum „Passagierterminal“.

Klischeehafter hätte es nicht sein können.

Die Spelunken hier sind welche der übelsten Sorte. Aber die Leute sind freundlich-neugierig auf uns zu sprechen. Keine Gefahr. Viel „Hello, how are you“.

Alles abgefucked, cool.

Eigentlich wollten wir auf die „Corn-Islands“. Transport dorthin entweder einfach, per Flugzeug aus Managua.
Oder der hardcore-way mit Frachter oder „government-ferry“ (staatlicher Fähre).

Leider wird jemand von uns krank. Wir müssen zurück.

Wenn man Zeit hat und Abenteuer sucht, ist man hier richtig.
Man kann von Bluefields durch die Lagune nach Bluffpoint fahren. Dort können Cargoschiffe leichter anlegen. Man braucht Geduld, Glück und nochmals Glück.
Corn Islands (Big Corn und Small Corn) sollen schön sein. Man kann den ganzen Tag „nichts machen“ oder ein wenig tauchen und „entschleunigen“.
Karibikfeeling für weniger betuchte. DER Geheimtip im Moment, noch.
Die Drogenschmuggel-Route geht hier vorbei. Manche sollen schon Koffer voller Dollarscheine am Strand gefunden haben.

Wir sind noch nach Pearl Lagoon. Einem kleinen Ort, noch weiter weg. Dort wars schön. Schön einsam, ruhig und heiß.

Wir sind über Bluefields zurück nach El Rama. Dort in ein Bus nach Managua, der Hauptstadt.

Der Weg eine Qual im alten US-Schulbus, again.

In Managua sind wir direkt in ein Bus nach Granada. Die Hauptstadt hat nicht viel zu bieten.
Granada liegt am See, an Vulkanen. Hier ist es ruhig, kolonial und entspannt.

Die Stadt ist safe.

Wir machen einen Ausflug zu dem Masaya-Vulkan.
Atemberaubend, beeindruckend!

Man sieht brodelndes Feuer. Lava, Magma, wie auch immer. Scheiss-heiß, flüssig, blubbernd, Mordor, Frodo, Schicksalsberg. Pazifischer Feuerring!!

Granada ist schön, alt, kolonial. Wir genießen die Zeit hier!

In einem Hostel werden mir zwei Unterhosen geklaut, die nach dem waschen an der Leine trocknen.
Ich bin aus Deutschland 2013 mit 3 Unterhosen weg. Eine hab ich momentan noch an während ich in Boa Vista, Brasilien auf dem Bett sitze und diesen Artikel schreibe.
Zwei wurden mir in Granada geklaut. Eine hab ich in Asien oder Australien entsorgt. Verschleiss.
In Downunder hab ich drei geschenkt bekommen, zu Weihnachten.
Zwei sind mit der Zeit kaputt gegangen. Zwei wurden in Granada geklaut.
Ich hab mir dann in Honduras drei neue gekauft. Dazu später mehr.
Trotzdem war Granada schön.
Warum ich die Unterhosen erwähne? Erstens weil es erwähnenswert ist und zweitens weil es zeigt, was reisen auch ist oder sein kann.
Konsumverweigerung. Genügsamkeit. Minimalismus. Entsagung.
Reduzierung des Materiellen auf das Notwendigste!

Von Granada aus sind wir nach Leon.

Auch schön, auch kolonial, ruhig.
Das Leben spielt sich hier Abends ab und auf öffentlichen Plätzen.
Es wird Zuckerwatte und Popcorn verkauft.
Kinderkarussel und Luftballons. Jedes Wochenende Kirmes.

Von Leon sind wir nach Estelli. Eine Stadt in den Bergen. Kühl und gute Luft.
Dort gibts Tabak. Besuch einer Zigarrenfabrik. Von Kubanern geleitet.
Wir besichtigen, bekommen erklärt, kaufen gute, billige Zigarren.

Es geht weiter an die Grenze zu Honduras.

Wir fahren direkt in die Hauptstadt, Tegucigalpa.

Heißes Pflaster! Schlafen in einem Chinesen-Hotel.

Mitten in der Innenstadt.

Wir laufen ins Kino, in einer Mall. Schauen den damals neuesten „Star Wars“. Es ist Dezember.
In Honduras ist high crime. Die gefühlte Bedrohung ist riesig. Aber auch völlig übertrieben.
Überall stehen Männer mit automatischen Schnellfeuergewehren rum. Jede verdammte Tankstelle, jedes Elektrogeschäft wird mit M16 Sturmgewehren, Pumpguns und noch mehr Blei bewacht. Völlig übertrieben.
Wir laufen rum. Überall. Natürlich nur tagsüber. Bei Einbruch der Dunkelheit ist man besser hinter sicheren Wänden, Elektrozäunen, Stacheldraht.

Wir sind hier nur als Durchgangsstation.
Eine furchtbare Stadt. Dreckig, chaotisch, schlechte Luft, unsicher.
Wir fahren durch Honduras.

Es geht an die Grenze zu Guatemala. Wir besichtigen die Copan-Ruinen. Maya-Tempel im Dschungel.
Mindblowing! Beeindruckend!!
Sehr wenig Touris, sehr schön. Interessantes Museum mit guten Replikas. Sehenswert!!!
In Copan ist es ruhig. Wir sind nah der Grenze.
Wir finden eine Kneipe, wo ein Exilschwabe, Thomas, Bier braut. Deutsches Bier, Hefeweizen und Weihnachtsbier. Bestes Bier seit Jahren!!
Es gibt auch Käsespätzle.
Der Typ ist cool drauf, guter Braumeister, guter Wirt. Sollte man besuchen wenn man in der Kante ist.

Wir ziehen über die Grenze nach Guatemala.

Es wird indigener, zumindest die Menschen, die neben uns im Minibus sitzen. 5 Leute auf ner 3sitzer-Bank.

Herrliche Fahrt nach Guatemala-City, der Hauptstadt des Landes.

Gefährliche Stadt.

Wir verbringen Weihnachten hier.

Es gibt wenig zu tun.

Treffen ein älteres deutsches Paar in unserem Hostel. Die zwei sind von Panama aus nach Mexiko mit dem Fahrrad unterwegs.
Alles läuft gut bei den beiden. Außer in Costa, dem „sichersten“ aller zentralamerikanischen Länder. Dort wird ihnen Nachts das Zelt „aufgebrochen“ und Gepäck gestohlen, während die beiden daneben liegen und schlafen. Ausgerechnet Geld und Pässe sind weg.
So kanns kommen. Scheisse für die beiden, aber zum Glück nichts schlimmeres passiert.

Auf einem öffentlichen Platz ist eine Eislaufbahn aufgebaut. Kinder bewerfen sich mit Schneebällen.
Wir sind zwischen Pazifik und Karibik. Die Höhensonne ist heiß, und hier wird Geld für Kunstschnee ausgegeben. Finanziert vom führenden Telekommunikationsunternehmen des Landes.
Ein Land, das den Klimawandel schon kennt.
Verkehrte Welt.
Riesige Anstrengungen werden überall unternommen, damit sich die Menschen „amüsieren“, ablenken, können.
Ablenken, von ihrem tristen Dasein in einer Welt voller dummer Jobs, in der jeder nur funktionieren und konsumieren soll. Das ganze Jahr über. Dazwischen soll man sich ablenken und amüsieren.
Dafür werden Milliarden ausgegeben und unser Planet zerstört.
Wir amüsieren uns zu Tode!

Wir machen einen Tagesausflug nach Antigua. Der ehemaligen Hauptstadt in der Nähe der heutigen Hauptstadt.
Sichere Stadt.
Wir fühlen uns in beiden Städten gleich sicher.
Aber in Antigua ist es schöner, kolonialer. Allerdings auch sehr viel touristischer. Überall Guesthouses, Hostel, Spanischschulen, Boutique-Hotels, usw.
In „Guate-City“ gibt es ein paar antike Gebäude. Der Präsidentenpalast, die Kathedrale, das übliche koloniale Gedöns an ehemaligen und immer noch Herrschaftsgebäuden.
Die einzige „Fußgängerzone“ ist ein Hauptort zum betteln.

Armut ist groß in Guatemala. Viele flüchten nach Mexiko und weiter in die USA.

Wer kanns ihnen verübeln.

Niemand der das Elend vor Ort gesehen hat.

Jeder „Wirtschaftsflüchtling“ auf der Welt handelt nach genau den logischen Maßstäben des Kapitalismus, eines Wirtschaftssystems – verschäft durch die perverse Variante des Neoliberalismus – das durch den Westen, durch das „alte Europa“ in die Welt gebracht wurde und jetzt kommt der Backlash! Bam!
Und plötzlich stehen Millionen Menschen vor Europa und fordern die gleichen Rechte, die sich die Europäer/Nordamerikaner genommen haben, auf Kosten des Rests der Menschheit.
Das Recht auf ein „besseres Leben“.
Karma der Völker und Kulturen. What goes around, comes around.
Und am Stammtisch wird gepoltert und über den Schießbefehl an der Grenze geschwafelt.
Arme Idioten, die sich vor Veränderungen fürchten; die kommen werden. U-N-A-U-F-H-A-L-T-S-A-M!
Wir sind auch Wirtschaftsflüchtlinge. Schließlich haben wir in Australien gearbeitet, weil dort die Arbeit besser bezahlt ist als in Deutschland.
Deshab gehen wir auch sehr wahrscheinlich nach Kanada, weil dort die Arbeit besser bezahlt ist als in Deutschland.
Nur bei uns regt sich keiner auf. Wir passen nicht in die Kategorie Wirtschaftsflüchtling.
Weil wir weiß sind und aus Europa kommen. Scheiss rassistisch-bigotte Welt.

Guatemala ist Schnittstelle zwischen den Kulturen. Es fühlt sich fast schon wie Mexiko an, aber noch anders.

Wir sind von der Hauptstadt des Landes nach Semuc Champey. Einer Naturschönheit mitten im Dschungel.
Ein unterirdischer Fluss, Sinterterrassen, türkis-blaues-glasklares Wasser.

Von dort aus sind wir nach Rio Dulce. Hier ist der sicherste Hafen der ganzen Karibik.
Viele „Boaties“ und „Yachties“ haben ihre Schiffe, Katamarane und Segelschiffe hier geparkt.
Der Fluss fließt in die Karibik und in Rio Dulce sind viele Marinas und Häfen. Falls ein Sturm die Karibik trifft, sind die Boote hier sicher.
Wir sind hier den Jahreswechsel über geblieben. Plötzlich war 2017.

Danach den Fluss entlang nach Livingston. Wieder ein „englisch“-sprachiges Karibik-Piraten-Nest.

Von dort sind wir wieder zurück nach Honduras, auf die Bayinsel Utila.

Dort haben wir getaucht. Viel getaucht und neue Zertifizierungen erworben.
Auf dieser kleinen Insel kann man recht günstig seine Tauchscheine machen. Schön ists dort. Hedonistisch.
Die Leute sprechen wieder so ein komisches Kreolenenglisch. Sehr gewöhnungsbedürftig.

Wir sind dann wieder zurück nach Guatemala, in den Norden des Landes in die Stadt Flores.

Von dort haben wir die Ruinen von Tikal besichtigt. „Star-Wars-Dschungeltempel“.
Mächtig beeindruckend.

In El Remate, am See auf halbem Weg zu den Dschungelruinen, machen wir Zwischenstation und treffen einen älteren Russen, der dort ein Guesthouse betreibt. Lange Jahre in den USA gearbeitet und gelebt. Dann neue Frau, neues Glück und nach Guatemala mit dem VW-Bus. Guesthouse in Antigua.
Dann Frau weg, jetzt allein und weniger glücklich. Trinkt zu viel und versinkt in Schwermut. Armer Vladimir. Das Leben kann grausam sein. Alles Gute!

Besucht ihn im „Capitan Tom“ Hostel wenn ihr dort seid, lieber Mensch.

Zurück in Flores an die Grenze zu Mexiko.

Die Grenze ist ein breiter Fluss. Keine Brücke.

Auf dem Weg dorthin beobachten wir Menschenschleuser-Polizei-versteck dich-Spiele.

Same old song.

Menschen, die die Gewalt, das Leid hinter sich lassen wollen und in Mexiko, den USA ihr Glück suchen.

Der Grenzort ist scheisse. Man kann keine Quetzal (Währung in Guatemala und auch Name eines Vogels, ebenfalls in Guate zu Hause) mehr wechseln; nur zu einem elenden Halsabschneiderkurs.
Drüben nehmen sie die Währung nicht. Ich lauf Monate lang in Mexiko mit sehr viel Quetzal in der Tasche rum. Nach 5 Monaten werde ich sie los, zum damaligen Kurs. Warten lohnt sich.

Wir verlassen Guate.

Es war schön, ist aber sehr gehypt. Teurer als gedacht.

Belize und El Salvador haben wir links liegen lassen.
Tauchen war in Utila schön und billiger als in Belize.
El Salvador hat unsere Nähe gespürt und seine notorische Gewalt gedrosselt. Jeden Tag sterben dort Menschen. Als wir in der Nähe waren gab es einen Tag seit Jahren an dem niemand getötet wurde. Wahnsinn, beides!
Es gibt dort aber auch nichts was es nicht in Honduras oder Guate gäbe. Kaffee, Surf, Gewalt, Drogen, Gangs, schöne Natur, Vulkane.
Lassts bleiben, soll langweilig sein wie uns andere Reisende berichteten.

Plötzlich Mexiko.
An der Grenze bekommen wir die Erlaubnis für ein halbes Jahr im Land zu bleiben.
6 Monate klingt viel, ist aber wenig – zu wenig – für dieses großartige Land!

Ruhig und ordentlich kommts uns vor in Palenque, unserem ersten Stop in diesem riesigen Land.
Eins vorweg: Mexiko ist super! Die Menschen freundlich und entspannt, das Essen ok, gut und das Bier kalt und billig.
Mexiko ist das beste Land in Zentralamerika, zusammen mit Nicaragua. Zumindest was das Reisen, um des reisens willen betrifft.
Wir waren lange in Mexiko, fast ein halbes Jahr.
Und haben nur die Hälfte des Landes gesehen. Baja California und die Wüste Richtung USA haben wir nicht geschafft.
In Palenque gibt es Ruinen. Interessant!
Von dort sind wir weiter nach Ocosingo (Ruinen!), San Cristobal de las Casas (Indigene und Märkte), Campeche (Stadtmauer!), Merida, Valladolid dort haben wir einen Ausflug nach Chichen Itza gemacht. Berühmte Ruinen. Sehr sehenswert, aber schwer überlauen mit Pauschaltouris aus Cancun und den Yucatan-Ressort-Anlagen.
Wir sind dann nach Playa del Carmen (Yucatan). Sehr touristisch.
Wir haben dort Anikas Schwester mit Mann und Kindern getroffen, die dort geurlaubt haben. Entspannte Zeit.
Weiter gings Richtung Pazifik. Zuerst Stop in den Bergen, in Oaxaca.
Danach an die Küste, Puerto Escondido, Acapulco.
Zurück ins Landesinnere, Tanz um die Hauptstadt herum. Zuerst nach Taxco, dort gibts viel Silberschmuck. Dann nach Cuernavaca („Under the vulcanoe“), von dort haben wir die Pyramide in Tepoztlan besichtigt.

Dann ging es nach Malinalco. Dort gibt es einen monolithischen Tempel. Sehr beeindruckend.
Danach gings nach Zitacuaro, dort haben wir Monarchschmetterlinge gesehen, die aus den USA und Canada kommend dort überwintern und sich fortpflanzen. Tausende Kilometer! Wahnsinn!!
Dann ging es nach Morelia. Dann nach Patzcuaro. Weiter nach Uruapan und wieder an die Küste nach Acapulco.
Von dort nach Puerto Escondido und dann nach Mazunte.
In Mazunte haben wir meditiert und Yoga gemacht. Wochen, Monate lang.
Bevor wir nach Mexiko-City fahren, machen wir noch einen Abstecher nach Puebla. Hier ist es sehr schön und kolonial.
Wir sehen den Popocatepetl, den großen, aktiven Vulkan.
Zum Abschluss von Mexiko waren wir noch in Mexiko-City! Ein Moloch!

Aber eigentlich ganz schön – zumindest für eine kurze Zeit lang.
Es gibt viel zu sehen, sehr viel!
Unzählige Museen, Kirchen, Plätze, Gebäude. Historisch, kulturell und küstlerisch kommt man an der Mega-Stadt nicht vorbei.
Es lohnt sich auf jeden Fall hier vorbeizuschauen; auch für längere Zeit.
Wir besuchen auch die großen Pyramiden in Teotihuacan, vor den Toren der Stadt.
Gigantisch und atemberaubend – im wahrsten Sinne des Wortes – sind die passenden Attribute.

Von Mexiko aus sind wir nach Kuba geflogen.

Kolumbien – ein Land im Wandel; vom Pazifik zur Karibik, durch Wüsten, Dschungel, Berge und Städte – drei Monate Abenteuer und Abwechslung in Südamerikas lebendigstem Land

Kolumbien – ein Land im Wandel; vom Pazifik zur Karibik, durch Wüsten, Dschungel, Berge und Städte – drei Monate Abenteuer und Abwechslung in Südamerikas lebendigstem Land

Fast drei Monate haben wir letztes Jahr von August bis November in Kolumbien verbracht, der bis dahin längste Aufenthalt in einem lateinamerikanischen Land.

Wir haben uns überall rumgetrieben, alle Vegetations- und Klimastufen erkundet und waren an allen Küsten und trotzdem würde es immer noch viel zu entdecken geben in dem für uns bislang spannendsten und abwechslungsreichsten Land in Südamerika.

Vielleicht liegt das auch daran, dass man mittlerweile sehr viele Landesteile bereisen kann, die bislang auf Grund des Bürgerkrieges nicht oder nur teilweise zugänglich waren.

Das erste mal Fuß auf kolumbianischen Boden gesetzt, habe ich – Anika war zu diesem Zeitpunkt auf „Heimaturlaub“ – im äußersten Süden des Landes, im Dreiländereck mit Brasilien und Peru.

Leticia heißt die kleine Stadt, mitten im Dschungel, am großen Amazonas Strom, die ich von Peru aus kommend erreicht habe.

Das Cargo Boot, was auch Passagiere mitnimmt, legt auf der anderen Seite des Flusses an in Santa Rosa.

Ein kleiner Grenzort, der über mehr Bars und zweifelhafte Lokalitäten als Einwohner verfügt und vor allem an Wochenenden von Grenzgängern besucht wird.

Nachdem endlich die Immigration geöffnet hatte – es war früher Sonntag morgen – habe ich mich ordnungsgemäß aus Peru ausstempeln lassen, um danach auf die andere Seite des Flusses überzusetzen.

Ich bin dann in Leticia am „Flusshafen“ angekommen und nachdem ich eine Unterkunft gefunden habe, zum Flughafen gegangen.

Dort befindet sich die kolumbianische Immigration, wo ich ohne Umstände ein dreimonatiges Visum erhalten habe.

Dass die Einwanderungsbehörde am Flughafen ihr Büro hat, ist kein Zufall.

Leticia ist prinzipiell nur über die Luft mit dem Rest von Kolumbien verbunden. Die nächste Straße, die diesen Namen annähernd verdient, ist über 800 Kilometer entfernt.

Dazwischen liegt nur die „grüne Hölle“.

Die Stadt ist also nur über den Fluss und die Luft mit der Außenwelt verbunden.

Die Grenze zu Brasilien ist innerhalb des Stadtkonglomerats fließend und man ist unversehens in den brasilianischen Teil der Stadt – die brasilianische Stadt heißt Tabatinga – gelaufen, ohne dass man das bemerkt.

Einer der ersten Eindrücke bezüglich des Charakters der Kolumbianer war eine große Entspanntheit.

Am Anfang war ich geneigt, diesen Gemütszustand mit der allgemeinen Trägheit der Tropenbewohner gleichzusetzen, was aber ein Fehler gewesen wäre.

Die Kolumbianer sind im Großen und Ganzen ein sehr entspanntes, unaufgeregtes Volk, trotz (oder gerade wegen?) ihrer wechselvollen – oft blutigen – Geschichte der innenpolitischen Auseinandersetzungen.

Ein weiterer kolumbianscher Wesenszug ist die freundliche, offene, zurückhaltend-neugierige Art der Menschen Fremden gegenüber.

Überall in Südamerika wurde uns gesagt, dass „nach oben hin“ (geografisch gemeint) die Menschen herzlicher werden.

Diese allgemeine Einschätzung anderer Reisender können wir uns anschließen.

Kolumbien ist mit Abstand das freundlichste, herzlichste und leidenschaftlichste Land in Südamerika auf unserer bisherigen Reise gewesen.

Bei dieser Einschätzung sind allerdings zwei wesentliche Feststellungen zu treffen.

Erstens waren wir noch nicht in allen südamerikanischen Ländern; Brasilien, Venezuela und „die Guyanas“ fehlen noch.

Zweitens sollen damit auch nicht die anderen „Latinos“ als unfreundlich oder garstig abgetan werden.

Vielmehr sei damit nur gesagt, dass die Herzlichkeit und Unbekümmertheit ein wesentlicher und auffälliger Wesenszug der Kolumbianer ist.

Weiterhin auffällig war die große Präsenz an Sicherheitskräften. Das sollte ebenfalls fast überall in Kolumbien so bleiben.

Kolumbien gilt zwar als „gefährliches“ Land, resultierend aus dem jahrzentelangen Bürgerkrieg und den Aktivitäten der Drogenmafia, aber das ist für den Reisenden heute kaum zu spüren.

Wir waren allerdings auch zu einer Zeit anwesend, wo langen Verhandlungen vorausgehend, der Friedensvertrag zwischen dem Staat und den Bürgerkriegsparteien, endlich zu einem Abschluss kommen sollte und die allgemeine Sicherheit größer wurde.

In keinem anderen südamerikanischen Land haben wir bisher eine so hohe Anwesenheit von Polizei beobachten können wie in Kolumbien.

Es handelt sich zwar oft und auffälligerweise um „halbwüchsige“ junge Männer, die meistens unbewaffnet und in olivgrüner Uniform und gelber Warnweste eigentlich „nur“ Präsenz zeigen, aber erstens langt das, um die gefühlte Sicherheit zu erhöhen und zweitens ist es wahrscheinlich aus staatlicher Sicht besser den jungen Kerlen eine Uniform zu geben und ihnen ein bescheidenes, aber regelmäßiges Gehalt zu zahlen, anstatt sie auf „der anderen Seite“ mit Kalaschnikows in der Hand im Dschungel verschwinden zu sehen.

Insgesamt scheint das Verhältnis zwischen Polizei/Militär und Bevölkerung ein recht entspanntes zu sein und die Uniformierten genießen ein recht hohes Ansehen in der Bevölkerung, da sie für Schutz sorgen vor Farc, Mafia und Paramilitärs.

Selbstverständlich gab es viele (Kriegs)Verbrechen und Grausamkeiten während des jahrzehntelangen Kampfes, aber heute scheint die Mehrheit der Bevölkerung froh zu sein über die Präsenz der Staatsmacht, die Sicherheit und Ruhe garantiert.

Die kolumbianischen Polizisten waren bisher die freundlichsten und hilfsbereitesten Sicherheitskräfte auf dem ganzen Kontinent.

Überall auf den Überlandstraßen sind Checkpoint eingerichtet und wenn der Bus nicht angehalten und die Passagiere kontrolliert werden, ist es zumindest standard, dass die Soldaten mit einem nach oben gereckten Daumen den Fahrern signalisieren, dass die Straße sicher ist und die Fahrer den Soldaten mit der gleichen Geste dafür danken, dass sie ihren Dienst versehen.

Durch diesen ganzen Sicherheitsapparat und die große Zahl Uniformierter, haben wir uns vollkommen sicher gefühlt während unseres Aufenthaltes in Kolumbien.

Natürlich war die Situation eine ganz andere im Vergleich zu den vielen Jahren und Jahrzehnten davor, wo Entführungen, Erpressungen, Bedrohungen und Gefechte zwischen den Kriegsparteien alltäglich waren.

Während unseres Aufenthaltes und auch eine Zeit lang davor herrschte bereits ein Waffenstillstand zwischen dem Staat und den Farc, die durch die Politik des vorherigen Präsidenten massiv unter Druck geraten sind.

Nach ein paar Tagen der „Akklimatisierung“ an Kolumbien bin ich in die Hauptstadt, Bogota geflogen und direkt vom Flughafen an das Busterminal und aus dem großen Moloch „geflüchtet“.

Ein paar Stunden nordwestlich von Bogota habe ich in dem kleinen Kolonialstädtchen Villa de Leyva auf Anikas Rückkehr gewartet.

In der kleinen Stadt, die zur Zeit der spanischen Eroberungen gegründet und den kolonialen (Vize)Königen und ihrem Hofstaat als Erholungsort gedient hat, hat es sich gut aushalten lassen.

Da der Ort schon recht früh zum nationalen Denkmal ernannt wurde, dominieren immer noch Kopfsteinpflaster und einstöckige Steinhäuser den Ortskern mit seiner großen „Plaza“ vor der Kathedrale.

Auf dem selbigen versammelt sich an den Abenden und am Wochenende die Bevölkerung und die Touristen – vor allem die einheimischen Touristen aus der Hauptstadt – zum Müßigang und dem ein oder anderen Bier.

Villa de Leyva hat neben frischer Luft, Ruhe, Gemächlichkeit und vielen Cafes, Restaurants und Kunsthandwerksläden auch in seinem näheren Umfeld recht viel zu bieten.

Von Fossilien über einen archaischen „Sonnenkalender“ a la Stonehenge bis hin zu Nationalparks, in denen man die Paramo Vegetation besichtigen kann.

Der Paramo ist eine Vegetationsform der Tropen in den Gebirgen (3200 bis 4800 Höhenmetern), vor allem in den Anden.

Auf dem sonntäglich stattfindenden Markt, kann man die im Umland erzeugten Produkte von den Campesinos kaufen. Das eine Patrouille schwer bewaffneter Soldaten Präsenz zeigt, ist Anfangs ein ungewönlicher Anblick.

Irgendwann wird die Anwesenheit von Soldaten und Polizisten zur Gewohnheit.

Die Farc hatte in der Vergangenheit immer wieder im ländlichen Raum Überfälle verübt, um die Bevölkerung einzuschüchtern oder zu einer Kooperation zu bewegen.

Ursprünglich wurden die „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee“ (FARC) zur Selbstverteidigung der ländlichen Bevölkerung gegen die Willkür der Großgrundbesitzer gegründet, um in der Zeit der „Violencia“ gegen die konservativen Kräfte und den Staat die Unabhängigkeit der verschiedenen „Bauernrepubliken“ zu bewahren.

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ist die FARC allerdings immer mehr von einem – zwar gewalttätigen, aber effektiven – Hoffnungsträger der einfachen, ländlichen Bevölkerung zu einem Alptraum für Kolumbien geworden.

Ehemals höhere Ziele wie die Errichtung einer (marxistisch) klassenlosen Gesellschaft und Verbesserung der sozio-ökonomischen Lebensbedingungen der Menschen wurden im Laufe der Zeit eingetauscht gegen „Gewinnmaximierung“, Mordlust und einem Festhalten am Zustand des Bürgerkrieges.

So wurden einstige Weltverbesserer zu Mördern, Entführern und Drogenschmugglern.

Die Bewegung hat viele Höhen und Tiefen mitgemacht und galt bis heute als größte Guerillabewegung in Lateinamerika.

Nach langen Verhandlungen und dem Versuch den Konflikt militärisch zu lösen, hat sich schließlich 2016 eine friedliche, vertragliche Einigung herauskristallisiert, die allerdings in einem Referendum vom kolumbianischen Volk abgelehnt wurde.

Wir waren während dieser Zeit in Kolumbien und haben das alles vor Ort mitbekommen.

Es gibt viele Gründe warum der Friedensvertrag abgelehnt wurde. Ein Hauptgrund war die allgemeine Unzufriedenheit der Menschen mit der politischen Klasse in ihrem Land, die sich noch ungenierter und hemmungsloser bereichern als in anderen Ländern.

Mittlerweile wurde der Friedensvertrag überarbeitet und ohne Zustimmung des Volkes in beiden Kammern des Parlamentes ratifiziert.

Offiziell beginnt also jetzt eine „Übergangszeit“ in Kolumbien und Frieden scheint auf den ersten Blick eingekehrt zu sein.

Allerdings haben sich nicht alle FARC-Kämpfer dazu bereit erklärt den bewaffneten Kampf aufzugeben und die schließen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit einer anderen bewaffneten Gruppe an.

Zudem gibt es immer noch rechtsgerichtete Paramilitärs, die in den Drogenhandel verstrickt sind und auch die kolumbianischen Drogenkartelle sorgen weiterhin für unsichere Zeiten.

Der Weg, den Kolumbien jetzt eingeschlagen hat, mag auf den ersten Blick richtig erscheinen, allerdings wird das Land noch über Jahrzehnte mit seiner Vergangenheit -und deren Aufarbeitung- beschäftigt sein und muss sich den gegenwärtigen Aufgaben und Problemen stellen.

Anfang September bin ich dann nach Bogota gefahren und hab Anika am Flughafen abgeholt und wir haben uns Bogota angeschaut.

Die Geschichten und Storys über die Stadt waren wie immer wieder viel schlimmer, als die Realität gezeigt hat.

Der Großraum Bogota bildet einen der am stärksten besiedelten Ballungsräume in ganz Südamerika.

Die „Altstadt“ von Bogota ist relativ überschaubar und wenig spektakulär. Andere Teile der Stadt sind sehr modern und international.

Da die „Altstadt“ auch gleichzeitig das Touri-Ghetto beherbergt und an zwei Seiten einem slumähnlichen Viertel angrenzt, ist das Sicherheitsaufgebot sehr groß.

Nicht nur Polizei und Militär sorgen für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, sondern auch zahlreiche kommunale und private Sicherheitsdienste mischen in dem big business mit.

Mit „Sicherheit“ und der gefühlten Angst lassen sich Milliarden verdienen. Nirgendo merkt man das besser als in Kolumbien.

Es gibt ein paar interessante Museen und kulturell wertvolle Einrichtungen, aber im großen und ganzen ist die Stadt eher ein uninteressanter Moloch – nicht unbedingt per se unschön, aber irgendwie unfertig – den man nicht wirklich besuchen muss, um Kolumbien zu verstehen oder kennenzulernen.

Die anderen großen Städte, beispielsweise Medellin, sind da um einiges interessanter.

Kolumbien besticht in erster Linie durch seine abwechslungsreiche und vielseitige Natur.

Es gibt wüstenhafte Gebiete, pampaähnliche Steppen, Regenwald und Dschungel, bis zu 5000 Meter hohe Berge, Gletscher, Küsten an zwei verschiedenen Ozeanen, Mittelgebirge in denen Kaffee und Kakao angebaut wird und noch viel mehr.

Kolumbiens Natur war für uns mit Abstand die interessanteste in ganz Südamerika – soweit.

Die kleinen Städtchen und Dörfer, der ländliche Raum sind der wirkliche Kultur- und Mentalitätsträger des Landes. Dort ist die Seele des kolumbianischen Volkes zu Hause.

Es gibt Orte, die sind genauso als ob sie einer Beschreibung von Gabriel Garcia Marquez entsprungen wären.

Oder konnte er nur so schreiben, weil er in Kolumbien gelebt hat?!

Unsere spanischkenntnisse haben sich von Land zu Land angepasst und Kolumbien ist ideal um Spanisch zu lernen, da ein relativ reines Spanisch gesprochen wird.

In jedem Land gibt es andere Ausdrücke und Redewendungen, die charakteristisch sind.

Bezüglich den sprachlichen Eigenheiten der Lateinamerikaner lässt sich aus unserer Sicht folgendes feststellen:

1. Nein, chilenisch ist kein spanisch.

und

2. In Argentinien spricht man spanisch mit italienischer Aussprache, Melodie und Theatralik und überhaupt sind die Argentinier die Italiener Südamerikas.

In Kolumbien sind wir sprachlich relativ gut klargekommen.

Nach der Hauptstadt sind wir in die „Kaffeezone“ des Landes gefahren.

Salento ist ein typisches Städtchen in der „Zona Cafetera“.

In jeder kolumbianischen Stadt gibt es im Stadtzentrum einen zentralen Platz, meistens „Plaza Bolivar“ oder „Plaza de Armas“ genannt.

Insgesamt sind die Latinos nicht besonders kreativ was ihre Namensgebung für Straßen und Plätze angeht, sodass die Kolumbianer fast ganz darauf verzichten und ihre Straßen numerisch in „Avenidas“ und „Calles“ (nordsüd und ostwest) einteilen.

Um eine Adresse anzugeben, benennt man also die jeweilige Straße und gibt an zwischen welchen beiden anderen Straßen sich das Gebäude oder Grundstück befindet.

Die Landschaft im nahegelegenen Cocora-Tal ist geprägt durch die sehr großen und spindeldürren Wachspalmen, die auch in Kolumbiens Wappen zu sehen sind.

Wir haben einige Wanderungen in dieser Gegend unternommen.

Es wäre durchaus möglich gewesen – wie in ganz Kolumbien – in den Dörfern einen Einheimischen zu finden und mit Pferden oder Mulis ein paar Tage in den Bergen zu verschwinden.

Diese Art der Unternehmungen kann man überall in Kolumbien vor Ort selbst organisieren und muss nicht unbedingt viel Geld dafür ausgeben.

In Salento – wie in der restlichen „Kaffeezone“ (die in klimatisch angenehmer Höhe liegt; etwa um die 2000 Höhenmeter) – ist der Alltag beschaulich und es lebt sich mit den Bequemlichkeiten der Moderne, aber immer noch mit althergebrachten traditionell überlieferten Methoden. Pferde und Maulesel gehören in Kolumbien zum täglichen Straßenbild.

Kaffeebeeren werden vor den Häusern, auf der Straße und den Wegen, zum Trocknen in die Sonne gelegt.

Die meisten Kaffeebauern sind genossenschaftlich organisiert und vermarkten ihre Produkte selbst.

Die große US-Kaffeehaus-Kette, die den gleichen Namen trägt wie der erste Offizier aus Melvilles Moby Dick, hat in Kolumbien keine Chance Fuß zu fassen.

Mit „Juan Valdez“ gibt es ein einheimisches Unternehmen, das genossenschaftlich angebauten Kaffee in ebenso schicken und gemütlichen Etablissements verkauft und dort kann man auch kabellos ins Internet.

In den Stunden des späten Nachmittags erwacht Kolumbien immer zum Leben.

Meistens treffen sich die Menschen auf den Plätzen vor der Kathedrale und in Parks, wo auch immer Verkäufer mit mobilen Ständen alle möglichen Snacks verkaufen.

Maiskolben werden gerne gegessen, aber auch Zuckerwatte und Popcorn gibts immer und überall zu kaufen.

Außerdem gibts es immer „Raspados“ zu kaufen. Dabei handelt es sich um „geraspeltes“ Eis, das mit einem „Hobel“ oder einer anderen Vorrichtung von einem großen Eisblock „abgeschabt“ wird und dann mit Sirup versüßt wird.

Gibts unter verschiedenen Namen und auch in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern zu kaufen.

Nachdem wir die Kaffeezone verlassen haben, sind wir Richtung Süden gefahren, um an die Pazifikküste zu gelangen.

Auf dem Weg an die Küste haben wir einen Abstecher nach San Cipriano gemacht, einem kleinen Ort an einem Fluss, der nur über Gleise erreichbar ist, die mit umgebauten Motorrädern befahren werden.

Diese Art der Beförderung hört sich nicht nur waghalsig an, sie ist es auch.

Dies ist mit ein Hauptgrund diesen Ort zu besuchen.

Bewohnt wird er vor allem von Nachkommen afrikanischer Sklaven, die ursprünglich auf spanischen Plantagen arbeiten mussten und nach ihrer Flucht und/oder Freilassung Dörfer gegründet haben, wo sie unter sich bleiben konnten.

Der neben dem Dorf fließende Fluss ist am Wochenende Ausflugsziel der Einwohner von Buenaventura, einer großen und wichtigen Hafenstadt an der kolumbianischen Pazifikküste.

Dort sind wir dann als nächstes hin gefahren und haben von dort ein kleines Boot genommen, um weiter die Küste entlang zu fahren und einen Fischerort zu erreichen, von wo aus man Wale beobachten kann, die sich in gewissen Zeiten des Jahres vor der Küste rumtreiben.

Es gibt nur zwei oder drei Städte an der fast 1500 Kilometer langen Pazifikküste, die wegen ihres feucht-heißen Klimas (durchschnittlich bis zu 10 Meter Regen pro Quadratmeter im Jahr) und ihres bergig-sumpfigen Terrains kaum bewohnt und erschlossen ist.

Riesige Landesteile Kolumbiens sind auf Grund ihrer Undurchdringlichkeit menschenleer und schwer zugänglich. Viele Teile der Llanos (Pampa im Osten), des Amazonasgebiets und der Darien-Region (Grenze zu Panama) sind immer noch „Wilder Westen“.

Kolumbien bleibt in weiten Teilen immer noch ein wildes Abenteuer für mutige Entdecker.

Von dem kleinen Küstenort Ladrilleros haben wir das vor der Küste liegende Meeresschutzgebiet besucht und von einer kleinen motorbetriebenen Barke aus Buckelwale beobachtet.

In einer kleinen Nussschale sitzend, auf dem bleigrauen, wolken- und nebelverhangenen Ozean treibend, sämtliche Orientierung verlierend, da Meer und Himmel eins zu sein scheinen, wird man plötzlich von einem lauten Schnauben in die Wirklichkeit zurück geholt und man sieht plötzlich diese riesigen Meeressäuger.

Ein einmaliges Erlebnis, diese majestätischen Giganten in seiner Nähe zu wissen!

Am Abend haben wir dann von den durchschnittlich 10 Meter Niederschlag was abbekommen.

Ein klassischer tropischer Gewittersturm, mit ohrenbetäubendem Donner und sekundenlang hell leuchtenden Blitzen, der fast die ganze Nacht gedauert hat.

Wer die Kraft der Natur noch nicht in solchen Ausmaßen erlebt hat, der kann sich das nicht vorstellen.

Der Strom war dann in der Nacht schon plötzlich weg und ist auch nicht mehr gekommen solange wir dort waren.

Nach einer abenteuerlichen Rückfahrt nach Buenaventura in einem „Speedboat“, das den großen Wogen – bedingt durch den Sturm in der Nacht davor – nur knapp entkommen konnte, haben wir uns auf den Weg nach Cali gemacht.

Die drittgrößte Stadt des Landes und wirtschaftliches Zentrum im Süden Kolumbiens ist nur 150 Kilometer von der Küste entfernt. Der Weg dorthin dauert einen halben Tag.

Dass man für kurze Strecken relativ lange braucht, ist in Kolumbien normal.

Der Staat investiert im Moment Milliarden Dollar in unzählige Großprojekte, die die Verkehrsinfrastruktur verbessern sollen, was auch schon in vielen Fällen geschehen ist.

Die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden die Transportwege in Kolumbien verbessern und die Fortbewegung im Land vereinfachen und beschleunigen.

Cali war für uns nur eine Durchgangsstation, wo wir uns recht kurz aufgehalten haben. Es gibt nicht wirklich was Besonderes. Wer will kann Salsa tanzen und spanisch lernen. Aber das könnte man auch sonst überall in Kolumbien.

Wir sind weiter in die Provinz und haben uns in der Stadt Popayan niedergelassen.

Die Altstadt mit der kolonialen Architektur ist recht schön und beschaulich. Leider ist nicht mehr so viel übrig, da ein starkes Erdbeben 1983 weite Teile der Stadt zerstört hat.

Wir haben von dort ein paar Ausflüge in die Paramo Vegetation unternommen und sind schließlich weiter nach Tierradentro, einer schwer zugänglichen Region in den Zentralkordilleren.

Der Weg dorthin hat uns über schmale Serpentinenstraßen geführt und an einer Stelle mussten wir eine große Bogenbrücke zu Fuß überqueren, da ein schwerer Erdrutsch dass tausende Tonnen schwere Konstrukt ein wenig verschoben hat.

Was auch immer wieder vorkommt in Kolumbien, ist dass die Straße mal kurzfristig vor einem gesperrt wird, um politischen Druck auszuüben.

Ein oder zwei Lastwagen werden quer gestellt, ein Transparent entrollt und per Megaphon eine Erklärung verlesen.

Diese Methoden der Direkten Aktion sind sehr wirksam, da sie die politischen Forderungen in die zwangsweise vorhandene Öffentlichkeit kommunizieren.

Nach einer langen Anfahrt waren wir dann in einer einstigen Hochburg der FARC, die in den Bergen Coca angebaut und Waffen versteckt hat.

Die gebirgige Region ist landschaftlich wunderschön und in den kleinen Dörfern geht das Leben seinen gemächlichen Gang, reines kolumbianisches Landleben.

Die Leute sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.

Das Highlight ist der archäologische Park, der über mehrere Gebirgskämme verteilt ist und zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.

In dieser wichtigsten archäologischen Fundstätte Kolumbiens sieht man in den Fels getriebene Schachtgräber der wenig bekannten Tierradentro Kultur, die dort vor Jahrhunderten gelebt hat.

Die unterirdischen Grabkammern sind teilweise mit schwarzer, roter und weißer Farbe verziert, die immer noch zu sehen ist.

Nach ausgedehnten Wanderungen in der Umgebung sind wir zu einer weiteren, bekannteren archäologischen Stätte Kolumbiens gefahren, nach San Agustin.

In der kleinen Stadt, die ebenfalls in den Bergen gelegen ist, wo auch Kaffee angebaut wird und die ein wichtiger Korridor für die FARC Rebellen ist, die Kokain von der Amazonas-Gegend an die Pazifikküste transportieren, finden sich Überreste – vor allem Steinfiguren – einer geheimnisvollen Kultur.

Schon 300 Jahre vor unserer Zeitrechnung haben sich Menschen zu einer Gemeinschaft dort zusammengeschlossen und überaus beeindruckende Steinfiguren und Stelen hinterlassen.

Ab dem 7. Jahrhundert kamen dann noch Goldschmiedeerzeugnisse und verfeinerte bildhauerische Erzeugnisse hinzu.

Der archäologische Park in San Agustin ist sehr umfangreich auf mehrere Fundorte aufgeteilt und man sollte einige Tage einplanen, um sich ausgiebig umschauen zu können.

Da das ländliche Umland zudem mit einer schönen Vegetation aufwartet, fällt das nicht schwer.

Einer der größten Flüsse Kolumbiens, der Rio Magdalena entspringt unweit von San Agustin und erstreckt sich über 1500 Kilometer durch die Kordilleren bis er schießlich in die Karibik mündet.

In San Agustin ist er ein wilder, reißender, gefährlicher Gebirgsbach; eng eingepfercht zwischen massiven Felswänden.

Nachdem der Italiener Agostino Codazzi Mitte des 19. Jahrhunderts die archäologischen Figuren „wiederentdeckt“ hatte, wurden viele fruchtbare Grabungen durchgeführt.

Auch deutsche Archäologen, beispielsweise Konrad Theodor Preuss, haben an der „Wiederentdeckung“ sehr intensiv mitgewirkt.

Auf jeden Fall ist der Ort und die Überbleibsel dieser vergangenen Kultur sehr besonders und ohne Zweifel einen Besuch wert.

Wer in Kolumbien ist, sollte sich die Figuren der San Agustin Kultur anschauen!

Danach sind wir in die Wüste gegangen….

…wo wir 40 Tage geblieben sind und vom Teufel versucht wurden.

Nein, das ist eine andere Story in einer anderen Inkarnation, in einem anderen Raum-Zeitlichen Kontinuum. Sorry!

Allerdings waren wir wirklich in einer Wüste, der „Desierto de la Tatacoa“ (Tatacoa Wüste), die nur 330 Quadratkilometer klein ist, aber genauso trocken und heiß wie eine der „Großen“.

Die Tatacoa liegt nur 3 Grad nördlich des Äquators und im doppelten Regenschatten zweier Gebirgsketten.

Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei über 28 Grad Celsius.

Was gibts dort zu sehen?

Man hat das Wüstenerlebnis und wunderschöne Sonnenuntergänge.

Glasklare Nachthimmel – es gibt dort auch eine relativ große Sternwarte – mit unzählbaren Sternen.

Die Erosion lässt Canyons entstehen und vergehen und dazwischen stehen riesige Kakteen.

Die Landschaft ist atemberaubend surreal.

Der Aufenthalt hat uns außerdem als willkommene Zwischenstation, auf dem Weg nach Norden gedient.

Nach einer langen Fahrt und einer Übernachtung in Manizales (wieder in der Zona Cafetera) sind wir dann in Medellin angekommen.

Allein der Name löst bei den meisten Menschen irgendwelche Assoziationen aus.

Die zweitgrößte Stadt Kolumbiens hat es teilweise zu trauriger Berühmtheit gebracht.

So war sie nicht nur Namensgeber eines der größten Drogenkartelle der Welt, sondern auch Aufenthalts – und Todesort von Pablo Escobar und hat jahrelang die Mordstatistik der „gefährlichsten Städte“ der Welt angeführt.

Mittlerweile hat sich die Stadt – die immer schon sehr innovativ war und wirtschaftliches Zentrum des Landes – allerdings sehr zum Besseren gewandelt.

Unter anderem wurde die Stadt zur „innovativsten Stadt des Jahres“ ausgezeichnet, vor allem durch die Aufwertung der „ärmeren“ barrios (Stadtteile).

Verschiedene Hochseilbahnlinien verbinden die unterschiedlichen Viertel der Stadt und sorgen somit nicht nur für eine kosten- und umweltverträgliche Verkehrsverbindung, sondern auch für eine Egalisierung der Gesellschaftsschichten.

Lange waren die ärmeren Viertel an den Steilhängen des Talkessels verkehrstechnisch isoliert vom Stadtzentrum.

Mittlerweile kann man sich überall gefahrlos aufhalten. Obwohl seit ein paar Jahren die Zahl der Tötungsdelikte wieder steigen.

Jedenfalls wurde die Gewalt nicht nur mit Gegengewalt von staatlicher Seite, sondern mit Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und mit dem Bau von Bibliotheken in „gefährlichen“ Stadtteilen effektiv bekämpft.

Die Stadt ist zwar teilweise „nett rausgeputzt“, aber trotzdem manchmal etwas „rau“.

So findet man beispielsweise das Rotlichtviertel mitten in der Fußgängerzone gegenüber einer Kirche und in der Nähe wichtiger Kunstmuseen.

Fernando Botero hat seine berühmten „überproportionierten Figuren“ auf öffentlichen Plätzen verteilt und das Museo de Antioquia zeigt viele seiner Werke.

Darüberhinaus befindet sich die längste Rolltreppe der Welt in einem Stadtteil und überwindet einen Höhenunterschied von 28 Stockwerken.

Eine etwas zweifelhafte Form des Tourismus ist der sogenannte „Narco-Tourismus“.

Unter diesem Begriff versteht man den Besuch von Örtlichkeiten, die irgendeinen Bezug zu Anführern aus der Mafia-Szene haben.

Beispielsweise kann man etliche Häuser und Villen Besuchen, die Pablo Escobar gehört haben.

Seine große Villa außerhalb Medellins, samt Freizeitpark und Privatzoo hat auch unter Zoologen Interessenten gefunden.

Es ist der einzige Ort weltweit außerhalb Afrikas wo eine große Population Hippos leben und sich vermehren, da die Bedingungen günstig sind.

Ebenso ist es möglich das Grab von Pablo Escobar zu besuchen, das auf einem Friedhof außerhalb Medellins liegt. Seine Bewunderung innerhalb der Bevölkerung ist immer noch sehr groß. Zumindest lässt sich so erklären warum immer frische Blumen auf dem Grab anzufinden sind.

Wir haben diese Art von „Sightseeing“ nicht mitgemacht, da wir einen Personenkult um Mörder und Verbrecher nicht unbedingt fördern wollen.

In Medellin haben wir eine kostenlose Führung durch das Polizeimuseum mitgemacht.

Da die kolumbianische Polizei besonders stolz ist auf ihre „Erfolge“ gegen die Drogenkartelle, wurden dort auch „Devotonalien“ Pablo Escobars gezeigt. Unter anderem eine vergoldete Harley Davidson, eine goldene Pistole, die noch blutige Jacke mit Einschusslöchern, die er zum Zeitpunkt seiner Ermordung anhatte und eine Rolex, für die er über 150 000 Dollar bezahlt hat, die allerdings eine 20 Dollar Fälschung war.

Wer allerdings ein großes Interesse an zeitgenössischer kolumbianischer Geschichte hat und besonders am Medellin-Kartell interessiert ist, kann vor Ort etliche Touren mitmachen und in einschlägige Viertel geführt werden und sich Häuserruinen anschauen die einstmals dem größten Kokain-Händler der Welt gehört haben.

Nachdem wir einige Tage die Stadt erkundet haben, sind wir ins 2 Stunden entfernte Städtchen Guatape gefahren, das an einem Stausee liegt und für seine buntbemalten und verzierten Häuser bekannt ist.

Darüberhinaus gibt es einen über 200 Meter hohen Felsen, der über steile Stufen (600) zu erreichen ist. Oben angekommen wartet ein einmaliger Blick auf die Umgebung.

Das Wasserkraftwerk am See produziert ein Drittel des kolumbianischen Strombedarfs.

Nach einem Wochenendaufenthalt sind wir weiter gefahren auf die andere Seite der Kordilleren.

Ein lange Nachtfahrt, ein Minibus und ein Collectivo haben uns nach Guadalupe in der Provinz Santander gebracht.

Wir waren wieder im ländlichen Hochland.

Der Ort selbst ist klein, beschaulich und recht bodenständig.
Wirklich sehenswert ist ein kleiner Fluß in der Nähe.
Das Wasser hat natürliche „Pools“ in das Bachbett geformt, in denen man sich abkühlen kann.
Besonders schön sind die Farbspiele. Das Gestein des Bachbetts ist rötlichfarben und das Wasser in den „Sinklöchern“ ist türkis.
Abhängig vom Wasserstand und des Sonnenstandes schimmert der Flusslauf in unterschiedlichen Farben.
An den Wochenenden ist immer viel Betrieb, da die Kolumbianer gerne in ihrem eigenen Land unterwegs sind und sich ihre Sehenswürdigkeiten anschauen.
Die grünen Berge im Hintergrund und atemberaubende Canyons in der Nähe machen den Ort zu einem Ausflugsziel mit guten Aussichten für die Zukunft.
Die Transportwege in Kolumbien sind abseits der großen Straßen oft spektakulär.
Den Rückweg hab ich stehend auf dem Trittbrett eines Jeeps verbracht, mit einigen anderen Männern, Frauen und Halbwüchsigen.
Viele Leute nehmen den Mitfahrdienst nur von einem Dorf ins nächste oder von einer Plantage zur anderen wahr. Andere wiederum fahren die ganze Strecke bis zur Hauptstraße, was über 90 Minuten in Anspruch nimmt.
Anika hatte Glück und konnte auf einer der Sitzbänke unter der Plane einen Platz ergattern.

Von der Hauptstraße aus, sind wir den Highway nach Norden, nach San Gil gefahren.
In der „Abenteuersport-Metropole“ haben wir im nahegelegenen Chicamocha-Canyon Paragliding gemacht.
Da sich die Umgebung auf etwa 1200 Meter über dem Meeresspiegel befindet und wir knapp 500 Meter mit dem Schirm aufgestiegen sind, hatten wir einen sehr guten Ausblick. Der tiefe Canyon hat den Höheneffekt noch etwas verstärkt.
Außerdem haben wir Tagesausflüge und Wanderungen in die Kolonialstädtchen Barichara und Guane unternommen. Dies sind wiederum Orte wo die Zeit stillzustehen scheint.
Nur am Wochenende kommen die „Städter“ und suchen Erholung.
In diesen kleinen Städtchen gibt es mehr Esel als Autos und man trifft sich in kleinen Lädchen, kauft sich ein Getränk und sitzt zusammen auf dem Kirchplatz.

Kolumbien ist gemütlich, die Zeit fließt träge dahin.

San Gil haben wir Richtung Norden verlassen, um nach einer Nachtfahrt und einem Buswechsel am Unterlauf des Rio Magdalena auf einer Insel im Fluss (Isla Margarita) , in der Stadt Mompos anzukommen.

Mompos ist eine der ältesten spanischen Siedlungen in „Vizekönigreich Neugranada“.

Die Stadt beherbergte unter anderem Alexander von Humboldt und war eine der ersten Städte, die sich von Spanien unabhängig erklärten und laut Simon Bolivar verdankt er seinen Ruhm und seine Ehre dem kleinen Örtchen.

Hier hat er seine „Befreiungsarmee“ rekrutiert und ist erfolgreich gegen Caracas gezogen.

Früher war die kleine Stadt (neben Cartagena die einzige in Kolumbien, die von der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet ist) nur über den Fluss zu erreichen. Seit ein paar Jahren existiert eine Autobrücke, die die Anbindung an die Außenwelt vereinfacht.

Allerdings kommen nicht viele Touristen nach Mompos. Lediglich in der „semana santa“ (Karwoche) und zum internationalen Jazzfestival im November sind alle Hotelbetten ausgebucht.

Zur Zeit der spanischen Krone hat sich Mompos zu einer der wichtigsten Handelszentren in den „neuen Kolonien“ entwickelt.

Der Rio Magdalena war von der Küste aus schiffbar – bis er plötzlich seinen Lauf änderte und die Stadt in der Bedeutungslosigkeit versank – an Mompos vorbei bis Honda.

Der Name der Stadt leitet sich vom Namen eines indigenen Häuptlings ab, der den Spaniern half die Siedlung zu gründen.

Der vollständige Name lautet „Santa Cruz de Mompos“; aus diesem Grund lässt sich erklären, dass die Stadtfahne ein weißes Kreuz auf rotem Grund zeigt. Wir dachten zuerst viele Schweizer hätten sich hier niedergelassen.

Die Stadt besteht eigentlich nur aus einer Hauptstraße und wenigen Seitenstraßen, drei Plätzen, aber dafür einem halben Dutzend Kirchen und Kathedralen.

Jede „Bruderschaft“ wollte vor Ort vertreten sein (Jesuiten, Augustiner, Franziskaner, etc.).

Wir haben einen Ausflug mit einem Boot unternommen und dabei Seitenarmee und Überschwemmungsflächen des Flusses erkundet, wo viele Tiere zu sehen sind. Vor allem viele Vogelarten fühlen sich wohl in dem Flussgebiet.
Nähert man sich der Stadt vom Wasser aus, sticht die Uferfront ins Auge, sowie die ausgefallene Architektur mehrerer Kirchen. Eine ähnelt einem Leuchtturm.

Der Fluss tritt regelmäßig über die Ufer. Er ist dennoch nicht nur identitätsstiftend und versorgt die Bewohner mit Fisch. Der Sand des Flusses wird rausgeschaufelt und zum Bauen verwendet; natürlich mit Handarbeit und kleinen Booten.

Die meisten Häuser sind sehr alt, riesige nach außen ragende Fenster und große Türen schmücken die Fassaden. Alles ist luftig gebaut. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 31 Grad Celsius.

Teilweise sind maurische Elemente im Baustil zu erkennen.

Die Bewohner sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Das Leben spielt sich fast schon exzessiv auf öffentlichen Plätzen ab. Nach einem Tag im Ort ist man schon bekannt und wird zum „Tinto“ (kleiner, starker, schwarzer Kaffee – meist stark gesüßt) eingeladen, der „mobil“ in Kesseln verkauft wird.

Die Touristenpolizei ist so unterfordert, dass uns die diensthabende Polizistin eine richtig gute Mitfahrgelegenheit organisiert hat, zum „Einheimischen-Tarif“.

Wir fahren Richtung Nord-Osten. Im weitesten Sinne Richtung Grenze zu Venezuela und Richtung Guajira Habinsel.

In der Hauptstadt, Valledupar, des „Departamento“ wollen wir nur eine Zwischenstation einlegen.

Eigentlich sind wir hergekommen, um einen Abstecher in die Sierra Nevada de Santa Marta zu unternehmen. Vor allem wollten wir ein Dorf der Indigenen Kogi besuchen.

Leider hat die Öffnung für Touristen hauptsächlich Nachteile für die Indigenen gebracht, sodass seit ein paar Wochen keine Besucher mehr erlaubt waren.

Vor allem kolumbianische Touristen haben die Kogi eher als Fotomotiv benutzt, anstatt sich für sie zu interessieren.

Wir sind weiter die Guajira entlang gefahren bis nach Riohacha an der Karibikküste.

Auf der Fahrt dorthin wurde die wirtschaftliche Not der Menschen sichtbar. Die meisten Leben von Schmuggel, hauptsächlich Benzin aus Venezuela wird billig weiterverkauft.

Diese Schattenwirtschaft wird stillschweigend toleriert. Die Menschen dort brauchen Devisen, um sich Nahrung kaufen zu können.

Vor allem die Indigenen Bewohner der Guajira leiden sehr unter den Folgen des Bürgerkrieges.

Während der „heißen Phase“ des Kampfes waren die Indigenen zwischen die Mühlsteine der einzelnen Parteien gekommen.
Auf der einen Seite Staat, Armee, paramilitärische Todesschwadronen und Großgrundbesitzer, die wirtschaftliche Großprojekte in der Sierra Madre durchboxen wollten, um sich noch gieriger bereichern zu können.
Auf der anderen Seite FARC und ELN, die sich zwar für die Belange der Indigenen eingesetzt haben, aber auch Zwangsrekrutierungen durchgeführt haben.

Die Spirale der Gewalt zerstört die Indigenen Völker Kolumbiens und ihre Lebensgrundlagen.

Was übrig bleibt, wird durch den Kapitalismus ausgerottet. Der Markt reguliert sich nicht nur selbst (sic.!), sondern auch Menschenleben.

Auf der Guajira Halbinsel vergewaltigt der Schweizer Weltkonzern Glencore den Planeten. Umgangssprachlich nennen sich solche Verbrechen „Abbau von Bodenschätzen“.

Die Folgen bestehen darin, dass nicht nur die Lebensgrundlage von vielen Menschen zerstört und die Umwelt vergiftet wird, sondern viele Menschen verrecken schlicht an den Folgen dieses „wirschaftens“, weil sie kein Wasser zum Trinken haben und ihre Ziegenherden nicht mehr tränken können.

So gut wie alle Wayuu Indigenen sind selbst für einen Laien sichtbar unterernährt und krank.
Zwar versuchen sich die Konzerne die Hände in Unschud zu waschen und bezahlen Blutgeld an den kolumbianischen Staat. Die Gelder kommen jedoch nie an.

Was erwartet man auch wenn ein Verbrecher einem anderen Verbrecher Geld gibt.

Es ist für jeden sichtbar, dass auf der Guajira Halbinsel ein schleichender Völkermord vonstatten geht.
Auch Deutschland trägt massive Mitschuld an dem Mord an diesen Menschen, da Kolumbien Deutschlands größter Kohlelieferant ist. E.on und RWE beziehen ihre Blutkohle aus Cerrejon, dem größten Steinkohletagebau der Welt.

Riohacha ist die Regionalhauptstadt. Der Strip entlang am Meer soll Eleganz vortäuschen. In Wirklichkeit wirkt er deplaziert. Ein altes Pier gammelt vor sich hin und ein paar Wayuu Frauen verkaufen „Kunsthandwerk“.

Prinzipiell ist Riohacha ein ziemlich gottverdammter Ort. Ein Ort wo es sich die Schmuggler und zwielichtigen Gestalten des Grenzlandes gut gehen lassen können und ihr Geld verprassen.
Er ist allerdings die ideale Basis für Exkursionen auf die entlegene Guajira.

Von Riohacha aus sind wir nach Norden gefahren. Straßen existieren bald nicht mehr.
Man kommt nur saisonal mit dem Geländewagen voran.
In der Regenzeit verschwindet die Piste und der Matsch macht ein vorankommen über Land so gut wie unmöglich.

Wir haben uns Richtung Cabo de la Vela aufgemacht.
Auf dem Weg haben Kinder „Straßensperren“ errichtet und verlangen Süßigkeiten und ein paar Münzen.
Manchmal hält der Fahrer kurz an, meistens fährt er schlechtgelaunt weiter.

Am Anfang verläuft die Strecke entlang der Gleise, auf denen sonst die Kohle in riesigen Zügen zur Verschiffung befördert wird.
Der Streckenverlauf ist an strategischen Punkten militärisch bewacht.
Irgendwann erkennt man keine Piste mehr. Der Fahrer kennt den Weg.
Man wird durchgeschüttelt und fühlt sich nach der Fahrt verprügelt.
Irgendwann biegt der Wagen Richtung Meer ab und man könnte meinen der Fahrer will ins Wasser fahren.
Er zieht dann im letzten Moment nach rechts und fährt parallel zum Wasser den Strand entlang.
Wir sind in Cabo de la Vela.

Der Ort sieht aus wie eine Wildweststadt. Es wohnen, besser hausen ein paar hundert Seelen hier.

Es gibt eigentlich nichts hier außer dem „Ende der Welt“ Gefühl.

Wir lassen den Ort hinter uns. Es folgt Strand und eine Kite-Surf Schule.
Danach kommen ein paar schöne Camps.
Hier bekommt man einen überdachten Hängemattenplatz mit abschließbarem „Spint-Umkleide-Raum“ (1 Quadratmeter groß).
Hier schlafen wir. Fünf Meter entfernt vom Meer, das in der weitläufigen Bucht vor sich hinplätschert.

Wir sind in Wüstengebiet.
Tagsüber brennt die Sonne, Nachts wird es kühler, aber angenehm.
Der Sternenhimmel ist unbeschreibbar schön! Die Milchstraße ist näher als nah!
Es gibt einen Leuchtturm. Ein idealer Sunset-Point.

Das eigentliche Cap besuchen wir auch an einem anderen Tag. Es gibt dort auch einen 50 Meter langen Strand und man kann schwimmen.

Dazwischen gibt es felsige Steilküste mit Ministränden und einsamen Buchten.
Man ist am Ende der Welt.

Wir wollten eigentlich zum nördlichsten Punkt des südamerikanischen Kontinents, nach Punta Gallinas.
Allerdings gibts dort noch weniger als wenig. Die Fahrt ist lang und mühsam.
Alles kein Problem.
Das Problem besteht allerdings darin, dass auf Grund von Regenfällen in den Tagen davor, ein Weiterkommen über Land unmöglich ist.

Die Einheimischen dort brauchen allerdings die Touristen und riskieren dafür sogar ihr Leben. Die Fahrt auf kleinen Bootchen mit schwachem Außenborder über offenes Meer.

An der Kiteschule gibt man uns bereitwillig Auskunft. Die Besitzerin spricht sogar etwas deutsch.
Sie könnte es uns arrangieren und auch Geld damit verdienen. Sie ist allerdings so ehrlich und rät uns davon ab.
Es ist lebensgefährlich.
Die Polizei hat es verboten.
Kontrolliert wird es natürlich nicht. Einige Boote sind gekentert. Manche ganz verschwunden.
Das ist es uns natürlich nicht wert unter diesen Umständen.
„Lands end feeling“ gibts auch hier.
Zum Dank trinken wir noch ein geschmuggeltes „Polar“ Bier aus Venezuela.
Das steht hier oben so inflationär rum wie billiges Benzin. Vor ein paar Wochen wurde verlautbaren lassen, dass „Polar“ auf Grund des Devisenmangels keine Gerste und Hopfen mehr einkaufen kann. Schlechte US-Propaganda! Vor Ort sieht die Situation immer anders aus.

Nach ein paar Tagen am Ende der Welt kehren wir nach Riohacha zurück und holen unsere Sachen ab, die wir dort deponiert haben.
Wir fahren die Küste entlang Richtung Santa Marta.
Vorher machen wir einen Zwischenstop in Palomino, direkt am Meer, mit Palmen und einem herrlichen Blick auf die Sierra Nevada de Santa Marta.

An der Mündung des Flusses „Palomino“ in das karibische Meer sieht man die beiden 5775 Meter hohen „Pico Cristobal Colon“ und „Pico Simon Bolivar“, beide Schnee und Eis bedeckt und nur 45 Kilometer von der Küste entfernt.

Das kühle Wasser des Flusses lässt erahnen wie kalt es dort oben ist. Der Ozean ist pipiwarm im Vergleich dazu.
An der Mündung zum Meer waschen Indigene des Kogi Stammes ihre Wäsche.

Es gibt hier einige Indigene Völker.
Die Sierra Nevada war in den 1970ern Hauptanbaugebiet für Marijuana, das in die USA exportiert wurde.
Einige berühmt-berüchtigte Größen des internationalen Drogenschmuggels und einige kolumbianischen Kartelle wurden hier groß.
Die Gegend ist wunderschön. Man kann hier noch lange verweilen.

Wir sind nach ein paar entspannten, sonnig-heißen Tagen und kräftigen, tropischen Gewitterstürmen in der Nacht die Küste „runter“ nach Santa Marta, eine der ältesten noch existierenden spanischen Städte auf dem amerikanischen Kontinent.

Außerhalb der Stadt in einer alten Mühle ist der große lateinamerikanische Freiheitskämpfer und Revolutionär Simon Bolivar verstorben. Der Ort ist ein nationales Monument.
Lange hieß es er wäre an den Folgen der Tuberkulose verstorben.
Neuere Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass er mit Arsen vergiftet wurde.
Wie auch immer. Seine sterblichen Überreste liegen heute im Nachbarland, Venezuela.

Vielleicht stimmt sein berühmter Ausspruch:
„Lateinamerika ist unregierbar“.

Vielleicht liegt darin aber auch Hoffnung. Hoffnung, dass die Menschen auf diesem Kontinet irgendwann keine Regierungen mehr brauchen und in gegenseitiger Brüderlichkeit und Freundschaft lebend sich selbst regieren.

Bolivar war ein Visionär und Vordenker. Einer der seiner Zeit weit voraus war und zu seinen Lebzeiten immer gelitten hat. Daher vielleicht auch seine Bereitschaft sich für eine höhere Sache zu opfern.

Santa Marta ist chick und mondän. Ein wenig Cote d’Azur Flair weht entlang der Promenade am Meer.
Die ganze Altstadt wurde und wird renoviert, genauso wie das Hafengelände. Der Begriff Gentrifizierung bringt treffend auf den Punkt welche Entwicklung der „schöne Teil“ der Stadt, zum Meer hin, durchmacht.
Wir waren im alten Seemanns- und Hafenviertel.
Dubiose Kaschemmen reihen sich aneinander, Zimmer werden stundenweiße vermietet und an den Häuserwenden warten Damen auf Kundschaft.
Nach Einbruch der Dunkelheit muss man sich nicht mehr draußen aufhalten, wenn man es tut, sollte man nicht allzu zart besaitet sein.
Vorgelagert liegt eine kleine Insel mit Leuchtturm, daneben versinkt jeden Abend die Sonne im karibischen Meer.
Im Hintergrund leuchten die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada.
Souvenirhändler und Nippesverkäufer suchen ihr Glück. Fahrende Eis- und Snackverkäufer haben immer Kundschaft.
Der erste Tag war ruhig. Am zweiten Tag ist ein riesiges Kreuzfahrtschiff einer norwegischen Reederei im Hafen verankert.
Die schwimmende Dreckschleuder ist so riesig, dass sie nicht am Ufer festmachen kann. Die Passagiere, hauptsächlich US-Bürger und reiche Kolumbianer werden mit kleinen Booten an Land gebracht.
Der Hafen ist richtig bussy. Ständig laufen große Pötte ein und aus.
Waren werden umgeschlagen, Gas- und Kohle Frachter fressen sich die Bäuche, Tanks und Ladeluken voll. Manch großes Schiff liegt vor der Bucht auf Halde und wartet auf einen Platz im Hafen.

Auf der anderen Seite des Strips liegt der Yachthafen.
Einige große Hotels strahlen Großstadtflair aus. Die Partnerstadt von Santa Marta ist Miami Beach, Florida.
Vielleicht soll die Schwesterstadt als Vorbild dienen.

Ein paar Minuten entfernt in der nächsten Bucht liegt der Treffpunkt für Hippies und Rucksackreisende, Taganga.

Diesmal zieht es uns nicht dorthin. Wir bleiben anonym in unserem Altstadtviertel. Sind nur auf Durchreise.

Wir wollen weiter nach Cartagena de Indias, die Perle der Karibik.

Die Stadt ist riesig. Wir wollen „nur“ in die Altstadt. Hier gibt es Stadtmauern und Tore, Türme und Befestigungsanlagen.
Alte Kirchen und schöne Häuse – in einem hat Sir Francis Drake eine zeitlang gewohnt, der berühmte Pirat im Dienst der britischen Krone – enge Gassen und Plätze voller Leben, zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Außerdem treffen wir hier zwei Freunde, die mit ihrem Motorradgespann um die Welt fahren. Wir haben Kerstin und Kevin das letzte Mal in Bolivien getroffen, das ist einige Monate her.
Wir verabschieden die beiden auch, da sie „off the road“ gehen und von Cartagena aus ihr Gespann nach Europa verschiffen.

Cartagena ist sehr gefragt bei einheimischen und ausländischen Touristen. Für viele ist sie „die Stadt“ an der kolumbianischen Karibikküste.
Dementsprechend voll kann es hier werden.
Wir sind in der Nähe des Kongresszentrums untergekommen. Um in den anderen Teil der Altstadt zu kommen, müssen wir daran irgendwie vorbei.
An einem Tag treffen sich dort wieder mal die politischen Führer des Landes mit Vertretern der FARC und den Unterhändlern aus Cuba, Norwegen und anderen Ländern, die ihre Vermittlungsrolle angeboten haben.
Die Stadt ist hermetisch abgeriegelt.
Die kolumbianische Polizei hat alles aufgeboten was sie hat an Menschen, Tieren und technischen Geräten. Marine im Wasser vor der Küste, Hubschrauber in der Luft.
Frieden ist scheinbar nur mit bewaffneter Sicherheit verhandelbar.
Wir müssen große Umwege laufen. Buslinien dürfen an manchen Haltestellen niemanden raus- oder reinlassen.
Alle Geschäfte sind geschlossen. Man meint es wäre Sonntag in Deutschland.
In Kolumbien und auch dem Rest der Welt ist an Sonntagen auch fast alles geöffnet. Hier in Cartagena diesmal nicht.
Wir haben die Kirchen und Festungsmauern fast für uns alleine.

Einige touristische Highlights entlang der Karibikküste haben wir links liegen lassen.
Zum Beispiel haben wir die „Ciudad perdida“, die verlorene Stadt, nicht besucht. Vor ein paar Jahren war das sicherlich noch eine schöne Sache.
Mittlerweile ist das ganze so ausgeartet, dass es schon Ähnlichkeit mit dem Inkatrail in Peru hat.
Hunderte Menschen laufen in viel zu großen Gruppen einen Dschungelweg entlang und treffen sich nach einigen Stunden in viel zu kleinen Camps, wo sie sich gegenseitig versichern wie schön und unberührt die Natur ist.
Nach drei Tagen wartet eine alte Ruinenstadt einer indigenen Zivilisation, die lange „verschollen“ war, bis Marijuanabauern und Guerilleros sie wiederentdeckt haben. Seitdem verdienen die Indigenen mit an den Touristen.
Noch vor ein paar Jahren war man so gut wie alleine auf dem Weg zur verlorenen Stadt. Heute treten sich die Touris die Füße platt.

Herrliche Natur haben wir seit Monaten alleine in Südamerika erkundet. Das Geld können wir uns sparen.

Eine weitere überbewertete Touri-Falle ist der Tayrona-Nationalpark.
Das Besondere hier ist der schöne Strand der von Dschungel eingerahmt ist und riesige, runde Felsen im weißen Sand und davor türkisblaues Wasser.
Wir haben Fotos gesehen. Es sieht wirklich wunderschön aus, keine Frage.
Allerdings haben wir so viele Sträde in den letzten vier Jahren gesehen, dass es einfach Wahnsinn wäre, für einen Strand so viel Anstrengungen und Kosten zu investieren.
Die Leute treten sich die Füße dort platt und zahlen Preise, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Das ist nicht Kolumbien, sondern Disneyland.
Solch einen Ort kann man ruhigen Gewissens als reinen „Ego-Instagram-Foto-Point“ abhaken und abseits liegen lassen.
Das ist allerdings nur eine Schattenseite. Die andere besteht darin, dass es zu massiven Schäden an der Tier- und Pflanzenwelt kommt und zu viel Müll zurückgelassen wird.
Ein einstmal wirklich paradiesischer Platz wird systematisch durch die Ignoranz der Menschen zerstört, die aus hedonistisch-egoistischen Gründen die Schönheit der Natur durch ihre massenhafte Präsenz vernichten.
Nach einiger Recherche haben wir uns dafür entschieden dabei nicht mitzumachen.
Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass diese Entscheidung absolut richtig war. Jeder Gesprächspartner der dort war, hat uns versichert, dass der Nationalpark völlig überbewertet und dem Untergang geweiht ist.
Tausende Kilometer Strand in Kolumbien und Zentralamerika haben sich im nachhinein auch als sehr schön erwiesen. Und in Hängematten am Meer haben wir auch so geschlafen ohne dafür einen Unterstand mit 30 anderen Menschen teilen zu müssen.

Cartagena, die alte Piratenstadt, hat uns wirklich gut gefallen und sollte unbedingt zumindest mal kurz besucht werden wenn man in Kolumbien ist.
Wenn man nur einen Platz an der kolumbianischen Karibikküste zur Auswahl hat, liegt man mit Cartagena nicht verkehrt.

Wir sind dann weiter die Küste runter nach Tolu, einem kleinen Fischer- und Ferienort.
Vor der Küste hat sich ein Meeresschutzgebiet befunden, aber es gab für uns dort nichts Spannendes zu sehen, was wir noch nicht erblickt haben.
Wir haben einen Ausflug zu einem „Schlammvulkan“ unternommen.
Es gibt entlang der Küste einige davon, dieser war für uns unkompliziert und mit öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen.
Es handelt sich um Heilschlamm, mit dem man sich einreibt und dann in der Suhle liegen bleibt.
Untergehen kann man eigentlich nicht. Zur Sicherheit ist ein Seil gespannt an dem man sich wieder zum Rand ziehen kann.
Man ist vollkommen mit glitschigem Schlamm bedeckt und man muss beim Laufen aufpassen, dass man nicht ausrutscht.
Um sich von dem Schlamm zu reinigen, muss man sich lange und gründlich unter fließende Wasser schrubben.

Die Fischer von Tolu bieten heute Ausflüge auf die San Bernado Inseln an. Nachhaltiger Ökotourismus ist überall im Kommen. Die Meere sind fast leergefischt. Die meisten Menschen, die seit Generationen an den Küsten leben, haben das erkannt. Schuld sind selten die Anrainer, sondern meistens industrielle Fangflotten.
Schwimmende Fischfabriken, die systematisch alles Leben in den Meeren zerstören, damit mit dem Fischmehl und den Abfallresten „Fischstäbchen“ produziert werden oder Fische in Farmen gefüttert werden. Viele Menschen denken es wäre nachhaltig Fisch aus Farmen zu essen. Weit gefehlt!
Die Außwirkungen sind verheerend für die Flora und Fauna der Meere. Zudem ist auf so engem Raum das Wachstum der Fische nur mit Hilfe von Antibiotika und anderen Medikamenten möglich.
Die ehemaligen Fischer von Tolu fahren heute Touristen zu den Korallenriffen und den Meeresschutzgebieten und tragen ihren kleinen Teil dazu bei, dass die Artenvielfalt der Meere vielleicht nochmal eine Chance bekommt und erhalten bleibt.

Nach einem Zwischenstop in Monteria sind wir südlicher an die Küste nach Necocli.
Dieser kleine Ort liegt am Golf von Turbo, einer Meeresbucht, dessen westliches Ufer bereits zur Darienregion gehört, Kolumbiens „Wilder Westen“.

Der sogenannte „Darien-Gap“ stellt eine natürliche Begrenzung zwischen Süd- und Zentralamerika dar.
Der sogenannte „Stöpsel“ des südlichen Teils des amerikanischen Doppelkontinents war früher schon gern gesehen, da er die Maul- und Klauenseuche und andere Krankheiten fernhalten sollte.
In der neueren Zeit bremst er den Waffen- und Drogenschmuggel, dient aber vielen dubiosen Gruppierungen als Rückzugsraum und Versteck.
Obwohl man sich bereits vor etlichen Jahrzehnten darauf geeinigt hatte, ganz Amerika straßentechnisch befahrbar zu machen, wird diese letzte Lücke zwischen Alaska und Feuerland nicht ausgebaut.
Somit stellt diese natürliche Barriere ein Hindernis für alle „Überlandreisenden“ dar. Man muss in die Luft oder aufs Wasser ausweichen oder beides kombinieren. Wir haben uns für die Kombination entschieden, die die günstigste und individuellste Alternative darstellt.
Ganz Wagemutige – oder Wahnsinnige trifft es besser – versuchen den Dariengap zu durchwandern.
Selbst mit ausreichend Vorbereitung, Führer und bereits absolviertem Überlebenstraining besteht das Risiko dieses Abenteuer nicht zu überleben.
Sämtliche Drogen- und Waffenschmuggler, Kommandoeinheiten der kolumbianischen, der US-amerikanischen und der Streitkräfte Panamas sind in dieser Gegend aktiv.
Auf Abentuertouristen wird da keine Rücksicht genommen. Gesetze, Regeln und Rechte existieren in diesem Teil der Welt nicht.
Der Darien-Gap ist terra incognita, ein weißer Fleck auf der Landkarte.
Es existieren keine Wege, keine Pfade. Der Dschungel ist mörderisch dick und undurchdringlich. Wenn man dort zu Fuß „geht“, muss an sich jeden Fußtritt mit der Machete freihauen.
Moskitoschwärme sind selbstverständlich. Die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit machen den Aufenthalt zur Qual.
Was ich hier schreibe, ist keine bloße Theorie. Wir waren in einem kleinen Auschnitt vor Ort und haben uns umgeschaut. Dieses kurze Eintauchen in dieses Gebiet hat uns vielleicht 1% von dessen erleben lassen was auf denjenigen wartet, der es ernst meint.

Aber zurück an den Golf von Turbo, noch stehen wir in dieser Schilderung quasi nur am Anfang.
Wer eine Landkarte von Südamerika oder Kolumbien zur Hand hat, sollte sie sich zum besseren Verständnis anschauen.
Die Darien-Region – ein Paradies für die Tier- und Pflanzenwelt, dank des „Nicht-Vorhanden-Seins“ menschlicher Aktivitäten – erstreckt sich von der Karibikküste bis zum Pazifik, entlang der Grenze zwischen Panama und Kolumbien und auf beiden Seiten des Staatsgebietes.
Parallel zum Pazifikküste befindet sich in Kolumbien der Choco, ebenso „Wilder Westen“ und Drogenschmugglergebiet und „Stronghold“ der Guerillas.
Die Darien-Region ist nicht über die Straße zu erreichen.
Luft und Wasser sind die Transportwege.
Turbo, eine Stadt an der südlichen Spitze des gleichnamigen Golfes, dient als Einfalltor. Dort liegt „der Hafen“ für alle, die an die Westküste des Golfes wollen.
Wir sind nördlich von Turbo, an der Ostküste, in Necocli geblieben. Von dort fahren seit einiger Zeit ebenfalls „Speedboats“ über den Golf. Die Reisezeit verkürzt sich um einige Stunden auf knapp zwei Stunden.
Wer von „unten“ kommt, geht besser nach Turbo, alle die die Karibikküste entlang reisen, bleiben in Necocli. Wer von Panama kommt und nach Cartagena, etc. will sollte auch Necocli als „Port of call“ wählen.

Die „Speedboats“ sind schnell und sicher. Rettungswesten sind vorhanden, ebenso Funkausrüstung. Das Gepäck wird unter Planen festgezurrt, man selbst sitzt unter einem Sonnenschutz.
So weit so gut.
Man fährt zwei oder drei Orte an, nachdem der Golf überquert ist.
Wir sind in Capurgana ausgestiegen.
Ein kleiner Küstenort, in the middle of nowhere; nicht weit von der Grenze zu Panama.
Die letzte Station ist eine Bucht weiter. Der Hafenort heißt Sapzurro. Von dort kann man über einen Hügel laufen (Treppenstufen) und auf dem Hügelkamm liegt die Grenze zwischen Panama und Kolumbien.

Grenzen sind per se absurd. Willkürliche Striche auf Landkarten, die entscheiden wer jeweils die Macht ausübt und an wen man Tribute (Steuern) bezahlen muss.
Nirgendwo sonst ist eine Grenze aber lächerlicher als dort.Vor einem liegt Dschungel und Meer, hinter einem liegt Dschungel und Meer.
Das einzig unterschiedliche sind die Flaggen, die jeweils an den Masten hängen.
Aber dazu später mehr.

Capurgana hat einen kleinen Landeplatz für Flugzeuge und eine kleine Anlegestelle für Boote.
Hier kann man sich bei der Immigration auch ein- und ausstempeln lassen.
Eine Bank oder ein Geldautomat sucht man vergeblich, Cash mitbringen!
Hier leben dauerhaft ein paar hundert Menschen. In Sapzurro sogar noch weniger; dort gibt es eine schöne geschützte Bucht für Segler.

Apropos Segler.
Eine weitere sehr beworbene Möglichkeit von Kolumbien nach Panama zu kommen oder vice versa, besteht darin von Cartagena eine Koje in einem Segelboot zu mieten. Viele (Langzeit-) Segler bessern sich so die Reisekasse auf oder betreiben das ganze „hauptberuflich“. Mehrere Segler haben sich zusammengeschlossen, um sich erfolgreicher vermarkten zu können.
In Cartagena gibt es sogar ein Büro dieser lockeren Kooperative.
Manche Boote sind größer und können sogar Fahrräder oder in einem Fall sogar Motorräder mitnehmen.
Die Preise sind allerdings etwas teurer. Die „günstigste“, schnellste und langweiligste Variante ist ein Flug zwischen Panama City und Medellin oder Bogota. Das kann allerdings jeder!
Die teuerste – vielleicht auch schönste Variante – ist das Segelboot. Hierbei wird ein 2-3 tägiger Stop auf dem San Blasius Archipel eingelegt. Hierbei handelt es sich um eine Inselgruppe vor Panama.

Unsere Variante war anders.

In Capurgana haben wir in einem kleinen Bungalow direkt am Wasser unweit der Anlegestelle gewohnt.
Es gibt zwei Strände.
Im Süden ein Kiesstrand (das Meer hat den Sand weggespült und trägt immer mehr Uferbefestigung weg; Hotels und Häuser sind in Gefahr) und am nördlichen Ende ein kleiner Sandstrand mit ein paar Strandbars, wo man unter anderem „Coco-Locos“ konsumieren und Snacks essen kann (ausgehölte Kokosnüsse mit Rum gefüllt).
Zum Dschungel hin stehen drei, vier Hotels.
Ein fancy „Beachclub“ mit Pool ist der momentane „in place“. Ein großes Hotel im maurischen Stil gammelt vor sich hin.
Wir haben später erfahren, dass das ein Hotel war, das mit Drogengeldern gebaut und betrieben wurde und dann dicht gemacht wurde.

Früher war der Drogenschmuggel in Capurgana eine Hauptbeschäftigungsquelle. Wir haben von einem Zeitzeugen interessante Berichte aus dieser Zeit erzählt bekommen. Dazu weiter unten mehr.

Am Ende des Sandstrandes beginnt ein Küstenpfad, der zu einer Einsiedelei führt, wo ein Kolumbianer und eine Französin seit Jahren sehr bescheiden und autark leben und ein kleines „Ausflugslokal“ betreiben (eine Snackbar zwischen Felsen). Die beiden haben auch natürliche Pools mit Steinen und Felsen befestigt und sich ihr kleines Paradies geschaffen, das sie mit Besuchern teilen. Der Platz ist wunderschön!
Wer dort ist sollte die zwei besuchen, was essen und sich ein Muschelschmuck-Souvenir gönnen.

In der Ortsmitte von Capurgana, in der Nähe der Landebahn, führt ein Pfad ins Innere des Dschungels, in Richtung Sapzurro.
Der Pfad endet irgendwann und man klettert und kraxelt über einen schlammigen, rutschigen Lehmpfad (3 Schritte breit).
Wir haben das ganze nach einem nächtlichen Gewitterschauer gemacht. Dementsprechend schnell sind wir voran gekommen.
Die Sache dauert lang, ist schweißtreibend und super anstrengend.
Zu Beginn des Pfades (ein Euphemismus) verteilt ein Einheimischer angespitzte Bambusstöcke und bittet um eine kleine Spende, eine Art Benutzungsgebühr für die Instandhaltung des „Pfades“.
Auf halbem Weg erreicht man einen Aussichtspunkt auf dem Hügelkamm.
Man sieht von dort auf Capurgana hinunter und auf die Bucht von Sapzurro.
Nach dem Abstieg kommt man an einem Ende des kleinen Strandes von Sapzurro raus, der letzten Siedlung Kolumbiens in dieser Gegend.

Geographisch gesehen,zeigt ein Blick auf die Karte, dass man sich schon auf der „Landbrücke“ zwischen Nord- und Südamerika befindet.

Um nach Panama zu laufen, nimmt man in der Ortsmitte einen kleinen Weg und frägt sich durch.
Die Stufen führen zum Flaggenmast. Beide Staaten haben hier oben ihre Flaggen gehisst und den Punkt mit Sandsäcken und Stacheldraht „befestigt“.
Die Tarnzelte der Armee sind nicht besetzt.
Die Treppen auf der anderen Seite sind bereits in Panama.
Man kann die Grenze hier ohne Kontrollen passieren. Man kommt sowieso nicht weiter.
In der panamesischen Grenzsiedlung sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht.
Ein paar Häuschen, eine Schule und eine Kirche. Zerfällt gerade alles oder wird es erst aufgebaut?
Es scheint günstige Panama-Fahnen im Angebot gegeben zu haben.

Das Highlight der Siedlung ist der Sandstrand „La Miel“.
Er wird beworben als „schönster Strand“ weit und breit.
50 Meter Sandstrand, total vermüllt! Niemand sieht sich zuständig Abhilfe zu schaffen.
Das eigentliche Highlight ist sowieso der „Duty-Free-Shop“.
Überall liegen leere Rumflaschen rum und Zigarettenschachteln.
Wie so oft ist der Weg das Ziel.
Uns tun ein wenig die Touris leid, die für Geld mit dem Boot hier hergeschippert werden.
Naja, jedem das Seine.

Der Fußweg von Capurgana über Sapzurro nach La Miel ist auf jedenfall ein kleines Abentuer. Man genießt die Natur, die Aussicht und kann sich vorstellen, wie es vielleicht wäre wenn man drei oder vier Wochen diese grüne Hölle zu Fuß durchqueren will.

Zu unserem Bungalow (er gehört irgendwie zu einer Tauchschule, wird aber separat vermietet) gehört ein weiteres Häuschen (mit drei Betten) und eine gemeinsame Küche. Eine große deutsche Dogge mit blauen Augen, die auf den Namen „Darien“ hört (oder auch nicht), besucht uns manchmal in dem kleinen Garten.
In dem anderen Bungalow sind zu Anfang drei Chinesen untergebracht (2 junge Männer und eine junge Dame), deren Alter schwer zu schätzen ist, aber wahrscheinlich zwischen 18 und 28 Jahre alt.
Zu Beginn denken wir, dass es sich um Tauchtouristen handelt.
Wir registrieren, dass die drei allerdings kein Wort englisch oder spanisch sprechen.
Sie werden rundherum versorgt und halten sich fast immer auf dem Grundstück auf. Untereinander haben sie nicht allzu viel miteinander zu tun. Das wird durch hinschauen klar. Die drei sind eine Zweckgemeinschaft.
Irgendwann kommen wir mit einem der Tauchlehrer ins Gespräch, der mit den drei mithilfe eines Internet-Übersetzers kommuniziert.
Er sagt uns auf unsere Nachfrage direkt, dass es sich um Flüchtlinge handelt, die illegal nach Panama gelangen wollen.
Der einstige Drogenschmuggel ist nicht mehr lukrativ. Menschenschmuggel ist ein besseres Business.
Es handelt sich auf jeden Fall um Wirtschaftsflüchtlinge, die ihr Glück in Panama versuchen wollen.

Eines Nachts werden die drei von ihrem Führer abgeholt und machen sich auf den Weg. Bereits die Nacht vorher war es beinahe schon losgegangen. Allerdings muss irgendwas nicht geklappt haben und die drei sind zurückgekommen.
Man sagt uns, dass sie drei bis vier Wochen unterwegs sind. Keiner der Chinesen hatte passende Kleidung an. Das junge Mädchen Stoffschuhe und einen Rollkoffer.
Wie verzweifelt muss man sein, um so ein Risiko und solche Strapazen auf sich zu nehmen?!
Was kostet das Ganze?
Wie sind die drei überhaupt nach Kolumbien gekommen?
Vieles Fragen stellen sich uns.
Falls sie es schaffen, werden sie irgendwann von einer Straße aus nach Panama-City gefahren. Dort erhalten sie neue Papiere und müssen ihre Schulden wahrscheinlich in einem „China-Restaurant“ abarbeiten. Die ganze Zeit dürfen sie sich von der Polizei nicht erwischen lassen.
Irgendwann soll es von Panama in die USA gehen.

Mehr wissen wir nicht. Man hat uns das alles direkt und ohne große Umtände frei von der Leber weg erzählt.
Soll man wirklich glauben, dass die Polizisten und Immigrationbeamten in Capurgana davon nichts wissen?
Bei jedem Boot das anlegt, stehen zwei Beamte auf dem Pier rum.
Man kann nur sehr schwer ungesehen in Capurgana auftauchen.
Bei diesem Business verdienen viele Leute mit.

Interessanterweise haben wir eines Tages in unserem Garten einen älteren Herrn getroffen, der sich uns mit den Worten: „Grüß Gott ich bin der Rainer H.“ vorgestellt hat.
Der Herr stammt ursprünglich aus Deutschland und ist irgendwann in die USA ausgewandert und hat für ein Pharmaunternehmen Jahrzehnte in Südamerika gearbeitet und auch gelebt.
Kolumbien ist irgendwann seine zweite Heimat geworden.

Er hat in den USA fliegen gelernt und sich eine kleine Maschine zugelegt, in der er zusammen mit seiner Frau an den Wochenenden durch Kolumbien geflogen ist.

Irgendwann in den 1970ern ist er dann durch Zufall auf Capurgana gestoßen.
Er war nach eigener Aussage immer auf der „Suche nach dem Paradies“.
Rainer hat uns Fotografien gezeigt, auch Luftaufnahmen des Ortes.
Ja, damals war es wirklich ein kleines Paradies, mitten in Kokospalmen. Es gab nur zwei handvoll Häuser, die meisten aus Holz mit Palmdach.
Die Landebahn war damals noch eine Graspiste.
Zusammen mit seiner Frau und ein paar anderen Fliegerkollegen haben sie sich ein Stück Land gekauft und die Bungalows errichtet. Wir haben Fotos gesehen, wunderschön!
Jetzt war er mal wieder da, zusammen mit einem anderen Deutschen, der in Venezuela und den USA lebt.
Wir haben mit den Beiden interessante Gespräche geführt und nette Stunden verbracht.

Eines Morgens sind wir dann mit einem kleinen Boot losgefahren. Zuerst nach Sapzurro, dort wurde getankt, und dann weiter um das Kap herum.
Die See kann dort etwas rauer werden. Wir hatten gute Witterung erwischt.
Die Nächte vorher sind immer schwere Gewitter runtergegangen. Aus dem Trockenen betrachtet, waren die Gewitter ein schöner Anblick.

Nach weniger als einer Stunde, knapp 40 Minuten etwa, waren wir in Puerto Obaldia.
Dieser Ort in Panama ist mehr ein militärischer Außenposten als eine Siedlung.
Man kommt auch im „Marine-Hafen“ (die Vorstellungen sind größer als das was die Realität einem dann präsentiert; wir sprechen in der ganzen Gegend von sehr, sehr kleinen Maßstäbchen) an und wird dann von Soldaten gefilzt.
Das komplette Gepäck wird links gemacht und durchsucht, per Hand und sehr gründlich.
Wer meint irgendwas auf diesem Weg schmuggeln zu können, soll es sein lassen!

Eine kleine Randbemerkung: Kolumbien hat verschiedene Abkommen mit den USA und die DEA ist sehr aktiv vor Ort. Wer in Kolumbien Drogengeschäfte macht, kann unter Umständen in den USA im Gefängnis versauern. Onkel Sams Arm reicht weit hinein in „seinen Hinterhof“.

Danach läuft man durch die kleine Siedlung und wird recht schnell die Immigration finden. Ein halbwüchsiger, aber sehr freundlicher Einreisebeamter hat uns ohne Umstände das Visum reingestempelt.
Im Internet liest man oft, dass man die Grenzkontrollen nach Panama sehr genau wären. Wir hatten nicht nur keine Probleme, sondern das ganze ging so schnell und reibungslos wie sonst nirgends in Südamerika.
Das einzig Gute an Puerto Obaldia ist der Flugplatz. Von hier kann man einen Inlandsflug nach Panama-City nehmen. Wir sind mit einer kleinen Maschine geflogen, einer 18 Sitzer Cessna.
Airpanama fliegt jeden zweiten Tag, die Flugzeit beträgt knapp 1 Stunde.

Unter uns die bergige, grüne Hölle. Durchzogen von kleinen und mittelgroßen Flüssen. Wenn man dort unterwegs ist, braucht man früher oder später ein Einbaum um weiterzukommen.
Wir müssen an die drei Chinesen denken, die da unten irgendwo sind und an Rainer, der früher hier immer rumgeflogen ist.
Fliegen ist wirklich wunderschön, vor allem wenn man selbst fliegen kann.

Im Flugzeug nehmen wir auch vorübergehend Abschied von Südamerika. Wir waren hier 10 Monate unterwegs. Ein Teil – eigentlich ein riesiger Brocken, Brasilien – fehlt noch. Wir haben schon halbkonkrete Pläne. Wissen wohin wir zurück kommen wollen und wo wir hin wollen.
Der Flug nach Panama-City war traumhaft schön, das Wetter perfekt, die Sicht gigantisch.Wir hatten quasi einen Sightseeing-Flug über die Stadt.
Der Landeanflug ist spektakulär.
Zuerst fliegt man parallel zur Küste an der Skyline vorbei, sieht unter sich die vorgelagerten Inseln, Schiffstankstellen und die zahllosen Frachter, die durch den Kanal wollen. Dann sieht man die „Altstadt“ und dreht bei Richtung Bogenbrücke „Las Americas“. Man fliegt an den Kanalschleusen vorbei, den Verwaltungsgebäuden der Kanalbehörde und landet auf einem kleinen Flughafen neben dem Busbahnhof und dem Einkaufscenter, unweit des Aussichtshügels.

Über Zentralamerika bald mehr!

Wir sind seit einiger Zeit in Mexiko, und im Moment an der Pazifikküste in der Nähe von Puerto Escondido, in Mazunte. Wir haben grad einen Monat lang Yoga und Meditation intensiv praktiziert und werden jetzt nochmal einen Monat unser Wissen und Können vertiefen.

Herzliche Grüße in die Welt und an alle Interessierten.

Hasta Luego!

8. Etappe

8. Etappe

Wir sind von Paraguay aus wieder nach Argentinien gereist, diesmal in den Norden.
Von Salta aus sind wir über einen Pass nach Chile eingereist und haben uns die Atacama Wüste von San Pedro aus angeschaut.
Danach sind wir weiter in den nördlichen Teil von Chile gereist und haben zuerst versucht von Arica über Putre nach Bolivien einzureisen, mussten aber auf Grund von Höhenunverträglichkeit umkehren und sind von Arica nach Peru gereist.
In Arequipa waren wir das erste mal länger in einer peruanischen Stadt.

Wir haben uns dann noch den Colca Canynon angeschaut und sind dann nach Bolivien gereist.
Dort haben wir fast 2 Monate verbracht und haben uns kreuz und quer im Land rumgetrieben und dabei La Paz immer mal wieder besucht und als Drehkreuz benutzt.
Wir haben uns in Bolivien lange Zeit auf dem Altiplano aufgehalten und auch in Wüsten und dem Dschungel.
Meine Eltern sind Ende Juni nach La Paz gekommen und wir sind zusammen an den Titicacasee gereist und haben uns dort die Isla del Sol angeschaut.
Wir sind danach zusammen nach Peru gereist.
Unser erster Stop war in Cusco. Dort haben wir uns die Stadt und das Umland im Valle Sacrado angeschaut.
Wir sind dann zusammen nach Machu Picchu und danach weiter an die Küste nach Nazca.
Danach sind wir der Küste weiter nach Norden gefolgt und haben in der Nähe von Pisco die Islas Ballestas besucht.
Nach einem Stop in der Oase Huacachina und einigen Besuchen in Winzereien in der Nähe sind wir weiter nach Lima, der Hauptstadt des Landes.
Von dort aus sind meine Eltern nach 4 Wochen gemeinsamen reisens mit uns wieder nach Deutschland geflogen.
Wir sind weiter nach Norden und haben noch etliche Tempelanlagen vergangener Zivilisationen besucht.
Danach sind wir nach Ecuador eingereist und in der Mitte des Landes nach Norden.
Nach dem Besuch einiger Kolonialstädte sind wir an den Vulkan Chimborazo gereist und bis auf über 5000 Meter aufgestiegen.
In Quito haben wir uns ein paar Tage die Stadt angeschaut und das Äquator-Monument.
Anika ist von Quito aus über Bogota nach Deutschland geflogen, auf Grund eines familiären Krankheitsfalles.
Ich bin dann für 4 Wochen alleine weitergereist.
Zuerst ging es in die Dschungel-Regionen von Ecuador.
Ich bin dann von Coca aus mit einem Boot an die ecuadorianisch-peruanische Grenze gefahren und von Pantoja aus 4 Tage lang mit einem Cargo-Boot nach Iquitos/Peru.
Nach einigen Tagen im Dschungel und einigen weiteren Tagen in Iquitos bin ich dann mit dem Boot auf dem Rio Amazonas an das Dreiländereck zwischen Peru/Kolumbien und Brasilien gefahren und von Leticia aus nach Bogota geflogen.
Danach habe ich mich nördlich von Bogota aufgehalten und gewartet bis Anika wieder gekommen ist.
Wir haben uns die Hauptstadt Kolumbiens angeschaut und sind danach in die Zona Cafetera gefahren.
Danach sind wir weiter an die Pazifikküste Kolumbiens wo wir Wale gesehen haben.
Nach einem kurzen Zwischenstop in Cali sind wir nach Popayan und danach weiter nach Tierradentro, wo eine vergessene Zivilisation aufwendig verzierte Grabkammern angelegt hat.

Zur Stunde sind wir in San Agustin, wo ebenfalls eine untergegangene Zivilisation mysteriöse Statuen errichtet hat.
Wir werden langsam in den Norden von Kolumbien reisen und noch einige Zwischenstops einlegen.
Die Karibikküste Kolumbiens wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Wir werden dann vermutlich mit dem Boot nach Panama reisen und uns dann stückweise durch Mittelamerika bis nach Mexiko vorarbeiten.
In der Karibik werden wir vermutlich Cuba und Jamaika besuchen, bevor wir uns den nordöstlichen Teil von Südamerika vorknöpfen (SüdVenezuela, die Guayanas und (Nord)Brasilien).
Bis dahin wird noch einiges Wasser den Amazonas runterfließen und einige Fotos und Berichte werden folgen.
Viele Grüße überall in die Welt zu unseren Lesen und Followern und bis bald.

Südamerika parte dos – Andenhighs und Dschungelhitze; vier Monate in Bolivien, Peru und Ecuador oder von Alpacas, Coca, Salzwüsten, rosanen Delphinen, tödlichen Straßen, Frauen mit Hüten und allerlei mehr

Südamerika parte dos – Andenhighs und Dschungelhitze; vier Monate in Bolivien, Peru und Ecuador oder von Alpacas, Coca, Salzwüsten, rosanen Delphinen, tödlichen Straßen, Frauen mit Hüten und allerlei mehr

Im Mai waren wir in Arequipa, im Südwesten Perus. Diese schöne, alte Kolonialstadt steht vor der prächtigen Kulisse dreier Vulkane, die immer wieder rauchen und brummen.
Die Gebäude, Kirchen und Paläste des Altstadtzentrums sind aus weißem Vulkanstein.
Hier haben wir das erste mal viele Menschen des Andenplateaus zu Gesicht bekommen.
Frauen mit Hüten und Wollkleidern verkaufen auf dem Markt Produkte des Altiplano.

Llamas und Alpakas stehen in Hinterhöfen, auf Feldern oder werden durch die Straßen der Altstadt geführt, um für Fremde ein willkommenes Fotomotiv zu bieten. Gegen Bezahlung versteht sich.
Hier kommen wir auch das erste mal mit den Blättern des Coca-Strauchs in Kontakt, die wir als Tee trinken oder kauen; vorzugsweise mit einer Kohlepaste mit Minzgeschmack.
Die Angewohnheit begleitet uns in den nächsten Wochen und ist überall auf dem Altiplano selbstverständlich.

Coca Blätter sind ein jahrtausende altes Kulturgut des Andenraumes. Sie wirken gegen Soroche, auch unter dem Namen Höhenkrankheit bekannt. Außerdem sind sie ein „ritueller“ Bestandteil des täglichen Miteinanders.
Wenn sich Menschen auf den Wegen und Pfaden begegnen werden der Höflichkeit und Tradition folgend Kokablätter ausgetauscht.
Das ist auch heute noch immer lebendige Tradition, natürlich nicht in den Städten, aber sobald man außerhalb der urbanen Zentren ist.
Für alle Wanderer und Individualreisende empfiehlt sich immer Coca-Blätter dabei zu haben, wenn man unterwegs ist. Sobald man nach dem Weg fragt oder andersweitige Auskünfte verlangt, ist der Austausch von Coca-Blättern ein Türöffner.
Darüberhinaus macht es auch einfach Spaß die Backentaschen wie ein Hamster prall gefüllt zu haben und die Blätter über Stunden zu kauen/lutschen.

Arequipa hat auf jeden Fall viel zu bieten. Es gibt unzählige Kirchen, Klöster, Museen und andere kulturelle Einrichtungen, deren Besuch auf jeden Fall lohnenswert ist.
Außerdem macht es einfach Spaß durch die Altstadt zu laufen und die Aussicht auf die Vulkane zu genießen.

Ein paar Stunden außerhab von Arequipa befindet sich Colca-Canyon, der zweittiefste Canyon des Planeten, noch vor dem Grand Canyon in Arizona. Platz eins belegt überigens der Canon del Cotahuasi, ebenfalls in Peru und nicht weit entfernt.
Als Ausgangsbasis für eine mehrtägige Wanderung haben wir uns Cabanaconde gewählt, ein kleines Kolonialstädtchen.
Der Weg dorthin ist schon sehr schön. Man sieht überall Alpaca- und Lamaherden und eine weite, wilde Landschaft mit Bergriesen im Hintergrund.

In der Nähe befindet sich der Cruz del Condor (Kreuz des Kondors), von wo aus man am frühen Morgen beobachten kann wie sich die gigantischen Vögel in die Lüfte erheben und tief in die Schlucht stürzen.
Allerdings kann man auch überall während einer Wanderung diese Riesenvögel beobachten.

Die Aussicht auf die über 4000 bis 5000 Meter hohen Berge und die über 3000 Meter tiefe Schlucht an deren Boden sich ein Fluß immer tiefer in die Erde gräbt ist atemberaubend – und das teilweise wörtlich.
An den Hängen des Canyon befinden sich überall Terrassen, die hunderte Jahre alt sind und wo Mensch und Tier bis heute Landwirtschaft betreiben. Unvorstellbar welche Anstrengungen dafür aufgebracht werden.

Wir sind also losgewandert, auf schmalen Eselpfaden tief hinab in die Schlucht. Esel oder Pferde kann man sich auch tatsächlich mieten, um sich oder sein Gepäck transportieren zu lassen. Manche Orte und Siedlungen lassen sich nur zu Fuß oder mit den Tieren erreichen.
Man ist also wirklich sehr fern der „modernen Welt“.

Am Fuße des Canyon befinden sich an mehreren Stellen Oasen, wo sich außerdem heiße Quellen befinden. Man befindet sich in vulkanischem Gebiet.

In allen kleinen Ortschaften in der Schlucht findet man einfache Übernachtungsmöglichkeiten.
Hier sehen wir auch zum ersten mal Meerschweinchen, die in Käfigen gehalten werden und zum Verzehr bestimmt sind.

Am nächsten Tag wollen wir weiter die Schlucht erkunden und brechen im Morgengrauen auf.
Nachdem wir einen Teil der Strecke auf einer Schotterstraße zurücklegen, geht es dann die Hänge entlang, hoch hinauf und tief in Nebentäler hinein.
Es wird wirklich sehr steil, der Pfad immer schmaler und ab und an müssen wir über Geröllfelder klettern.
Über Stunden sehen wir keine Menschenseele.
Eine ältere Frau, die wir zu Beginn gesehen haben, ist an uns vorbei gezogen und weit vor uns außer Sichtweite.
Unglaublich wenn man sich vor Augen führt, dass dort wo andere „Abenteuer“ suchen Menschen ihrem Alltag nachgehen, auch wenn das bedeutet stundenlange Fußmärsche auf sich zu nehmen, um Orte zu erreichen, die für den einen „Zivilisation“ bedeuten und für den Touristen aus Europa immer noch „am Arsch der Welt“ liegen.

Nach vielen Stunden beschwerlichen, aber atemberaubend schönen Wegen und vielen Auf- und Abstiegen kommen wir plötzlich in einer Oase an, die am Fluß liegt.
Natürlich gehen wir direkt in die heißen Quellen, um uns zu entspannen.
Am nächsten Tag wartet nämlich ein stundenlanger Aufstieg über mehrere tausend Höhenmeter.

Im Dunkeln stehen wir auf und machen uns auf den Weg. Nachdem wir den ersten Teil hinter uns gebracht haben, sehen wir einen Koyoten.
Dann überqueren wir die Brücke. Jetzt beginnt der Aufstieg. Zuerst geht es auf fast nicht erkennbaren Pfaden die Wand hinauf.
Die Straße unter uns wird immer kleiner.
Es geht immer weiter nach oben.
Über Stunden.
Zum Glück sind wir so früh wie möglich gestartet. Es ist noch kühl und die Sonne steht noch nicht zu hoch.
Irgendwann sind wir oben. Zwischendurch genießen wir immer wieder die unglaublich schöne Landschaft.
Die Dimensionen sind gigantisch. Wege die wir gegangen sind, erkennt man nur noch durch dünne Linien an den Berghängen.
Nach einer weiteren Nacht in Cabanaconde, fahren wir zurück nach Arequipa.

Mit der Höhe hatten wir diesmal keinerlei Probleme. Durch die Wanderung sind wir sogar noch besser akklimatisiert.

In Arequipa legen wir diesmal nur einen kurzen Zwischenstop ein. Wir kennen die Stadt bereits und haben soweit alles gesehen.

Wir sind nur zu Durchreise hier. Das nächste Ziel ist der Titicaca-See oder vielmehr Puno, die letzte Stadt in Peru wo wir uns aufhalten wollen bevor wir nach Bolivien gehen.

Puno an sich ist eine wenig spannende Stadt. Der Altstadtkern ist ganz schön, aber nach Arequipa nichts besonderes mehr.
Die touristische Infrastruktur bietet ein Überangebot. Deswegen sind die Preise in Ordnung.
Es gibt gute Unterkünfte und reichlich Essen für wenige Soles.
Schön, dass die Peruaner in „Sonnen“ bezahlen.

In allen Andenländern gibt es – hauptsächlich als „Almuerzo“ (Mittagessen) – oft gute und günstige Mittagsmenüs. Für 2-3 Euro bekommt man neben einer guten Suppe, ein Hauptgericht, eine Nachspeise und ein Getränk.
Manchmal zahlt man so lächerlich wenig, dass man es kaum glauben kann.

Puno ist verdammt kalt. In der Nacht sinkt das Termometer in den negativen Bereich. Tagsüber ist es in der Sonne richtig heiß. Man sucht den Schatten, wo man dann wiederum kalt hat. Verrücktes Klima.
Die Unterkünfte haben alle – abgesehen von wirklichen Luxushotels – keine Heizung. Man zieht sich warm an und geht früh schlafen, mit mehreren Decken.
Das Wasser ist zum Glück heiß, sodass wir uns beim Duschen aufwärmen können.

Am nächsten Tag starten wir zu einer Titicaca-See Tour.
Das touristische Standardprogramm, ganz klar. Man kommt aber nicht daran vorbei, wenn man den See befahren will und was sehen möchte.

Der See ist mit 8400 Quadratkilometern in einer Höhe auf ca.3800 Metern über dem Meeresspiegel der größte höchstgelegene schiffbare Binnensee des Planeten und der größte See Südamerikas.
Der Maracaibo-See in Venezuela ist zwar größer, aber hierbei handelt es sich um ein Binnenmeer.

Wir besuchen die Islas Uros.
Es handelt sich hierbei um schwimmende Inseln aus Schilf.
Das Schilf findet nicht nur Verwendung für die Inseln selbst, sondern auch die Häuser, Boote und andere Dinge sind daraus gefertigt. Sogar essen kann man das junge Schilf wovon wir uns selbst vergewissert haben.

Das Volk der Uros lebte schon vor den Inkas am und auf dem See und hat die schwimmenden Inseln auch zur Sicherheit vor den kriegerischen Inkas angelegt.
Die Menschen auf den Inseln werden vom peruanischen Staat unterstützt und leben von Tourismus und Subsistenzwirtschaft.

Der Besuch ist zwar touristisch, aber dennoch nicht zu übertrieben und interessant. Mittlerweile kann man auch in einfachen Unterkünften auf den schwimmenden Inseln übernachten.
Jede Familie besitzt eine schwimmende Insel mit mehreren Hütten und Gemeinschaftshäusern. Die Inseln sind teilweise miteinander verbunden oder in unmittelbarer Nähe dörflich organisiert und mit Booten erreichbar.
Die Touristen-Boote werden von den Dorfchefs auf die jeweiligen Familien zugeteilt, sodass jeder gleichermaßen von den Touristen profitiert.
Die Inseln sind am Grund verankert, sonst würden sie bei dem teilweise recht starken Wind wegtreiben und die peruanischen Bürger würden eventuell in Bolivien aufwachen.

Danach sind wir noch nach Taquile gefahren, ebenfalls eine Insel im See, auf der die Menschen immer noch die „Inka-Terrassen“ nutzen – die übrigens von den Inkas auch nur übernommen und von einer viel älteren Kultur (Tiwanaku) angelegt wurden – und die Männer stricken.
Die hat der Insel auch den Namen „Insel der strickenden Männer“ eingebracht. Die Wollprodukte sind für den Eigenbedarf und natürlich den Verkauf bestimmt.
Die Preise werden gemeinschaftlich festgelegt und die Erlöse aus dem Verkauf kommen der ganzen Inselgemeinschaft zu Gute.
Der höchste Punkt der Insel ist auf fast 4000 Metern. Man sieht am Horizont bolivianische Bergriesen, eisbedeckt und majestätisch betrachten sie den See.

Der Name Titicaca kommt von der Sprache der Aymara und besteht aus dem Wort „titi“ (für „große Katze“ oder „Puma“) und „kaka“ (was soviel wie „grau“ heißt, aber wahrscheinlich von dem Wort „karka“ abgeleitet wurde was „Fels“ oder „Stein“ bedeutet).
Der Legende nach soll der erste Inka „Manco Capac“ über einen Felsen auf der Sonneninsel auf die Erde gekommen.
Wie wir selbst feststellen sollten – aber zu einem späteren Zeitpunkt einige Wochen darauf auf der Sonneninsel die im bolivianischen Teil des Sees liegt – erkennt man mit sehr viel Fantasie, dass dieser Felsen einen Pumakopf darstellt.
Kurioserweise ähnelt aber auch der Titicacasee selbst – aus der Luft betrachtet – einem Puma.

Der Wasserpegel des Sees sinkt seit Jahren leider dramatisch und die Qualität des Wassers ist auch nicht die Beste, um das ganze euphemistisch auszudrücken.
Vor allem illegale Minen in der Nähe des Sees oder seinen Zuflüssen belasten das Wasser mit ihren giftigen Chemikalien.
Wenn das Wasser giftig ist, sind mit Sicherheit auch die Fische belastet, die rund um den See gefangen und verzehrt werden. Damit gelangt das Gift wiederum zurück zu den Menschen. Wahrscheinlich nur nicht zu denjenigen die es zu verantworten haben. Wie immer leiden die falschen.

Nach unserem Ausflug auf den See und einer weiteren Nacht in Puno sind wir am nächsten Tag nach Bolivien gereist.
Ursprünglich wollten wir damals aus Nordchile direkt nach Bolivien, mussten uns aber eine alternative Route einfallen lassen, da ich Probleme mit der Höhe bekommen habe.
Deswegen war unser erster Peru Besuch recht kurz und nur eine verlängerte Durchreise, um zuerst nach Bolivien zu gelangen.

Der erste Ort in Bolivien ist Copacabana, malerisch am Titicacasee gelegen.

Einen Ausflug auf den See, vor allem die Sonneninsel, haben wir uns für einen späteren Zeitpunkt aufgehoben.
Wir waren mehr oder weniger auf der Durchreise nach La Paz und haben in Copacabana nur eine Übernachtung eingelegt.

Am nächsten Tag ging es mit dem Bus nach La Paz.
Auf dem Weg dorthin überquert man eine Seeenge bei San Pablo de Tiquina.
Der Bus wird auf einer „Autofähre“ hinübertransportiert, die Passagiere müssen schwimmen.
Nein, natürlich nicht.
Die Passagiere werden in kleinen Motorbooten in einer 5 minütigen Überfahrt auf die andere Seite gebracht, die nur 800 Meter entfernt ist.

In dem Ort hat die bolivianische Marine einen Stützpunkt.
Boliviens Marine ist nur an Seen und Flüssen vertreten, da das Land keinen Meerzugang hat, nicht mehr.
Chile hat im „Pazifikkrieg“ auch als „Salpeterkrieg“ in den Jahren 1879 bis 1884 Bolivien die nitrathaltige Atacama Wüste und 850 Kilometer feinste Pazifikküste gestohlen.
Die Bolivianer haben diese Schmach immer noch nicht überwunden. Beflügelt wird das ganze durch politisch gewollten Revanchismus. Dieser Quatsch erinnert ein wenig an den argentinischen Trotz, der überall auf Plakaten verkündet, dass die Falklandinseln, respektive die „Islas Malvinas“, argentinisch seien.
Am Fährableger in San Pablo de Tiquina – aber auch an allen anderen „Marinestützpunkten“ des Landes – liest man:
„Lo que un dia fue nuestro nuestro otra vez sera“; was soviel heißt wie: „Was uns einmal gehört hat, wird uns wieder gehören“.
Unter der bildlich naiven Darstellung eines bolivianischen Soldaten, der mit seinem Bajonett einen chilenischen Soldaten ersticht, steht übersetzt etwa folgendes geschrieben:
„Haltet euch fest, Rotos, hier kommen die Colorados aus Bolivien“

„Rotos“ heißt so viel wie „Asoziale“ und ist in Bolivien und Peru eine beleidigende Bezeichnung für Chilenen. „Colorados“ ist eine Anspielung auf die rote Uniform der abgebildeten Soldaten.

Völkerverständigung sieht anders aus.

Aber auch andere Themen bieten Stoff für Spannungen zwischen Bolivien und seinen Nachbarn, allen voran Chile.
Im Süden Boliviens ist das Thema „Wasser“ von großer Bedeutung.
Irgendwann wird es deshalb zu einem Krieg kommen, nicht nur in Südamerika auch zwischen Indien und China und anderen Regionen in der Welt, wo das lebensnotwendige Gut knapp wird.
Chile zweigt vor allem für seine Kupferminen sehr viel Wasser aus dem Altiplano ab.
Bolivien sieht sich deswegen benachteiligt und Evo Morales hat deshalb bei den Vereinten Nationen Widerspruch gegen dieses Verhalten eingelegt.
Selbst geht Bolivien aber mit keinem guten Beispiels voran und denkt über den Bau eines Atomkraftwerkes in El Alto bei La Paz nach.
Wer sich vor Ort umgesehen hat, wird sich kopfschüttelnd fragen woher bitte das Kühlwasser genommen werden soll.
Außerdem könnte Bolivien, die davon abgesehen überhaupt so gut wie keine nennenswerte Industrie haben („Warum braucht ihr soviel Strom?!“), seinen Energiebedarf aus Sonne und Wind generieren.
Sonne scheint auf dem Altiplano zu genüge und Wind weht dort auch das ganze Jahr über.

Auf dem Weg nach La Paz wird die Besiedlung dichter.
Zuerst sind da nur Weiden, Felder, Lamaherden und vereinzelte Bauernhäuser, Ställe.
Irgendwann sieht man immer mehr Grundstücke die abgesteckt sind.
Dann kommen immer mehr Mauern, die den Grund und Boden als Privateigentum ausweisen.
Wer es sich leisten kann, baut kleine Hütten oder Häuschen darauf.
Die Besiedlung wird dichter.
Irgendwann kommen kleine Handwerks- und Industriebetriebe dazu.
Die Straße wird momentan ausgebaut.
Fußgängerbrücken sollen das Überqueren ermöglichen.
Irgendwann ist man in einem urbanen Zentrum, das immer weiter wuchert.
Willkommen in EL Alto!

El Alto ist sowas wie der große Bruder von La Paz.
Bis 1985 war es ein Stadtteil von Boliviens Regierungssitz, aber mittlerweile ist eine eigene Stadt daraus geworden, und zwar die zweitgrößte in Bolivien, nach Santa Cruz im Süden und noch vor La Paz und Cochabamba.

Praktisch gesehen handelt es sich um ein Ballungsraum. Eine große Megacity.
In El Alto haben sich die ganzen Industriebetriebe angesiedelt und hier liegt der höchstgelegene internationale Flughafen der Welt.
Hier wohnen die „Armen“ und blicken (verächtlich?!) auf die „Reichen“ unten im Talkessel von La Paz.
Hauptsächlich „Indigene“ siedeln sich hier an.
Der Vorteil von El Alto ist, dass die Stadt neu gebaut wird.
Straßen, Versorgungsleitungen, Häuser, alles wird neu errichtet. Unten in La Paz herrscht dagegen Chaos. Koloniale Bauten und moderne Bürogebäude stehen dicht an dicht.
Alles ist alt und marode und modernisieren lässt sich das ganze nicht mehr Nur der weitere Zerfall wird verhindert, zumindest verlangsamt.
In El Alto wohnt man hingegen mit einer guten Aussicht und der Hoffnung, dass sich die Lage verbessert.
Wer hier angekommen ist, hat einen langen Weg hinter sich, zumindest sozial gesehen.
Je nachdem wo man in El Alto wohnt, lebt man auf der Schnittstelle zwischen urbanem Raum und dem Land. Viele Menschen hier wissen beides zu vereinen und zu nutzen.
Man arbeitet teilweise in der Landwirtschaft, hilft zumindest aus und verkauft die Erzeugnisse in der Stadt.
Manch einer hat zwei Jobs, in zwei Welten.
Arbeit in einem kleinen Laden, der Mobiltelefone verkauft und zur Erntezeit oder Aussaat bei der Familie auf dem Land.

Die Tatsache, dass man in Bolivien meist unverputzte Häuser sieht, ist kein Zeichen von Armut, sondern ein Steuertrick.
Solange ein Haus nicht verputzt ist, ist es unfertig und man muss deswegen keine Steuern zahlen.

Abgestiegen sind wir in La Paz.
Ein schöner Name für eine Stadt, heißt es doch übersetzt „Frieden“.
Eigentlich ist der offizielle Name der Stadt „Nuestra senora de la Paz“ („Unsere Liebe Frau des Friedens“) und erinnert an einen verhinderten Aufstand der indigenen Ureinwohner.
Der soziale Frieden ist in Bolivien noch nicht eingekehrt, aber die Situation hat sich in den letzten Jahren verbessert.
Dies ist gewiss auch ein Verdienst der sozialen Politik von Evo Morales, dem nicht unumstrittenen Präsident des Landes.

Überall in Bolivien kann man auf Wänden, Brücken oder anderen Betonflächen entweder „Evo Si“ oder „Evo No“ lesen, womit der Schreiber jeweils seine Zustimmung oder Ablehnung des Präsidenten und seiner Politik zum Ausdruck bringt.
Meistens überwiegt das „Evo Si“. Zumindest noch.
Generell steht Bolivien gesamtgesellschaftlich betrachtet besser da wie vor der Wahl von Morales.
Die Verstaatlichung der ausländischen Öl- und Gasbetriebe war sicherlich richtig und bringt dem Staat nun mehr Geld ein, das unter dem Strich dem gesamten Volk zu Gute kommt.
Mit seiner kapitalismus- und amerikakritischen Politik hat sich der bolivianische Präsident allerdings nicht nur Freunde gemacht.
Vor allem der alte bolivianische Geldadel und die wenigen Superreichen in Bolivien machen Stimmung gegen die Politik des Präsidenten und seiner Partei.
Da ein Präsident es nicht allen recht machen kann und Kompromisse eingehen muss, sind mittlerweile viele Bolivianer nicht mehr zufrieden mit der Politik des Staatschefs.
Bis 2019 darf Evo allerdings noch regieren. Danach kann er auch nicht mehr zur Wahl antreten, da die Verfassung eine dritte Amtszeit nicht vorsieht.
Eigentlich wäre das die vierte Wiederwahl. Da allerdings 2009 eine neue Verfassung verabschiedet wurde, hat der oberste Gerichtshof in Bolivien entschieden, dass die zweite Amtszeit von Morales seine erste sei, da sie unter einer neuen Verfassung stattgefunden hat.

Wir haben uns in La Paz recht wohl gefühlt. Oft wird die Kriminalität in La Paz thematisiert. Gleiches gilt auch für Lima, Cusco, Quito oder Bogota und eigentlich alle anderen großen Städte des Kontinents.
Eins vorweg: Bisher haben wir keine negativen Erfahrungen machen müssen. Hoffentlich bleibt das weiterhin so.
Wir haben uns weder in La Paz noch in einer anderen großen Südamerikanischen Stadt unsicher gefühlt.
Wenn man mit ein wenig gesundem Menschenverstand, allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen und einiger Reiseerfahrung sich den großen Städten nähert, sind diese nicht gefährlicher als jede andere Stadt auf dem Planeten.

La Paz ist erst mal atemberaubend. Das kommt vor allem daher, dass man sich auf fast 4000 Metern über dem Meeresspiegel befindet. Dazu kommt noch, dass die Straßen oft unglaublich steil sind.
Man braucht schon ein paar Tage, bis man sich an die Höhe gewöhnt hat. Mit viel Mate de Coca (Kokatee), einem ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt und vor allem ohne Stress und Hektik kommt man ganz gut damit zu recht.

Wir waren während unserer ganzen Zeit in Bolivien 3 mal in La Paz, immer mal wieder für einige Tage.

Es gibt einiges zu sehen in der Stadt. Angefangen bei etlichen Kirchen und kolonialen Gebäuden, über Ausflüge in die nähere Umgebung bis hin zu kulturellen Veranstaltungen oder aber auch dem täglichen Leben.
Die Stadt ist sehr kontrastreich.
Als aller erstes fallen einem sofort die Cholitas auf.
Als Cholita bezeichnet man die Frauen indigener Abstammung, die eine besondere „Tracht“ tragen.
Diese besteht aus einem Überrock, der aus mehreren Metern Stoff besteht und bis zu zehn (!) Unterröcken. Dadurch wirken die Frauen oft dick und rundlich.
Einige sind zugegebenermaßen natürlich auch wirklich dick.
Ein weiteres Merkmal der Cholitas sind die typischen Hüte. Meistens handelt es sich um Melonen oder Bowler.
Angeblich hat zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein italienischer Huthersteller versehentlich eine große Lieferung an Herrenhüten nach Bolivien verschifft.
Die Männer fanden die Hüte allerdings nicht so toll und daher hat die Importfirma arme Frauen als Zielgruppe auserkoren und behauptet die Hüte seien in Europa der neuste Modetrend unter Frauen.
Damit hat sich der Cholita-Stil etabliert. Ich glaube wir haben in ganz Bolivien keinen einzigen Mann so einem Hut gesehen. Dafür trägt so gut wie jene Indigene einen solchen Hut.
Weiterhin haben die Cholitas ein großes Schultertuch umgelegt (es ist kalt auf dem Altiplano) und viele tragen Goldschmuck oder lassen sich Goldzähne machen.
Viele Frauen in Bolivien (und Peru) benutzen ein bunt gefärbtes, gewebtes Tuch als Tragehilfe, um Einkäufe oder Babys auf dem Rücken tu transportieren.

In El Alto kann man sich sogar Cholita Wrestling anschauen, wozu wir zwar Lust gehabt hätten, uns aber die Zeit fehlte.
Wir haben uns allerdings in El Alto die Feria de 16 de julio angeschaut.
Hierbei handelt es sich um einen Donnerstags und Sonntags stattfindenden Markt. Es ist einer der größten Freiluftmärkte weltweit.
Es gibt alles zu kaufen was es gibt. Man findet selbst Autos, Baumaschinen und in manch dunklen Ecken sogar Kriegswaffen. Das letztere haben wir zwar nicht mit eigenen Augen gesehen, wollen es aber gerne glauben, da es wirklich alles gibt. Selbst Esel kann man dort kaufen.
Der Besuch ist ein Erlebnis an sich. Es gibt eine Hauptstraße entlang der Bahngleise und unzählige Nebenstraßen.
Touristen sieht man kaum. Vermutlich weil El Alto als „gefährlich“ gilt. Hoffentlich hält sich dieser Ruf noch lange, dann hat man als Reisender weiterhin seine Ruhe dort oben und ist vor Reisebusgruppen und Oberstudienräten in Khaki und Socken in den Sandalen sicher.

Der Markt in La Paz ist eine gute Möglichkeit günstig und gut zu essen. Nebenbei kann man Leute beobachten und sich in dem labyrinthartigen Gebäude verlaufen.
Auf dem Markt haben wir zum Frühstück meist Api getrunken, ein heißes Getränk aus roter und/oder weißer Maisstärke, da mit Zimt und anderen Gewürzen an Glühwein oder Weihnachtspunch erinnert und zu dem man meist ein Pasteles isst. Ein aus Teig geformtes Teilchen, das durch die Hitze beim frittieren aufgeht und in dessen Innerem sich ein wenig salziger Käse befindet. Das ganze wird mit Puderzucker bestäubt.
Der Kontrast von süß und salzig passt richtig gut und ein heißer Api wärmt bis in die Fußspitzen.

Überraschenderweise haben wir viele lokale vegetarische Essensmöglichkeiten entdeckt, wo es reichhaltige Mittagsmenüse gab, die einen für den ganzen Tag gesättigt haben.
Ebenso sehenswert ist der „Hexenmarkt“, wo man allerlei „kultische“ Dinge kaufen kann, von Lamaembryonen bis zu speziellem Holz für rituelle Rauchopfer und magischen Getränken und vielem mehr.
Die Lamaembryonen werden zu kultischen Opferritualen für eine gute Ernte oder den Bau eines neuen Hauses gebraucht.
Der Einfluss von Quechua und Aymara Gottheiten ist immer noch stark im Alltag spürbar. Auch wenn die meisten Bewohner der Andenländer formell römisch-katholisch sind, wird darüberhinaus den ursprünglichen Gottheiten Tribut gezollt.
Am bekanntesten und sympatischsten ist hierbei „Pachamama“, was mit „Mutter Welt“ oder „Mutter Kosmos“ übersetzt werden kann.
Diese Gottheit hat eine Vermittlerrolle zwischen der Ober- und Unterwelt und wird als lebensschenkende und schützende Erdmutter angesehen.
Alles kommt von Pachamama und geht auch dahin zurück. Die Andenbewohner sind somit immer auf ein Gleichgewicht oder Ausgleich bedacht. Man erhält etwas (bspw.Ernte) und gibt auch immer etwas zurück.
Als triviales Beispiel lässt sich anführen, dass bei Trinkrunden immer ein kleiner Schluck auf die Erde geschüttet wird, um Tribut zu zollen.
Aber auch an besonderen Plätzen, werden zum Beispiel Coca-Blätter geopfert oder Speiseopfer dargebracht.
Generell ist man auf einen Ausgleich mit der Natur bedacht. Dieser ganzheitliche Ansatz findet sich auch bspw. in der Verfassung von Ecuador wieder, wo Pachamama und „sumak kawsay“ („harmonisches Leben“) 2008 aufgenommen wurden.
Ziel ist eine materielle, spirituelle und soziale Zufriedenheit für alle Mitglieder der Gemeinschaft, aber nicht auf Kosten anderer Mitglieder und der natürlichen Lebensgrundlagen.

Ein solches Konzept sollte weltweit in allen Verfassungen Eingang finden und zur Maxime allen staatlichen und wirtschaftlichen Handelns werden.
Pachamama wird überall verehrt und ohne bildlich-figürliche Darstellung. Pachamama ist auch mehr als die „Mutter Erde“. Im Prinzip wird „das Leben“ an sich verehrt.

Es gibt auch einen „Schwarzmarkt“ in La Paz wo man alle möglich Markenkleidung findet (natürlich gefälscht oder geschmuggelt) und viele andere Dinge.

Was den Nahverkehr angeht ist die Stadt wie in allem anderen auch sehr kontrastreich.
Einerseits gibt es alte amerikanische Schulbusse, die als öffentlicher Personennahverkehr missbraucht werden und soviel CO2 ausstoßen wie ein deutsches Kohlekraftwerk, vor allem wenn sie an den steilen Bergen anfahren müssen.
Andererseits gibt es seit 2014 ein Seilbahn-System, das bisher drei Linien umfasst und weitere bis 2020 vorsieht. Gebaut wurde das ganze vom österreichischen Weltmarktführer Doppelmayr und ist an 360 Tagen im Jahr, 17 Stunden täglich im Einsatz.
Die Fahrtkosten betragen pro Strecke (egal wieviele Stationen) etwa 37 Eurocent, dazu gibts einen unglaublich spektakulären Blick und gratis Wifi in den Gondeln und Stationen.
Das revolutionäre Nahverkehrssytem ist nicht nur umweltfreundlicher als die ganzen Minibusse, Pkws und sonstigen Drecksschleudern die länger im Stau stehen als vorwärtszukommen, sondern beinhaltet auch eine sozialrevolutionäre Komponente.
Die Armen „da oben“ in El Alto und die Reichen „unten“ in La Paz werden mit der Seilbahn nicht nur verkehrstechnisch befördert, sondern auch miteinander „verbunden“.

Während unserer Aufenthalte in La Paz haben wir auch sehen können, dass nicht alle Bolivianer mit der Politik des Präsidenten zu Frieden sind.
Der Platz an der Kathedrale und dem Präsidentenpalast war an allen Zugängen mit meterhohen Gittern abgesperrt und von starken Polizeiaufgeboten in Kampfmontur gesichert.
Angst hatte man vor Behinderten, die in einer Straße eine Zeltstadt aufgebaut hatten und dort für mehr soziale Gerechtigkeit demonstrierten.
Proteste aller Art sind in Bolivien an der Tagesordnung. Unsere Weiterreise wurde auch einmal um einen Tag verschoben, weil die Busfahrer gestreikt haben.
Oft werden Straßen blockiert. La Paz ist dafür besonders anfällig, weil die Stadt in einem Talkessel liegt und nur wenige Straßen raus führen. Deswegen greift der Staat bei einer Blockade der Stadt hart durch und es kommt immer wieder zu Straßenschlachten.
Vor ein paar Tagen wurde der stellvertretende bolivianische Innenminister von streikenden Bergarbeitern an einer Straßenblockade totgeschlagen und sein Leibwächter schwer verletzt.
Ein motorradfahrender Langzeitreisebekannter von uns hat mit Glück eine Straßenblockade überwinden können und ist dem Mob entkommen, der versucht hat seine Reifen zu zerstechen.
Merke: Streiks in Bolivien können schnell ausarten und Straßenblockaden sollte man weiträumig umgehen, vermeiden und auf jeden Fall respektieren, sonst kanns kritisch werden.

Jedenfalls war der Platz vor dem Präsidentenpalast sehr leer. Gut wenn man seine Ruhe wollte, schlecht für die Händler vor Ort, wie uns ein deutsch-bolivianischer Goldschied jüdischer Abstammung versichert hat.
Wenn man sich zur Abendstunde auf dem Platz aufhält, kann man die Wachablösung beobachten, die von Soldaten – eher schmalbrüstigen Kindern – in traditionellen Kolonialuniformen durchgeführt wird.
Dann wird noch die Flagge eingeholt wobei Einheimische wie Besucher von Militärpolizisten höflich aufgefordert werden dabei ruhig zu sein und aufzustehen – falls man grad beispielsweise auf einer Bank gesessen hat.
Danach wird man übrigens gebeten – ebenfalls wieder sehr höflich mit einem „Disculpa“ und einem verschämten Lächeln – doch bitte wieder Platz zu nehmen und sich wohl zu fühlen.
Wir hatten immer unseren Spaß in La Paz.

Nach unserem ersten Aufenthalt sind wir in den Süden gefahren.
Zuerst nach Oruro.
Diese Industriestadt ist geprägt durch den Bergbau. Für uns war die Stadt nur Durchgangsstation, um mit dem Zug nach Uyuni zu gelangen, dem Tor zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt.

In Oruro laufen so ziemlich alle Fernstraßen Boliviens zusammen. Darüberhinaus existiert hier auch eine wieder reaktivierte Bahnlinie nach Uyuni.
Während des Karnevals wird hier auch mächtig gefeiert. So gut und interessant, dass die Unesco den Karneval von Oruro zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Viele Elemente der präkolumbianischen Kultur spiegeln sich hier wieder.
Schade, dass wir zur „falschen Zeit“ da waren. Wäre bestimmt interessant. Ebenso der Karneval in Paraguay, wo auch sehr heftig gefeiert und getanzt wird und das auf ganz andere Art wie man es aus Europa oder Brasilien kennt.

Die Zugfahrt nach Uyuni führt schon durch eine interessante, trockene Landschaft. Vorbei an einzelnen Seen, wo man Flamingos und andere Vögel sehen kann.

Die Stadt selbst wurde als Militärstandort gegründet und hat den Charme eines Außenpostens im lebensfeindlichen Nirgendwo.
In den letzten Jahren war sie Etappenziel der Ralley Dakar, die seit einigen Jahren in Südamerika stattfindet, da Afrika in den bisherigen Austragungsländern zu unsicher geworden ist.

Uyuni war für uns auch nur notgedrungen eine Zwischenstation, weil von hier aus die Touren in den Salar starten.
Die größte Salzfläche der Erde ist in der Regenzeit ein riesiger Spiegel, da von Wasser überschwemmt und in der Trockenzeit eine Wüste.
Der Salar ist 165 Kilometer lang und 135 breit, die Salzkruste ist 2 bis 7 Meter dick.
Außerdem befindet sich dort eines der weltweit größten Lithiumvorkommen (wahrscheinlich über 5 Millionen Tonnen!).

Die meisten Touren gehen nicht nur in den Salar selbst, sondern man sieht noch mehrere Lagunen, Geysirfelder und fährt südlich bis an die chilenische Grenze und an den Vulkan Licancabur.
Bevor es richtig losgeht besucht man noch den Eisenbahnfriedhof, wo alte Dampfloks vor sich hin rosten und der salzigen Luft „zerfressen“ werden.

Der See unter der Salzkruste ist über hundert Meter tief. In der Trockenzeit ist die Salzkruste sogar bis zu 30 Metern dick. Busse und Lkws können problemlos darauf fahren.
Tagsüber ist das Licht unglaublich hell, gleißend. So kennt man das nur aus Schnee- und Eislandschaften.
Sobald die Sonne schlafen geht, was mit einem bizarren Licht- und Farbspiel vonstatten geht, kommen die Sterne zum Vorschein und es wird kalt, saukalt!

Zuvor macht man einen Stop in einem Salzhotel. Damit ist ein Hotel gemeint, das komplett aus Salzblöcken und Salz errichtet ist.

Wir haben die erste Nacht in so einem Hotel verbracht. Allerdings war unsere Unterkunft „nur“ am Rande des Salars errichtet und nicht mitten in der Salzwüste selbst.

Ein weiterer schöner Zwischenstop ist die Insel Incahuasi. Auf den Felsformationen wachsen riesige, teilweise über 1000 Jahre alte Säulenkakteen. Der Ausblick von hier in das weiße, endlose „Nichts“ ist surreal.

Die zweite Nacht schlafen wir in einer Herberge an der Laguna Colorada. Der See ist durch verschiedene Mineralien rot gefärbt.
Wir befinden uns auf über 4200 Metern. Die Lagune ist Heimat verschiedener endemischer Flamingoarten.
Wir werden noch andere Lagunen sehen, darunter die Laguna Blanca und die Laguna Verde.
Letztere befindet sich am Fuß des Licancabur.
Die ganzen Lagunen befinden sich in einem Nationalpark.

Es geht noch höher hinaus. Auf fast 5000 Metern sehen wir bei Sonnenaufgang mehrere Geysire. Ein spektakulärer Anblick und die Geräuschkulisse ist unwirklich.
Das Pfeifen und Zischen kommt direkt aus dem Inneren des Planeten. So einen Sound haben wir vorher nur in Vanuatu und Indonesien gehört.

Dann gibts noch einen Abstecher in die Salvador-Dali-Wüste. Benannt nach Felsformationen die an Bilder aus dem Werk des spanischen Surrealisten erinnern.
Auch ein Steinbaum ist hier zu sehen.

Man sieht unterwegs „Verrückte“ die die ganze Strecke von Uyuni bis nach San Pedro de Atacama (Chile) mit dem Fahrrad zurücklegen. Auf euch alle ein Toast, ihr „Spinner“, Abenteurer und Helden!!!

Wenn man nach drei Tagen wieder in Uyuni ankommt ist der Außenposten plötzlich so groß und zivilisiert. Man merkt erst jetzt, dass man hunderte Kilometer im „Nichts“ zurückgelegt hat, welches eine der merkwürdig-schönsten Landschaften des Planeten darstellt.

Von Uyuni sind wir mit dem Bus nach Potosi gefahren.

Potosi war Jahrhunderte lang ein Synonym für Reichtum, aber auch für Grausamkeit.
Es gibt in Potosi einen Berg, den „Cerro Rico“ (Reicher Berg). Früher war dieser Berg voller Silber, mittlerweile ist er durchlöchert wie ein Schweizer Käse, hat noch ein wenig Zinn zum Abbauen und droht jederzeit zusammenzustürzen.
Die Mineros (Minenarbeiter) graben und buddeln sich durch den Berg, auf der Suche nach einem letzten Fund an Silber, oder aber weil sie sonst keine Arbeit haben.
Die Arbeitsbedingungen sind mehr als hart, unmenschlich trifft es eher.
Mehr als 10 Jahre kann keiner dort arbeiten,dann ist er kaputt. Die Lunge voller Staub. Der Körper vergiftet von Asbest und Silicium-Staub.
Es kommt ständig zu Explosionen und Schächt stürzen ein, Loren rasen unkontrolliert über die Gleise und man ist ständig der Gefahr ausgesetzt verschüttet zu werden.
Auf dem Markt kann jeder legal Dynamit kaufen. Es ist angeblich der einzige Markt weltweit wo das explosive Zeug frei verkäuflich ist.
Kinder arbeiten auch in den Minen. Da sie kleiner sind, kommen sie in enge Schächte besonders gut rein.
Viele Mineros gehen nur mit Alkohol und sonstwas benebelt in die Minen. Dort stehen überall kleine Götzenstatuen, denen man Alkohol, Zigaretten und Coca opfern muss.

Man kann selbst in die Minen gehen oder mit einer Tour.
Wir haben uns dagegen entschieden. Erstens weil wir ernsthaft Schiss hatten und zweitens wir es moralisch verwerflich finden uns an den elenden Arbeitsbedingungen der Menschen zu ergötzen und das Treiben weiterhin zu unterstützen.
Der Reichtum des spanischen Königreichs stammte zum großen Teil aus Potosi. Ganze Schiffe voller Silber sind über die Meere gesegelt mit Silber aus Potosi.
Hunderttausende oder sogar Millionen Indigene und Sklaven aus Afrika wurden in den Minen ermordet, zu Tode geschindet oder sind an Krankheiten zu Grunde gegangen.
Wer will kann die Minen besuchen. Sicherheitsvorkehrungen gibt es so gut wie keine. Die Tatsache, dass der Berg irgendwann zusammenstürzen wird steht fest. Die Frage ist nur wann und wieviele Tote es dann gibt.
Bekannt ist das alles. Die Auswegslosigkeit und manchmal die Gier hindern die Menschen allerdings daran mit dem Bergbau aufzuhören.
Die Regierung hat schon oft überlegt den Cerro Rico zu schließen. Das Ergebnis sind jedesmal heftige Demonstrationen der Mineros. Die sich immer auch mit Dynamit zur Wehr setzen.
Ein Blutbad wird es wohl so oder so irgendwann geben.

Es gibt in Bolivien noch jede Menge anderer Minen, die meisten sind zugänglich gegen eine kleiner Spende Schnaps, Zigaretten, Coco und Dynamit.

Wir sind Sonntags durch Potosi durchgekommen. Die Stadt hat keinen einladenden Eindruck gemacht und wir sind weiter nach Sucre.

Sucre ist die offizielle Hauptstadt des Landes.
Die Stadt ist freundlich, sauber und gleich sympatisch.

Wir haben hier langzeitreisende Freunde getroffen,die wir das letzte mal in Osttimor gesehen haben.
In Australien und Neuseeland haben wir uns immer knapp verpasst und in Südamerika waren sie uns auch immer ein Stück voraus oder sind uns „entwischt“.
Diesmal haben wir Kevin und Kerstin, die mit einem Motorradgespann unterwegs sind und Frank, der schon seit über 5 Jahren die Welt bereist endlich angetroffen.
Wir haben einige schöne Tage in Sucre verbracht, der Stadt die nach Simon Bolivars tapferem General benannt ist und wo die Unabhängigkeitserklrung unterschrieben wurde.

Die Altstadt steht unter Unesco Weltkulturerbe und ist ein gutes Beispiel für koloniale Architektur. Viele historische Gebäude, Klöster, Kirchen und vieles mehr kann man besichtigen.
Im Umland von Sucre haben wir einen schönen Sonntagsmarkt besucht. Tarabuco ist ein kleines Dorf, wo sich Sonntags die Indigenen aus dem ganzen Umland treffen, um ihre Waren zu kaufen und zu verkaufen.
Man kann hier schön rumschlendern und Leute beobachten oder sich überlegen ein Esel oder ein Ochse zu kaufen.

Um Sucre zu verlassen, haben wir diesmal einen Flug gewählt, der unwesentlich teurer als der Nachtbus war, aber anstatt 15 Stunden, waren wir 30 Minuten unterwegs, um nach Cochabamba zu kommen.
Der große Airbus war wegen der kurzen Distanz nur sehr niedrig unterwegs, sodass man aus der Luft die Landschaft gut erkennen konnte.

Wir haben uns direkt nach unserer Ankunft für den Weitertransport entschieden und sind in nach Torotoro gefahren, um uns dort den gleichnamigen Nationalpark anzuschauen.
Der Weg dorthin haben wir in einem Minibus zurückgelegt und die Straße war über hundert Kilometer Kopfsteinpflaster und Dirtroad.
Wir wurden gut durchgeschüttelt, aber die Landschaft war wunderschön.
Im Nationalpark kann man durch trockene Flußbetten und Canyons wandern und sieht Dinosaurierfußabdrücke, die in dem weichen Sediment die Zeit überdauert haben.
Dort wo wir rumgelaufen sind, war vor Jahrmillionen nämlich Meeresboden. Als die Meeresspiegel sich gesenkt haben, sind die Dinosaurier durchgezogen.

Die Landschaft dort ist einmalig. In über 4000 Metern sind wir durch eine „Felsenfestung“ gelaufen, wo schon ganz zu Beginn der menschlichen Besiedlung des Kontinents halbnomadische Stämme gelebt haben und Höhlenmalerein hinterlassen haben.
Der Weg in den Canyon hinab zu einem Wasserfall und einem Fluß war wie die Reise in eine vergessene Welt. Wir haben dann auch eine Abkürzung durch den Berg genommen und sind durch eine Höhle in eine andere Schlucht gekrabbelt. Auf wenigen Zentimeter schmalen Pfaden sind wir wie die Bergziegen durch die Schlucht gewandert.

Nach ein paar Tagen sind wir zurück nach Cochabamba.
Dort haben wir unser Visum verlängert. Eine recht schnelle, unbürokratische und unkomplizierte Sache. In 5 Minuten waren wir gestempelt und durften 30 Tage länger im Land bleiben.
Von Cochabamba aus sind wir Richtung La Paz gefahren, aber vorher haben wir die den großen Highway verlassen und sind in ein kleines Bergdort gefahren, das Quime heißt.

Dort haben wir uns eine Woche aufgehalten und waren in dieser Zeit die einzigen Ausländer im Ort, der mit 3000 Einwohnern recht überschaubar ist.
Der Ort liegt auf knapp 3000 Metern Höhe zwischen dem Altiplano und dem Amazonas-Tiefland.
Die Berge um einen herum gehen bis auf über 5000 Meter. Ein Gebirgsbach windet sich durch den Ort. In den Bergen über dem Ort befinden sich ebenfalls Minen.
Quime war und ist ein Zentrum für den Wolfram-Abbau. Die alte Finca in der wir gewohnt haben wird von einem spanisch-bolivianischen Paar unterhalten. Übernommen haben sie das Gebäude von einem Fotografen und Geologen aus Alaska, der die Finca selbst gebaut hat und über 40 Jahre in Quime gelebt har. Mittlerweile ist er in die Karibik augewandert und kommt nur noch selten zu Besuch.
Wir haben fast täglich lange Wanderungen gemacht, in kleine Dörfer, entlang des Flußes und hinauf in die Minen.
Die Landschaft ist grün und saftig. Man könnte auch meinen man ist in den europäischen Alpen.
Nachdem wir eine Woche lang abgeschieden von der Außenwelt waren, sind wir wieder nach La Paz.
Diesmal haben wir uns nicht allzu lange aufgehalten, mussten unsere Weiterreise um einen Tag verschieben auf Grund eines Streiks.

Danach sind wir in die Yungas gefahren. Die Gegend ist die Übergangszone zwischen Andenhochland und Amazonastiefland. Es ist hier grün, feucht und um einiges wärmer als auf dem Altiplano.
Hier wächst viel Obst und vor allem Coca wird angebaut.

Hier verläuft auch die berühmt-berüchtigte „Death-Road“, die ejemals einzige Verbindung ins Tiefland, die irgendwann die Bezeichnung „tödlichste Straße der Welt“ erhalten hat.
Die Straße ist unbefestigt, ungesichert und der Abgrund geht mehrere hundert Meter in die Tiefe.
Es war und ist die einzige Straße in Bolivien wo Linksverkehr herrscht, damit die Fahrer den Rand der Straße im Auge haben können, denn nebendran ist nichts mehr außer ein gähnender Abgrund.
Heute gibt es eine gut ausgebaute Asphaltstraße, mit Leitplanke, befestigten Hängen, Rechtsverkehr und allem anderen Schnickschnack.
Die „Death Road“ kann man noch mit dem Mountainbike befahren und dafür ne gute Stange Geld hinlegen, mit der man in Bolivien auch ne Woche davon leben kann.
Wers braucht, solls machen.
Wir haben uns in Coroico, dem „Regionalzentrum“ einige Tage aufgehalten und die Gegend erkundet.
Es gibt schöne Wanderwege und Wasserfälle mit Bademöglichkeiten zu Besuchen.

Von den Yungas haben wir uns auf den Weg in das Amazonastiefland gamacht.
Der Nachtbus nach Rurrenabaque ist ein Abenteuer für sich.
Der erste Teil der Strecke ist ungefähr so wie die „Death Road“. Eng, steil, gefährlich und die Fahrer fahren wie die Henker.
Nicht zu vergessen, es ist dunkel.
Irgendwann erreicht man eine Stadt, wo man Pause macht. Mitten in der Nacht natürlich. Trotzdem herrscht reges Treiben auf den Straßen und Essen wird verkauft.
Danach geht es über eine Schlamm-Schotterpiste weiter. In der Regenzeit ist die Straße manchmal tagelang unpassierbar. Es sei denn man hat ein Kettenfahrzeug.
Regelmäßige Erdrutsche und Schlammlawinen tragen ihren Teil dazu bei.
Wir waren in der Trockenzeit da. Trotzdem hat es geregnet.
Der Schlamm hat die Räder des Busses fast bedeckt. Ein Geschaukel und Geruckel. Das der Bus nicht umgekippt ist, war Glück und dem Können des Fahrers zu verdanken.
Irgendwann in den frühen Morgenstunden waren wir dann in Rurrenabaque, ein Außenposten der Zivilisation am Rio Beni gelegen.
Übersetzt heißt der Ort soviel wie „Ententeich“.

Als Laie würde man sagen, dass die Stadt im Dschungel liegt. Was nur teilweise stimmt.
Einerseits befindet sich dort Urwald, andererseits ist dort eines der größten Feuchtgebiete der Erde, eine tropische Savanne.
Genau deswegen sind wir gekommen, um die Pampas zu entdecken.
Wir haben uns vor Ort einer Tour angeschlossen und sind für ein paar Tage in die Pampas, einem Feuchtgebiet am Fluß gelegen.

Der Weg dorthin haben wir mit dem Geländewagen und dem Boot zurückgelegt.
Während der Bootsfahrt haben wir schon einige Kaimane sehen können, die sich an der Uferböschung im Sand gesonnt haben.

Wir sind dann irgendwann in unserer „Lodge“ angekommen. Die Hütten waren einfach aber zweckmäßig und die Lage am Fluß sehr schön.

Während der nächsten Tage haben wir viele Kaimane gesehen, aber auch Vögel, Affen und Reptilien.
Leider haben wir keine Anaconda gesehen, dafür mehrere Kobras und andere Schlangen gefangen.
In Gummistiefeln und mit einem Stock sind wir durch die Feuchtsavanne gestapft und immer mal wieder haben wir aus dem Augenwinkel eine Schlange gesehen, die wir dann entweder gefangen haben oder die so plötzlich im Wasser und Sumpf verschwunden ist, dass wir uns gefragt haben, ob sie wirklich grad da war oder unser Gehirn uns einen Streich gespielt hat.
Natürlich haben wir die Schlangen dann auch immer wieder frei gelassen, ganz klar!

Das Piranha-Fischen war für uns als Vegetarier weniger spannend. Beeindruckend sind allerdings die Zähne der Fische.
Für die Anwohner der Flüße im Amazonas sind Piranhas ganz normale Speisefische. Die meisten Geschichten über die Fische sind Mythos und Seemansgarn.
Alles was man als Laie so über diesen Fisch zu wissen meint ist hauptsächlich Bullshit.
Vergesst den ganzen Quatsch, es ist schlichtweg falsch!

Ein ganz anderes Erlebnis war das Schwimmen mit den rosa Flussdelphinen.
Eines Morgens sind wir recht früh mit dem Boot losgefahren, zu einem Nebenarm des Flußes.
Um diese Uhrzeit ins Wasser zu springen, kostet Überwindung. Verschärfend kommt hinzu, dass in dem Fluß Kaimane sind.
Wir reden hier über Krokodile!
2-3 Meter lange Alligatoren, die im Wasser blitzschnell sind und einige Zähne im Maul haben.
Unser Guide hat nur lakonisch gemeint, dass die Delphine uns beschützen würden.

Wir haben schon die Tage vorher immer mal wieder einen rosa Delphin auftauchen sehen. Vor allem hört man wie sie Luft holen.
Tatsächlich sind dann in 5-10 Metern Entfernung immer wieder 2-3 Exemplare aufgetaucht und sind unter uns durch geschwommen.
Da der Fluß recht trüb ist, konnte man die Tiere im Wasser schlecht sehen.
Allerdings hat man sie gespürt. Wir wurden von den Ganoven immer mal wieder in die Zehen gebissen, was uns dann doch etwas erschreckt hat.
Vor allem wenn man an die Kaimane denkt.

Nach einigen Tagen Pampas-Abenteuer sind wir dann wieder nach Rurre zurückgekehrt.

Interessant ist die Story, wie sich der Tourismus in der Gegend entwickelt hat.

Der Anfang liegt in den 1980er Jahren.
Ein junger israelischer Ex-Marinesoldat namens Yossi Ghinsberg reist durch Südamerika und trifft in La Paz einen Österreicher.
Der behauptet er sei Geologe und auf der Suche nach Gold im Amazonasgebiet.
Ein amerikanischer Fotograf und ein Schweizer schließen sich der Expedition an.
Sie fliegen in den Dschungel und laufen 4 Tage tiefer in die Wildnis.
Sie ernähren sich von Affenfleisch und verirren sich. Nach einem Monat in der Wildnis entscheiden sie sich ein Floß zu bauen und den Fluß entlang zu fahren.
Es kommt zu Unstimmigkeiten und Streit.
Es stellt sich heraus dass der Österreicher gelogen hat. Weder ist er Geologe, noch hat er Ahnung davon wo es Gold zu finden gibt.
Yossi und der Amerikaner entscheiden sich ihr Glück mit dem Floß zu versuchen.
Der Österreicher kann nicht schwimmen. Er und der Schweizer gehen zu Fuß weiter und werden nie wieder gesehen.
Yossi und Kevin (der Amerikaner) verlieren die Kontrolle über das Floß als sie sich einem Wasserfall nähern.
Kevin schafft es an Land, Yossi stürzt den Wasserfall hinab.
Er schlägt sich drei Wochen allein im Dschungel durch und wird irgendwann von Kevin und einem Stamm Indigener gefunden.

Es entsteht ein Buch und Yossi setzt sich für die Indigenen Urwaldbewohner ein. Der Tourismus kommt ins Rollen.

Die Fahrt von Rurre zurück nach Coroico war genauso prickelnd wie die Hinfahrt.
Die Straße war noch schlammiger und wir hatten größere Probleme, weil es diesmal bergauf ging.
Nach einem kurzen Aufenthalt in den Yungas, sind wir wieder nach La Paz.
Dort haben wir auf meine Eltern gewartet, die uns besuchen wollten.
Nachdem sie angekommen sind, auf dem höchsten Flughafen der Welt, haben wir einige Zeit in La Paz verbracht und zusammen die Stadt erkundet.
Danach ging es weiter an den Titicacasee, nach Copacabana.

Diesmal haben wir uns eine Insel auf bolivianischer Seite angeschaut.
Die Isla del Sol war für die Inkas eine der wichtigsten Stätten, begründeten sie doch hier ihren mythologischen Ursprung.
Der erste Inka ist auf dieser Insel auf einem Felsen vom Himmel auf die Erde gestiegen.
Man kann die Insel von Nord nach Süd durchwandern und in mehreren Siedlungen auch übernachten.
Da wir nur eine Tagestour dorthin unternommen haben und unsere beiden Neuankömmlinge noch nicht so gut akklimatisiert waren, haben wir uns lediglich einige archäologische Orte angeschaut und die Durchwanderung sein lassen.

Von Copacabana aus sind wir nach Peru eingereist und mit dem Nachtbus über Puno nach Cusco.
Cusco, die ehemalige Hauptstadt des Inkareiches, der „Nabel der Welt“ so die Übersetzung aus dem Quechua.
Die Altstadt ist ein einziges Museum. Es gibt hier soviel zu sehen, dass manche Leute nur wegen Cusco nach Peru kommen.

Unzählige Tempel, Kirchen, Paläste, ehemalige Festungsanlagen, religiöse und spirituelle Plätze und vieles mehr warten darauf entdeckt zu werden.
Viele Sachen kann man individuell anschauen, für andere empfiehlt sich es sich einer Tour anzuschließen, da der zeitliche Aufwand sonst größer ist.
In der Nähe von Cusco befindet sich noch das „Valle Sacrado“, das heilige Tal wo es noch mehr heilige Orte, Tempel, Festungen und Verehrungsplätze gibt.

Nachdem wir uns in der Stadt umgeschaut haben, wobei es einem dabei nicht langweilig wird, sind wir nach Machu Picchu aufgebrochen.
Es gibt mehrere Wege um dorthin zu gelangen.
Allen gemeinsam ist, dass man sich im Vorfeld um ein Eintrittsticket kümmern muss, da die tägliche Besucherzahl beschränkt ist.
Die Tickets werden in einem staatlichen Büro verkauft und Ausländer zahlen selbstverständlich mehr als Peruaner oder andere Andenanrainer.
In Machu Picchu kann man zwei verschiedene Berge besteigen, für die ebenfalls nochmal ein separater Eintritt zu entrichten ist und für die man sich ebenfalls im Vorfeld entscheiden muss. Zusätzlich muss man sich für die Berge auf eine Zeit festlegen.
Es gibt zwei verschiedene zeitliche Optionen zur Auswahl.

Nachdem man sich um die Eintrittstickets gekümmert hat – man kann das ganze auch online machen oder in Aguas Calientes (dem Ort unterhalb der Festungsanlage) – muss man sich entscheiden auf welchem Weg man nach Machu Picchu gelangen will.
Es gibt unterschiedliche Optionen mit der Eisenbahn zu fahren. Wobei allen gemeinsam ist, dass sie unverschämt teuer sind.
Wir haben uns für die ökonomische Variante entschieden und sind mit einem Minibus nach Santa Teresa gefahren.
Die Fahrt geht zuerst durch das „Heilige Tal“ und über einen hohen Pass. Die Fahrt ist sehr, sehr kurvig und nicht unbedingt für empfindliche Mägen geeignet.
Von Santa Teresa geht die Fahrt über eine Schotterstrecke zum einem Wasserwerk.
Von dort aus läuft man 2 Stunden die Gleise entlang bis man in Agua Calientes rauskommt.
Der Ort liegt mitten in tiefen Schluchten, an einem Gebirgsfluß.
Es ist ein reiner Touristenort, nur zu Fuß oder dem Zug zu erreichen und voller Annehmlichkeiten. Es gibt dort alles vom Campingplatz bis zum Luxushotel für 1000 Euro die Nacht.
Von Agua Calientes kann man eine Serpentinenstraße nach Machu Picchu laufen oder einen Shuttlebus nehmen, der ebenfalls unverschämt teuer ist.
Man muss sich morgens ganz früh für die Busse anstellen. Hunderte Menschen wollen mit den Bussen fahren und die Schlange zieht sich die ganze Straße am Fluß entlang über mehrere Häusrblocks.
Die Busse sind modern und fahren im 3 Minuten Takt.
Wir sind mit dem Bus nach oben gefahren, haben uns die Anlage angeschaut und sind auf den Berg hinter der Anlage gestiegen, von wo aus wir einen schönen Blick auf Machu Picchu und den Berg Huayna Picchu hatten.
Das Wetter war gut, aber zum Glück während der Gipfelbesteigung nicht zu heiß.
Der Weg ist super anstrengend. Zuerst geht man steile Treppen hoch, die dann immer schmaler werden, bis man an Felsvorsprüngen sich entlang tasten muss.
Unsere Besucher aus Deutschland haben sich wacker geschlagen und Mama hat ihre „Höhenunverträglichkeit“ überwunden!
Der Blick vom Gipfel ist phänomenal.
Man sieht nicht nur die ganze Anlage, sondern auch die Nachbartäler, Inkapfade, die Bahnlinie und eine wunderbar grüne, saftige Landschaft.

Gegen Ende des Tages hat es ein wenig zu regnen begonnen. Auf den umliegenden Gipfeln hat es teilweise heftig geschüttet. In der Anlage selbst herrscht allerdings ein Mikroklima, sodass wir vom Schlimmsten verschont wurden.
Die 8 Kilometer zurück nach Agua Calientes sind wir diesmal zu Fuß gelaufen. Die Strecke führt auch schmalen Pfaden durch den Dschungel. Man kreuzt ein paar mal die Straße auf der die Busse hoch- und runterbrettern.
Danach geht es noch über eine Hängebrücke und ein Weg parallel zum Fluß entlang.
Am Tag unserer Abreise aus Agua Calientes hat es ununterbrochen geschüttet, aber richtig tropisch.
Für viele Besucher ist dieser Tag wohl ins Wasser gefallen, was sehr schade ist. Aber bei strömendem Regen macht ein Besuch von Machu Picchu keinen Sinn.
Wir hatten wirklich Glück.
Da wir allerdings nicht 12 Kilometer zu Fuß über die Gleise bei Wolkenbruch zurücklegen wollten, sind wir mit dem Zug gefahren.
Für eine 45 minütige Fahrt zahlt man als Ausländer im Tourizug 25 US-Dollar.
Den Touristenzug darf und kann man nicht buchen. Scheiss Apartheid!
Vom Wasserkraftwerk ging es wieder mit dem Minibus nach Cusco.
Generell ist ein Besuch der Anlage auf jeden Fall lohnenswert und ein „must do“.
Allerdings ist Machu Picchu auch die Soles-Kuh des Landes, die bis auf den letzten Tropfen gemolken wird.
Weit übertriebener und für uns unverständlich ist der Hype um den Inka-Trail, ein Wanderweg auf den original Inkapfaden, der über ein Jahr im vorraus ausgebucht ist und hunderte von Dollar kostet.
Mittlerweile ist dieser auch nur für ein gewisses Kontingent an Personen pro Tag zugelassen.
Teilweise sind die „Alternativen Inka-Wanderwege“ auch schon lange im Vorfeld ausgebucht und ebenfalls übertrieben teuer.
Dabei gibt es unzählige, einsame, wunderschöne Wanderwege in Peru, die man selbst organisieren kann und die man nicht ein Jahr vorher buchen muss.
Jeder wie er will. Wir haben uns allerdings gegen diesen Hype entschieden.

Es gibt noch andere Inkaanlagen in Peru und im Norden des Landes kann man in Kuelap ebenfalls eine sehr interessante – von Besuchermassen verschonte – Festung besichtigen und ist dabei fast alleine.
Wir haben uns auch überlegt diese Festung zu besuchen, aber nachdem wir noch einige Wochen im Land verbracht haben und mehr als genug Ruinen und archäologische Ausgrabungen besucht haben, haben wir darauf verzichtet.

Zurück in Cusco ging es am nächsten Tag ins Valle Sagrado.

Wir haben uns noch unzählige Inkaanlagen angeschaut. Beeindruckend waren unter anderem die Terrassen zum Getreideanbau.
Auch eine „Agrarforschungseinrichtung“ der Inkas konnten wir besuchen, die spiralförmig ausgerichtet war, um ein bestimmtes Mikroklima zu erzeugen. Auf den unterschiedlichen Terrassenstufen wurden Anbauexperimente mit Nutzpflanzen gemacht, wobei jede Stufe 1000 Höhenmetern entprechen soll.
Generell war die Bewässerungs- und Anbautechnik der Inkas sehr fortschrittlich. Bemerkenswert ist, dass viele Techniken von viel älteren, fast vergessenen Zivilisationen, übernommen und weiterentwickelt wurden.
Die Inkas sind zwar auf der Welt sehr bekannt, aber letzendlich „nur“ die Spitze des Eisberges.
Südamerika war schon vor den Inkas von fortgeschrittenen (Hoch)Kulturen besiedelt.
Die Inkas wurden wahrscheinlich nur so berühmt, weil sie die letzte große Kultur waren, als die Europäer kamen und mit ihrem Völkermord begannen.
Der ganze amerikanische Doppelkontinent von Alaska bis Feuerland ist auf Mord, Totschlag und Vernichtung aufgebaut.
Die katholische Kirche und die europäischen Mächte (Spanien, Portugal, England und Frankreich) haben kein Fortschritt und keine Zivilisation in diesen Teil der Welt gebracht, sondern nur Tod und Zerstörung.
Wie so oft kam aus Europa nur das Böse in die Welt.
Wenn das Konzept von Karma auch für Länder gilt, dann müsste Europa noch die nächsten hunderte Jahre leiden.
Natürlich können die heutigen Menschen nichts dafür, aber die ganzen Eingeborenen in Amerika, Afrika und Asien die ermordet, versklavt und geschändet wurden, waren genauso unschuldig.
Geschichte kennt keine Gerechtigkeit.

Besonders beeindruckend ist die fugenlose Bautechnik der Inkas. Immer wieder wundert man sich wie exakt die Steine behauen sind (oder doch mit Laser beschnitten 😉 ).
Es gibt Steine die bis zu 20 Ecken haben, aber nahtlos mit allen anderen Steinen ineinander passen.
Manche riesigen Quader, Monolithen sind gigantisch und wurden in tausenden Metern Höhe aus Bergen gebrochen und kilometerweit transportiert.
Unglaubliche Leistungen die hier vollbracht wurden.
Ein besonders interessantes Gebäude ist der ehemalige Sonnentempel, das absolute Heiligtum der Inkas.
Von den Spaniern geschändet und geplündert, wurde er dann zweckentfremdet und ein Kloster samt Kirche darauf errichtet.
Einzelne Mauern und Räume sind immer noch zu sehen und haben Erdbeben getrotzt.

Nach einem weiteren Tag in Cusco und Besuchen in der näheren Umgebung, die wir alleine durchgeführt haben, sind wir dann noch zum „Cerro Colorado“ (oder in englisch „Rainbow Mountain“) aufgebrochen.
Nach einigen Stunden Fahrt und einem bescheidenen Frühstück in der Kälte auf 4000 Metern Höhe, sind wir auf über 5000 Meter gewandert. Die Aussicht war grandios und die farbigen Berge sind einmalig.

Als wir Cusco mit dem Nachtbus Richtung Küste verlassen haben, hat es geschüttet, im Fernsehen lief Mad Max und außerhalb des Busses war auch die Apokalypse sichtbar.
Cusco ist nicht nur die historische Altastdt. An den Hängen der Stadt leben die weniger Privilegierten. Diejenigen die nicht vom Tourismus profitieren und deren tägliches Dasein schwerer ist.

Wir waren auf dem Weg an die Küste. Das nächste Ziel hieß Nazca.

Dort wollten wir uns die Scharrbilder (Geoglyphen) anschauen, welche die Nazca – eine Kultur die ab 200 vor unserer Zeitrechnung in Südamerika lebte – in den trockenen Wüstenboden gegraben haben.
Die deutsche Forscherin Maria Reiche hat die Linien ihr Leben lang erforscht und darüber publiziert.
Die verschiedenen Bilder sind teilweise über hunderte Meter groß.
In Paracas, einem unweit von Nazca gelegenen Ort, gibt es sogar Linien (geometrische Muster; Dreicke, Trapeze, etc.) die bis zu 20 Kilometer lang sind und schon um 800 vor unserer Zeitrechnung angelegt wurden.
Die genaue Funktion und Entstehung ist bis heute nicht eindeutig erklärt. Theorien gibt es viele, unter anderem die, dass es sich um einen astronomischen Kalender oder Landwirtschaftskalender handeln könnte.
Egal was die Erklärung ist, beeindruckend ist es auf jeden Fall.

Wir haben uns die Sache aus der Luft angeschaut. Unzählige Firmen bieten Rundflüge an. Alle starten vom Maria-Reiche Airport bei Nazca und kosten alle ungefähr das gleiche.
Aus der Luft betrachtet sind die Bilder wirklich unglaublich.
Wie konnte man vor über 2000 Jahren solche Formen und Muster (Darstellungen von Tieren) anlegen ohne bekannte technische Hilfsmittel?!

Nachdem wir den Flug mehr oder weniger gut überstanden haben, sind wir weiter nach Paracas gefahren, um uns dort die Islas Ballestas anzuschauen.
Paracas liegt bei Pisco, der Stadt benannt nach dem gleichnamigen Traubenbrand, der Hauptbestandteil des berühmten Pisco Sour ist, ein Cocktail, der in Peru den Status eines Nationalgetränk genießt und von denen wir einige verkostet haben.

Die Ballestas Inseln werden auch als „poor man’s Galapagos“ bezeichnet. Es gibt dort Seehunde und unzählige Vögel zu beobachten.
Auf dem Weg zu den Inseln – die früher für den Guano-Abbau (Vogelscheiße) genutzt wurden; nachdem der Kunstdünger durch das Haber-Bosch-Verfahren entwickelt wurde, hat sich der Guano-Abbau erledigt – haben wir noch ein weiteres großes Scharrbild gesehen, den „Candelabra“.
Ein großer Kandelaberkaktus, der in einen Küstenhang gescharrt wurde. Niemand weiß von wem oder warum.
Vielleicht zur Orientierung für Seefahrer oder Piraten. Auf jeden Fall reinigt sich das Bild selbst, durch den Kamineffekt und die sich erwärmende Luft. So bleibt das Bild frei von Sandablagerungen.

Pisco selbst wurde bei einem schweren Erdbeben 2007 fast vollstndig zerstört. Auf dem Weg von Paracas – dort starten die Boote und es gibt viele Unterkünfte – kommt man zuerst an Ressortanlagen vorbei und dann an stinkende Fischmehlfabriken und einem Mineralöllager.
Wir fahren weiter nördlich bis nach Ica. Dort gibt es jede Menge Weingüter, die man besichtigen und wo man Wein und Pisco probieren kann.
Gesagt, getan.
Übernachten tun wir in der nahe gelegenen Oase Huacachina. Einem Ort, der eher nach Nordafrika oder den Nahen Osten passen würde.
Umgeben von riesigen Sanddünen, findet sich ein kleiner See mit einigen Unterkünften.
Hier kann man Ausflüge in die Wüste machen – mit stinkend, lauten Sandbuggys, was wir seien lassen oder die Dünen hochwandern (sauanstrengend) und mit „Sandboards“ runter fahren.
Unsere Versuche waren von bescheidenem Erfolg gekrönt. Spaß gemacht hats trotzdem und die Sonnenuntergänge und Sternenhimmel sind unvergesslich.

Danach gings weiter in den Norden, in die Hauptstadt.
Lima ist das Zentrum des Landes. Eine riesige Stadt. Modern, kosmopolitisch, mondän.
Man weiß nicht in welchem Land man ist, alles ist international und groß.
Wir bleiben ein paar Tage in einer Wohnung in guter Nachbarschaft und erkunden die Stadt.
Es gibt hier auch wieder viele Museen, Kirchen, Klöster und andere kulturelle Einrichtungen zu sehen. Die Altstadt ist ebenso interessant, wie die Küstenstraße.
Lima liegt auf Steilklippen. Von hier oben schaut man auf den Pazifik, dessen Wellen sich zum Surfen anbieten und der unaufhörlich auf den Kiesstrand rollt.
Wer will kann sich das ganze auch aus der Luft anschauen und einen Paragliding-Tandemflug machen.

Wir schauen uns unter anderem eine Lehmziegelpyramide an, die Huaca Pucllana.
Immer wieder beeindruckend, wie unterschiedliche Kulturen rund um den Erdball verteilt zu unterschiedlichsten Zeiten auf die Idee kommen Pyramiden zu bauen.

Nachdem wir gemeinsam den letzten Pisco Sour im Grand Hotel Bolivar getrunken haben, war es nach 4 Wochen auch wieder Zeit unsere Besucher aus der Heimat zu verabschieden.
Danke Mama und Papa, dass ihr da wart. Hat Spaß gemacht mit euch, bis bald am Kilimandscharo oder sonstwo auf dem Planeten 😉

Wir waren dann wieder alleine und mussten unseren Reiserythmus wieder den veränderden Bedingungen anpassen. Als aller erstes, weniger Pisco Sour konsumieren 🙂

Wir sind weiter die Küste hoch getingelt und in Trujillo angekommen.
Hier haben wir uns wieder etliche archäologische Stätten angeschaut, die aus der Vor-Inka Zeit stammen. Unzählige Tempel, Pyramiden und Städte der Moche- und Chimukultur.
Die meisten waren aus Lehm errichtet und der Zahn der Zeit hat an ihnen genagt.
Trotzdem sind einige Tempel sehr beeindruckend, vor allem die noch erhaltenen Wandmalereien und Verziehrungen.
In der Umgebung von Trujillo ist Chan Chan die ehemals größte vorkolumbianische Stadt Amerikas gewesen und die größte Lehmziegelstadt der Welt.
Es ist nicht mehr allzu viel vom einstigen Glanz übrig geblieben, aber die Dimensionen sind totzdem noch beeindruckend.
Weiter nördlich an der Küste haben wir in Chiclayo Station gemacht.
Die Stadt wartet schon mit einem anderen Klima und einer aufgeräumten Innenstadt.
In der Umgebung warten noch mehr Gräber und Pyramiden der Moche, Sican und Chimu.
In Lambayeque wartet ein Museum mit den königlichen Grabschätzen von Sipan.
Soviel goldenes Kunsthandwerk als Grabbeigabe ist einmalig. Leider darf man nicht fotografieren und die Sicherheitsbestimmungen sind sehr strikt.
Kein Wunder, denn viele Gräber in Peru wurden von Grabräubern geplündert und die Schätze sind in vielen privaten Sammlungen überall auf dem Globus verteilt gelandet.
In Tucume – einem weniger touristischen Ort – finden sich über zwei Duzend Pyramiden, die von der Sican-Kultur errichtet wurden.
Die größte Pyramide hat einen Grundriss von 700 auf 280 Metern und ist damit eine der größten Pyramiden der Welt.
Die Cheopspyramide ist vergleichsweise klein, mit einem Grundriss von 230 auf 230 Metern.

Nachdem wir genug von Ausgrabungen hatten, und auch von Peru, sind wir nach Ecuador gereist.
Hier war es schon gleich viel grüner und feuchter.
Unser erster Stop haben wir im Süden des Landes in Loja gemacht, wo wir mehr oder weniger nur durchgereist sind.
In dem Kolonialstädtchen Cuenca haben wir uns die Altstadt angeschaut und wollten eigentlich noch ein Museum besuchen, dass aber leider geschlossen war. Dort hätten wir wieder Mumien sehen können, schade.
In Riobamba haben wir Ausflüge zum Vulkan Chimborazo gemacht und sind bis auf 5100 Meter aufgestiegen.
Weitere Aufstiege auf den Gipfel hätten mehr Zeit und Geld gekostet.
Dafür muss ich auf jeden Fall nochmal kommen.
Vom Chimborazo ist man der Sonne näher wie von keinem anderen Punkt auf dem Planeten. Grund dafür ist die Lage am Äquator. Man ist höher als vom Mount Everest, wenn man vom Erdmittelpunkt aus misst.
Schon Alexander von Humboldt war hier, musste den Aufstieg aber bei über 5000 Metern wegen Wetter und mangelnder Ausrüstung abbrechen.
In Banos haben wir uns in heißen Quellen gebadet und haben Wanderungen in die Hügel um die Stadt herum genommen.
Danach ging es nach Quito, wo wir uns die Altstadt angeschaut haben.
Es gibt hier wieder soviele historische Gebäude und Kirchen.
Natürlich sind wir auch zum „Mittelpunkt“ des Planeten gefahren.
Ecuador heißt nicht umsonst so, hier geht der Äquator durch.
Im „Mitad del Mundo“, außerhalb von Quito dreht sich alles um den Gürtel, der die Erde an ihrer dicksten Stelle umgibt.

Von Quito aus ist Anika auf Grund eines schweren Krankheitsfalls in der Familie für 4 Wochen auf „Heimaturlaub“nach Deutschland geflogen.
Am nächsten Tag hat mich Nachts ein Erdbeben der Stärke 4,6 aus dem Bett geworfen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Fühlt sich nicht unbedingt angenehm an, vor allem wenn man an das große Beben zu Beginn des Jahres denkt, das teilweise die Küstengebiete verwüstet hat.
Südamerika liegt halt am pazifischen Feuerring. Erdbeben oder Vulkanausbrüche sind hier keine Seltenheit.
Von Quito aus bin ich nach Tena gefahren. Das liegt im Dschungel.
Dort hab ich in Lagunen und Wasserfällen gebadet, bevor ich dann weiter nach Coca gereist bin, dass auch unter dem Namen Puerto Francisco de Orellana bekannt ist und am Rio Napo liegt, einem Zufluß des Amazonas.

Nach ein paar Tagen in diesem schwül-heißen Außenposten im Dschungel bin ich in ein Boot nach Nuevo Rocafuerte gestiegen. In knapp 10 Stunden flußabwärts war ich an der Grenze zu Peru.
Mitten im Dschungel, im tiefsten Urwald, der grünen Hölle bin ich aus Ecuador wieder ausgereist und eine weitere Stunde mit dem Einbaukanu flußabwärts in Pantoja wieder in Peru eingereist.
Dort ist man mitten im Nichts. Man fühlt sich etwas verloren im tiefen Dschungel. Man ist jenseits aller zivilisatorischen Errungenschaften. Fließend Wasser und Strom gab es am Abend durch Generatoren.
Ich musste zwei Tage auf ein Boot warten.
Mit ein paar anderen „Spinnern“ aus Argentinien und Holland sind wir den Fluß runter. 4 Tage, 3 Nächte in der Hängmatte auf einem alten rostigen Seelenverkäufer.
Ein Stück Rost, das schwimmt und wir haben 1 000 000 Bananen transportiert und Hühner, Enten und Schweine.
Die ersten zwei Tage haben wir alle halbe Stunde gestopt und Ware aufgenommen.
Mitten im Dschungel steht jemand am Flußufer – wir reden hier von einem mehrere hundert Meter breiten Strom – und holt sich ne Gasflasche ab und gibt Bananen mit und ein paar Hühner.
Die nächste Siedlung bekommt Reis geliefert und gibt drei Schweine mit, die in Iquitos- dem Ziel unserer Reise – verkauft werden sollen.
Die Mannschaft ist schwer am be- und entaden. Knochenarbeit, schmutzig und schweistreibend.
Die Verpflegung ist zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben.
Es gibt Reis!
Morgens als Suppe, würzig, ölig.
Mittags Reis mit Kochbananen und Spaghetti in Öl.
Abends süße Reissuppe (Flußwasser, Reis vom Mittag und süße Kondensmilch,verfeinert mit Nelken und Zimt).
Das Essen war ok, man wurde satt.

Zähne putzen und duschen konnte man mit Flußwasser. Dort wurden natürlich auch die Abwässer eingeleitet, klar.

Die Situation mit den Schweinen war so schlimm (viel zu eng eingepfercht, sodass sie sich gegenseitig immer wieder gebissen haben und die ganze Zeit die Schreie!) dass die Argentinier spontan durch das Leid der Tiere so „beeindruckt“ waren, dass sie sich entschlossen haben Vegetarier zu werden! Bravo! Menschlich!
Jeder von euch sollte mal Schlachthäuser besuchen oder sich bei Peta oder anderen Organisationen erkundigen. Danach würde euch wenn ihr auch nur einen Funken Empathie im Leib habt, euer totes Tier im Hals stecken bleiben.
What comes around, goes around.
Eure Zivilisationskrankheiten wären nicht vorhanden wenn ihr keine toten Tiere fressen würdet, die mit Antibiotika vollgepumpt sind und endlose Qualen leiden müssen.
Zu Beginn der 3. Nacht – rechtzeitig zum Sonnenuntergang – biegt der Haufen Schrott in den Amazonas ein.
Dieser Fluß ist einfach nur gigantisch. Es fehlen die Worte, um dieses erhabene Gefühl zu beschreiben.
An der Biegung des Flußes liegt ein großer, riesiger Öltanker.
Der Mensch schafft es immer wieder und überall irgendwas kaputt zu machen, dass die Natur erschaffen hat.
Am 4.Tag erreichen wir Iquitos.
Die Stadt hat über 400 000 Einwohner und liegt fernab im tiefsten Dschungel.
Es ist die größte Stadt des Planeten, die nicht über eine Straße erreicht werden kann.
Man kann nur per Boot oder über die Luft hierher kommen.
Die Stadt ist schwül, heiß und es regnet urplötzlich wie in Strömen.
Momentan ist Trokenzeit. Der Amazonas ist 15 Meter tiefer als sonst, aber dennoch gigantisch!
In Iquitos steht ein Haus aus Eisen. Entworfen und gebaut von einem Herr Eiffel. Ja, der Typ mit dem Turm in Paris.
Das Haus wurde in Paris gebaut und dann Stück für Stück nach Iquitos gebracht.
Es gibt auch ein Casa Fitzcarraldo, benannt nach dem gleichnamigen Film von Werner Herzog mit Klaus Kinski.
Der Film wurde hier gedreht. Der Dampfer, der von Indios über den Berg gezogen wurde, verrostet einige Kilometer außerhalb der Stadt.
Am Markt in der Nähe des Hafens gibt es Kuriositäten zu essen.
Schildkröten, Kaimane, Piranhas und dicke, weiße, fette Maden des Rüsselkäfers!
Nach ein paar Tagen rumtreibens entschließe ich mich zu einer Dschungeltour.
Es geht wieder mit dem Boot den Fluß entlang.
Ähnlich der Tour in Bolivien ist auch hier der Ablauf.
Im Amazonas gibt es aber auch graue Flußdelphine. Die springen in schönen Bögen aus dem Wasser, so wie man es klischeehaft kennt.
Ich bade im Amazonas. Die Delphine beisen diesmal nicht, sind aber auch etwas weiter weg.
Ich sehen Affen, ganz klein, die in Baumhöhlen leben.
Ein Faultier ist in einer Auffangstation zu sehen.
Eine Nacht wird im Dschungel verbracht, unter Moskitonetzen.
Eine Fahrt durch die Sümpfe ist schön, aber wir sehen keine Kaimane. Vermutlich weil Trockenzeit ist.
Der Sternenhimmel am Amazonas ist allerdings unbeschreiblich schön.

Nach der Rückkehr nach Iquitos schiff ich mich wieder ein. Es geht über den Amazonas, drei Tage, zwei Nächte, flußabwärts nach Norden.
Wieder mit einem schwimmenden Sarg. Diesmal etwas besser, aber auch voller. Mehr Menschen reisen in diese Richtung.
Außer mir diesmal nur 1 weiterer Tourist. Eine Amerikanerin.
Die Fahrt verläuft ohne Schweine und weniger spektakulär.
Der Amazonas ist und bleibt einfach atemberaubend.
Sonntags kommen wir am Dreiländereck an. Peru, Kolumbien und Brasilien.
In Santa Rosa wird aus Peru ausgestempelt. Dann gehts mit einem Kanu über den Fluß nach Leticia.
Hier ist die „Migracion“ am Flughafen. Die Stadt heißt Leticia und geht nahtlos in den brasilianischen Teil der Stadt über, der Tabatinga heißt.
Leticia kann man auch nur über den Fluß oder die Luft erreichen.
Weiter den Amazonas runter gehts erst wieder wenn Anika da ist.
Ich bleibe erst mal in Letici.
Es ist heiß hier und schwül. Man kann kaum was machen außer kolumbianischen Kaffee und eiskaltes Bier trinken. Es gibt schlimmeres.
Die Stadt wimmelt von Polizei und Militär.
Der nächste Highway ist 800 Kilometer entfernt. Dazwischen nur grüne Hölle.
Ein Boot nach Puerto Asis dauert 10-12 Tage und fährt den Grenzfluß zu Ecuador hinauf. Aber nicht in der Trockenzeit, nicht in den nächsten Wochen und nicht für Gringos.
Das Grenzgebiet zu Ecuador ist feinstes Guerilla Land. Die Farc haben zwar grad einen Friedensvertrag auf Kuba unterschrieben und ihrer Entwaffnung zugestimmt, aber man weiß nie.
Es gibt auch andere Rebellen und Narcotrafficer (Kokainschmuggler).
Ich sympathisiere zwar mit euch allen, aber davon wisst ihr nichts. Eine AK47 tötet schnell. Zu schnell. Keine Zeit für Diskussionen.
Ich flieg raus aus der grünen Himmel-Hölle. Ziel Bogota.
Dort angekommen, verlass ich die Stadt direkt und zieh mich aufs Land zurück.
Zur Stunde bin ich etwa 4 Stunden nördlich von Bogota in dem kleinen Kolonialort Villa de Leyva.
Hier lässt sichs aushalten.
Anika kommt nächste Woche. Solange bleib ich hier und erkunde die Gegend.
Danach werden wir wieder zusammen Kolumbien bereisen. Das Land ist schön, es gibt wahnsinnig viel zu sehen. Die Landschaft ist abwechslungsreich und wunderschöne, die Leute nett, der Kaffee gut.
Wir melden uns!
Spätestens irgendwo von der Karibikküste!
Adios!